Fokus: Über Web 2.0 die Hochschule demokratisieren und das Lehrangebot verbreitern

Etwas weiteres haben die Studierendenproteste gezeigt: die Möglichkeit und die Kraft der neuen Medien. Nur durch die virtuose Nutzung von Weblogs, Wikis, Twitter oder auf YouTube eingestellten Videos konnten die studentischen Aktionen auch kurzfristig organisiert, ein hoher Mobilisierungsgrad gehalten und die Motivation auch über unterschiedliche Studienstandorte hinweg erhalten werden.

Trotz der Potenziale der neuen Medien finden diese bisher kaum wirklich breit Eingang in den Hochschulalltag. Die jetzige Studierendengeneration ist den aktiv Lehrenden hier im Wissen um die Möglichkeiten weit voraus. Dieses Potenzial sollte für die Gestaltung guter Lehre stärker genutzt werden. Mitschnitte guter Lehrveranstaltungen von anderen Standorten, um das Lernen zu erleichtern und Zeichen für „Best Practices“ zu setzen, Weblogs zum Lehr- und Informationsaustausch über Studienstandort hinweg, Hinweise auf hilfreiche Lern- und Prüfungstipps – all das ist mit den Instrumenten des Web 2.0 besser zu organisieren.

Die neuen Medien können auch ein Weg zur mehr Demokratie innerhalb der Hochschule sein: Mitschnitte von Fakultätsrats- und Senatssitzungen machen Hochschulpolitik und Ihre Akteure präsenter und lebendiger, die Diskussion sensibler Tagesordnungspunkte auf Weblogs eröffnet Chancen für eine breite Beteiligung und hilft bei wichtigen Entscheidungen zur Teilnahme an öffentlichen Sitzungen zu mobilisieren.

Empfehlung: Nutzen Sie die Kompetenz Ihrer Generation im Umgang mit den neuen Medien, um Hochschullehre besser und lebendiger zu machen und die Hochschulpolitik ein Stück offener und demokratischer.

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2 Gedanken zu „Fokus: Über Web 2.0 die Hochschule demokratisieren und das Lehrangebot verbreitern“

  1. Ja, es ist schon recht dumm gelaufen. Da gibt es diesen Hype um E-Learning, Learning Management Systeme werden entwickelt, jedes Seminar wird mit Terminkalender, ruckeligem Einführungsvideo (Multimedia muss sein), Forum und Chat ausgestattet – und keiner nutzt es.

    Stattdessen sind alle, weitgehend unbemerkt, in den „Social Netzworks“ organisiert; man erfährt es aus den Medien – wegen der sich ergebenden Bewerbungsproblematik. Stattdessen ändern sich das Lernen radikal: Google, Wikipedia.

    Nun müssen die Hochschulleher nachsitzen: Wie findet akademische Bildung nun eigentlich an den Hochschulen statt? Was hat sich so sehr verändert? Was kann man vergessen? (z.B. Standardaufgaben und Themen immer wieder stellen) Wie sehen nun geeignete Lehr- und Lernformen aus?

  2. Könnte es sein, dass sich die WEB-2.0-basierten Social Networks so entwickelt haben, weil bestimmte Akteure offiziell gar nicht mit dabei sind? – Hochschullehrer, Unternehmen,…? Wenn über die Bereitschaft gesprochen wird, sich dort darzustellen, dann doch stets auch in Hinblick darauf, dass Akteure darauf Zugriff haben könnten, denen das nichts angeht (Personalabteilungen von Unternehmen). Ideal wären also Networks, in denen das nicht passieren kann. Übertragen auf die Lehrenden könnte man zum Schluss kommen, dass vielleicht die Social Networks ideal wären, die von den Lehrenden (und anderen) niemals eingesehen werden können. In Anlehnung an den „herrschaftsfreien Diskurs“ wäre das dann der „herrschaftsfreie Lernprozess“. Warum auch nicht, wenn es der Bildung dient.

    Es wäre schließlich ein Freiraum in diesem neuen System der studienbegleitenden Prüfungen und Abschlüsse (heißt auch: ständiges „Monitoring“, heißt auch: mehr „Learning Management“ der Lehrenden), ein Beitrag also gegen das Bulimie-Lernen. Dieses ganze „Bildungs-Controlling“ ist doch zweitrangig: Es geht doch nicht darum, dass das Controlling funktioniert und die Indikatoren stimmen, sondern dass man (wieder?) von akademischer Bildung sprechen kann.

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