Aufbruchstimmung beim Workshop „Eine neue Forschungsagenda für Nachhaltige Entwicklung“

Mit dem gestrigen Workshop „Eine neue Forschungsagenda für nachhaltige Entwicklung“ in Berlin hat sich ein gesellschaftspolitisches Bündnis für eine nachhaltigkeits-orientierte Forschungspolitik konstituiert. Zu dem Hintergrundworkshop hatten die beiden Umweltverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammen mit der Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) und dem Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) eingeladen. Rund 40 Teilnehmer diskutieren über Anforderungen an eine künftige nachhaltigkeits-orientierte Forschungspolitik und konzentrierten sich dabei insbesondere auf die Felder der Energiepolitik sowie den Bereich Agrarforschung/Bio-Ökonomie. Es wurden Bausteine für ein forschungspolitisches Programm und konkrete Maßnahmen zusammengetragen. Auf dieser Grundlage soll die koordinierte Arbeit der Verbände in dem von Ihnen bisher kaum bearbeiteten Feld der Wissenschafts- und Forschungspolitik fortgesetzt werden.

Ein Gedanke zu „Aufbruchstimmung beim Workshop „Eine neue Forschungsagenda für Nachhaltige Entwicklung““

  1. Im VDW-Positionspapier „Für eine verantwortbare und zukunftsorientierte Forschungspolitik in Deutschland“ vom Nov 2010 wie auch bei dem nachfolgenden Workshop „Eine neue Forschungsagenda für nachhaltige Entwicklung“ von VDW, NABU, BUND am 10.03.2011 wird eine Neuausrichtung von Wissenschaft und Forschung nur unter Gesichtspunkten einer Zweckbindung dargestellt. Niemand wird sich dem Ziel nachhaltiger Gesellschafts- und Wirtschaftsmodelle verschließen wollen, aber die grundgesetzlich begründete Freiheit der Forschung lässt eine Einengung auf politisch definierte gesellschaftliche Ziele nicht zu. Dass BUND, NABU , BÖLW die Wissenschaft nur unter solchen Aspekten sehen entspricht ihrer Aufgabe, nach meinem Verständnis aber nicht der der VDW. Dass ausgerechnet die VDW sich auf die Klage beschränkt, die deutsche Forschungspolitik sei zu sehr angebots- und zu wenig nachfrageorientiert erinnert in fataler Weise an die Klagen der Wirtschaft und der ihr zugeneigten Politiker, die Wissenschaft achte zu wenig auf ihre Verwertbarkeit. Man kann nicht fordern, die Grundlagenforschung vom Anwendungsdruck zu befreien und sie gleichzeitig auf noch so dringende gesellschaftliche Ziele reduzieren. Dass , wie dem VDW-Papier zu entnehmen, etwa Bio- und Informations Technologie „unbegrenzt neu“ sein müssten um „über Jahrzehnte hinweg mit öffentlichen Mitteln gefördert zu werden“, geht vorkommen daran vorbei, dass die große Mehrheit der an Hochschulen arbeitenden Wissenschaftler nicht von ökonomischen Intereressen, sondern von Neugier und der Begeisterung für wissenschaftliches Neuland getrieben werden. Das heißt nicht, dass sie –wie mit Recht angemahnt- die Folgen ihrer Tätigkeit ignorieren dürfen. Wenn sie aber von vorneherein unter einen Generalverdacht gestellt werden besteht wenig Aussicht, dass man in Zukunft besonders jüngere Natur- und Ingenieurwissenschaftler etwa für die Ziele der VDW gewinnen könnte. Gerade die nicht zweckbestimmte Forschung führt eher zu grundsätzlich neuen Ansätzen- von der Entdeckung der Antibiotika oder der Kontrazeptiva bis zur Erfindung neuer Diagnostik- und Telekommunikationsverfahren, um nur einige Felder zu nennen.

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