Die Rolle von Stiftungen bei der Förderung einer transformativen Wissenschaft

Dirk Messner zeigte sich weniger optimistisch: Denn in der Diskussion gehe es um die Frage der „Größenordnung“. Das habe auch das WBGU-Gutachten deutlich gemacht: Denn vielverprechende Ansätze für eine transformative Forschung gäbe es durchaus an einigen Stellen im Wissenschaftssystem. Doch diese müssen in eine ganz andere Größenordnung geführt werden, um wirklich Wirkung zu entfalten. Und von dieser Größenordnung ist das Wissenschaftssystem noch weit entfernt. Dabei waren sich alle Podiumsteilnehmer darin einig, dass die „Ursuppe“ der Grundlagenforschung in keiner Weise zurückgedrängt werden soll, es vielmehr darum, wie stark diejenigen Forschungszugänge im Wissenschaftssystems werden, die Forschung gesellschaftlich wirksam machen. Genau hier setzt auch die Stiftung Mercator an. Lars Grotewold machte deutlich, dass für die Stiftung Mercator Wissenschaft ein Instrument zur Erreichung gesellschaftlicher Ziele wie der Beherrschung des Klimawandels sei. Deswegen ist die Förderung von Wissenschaft im bestehenden Wissenschaftssystem im Sinne einer „Science for Scientists“ (Messner) nicht ausreichend. Die Stiftung sieht sich gerade mit ihren aktuellen Initiativen als „Convener“, der Wissenschaft und Gesellschaft enger zusammenbringt, nur darüber kann eine „Science for Transformation“ (Messner) entstehen.

Stagnation auch in den kommenden 20 Jahren?
Damit wird die Kernherausforderung der Debatte klar. Ulla Burchardt, Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses des Deutschen Bundestages, brachte sie mit ihrem Publikumskommentar zur Diskussion auf den Punkt: Schon vor rund 20 Jahren war die Diskussion an einem ähnlichen Punkt wie heute. Was schützt uns davor, dass wir auch in den kommenden 20 Jahren in der Entwicklung des Wissenschaftssystems kaum weiterkommen, weil wir uns die vermeintliche Veränderungsfähigkeit im Wissenschaftssystem schönreden?

Genau das scheint aktuell die Gefahr zu sein: Das etablierte Wissenschaftssystem nimmt die Forderungen nach einer transformativen Wissenschaft rhetorisch durchaus auf, jedoch letztlich nur um sich darin zu bestärken, dass die richtige Entwicklung auf dem Weg und in den bestehenden Strukturen und Institutionen zu lösen sei.

Um hier keiner Illusion zu verfallen, sind eine Reihe von Akteuren gefordert:
• Politik und Zivilgesellschaft müssen ihre vorhandenen und in der Diskussion aufgezeigten Steuerungsmöglichkeiten noch stärker nutzen. Hier ist gerade in den letzten Monaten viel Bewegung entstanden.
• Die Vorreiterinstitutionen einer transformativen Forschung müssen noch deutlicher und noch mehr „Inseln des Gelingens“ schaffen, in denen deutlich wird, welches transformative Potenzial eine Wissenschaft für Nachhaltigkeit entfalten kann und welche völlig neuen Formen von Forschungszugängen dies braucht. Stiftungen können mit ihrem „gesellschaftlichen Risikokapital“ dafür eine Grundlage schaffen.

Interessant war der geteilte hoffnungsvolle Blick auf die EU: weil nur hier die nötigen Größenordnungen für reale Veränderungsimpulse für das Wissenschaftssystem möglich sind (Rietschel) und weil in der EU schon einiges umgesetzt ist (u.a. Ausrichtung der Forschung an gesellschaftlichen Schlüsselherausforderungen, Programme zur Einbeziehung der Zivilgesellschaft, Instrumente zur Förderung von Koordination und Netzwerken), wovon sich Deutschland einiges abschauen könne (Messner, Kraemer).

Es bleibt noch ein weiter Weg zur transformativen Wissenschaft.

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