Die Rolle von Stiftungen bei der Förderung einer transformativen Wissenschaft

– ein Kommentar von Uwe Schneidewind zur Veranstaltung im Rahmen der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ –

 

Das Podium auch dieser Veranstaltung der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ war wieder hochrangig besetzt: Mit Prof. Dr. Wilhelm Krull (Generalsekretär der VW-Stiftung) und Dr. Lars Grotewold (Programmleiter bei der Stiftung Mercator) saßen zwei der größten Wissenschaftsstiftungen in der Runde. Prof. Dr. Ernst Rietschel (langjähriger Präsident der Leibniz-Gemeinschaft) ist einer der profundesten Kenner und Gestalter des deutschen Wissenschaftssystems der letzten 20 Jahre und mit Prof. Dr. Dirk Messner diskutierte einer der Autoren des WBGU-Hauptgutachtens zur „großen Transformation“ mit, der die durchaus weitgehenden wissenschaftspolitischen Implikationen des vom WBGU (Wissenschaftlicher Beirat Globale Umweltveränderungen) eingeforderten „neuen Gesellschaftsvertrages“ vertrat.

 

Die Rolle von Stiftungen bei der Förderung einer transformativen Wissenschaft
(v.l n.r.:  Prof. Dr. Wilhelm Krull, Prof. Dr. Ernst Rietschel, Prof. Dr. Dirk Messner, Dr. Lars Grotewold)

Einigkeit in der Rolle der Stiftungen, …
Bezüglich des Kernthemas der Veranstaltung war man sich auch sehr schnell einig: Stiftungsinitiativen „erhöhen die Diversität im Wissenschaftssystem“ (Moderator R. Andreas Kraemer vom Ecologic Institute). Sie stellen „gesellschaftliches Risikokapital“ (Grotewold) zur Verfügung, um immer wieder „Inseln des Gelingens“ (Krull) für neue Forschungsformen zu schaffen. Diese besondere Stellung kommt den Stiftungen zu, weil sie „außerhalb des verfestigten Systems“ (Rietschel) stehen und damit eine besondere Innovationsfunktion erfüllen können.

… aber Diskussion über das notwendige Ausmaß der Veränderung im Wissenschaftssystem
Doch ob dies ausreichend Veränderungsimpulse im Wissenschaftssystem setzt, darüber entspann sich die eigentliche Diskussion: Ernst Rietschel zeigte sich optimistisch: Die Trennung zwischen Universitäten –als Ort zur Kultivierung disziplinärer Forschung- und den außeruniversitären Forschungseinrichtungen, insbesondere den Helmholtz- und Leibniz-Instituten, habe sich bewährt. Gerade die programmorientierte Forschung der außeruniversitären Einrichtungen erlaube seit vielen Jahren den Forschungsmodus, der in der Diskussion um eine transformative Forschung eingefordert würde. Durch die politische Einflussnahme in den Aufsichtsgremien der Forschungsgemeinschaften können sich die Wissenschaftsgemeinschaften künftig auch noch stärker auf gesellschaftliche Bedarfe ausrichten. Auf Stiftungsseite pflichtete ihm Wilhelm Krull bei: Die VW-Stiftung als größte Wissenschaftsstiftung in Deutschland hat seit ihrer Gründung an die „Veränderungsfähigkeit des Wissenschaftssystems aus sich selbst heraus“ geglaubt. Deswegen gründe sie keine eigenen Universitäten und Forschungseinrichtungen, und setze keine thematischen sondern institutionelle Förderschwerpunkte. Innovative Forscherinnen und Forscher und deren Projekte müssen geeignete institutionelle Kontexte zur Entfaltung vorfinden: Programme wie die Nachwuchsgruppenförderung, die Schaffung der Lichtenberg-Professuren oder diejenigen zur Stärkung der Eigenverantwortung von Universitäten haben in den letzten Jahren genau das geleistet.

(Fortsetzung auf Seite 2)

Ein Gedanke zu „Die Rolle von Stiftungen bei der Förderung einer transformativen Wissenschaft“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.