Entscheidungen der Exzellenzinitiative am 15.06.2012 – eine erste Einschätzung aus Sicht einer gesellschaftsorientierten Wissenschaft

Prof. Dr. Uwe Schneidewind

Prof. Dr. Uwe Schneidewind


Wuppertal Institut für Klima, Energie und Umwelt


Diskussionbeiträge zur Reihe Transformatives Wissen schaffen

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Am
15. Juni sind die Entscheidungen für die dritte und vermutlich letzte Runde der Exzellenzinitiative gefallen. In dieser Runde wurden 43 Exzellenzcluster, 45 Graduiertenschulen und 11 Zukunftskonzepte (gleichbedeutend mit dem umgangssprachlichen Ausweis als „Eliteuniversität“) ausgezeichnet. Bei den Auszeichnungen handelte es sich einerseits um die Verlängerung schon bestehender Cluster, Graduiertenschulen und Zukunftskonzepte als auch um Neubewilligungen. Insgesamt fließen den Gewinner-Hochschulen in den kommenden fünf Jahren insgesamt 2,7 Milliarden Euro zu.

Der 15.06.2012 als Wegscheide eines knapp zehnjährigen Prozesses im deutschen Wissenschaftssystem

Der 15. Juni markiert eine wichtige Wegscheide in der Entwicklung des deutschen Wissenschaftssystems. Die Exzellenzinitiative hat in den letzten knapp zehn Jahren seit Ihrem Start die strategische Ausrichtung des deutschen Wissenschafts- und Forschungssystem entscheidend geprägt. Sie hat die Konzentration auf internationale Forschungsexzellenz an den Hochschulstandorten vorangetrieben. Dabei hat sich erfreulicherweise gezeigt, dass sich solche Exzellenz über ein breites Spektrum natur-, ingenieur-, sozial- und kulturwissenschaftlicher Fächer erstreckt und Exzellenz auf viele Standorte in Deutschland verteilt ist (Insgesamt werden 39 Universitäten gefördert).
Gleichzeitig war das hinter dem Wettbewerb liegende Exzellenzverständnis letztlich disziplinär und eng interdisziplinär geprägt – denn nur Anträge mit dieser Logik folgenden langjährigen DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft)-Erfolgen hatten überhaupt eine Chance zur Teilnahme.
Dass darunter die verbesserte Ausrichtung des Forschungssystems an den großen gesellschaftlichen Herausforderungen litt, ist in den letzten Jahren mehrfach prominent kritisiert worden (Vgl. z.B. die Kritik des Wissenschaftlichen Beirats für Globale Umweltveränderungen WBGU). Der beabsichtigte Profilwettbewerb hat nicht zu der erhofften Ausdifferenzierung, sondern zu einer überraschenden Gleichförmigkeit der Profilierungstrategien geführt – wie eine in diesen Tagen vom Wissenschaftszentrum Berlin veröffentlichte Studie zeigt.

Drei zentrale Herausforderungen für die kommende wissenschaftspolitische Phase: (1) Binnenentwicklung der Elitestandorte, (2) Start einer wirklichen Ausdifferenzierung, (3) Diskussion über Finanzierungsperspektiven ab 2017 mit Weitblick

Mit dem 16.06.2012 tritt das deutsche Wissenschaftssystem in eine neue Phase ein. Diese gilt es für eine Weiterentwicklung zu nutzen, die das Wissenschaftssystem noch stärker in eine Vorreiterrolle bei der Auseinandersetzung mit den großen gesellschaftlichen Herausforderungen bringt. Drei Ansatzpunkte sind dabei zentral: