Bestehende Grossforschungsvorhaben transdisziplinärer machen

Aktuell gibt es viele Forschungsförderinitiativen, die einen umfassenden Transformationsanspruch haben. Dazu gehören z.B. das Klimzug-Programm des BMBF (zur Entwicklung regionaler Klimaanpassungsstrategien), die Großprojekte zum Ausbau der Elektromobilität in Deutschland oder die neu entstehenden Knowledge Innovation Clusters (KICs) auf EU-Ebene. Trotz ihres inhärent transdisziplinären Charakters spielen transdisziplinäre Methoden in diesen Verbünden bisher keine wirkliche Rolle. Was kann getan werden, um diese Großforschungsverbünde zu Orten auch aktiver transdisziplinärer Methodenentwicklung und -anwendung zu machen? Wir freuen uns auf Kommentare zu unserer Einschätzung und Vorschlägen zu einer Verknüpfung dieser Großvorhaben mit Ansätzen transdisziplinärer Forschung.

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Ein Gedanke zu „Bestehende Grossforschungsvorhaben transdisziplinärer machen“

  1. Schaut man sich die genannten Beispiele wie die BMBF-Fördermaßnahme KLIMZUG und die BMVBS-Vorhaben Entwicklungsplan/Modellregionen für e-mobility an, stellt man fest, dass es sich im ersten Fall um Großprojekte handelt, die wegen der Beteiligung von „Praxisakteuren“ (Wirtschaft, Regionalverbände usw.) als transdisziplinär angesehen werden könnten. Schaut man sich die Größe und Heterogenität der Konsortien an, kommen aber sofort Zweifel auf, dass die notwendigen Integrationsaufgaben zwischen wissenschaftlichen Fächern sowie zwischen Wissenschaft und Praxis gelingen können, wenn nicht ganz hart und gezielt die Integration theoretisch und methodisch und hinsichtlich des Managements geplant wird.

    Im zweiten Fall geht es m.E. um reine Technikforschung, kombiniert mit Marktforschung und -vorbereitung, allenfalls auch um technikzentrierte angewandte Forschung.

    Man kennt solche Großvorhaben mit gut gemeintem Einbeziehen von regionalen Akteuren sehr gut und weiß, dass oft genug am Bedarf vorbeigeplant wird (es geht auch eher um Planung als um Forschung, wenn man mal von den reinen Technikaufgaben absieht). Schon die Frage nach dem gesellschaftlichen Problem, das als eigentlicher Aufgaben-Ursprung hinter den Forschungsvorhaben stehen sollte (wenn sie denn transdisziplinär wären), erscheint nicht wirklich durchdacht. Denn es steht ein von der Politik (und Interessensverbänden) formuliertes Entwicklungziel am Ausgangspunkt, nicht etwa die gesellschaftlich artikulierte Beschreibung des Problems zwischen Mobilitätsbedarf und Nachhaltigkeit.

    Wenn schon die Problemstellung ’schräg‘ zustande kommt, darf man daran zweifeln, dass die Beteiligten in den Verbünden tatsächlich alle dasselbe Forschungsziel verfolgen. In beiden Beispielen möchte man den Groß-Verbünden (und den Förderinstitutionen!) am liebsten die wichtigsten Regeln und Regelwerke zum Management und für Theorie, Methodik und Konzipierung transdisziplinärer Forschung ‚unters Kopfkissen legen‘, um sie langsam aber sicher in die Köpfe sickern zu lassen – und auch die Erkenntnis, dass gesellschaftliche Problematiken, wie sie grundsätzlich in beiden Forschungsmaßnahmen eigentlich im Hintergrund stehen, ANDERS begriffen und bearbeitet werden müssen – nämlich auf das Problem und seine Akteure bezogen und nicht auf ein festgelegtes Ziel.

    Leseempfehlung: 1. Defila/Di Giulio/Scheuermann (2006): Forschungsverbundamangement. Handbuch für die gestaltung inter- und transdisziplinärer Projekte. Zürich: vdf Hochschulverlag

    2. Bergmann/Jahn/Knobloch/Krohn/Pohl/Schramm (2010): Methoden transdisziplinärer Forschung. Ein Überblick mit Anwendungsbeispielen. Frankfurt a.M./New York: Campus (leider erst im nächsten Frühjahr erhältlich).

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