Nachhaltige Bewegung im Wissenschaftssystem – Bericht über die Veranstaltung „Wohin läuft das Wissenschaftssystem?“

Heutige Gesellschaften sind ständig durch Wissenschaft transformierte“

Mit dieser Feststellung verdeutlichte Dr. Wolfgang Rohe, Leiter des Kompetenzzentrum Wissenschaft bei der Stiftung Mercator, die Bedeutung von Wissenschaft in den heutigen Wissensgesellschaften. Es geht demnach nicht darum, ob Wissenschaft gesellschaftliche Entwicklung beeinflusst, sondern in welche Richtung gesellschaftliche Prozesse durch die bestehenden Wissenschaften vorangetrieben bzw. stabilisiert werden. Wissenschaftspolitik ist daher heute immer auch Gesellschaftspolitik. Substantielle Stiftungsintiativen wie z.B. die mit einem zweistelligen Millionenbetrag von der Stiftung Mercator geförderte „Agora Energiewende“, die die Transformation des Energiesystems wissenschaftlich begleiten soll, sind daher mehr als notwendig. Diesem Ziel steht allerdings eine Art Double-Bind-Situation entgegen: die permanente Situation erstklassige Forschung auf höchsten Niveau zu betreiben und gleichzeitig politikrelevante Ergebnisse zu produzieren. „Daher brauchen wir in diesem Prozess auch Respekt vor den institutionellen Logiken der Universitäten.“

Diskussionen wie heutige gilt es zu verstetigen und mit Gewicht und Verbindlichkeit im System zu versehen.“

Inspiriert durch die offene Debatte über die Defizite einer transdisziplinären Forschung im bestehenden Wissenschaftssystem in der fortlaufenden Diskussion kommentierte Dr. Dagmar Simon, Programmleiterin Wissenschaftsforschung am Wissenschaftszentrum Berlin das bis dahin Gesagte. Aus einer analytischen Perspektive gelte es vor allem die 2 Diskurse um die fortlaufende strukturelle Erneuerung des Wissenschaftsystem mit der inhaltlichen Debatte um die Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit des Wissenschaftssystem zusammen zu denken. Dabei werden einzelne Diskussionsveranstaltungen nicht reichen, um die nötigen Veränderungen im Wissenschaftssystem voranzutreiben. Es braucht institutionalisierte Orte in den großen Wissenschaftsgemeinschaften oder in Form eines Forschungsrates, an denen die Veränderungsdebatte künftig geführt wird.

Wir brauchen in der Zivilgesellschaft eine wissenschaftspolitische Literacy.“

Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Institutes, kommentierte die Diskussion aus der kritischen Perspektive einer Nachhaltigen Wissenschaft. Er unterstrich die Tatsache, dass die Bedeutung von Wissenschaftspolitik für eine umfassende Gesellschafts- und Umweltpolitik von den meisten zivilgesellschaftlichen Organisationen immer noch unterschätzt wird. Nur durch ein massiv wachsendes Verständnis für wissenschaftspolitische Strukturen und Wirkungszusammenhänge werde die Zivilgesellschaft den nötigen Veränderungsdruck auf die Wissenschaftspolitik ausüben können, der notwendig ist. Zusätzlichen Rückenwind könnten die Akteure durch die Einmischung von Fachpolitiker(innen) bekommen, u.a. die Umwelt-, Agrar-, Verkehrs- und Wirtschaftspolitiker, die die Bedeutung des Themas Wissenschaftspolitik für die konkrete Gestaltung ihrer Themenfelder bisher unterschätzt haben. Hier beginnt langsam ein Umdenken. Denn letztlich bestimmen die Köpfe und Forschungskapazitäten im Wissenschaftssystem, welche Handlungsoptionen für konkrete Politikfelder überhaupt substantiell vor- und durchdacht werden.

Sowohl die Podiumsteilnehmer als auch die Wortmeldungen aus dem Publikum zeigten, dass dies erst ein Anfang einer notwendigen Entwicklung ist, die es in den kommenden Jahren erheblich zu verstärken gilt. Das aufkommende Engagement der Zivilgesellschaft wurde dabei sehr begrüßt.

Die Pressemitteilung zur Veranstalltung finden sie hier:

Pressemeldung-Wohin-laeuft-das-Wissenschaftssystem

7 Gedanken zu „Nachhaltige Bewegung im Wissenschaftssystem – Bericht über die Veranstaltung „Wohin läuft das Wissenschaftssystem?““

  1. Mit grossem Entsetzen habe ich diese und damit verbundene Website gelesen. Das ist ja grauenhaft, was da für ein Blase an totaler Lafer-Esoterik-Junk-„Wissenschaft“ exisitiert. Und der ganze Müll ist noch vom Steuerzahler bezahlt!!

    1. Werter Sepp Trütsch,

      nicht alles, was die eigene intellektuelle Kompetenz überfordert, ist deswegen schon „Junk“ oder „Esoterik“. Steuergeld wird übrigens auch dafür ausgegeben, dass selbst schlichte Naturen bei uns lesen und schreiben lernen, womit sie sich dann frei im Internet austoben dürfen. Manche finden auch das entsetzlich.

      Hirn zum Gruße, MK

  2. Das Projekt ist eine Inspiration für alle von uns. Wenn wir denken an eine tolle und eine sinnvolle Zukunft, dann müssen wir denken und handeln konstruktiv.

  3. Werter Sepp Trütsch,

    nicht alles, was die eigene intellektuelle Kompetenz überfordert, ist deswegen schon „Junk“ oder „Esoterik“. Und Steuergelder werden auch dafür ausgegeben, dass schlichte Naturen lesen und Schreiben lernen, womit sie sich dann frei im Internet austoben dürfen. Manche finden auch das entsetzlich. Muss man aber aushalten.

    Hirn zum Gruße, MK

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