Forschung und Innovation für den Erhalt von Biodiversität und gegen den Hunger


Wo stehen wir?

Ernährungssicherung beruht auf intakten, ländlichen Ökosystemen, die hochwertige Nahrungsmittel produzieren, ohne die Gemeingüter wie Wasser, Kohlenstoffsenken, Klimastabilität, Biodiversität und die Ökosystemdienstleistungen zu verringern. Die landwirtschaftliche Produktion hat sich seit 1960 verdreifacht. Der Preis dafür ist ein fünffach so hoher Energieaufwand und siebenfach so hoher Nitrateinsatz. Insbesondere die Nitratdüngung führt dazu, dass die Landwirtschaft zum Nettokonsumenten von Energie wird. Landnutzungsänderungen sind wesentliche Treiber des Klimawandels, das resultiert absurderweise aus dem Anbau von Bioenergiepflanzen. Entscheidend trägt aber auch der Anbau für Tierfutter bei, 40 Prozent der globalen Getreideproduktion wird als Tierfutter benutzt. In Deutschland werden durch den Import von Sojamehl 17 Mio. Tonnen CO2freigesetzt, das summiert sich zu 25 Prozent der Gesamtemission der Landwirtschaft hierzulande. Obwohl wir demographisch schmelzen, importieren wir immer mehr Landfläche aus Nicht-EU Ländern. Kurzum, die heutige Praxis ist nicht nachhaltig und trägt immer weiter zur Zerstörung bei.

Deutschland muss sich entscheiden. Der dritte Foresight Bericht des „Standing Comittee on Agricultural Research“ (SCAR) stellt zwei Narrative gegenüber: Die Effizienz-Erzählung, die dem Motto folgt: Mehr mit Weniger (More with Less). Diese nimmt den steigenden Bedarf als Gegeben an, alle Menschen werden in Zukunft auf unser Niveau Fleisch konsumieren, Auto fahren und Materialien benutzen. Daraus folgt eine angebotsorientierte Strategie, das Konzept der Knowledge Based Bioeconomy (Bioökonomiestrategie), die mit dem Einsatz von viel öffentlichen und privaten Forschungsgeldern in Technologieentwicklung investiert. Eine moderne supereffiziente Technik wird mit weniger Rohstoffeinsatz höhere Erträge bringen, so das Versprechen. Die andere Erzählung, die Suffizienz-Erzählung besagt: Weniger ist mehr (Less is More) sieht das Problem und die Lösung auf der Nachfrageseite, mit Überkonsumption, ungerechter Verteilung, zu viel Müll, Biodiversitätsverlust und der Zerstörung der Ökosysteme. Folgt man diesem Narrativ liegt die Lösung in Low Input und ökologischen Agrarsystemen, der Müllvermeidung und der Intensivierung der Ressocurcennutzung in Kreisläufen, der Internalisierung externalisierter sozialer und ökologischer Kosten und Verhaltensänderungen der Konsumenten.