Veranstaltungsbericht „Transformative Wissenschaft – Katalysator für neue Wohlstandsmodelle in Niedersachsen?“ am 13.11. in Hannover

 

Dies wird auch von zivilgesellschaftlichen Verbänden zunehmend gefordert. Helmut Horn betonte die Notwendigkeit der breiteren Beteiligung der Zivilgesellschaft da die Forschungslandschaft im Wesentlichen aus öffentlichen Drittmitteln finanziert wird. Der Vertreter des BUND, des größten deutschen Umweltverbandes, bezog sich dabei auch auf ein Diskussionspapier, das der Verband Anfang des Jahres veröffentlicht hat, sowie auf die Forderungen einer zivilgesellschaftlichen Plattform „Forschungswende“, die im Entstehen ist. Auch Andre Vespermann, Student der Universität Hildesheim, forderte eine stärkere und vor allem interdisziplinäre Orientierung der aktuellen Lehre an den gesellschaftlichen Herausforderungen. Studierende sind die schnellsten „Impact-Faktoren“ einer Hochschule für die Transformation der Gesellschaft in Richtung Nachhaltigkeit.

Die Wissenschaft ist in diesem gesellschaftlichen Transformationsprozess bisher eher hinterher denn voran gegangen – das macht nicht zuletzt das Beispiel der Wirtschaftswissenschaften und deren Umgang mit der Finanzkrise deutlich. Der Tenor der Diskussion mit dem Publikum war daher auch sehr kritisch: die Hochschulen beschäftigen sich zu sehr mit Strukturfragen (vermeintliche strukturelle Unterfinanzierung, Notwendigkeit der Umstellung des Wissenschaftsstandortes ab 2017) und kommen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nur unzureichend nach. Eine Transformative Wissenschaft muss vor diesem Hintergrund zeigen, dass sie auch eine Antwort auf diese Strukturherausforderungen sein kann: ein systemischer Blick auf die notwendigen Transformationen im Wissenschaftssystem selbst für die Ermöglichung einer Wissenschaft zur gesellschaftlichen Transformation.

Die Diskussion in Hannover hatte ihren besonderen Reiz durch die anstehenden Landtagswahlen in Niedersachsen im Januar 2013. Auf die Beiträge der wissenschaftspolitischen Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion, Gabriele Heinen-Kljajic wurde daher besonders geachtet. Die Landtagsabgeordnete diskutierte beispielsweise das niedersächsische „VW-Vorab“ der Volkswagenstiftung oder die leistungsbezogene Mittelzuweisung als Anreizsystem für mehr transformative oder nachhaltige Wissenschaft in Niedersachsen. Auch die Lehre sollte (in Richtung mehr Nachhaltigkeit) verbessert werden insbesondere die Lehrerinnenausbildung. „Wissenschaft darf nicht ausschließlich an den Interessen von Wirtschaft und Industrie ausgerichtet werden“, betonte Heinen-Kljajic, „sie gehört in den Dienst der Gesellschaft.“

Solche Weichenstellungen in Niedersachsen hätten auch bundespolitische Relevanz, weil sich damit nach Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ein drittes Bundesland auf den Weg zu einer nachhaltigeren Hochschul- und Wissenschaftslandschaft machen könnte. Die Vorraussetzungen in Niedersachsen dafür sind hervorragend: Es gibt eine große Zahl an Hochschulen, die sehr gut im Thema aufgestellt sind und Stiftungen (bspw. VW-Stiftung) bieten einen möglichen Hebel für innovative Impulse in der Weiterentwicklung der niedersächsischen Wissenschaftslandschaft.