Forschung und Innovation für den Erhalt von Biodiversität und gegen den Hunger


Nachhaltige Forschungswende, um Welternährung und Biodiversität zu sichern

Um in Zukunft die Welternährung nachhaltig sichern zu können, ist ein radikales Umdenken notwendig. Der ökologische Fußabdruck unserer Landwirtschaft muss drastisch reduziert, die Importe von Futtermittel und nachwachsenden Rohstoffen begrenzt werden. Dazu brauchen wir eine intelligente Biomassenutzungsstrategie mit Kaskaden- und Reststoffnutzung, die degradiertes Land wieder in die Produktion zurückholt. Wir müssen eine Landwirtschaft neu denken, die nicht weiter ihre ökologischen und sozialen Kosten externalisiert. Die Forschung sollte stärker in resiliente, regionale und sozial integrierte Landnutzungskonzepte gehen. Dazu müssen die Low-Input-Systeme produktiver werden und bislang vernachlässigte Nutzpflanzen stärker züchterisch bearbeitet werden. Hightech-Strategien nutzen dazu wenig, denn sie unterliegen den nationalen Wettbewerbslogiken, die auf Externalisierung gründen und das Gefälle zwischen den Regionen verschärfen. Kleinbauern müssen lernen, mit knappen Flächen produktiv und umweltfreundlich zu wirtschaften. Dazu brauchen sie vor allem Bildung und Beratung, Infrastruktur um Nachernteverluste zu minimieren und faire Märkte ohne marktverzerrende Subventionen. Somit kommen wir auf einen Innovationspfad, der die technologische Verengung hinter sich lässt. Soziale und institutionelle Innovationen besitzen gegenüber technischen Innovationen einen großen Vorteil: sie sind weniger kapitalintensiv als technologische Innovationen, weniger von großen Unternehmen abhängig und ermöglichen eine breite Teilhabe.

Das Wissenschaftssystem im 21. Jahrhundert muss mehr Partizipation zulassen und transparenter werden. Die Zivilgesellschaft sollte in die Definition, Durchführung und Evaluation von Forschungsprojekten mit eingebunden werden. Dafür müssen entsprechende Strukturen regional, auf Landes- und Bundesebene geschaffen und Plattformen aufgebaut werden. Ein Forschungsrat der Zivilgesellschaft sollte auf Augenhöhe über Forschungsprogramme und Mittelvergabe mit entscheiden können. Die Einbindung der Zivilgesellschaft öffnet den vorherrschenden verengten, technologiefixierten Blick und sorgt dafür, dass andere Wissensformen wie informelles, traditionelles, lokales Wissen mit aufgenommen werden, dass gemeinschaftliche Werte wie die Biodiversität eine Stimme bekommen. Dies ist gerade für die Konzeption der weltweiten Agrarforschungsansätze wichtig. Zivilgesellschaftliche Organisationen wirken jedoch auch in die Gesellschaft als „Change Agents“ und können die notwendigen Verhaltensänderungen in die Breite vermitteln. Denn um den Klimawandel zu begrenzen, die Biodiversität zu erhalten und die Welternährung zu sichern, müssen wir alle beitragen. Die reichen Länder, in dem sie den Wohlstand nicht länger vom Wachstum abhängig machen und die armen Länder, indem sie ein differenziertes und intelligentes Wachstumsmodell entwickeln.

Zuerst erschienen im Gegenblende.