Forschung und Innovation für den Erhalt von Biodiversität und gegen den Hunger


Wohin steuert die Bundesregierung?

Die Forschungs- und Investitionsstrategien der Bundesregierung setzen auf Effizienzsteigerung und massive Investitionen in Technologien (Hightech-Strategie). Die Strategien stehen damit im Einklang mit dem nächsten Europäischen Forschungsvorhaben „Horizon 2020“ mit einem Volumen von 8o Billionen Euro, das vor allem auf Wettbewerbsfähigkeit und technische Innovationen ausgerichtet ist. Die nationale Forschungsstrategie „Bioökonomie 2030“ mit 2,4 Mrd. Euro verspricht Wachstum und Wohlstand, setzt auf lineare Steigerungen der Nachfrage und des Angebots. Zugespitzt formuliert soll zukünftig nur die Rohstoffbasis von fossilen Brennstoffen auf nachwachsende Rohstoffe umgestellt werden. Das Versprechen dahinter lautet, dass sich weder für die Industrie noch für den einzelnen Konsumenten etwas ändert, dass niemand verzichten muss. Schaut man auf die beratende, programminspirierende Institution, den Bioökonomierat, verwundert das technologiezentrierte Programm „Bioökonomie 2030“ nicht weiter. Die Experten kommen aus Wirtschaft und Naturwissenschaften, dementgegen sucht man Geisteswissenschaftler oder Personen aus dem Natur- und Umweltschutz vergebens.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat zwischen 1995 und 2014 rund 180 Mio. Euro für Pflanzenzüchtung (und nochmal fast 100 Mio. Euro seit 1987 für die Biosicherheitsforschung) ausgegeben, die durch die 50-prozentige Beteiligung der Industrie an vielen Forschungsvorhaben insgesamt um einiges höher liegt. Die Pflanzenzüchtung ist völlig auf die Biotechnologie fixiert, denn gentechnisch veränderte Pflanzen passen hervorragend in eine technologiefixierte Effizienzstrategie. Sie verspricht große Potenziale und eine „neue“ grüne Revolution. Dabei sind die Entwicklungs-, Regulierungs- und Koexistenzkosten der Technologie sehr hoch, die öffentliche Meinung negativ, die Risiken für die Biodiversität nicht kalkulierbar. Die markbeherrschende Stellung weniger multinationaler Unternehmen und die Konzentration auf wenige Pflanzen (Soja, Mais, Raps, Baumwolle) machen den Nutzen für die Welternährung äußerst fraglich. Die Forschung zum Ökolandbau fällt interessanterweise nicht in das Ressort des BMBF sondern unter die „landwirtschaftliche Praxis“ im BMELV. Dahinter verbirgt sich jedoch eine Verengung des Wissensbegriffs selbst. „Knowledge“ in der Knowledge based Bioeconomy ist nur Wissen, dass sich in einem Produkt niederschlägt, das verkauft und patentiert werden kann. Prozesswissen, wie es der Ökolandbau erfordert, fällt aus dieser Struktur heraus. Mittlerweile mehrt sich selbst im BMBF das Unbehagen an dieser „Erzählung“. Aber das Umsteuern fällt nicht nur in der Agrarforschung schwer. Ich zitiere an dieser Stelle aus dem Bericht der Bundeswehr: „Peak Oil – Sicherheitspolitische Implikationen knapper Ressourcen“: „Anschaulich ist, an was man sich gewöhnt hat. Das Durchdenken der Konsequenzen des Peak Oil wird nicht von den alltäglichen Erfahrungen und nur partiell von historischen Parallelen geleitet. Entsprechend schwierig ist es sich vorzustellen, welche Bedeutung ein sukzessiver Entzug einer der wichtigsten Energiequellen unserer Zivilisation haben kann. Psychologische Barrieren sorgen für das Ausblenden an sich unbestreitbarer Fakten und führen zu fast instinktiver Ablehnung einer eingehenden Auseinandersetzung mit dieser schwierigen Thematik.“