VDW-Positionspapier „Für eine verantwortbare und zukunftsorientierte Forschungspolitik in Deutschland“

  • Die 1959 von Carl Friedrich von Weizsäcker gegründete Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) fordert in ihrem aktuellen Positionspapier „Für eine verantwortbare und zukunftsorientierte Forschungspolitik in Deutschland“ ein umfassendes wissenschafts- und forschungspolitisches Umdenken. Die Kritik der VDW setzt daran an, dass heute umfassende Forschungsgelder ohne öffentliche Diskussion in (technologischen) Großprojekten z.T. auf Jahrzehnte gebunden sind, andere gesellschaftliche Herausforderungen z.T. nur sehr ungenügend in der aktuellen Forschungspolitik abgebildet sind. Die VDW fordert daher u.a. dazu auf:
  • die Förderschwerpunkte einem systematischen Monitoring und Reporting zu unterziehen,
  • die Förderschwerpunkte im BMBF vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Fragen neu zu strukturieren,
  • die Verwendung der öffentlichen Mittel für Forschung & Entwicklung in den Gestaltungsraum der Politik zu bringen,
  • das Übergangsfeld zwischen Forschungsförderung und Markteinführung neu zu bestimmen,
  • einen wirklichen Dialog mit der Öffentlichkeit zu entwickeln,
  • Bürgerinnen und Bürgern sowie Nichtregierungsorganisatinen an forschungspolitischen Fragen zu beteiligen.

Vermutlich am 10. März 2011 wird es eine Tagung der VDW geben, in der die Themen des Positionspapieres im Mittelpunkt stehen werden.

Ein Gedanke zu „VDW-Positionspapier „Für eine verantwortbare und zukunftsorientierte Forschungspolitik in Deutschland““

  1. Im VDW-Positionspapier „Für eine verantwortbare und zukunftsorientierte Forschungspolitik in Deutschland“ vom Nov 2010 wie auch bei dem nachfolgenden Workshop „Eine neue Forschungsagenda für nachhaltige Entwicklung“ von VDW, NABU, BUND am 10.03.2011 wird eine Neuausrichtung von Wissenschaft und Forschung nur unter Gesichtspunkten einer Zweckbindung dargestellt. Niemand wird sich dem Ziel nachhaltiger Gesellschafts- und Wirtschaftsmodelle verschließen wollen, aber die grundgesetzlich begründete Freiheit der Forschung lässt eine Einengung auf politisch definierte gesellschaftliche Ziele nicht zu. Dass BUND, NABU , BÖLW die Wissenschaft nur unter solchen Aspekten sehen entspricht ihrer Aufgabe, nach meinem Verständnis aber nicht der der VDW. Dass ausgerechnet die VDW sich auf die Klage beschränkt, die deutsche Forschungspolitik sei zu sehr angebots- und zu wenig nachfrageorientiert erinnert in fataler Weise an die Klagen der Wirtschaft und der ihr zugeneigten Politiker, die Wissenschaft achte zu wenig auf ihre Verwertbarkeit. Man kann nicht fordern, die Grundlagenforschung vom Anwendungsdruck zu befreien und sie gleichzeitig auf noch so dringende gesellschaftliche Ziele reduzieren. Dass , wie dem VDW-Papier zu entnehmen, etwa Bio- und Informations Technologie „unbegrenzt neu“ sein müssten um „über Jahrzehnte hinweg mit öffentlichen Mitteln gefördert zu werden“, geht vorkommen daran vorbei, dass die große Mehrheit der an Hochschulen arbeitenden Wissenschaftler nicht von ökonomischen Intereressen, sondern von Neugier und der Begeisterung für wissenschaftliches Neuland getrieben werden. Das heißt nicht, dass sie –wie mit Recht angemahnt- die Folgen ihrer Tätigkeit ignorieren dürfen. Wenn sie aber von vorneherein unter einen Generalverdacht gestellt werden besteht wenig Aussicht, dass man in Zukunft besonders jüngere Natur- und Ingenieurwissenschaftler etwa für die Ziele der VDW gewinnen könnte. Gerade die nicht zweckbestimmte Forschung führt eher zu grundsätzlich neuen Ansätzen- von der Entdeckung der Antibiotika oder der Kontrazeptiva bis zur Erfindung neuer Diagnostik- und Telekommunikationsverfahren, um nur einige Felder zu nennen.

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