Bremen: Bremen Hoffnungsvoller Kandidat mit historischem Ballast?

Bremen war der große Überraschungskandidat der ersten Runde der Exzellenzinitiative: Da stand die ehemalige „rote Kaderschmiede“ kurz davor in den Kreis der deutschen Eliteuniversitäten zu gelangen. Auch wenn es am Ende knapp nicht zur Förderung Zukunftskonzeptes gereicht hat, so war die Universität Bremen mit einem Exzellenzcluster und zwei Graduiertenschulen neben Kiel und Göttingen die erfolgreichste norddeutsche Universität im Wettbewerb.

Das Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule sind in der weltweit führenden Bremer Meeresforschung angesiedelt – einem für den Klimawandel wichtigsten globalen Öko-Systeme. Mit dem Alfred Wegener Institut (AWI) verfügt das Land zudem über eines der weltweit führenden außeruniversitären Institute in der Meeresforschung. In den letzten Jahren wurde der Bereich der Windenergiewirtschaft und –forschung konsequent in Bremen ausgebaut und war die Entscheidung der Bundesregierung, Bremerhaven in enger Kooperation mit den Universitäten Oldenburg und Hannover im Rahmen des Aufbaus eines neuen Fraunhofer-Institutes zum zentralen nationalen Windenergieforschungsstandort zu machen, nur konsequent. An der Universität Bremen wird die naturwissenschaftlich und technische Forschung dabei schon lange mit sozialwissenschaftlichen Bezügen verknüpft – hier hilft Bremen, dass es auch einer der führenden sozialwissenschaftlichen Forschungsstandorte ist – ebenfalls ausgezeichnet mit einer Graduiertenschule.

Dazu kommen in Bremen zwei Fachhochschulen (die Hochschule Bremen und die Hochschule Bremen), in denen Fragen der Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre schon lange eine wichtige Rolle spielen. Die private Jacobs University, Deutschlands einzige Privat-Universität mit einer signifikant ausgebauten Ingenieurwissenschaft und enger Kooperationspartner der Universität Bremen in der Exzellenzinitiative, überlegt aktuell, ihr Wissenschaftsprofil noch konsequenter an den zentralen globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auszurichten.

All das kombiniert mit einem rot-grünen Senat, in dem u.a. auch ein profilierter Umweltwissenschaftler als Senator sitzt, müssten Bremen eigentlich zur Wissenschaftshauptstadt der Nachhaltigkeit in Deutschland machen. Doch ein zu offensives Bekenntnis dazu gibt es nicht. Steckt die unbegründete Sorge dahinter, plötzlich als die „grüne Kaderschmiede der Republik“ stigmatisiert zu werden?

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2 Gedanken zu „Bremen: Bremen Hoffnungsvoller Kandidat mit historischem Ballast?“

  1. Ich denke, dass die hier beschriebene Diskrepanz zwischen vorhandener wissenschaftlicher Expertise und politischem Bekenntnis in Bremen zu kleinräumig betrachtet wird.
    Zunächst könnte man noch eine Vielzahl weiterer Aktivitäten in der Region und da vor allem zwischen den Wissenschaftsstandorten Bremen, Oldenburg und Bremerhaven nennen (Beispiel: Bioenergieregion, nordwest2050, e-mobility, germanwind, initiative umwelt unternehmen, preis umwelt unternehmen u.v.a.m.) nennen, die deutlich machen, dass das Prinzip der Nachhaltigkeit – wenn auch bescheiden – so jedoch spürbar bei einer erkennbaren Anzahl von Akteuren aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft angekommen ist.
    Hier nur die die Bremer Karte spielen zu wollen, greift zu kurz. Der Blick auf die Metropolregion Bremen-Oldenburg und die hier laufenden Aktivitäten ist eine einmalige Chance, nicht nur in der Region selbst Nachhaltigkeit zu leben, sondern auch in der intelligenten Verbindung von Forschung und Anwendung Lösungen zu entwicklen, die dazu beitragen können, mit den globalen Herausforderungen umgehen zu lernen – hier und anderswo (z.B.: Anpassungstechnologien an den Klimawandel im Bereich Landwirtschaft und Ernährung).
    Die Metropolregion Bremen-Oldenburg hat das Potenzial hier eine Kompetenz weiter zu entwickeln, die auch als USP (unique selling point) eine hohe Ausstrahlungskraft entwickeln kann. Richtig ist, dass Umweltsenator Loske auch in seiner Funktion als Vorstand der Metropolregion hier eine Promotorenrolle übernehmen sollte – gute Ansätze dafür gibt es reichlich.

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