Bedeutet zivilgesellschaftliche Beteiligung eine Überforderung für das Wissenschaftssystem?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf:

„Ein immer wieder vorgebrachter Einwand gegen die Forderungen einer transformativen Wissenschaft ist organisatorischer Natur: Er zielt auf die systematische Überforderung, die eine Einbeziehung von Zivilgesellschaft sowohl für die Wissenschaft als auch die Zivilgesellschaft selber bedeuten würde. Er verbindet sich mit dem Zweifel, dass Zivilgesellschaft zudem gar nicht in der Lage sei, die inhaltliche Ausgestaltung von Forschungsprogrammen zu beurteilen.

Im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen bestehen diese Zweifel interessanterweise nicht. Hier sind in den letzten Jahrzehnten eine differenzierte Struktur und Erfahrungen mit der Kopplung von Wirtschaft und Wissenschaft entstanden. Zivilgesellschaftliche Organisationen wie Umweltverbände, Gewerkschaften oder Kirchen verfügen heute schon über umfassende wissenschaftliche Expertise, betreiben z.T. eigene Forschungseinrichtungen und wissenschaftliche Beiräte. Gegen die Beteiligung der organisierten Zivilgesellschaft an den inhaltlichen Schwerpunktsetzungen von Forschungsprogrammen, Forschungsorganisationen sowie an wissenschaftspolitischen Entscheidungen laufen daher entsprechende Argumentationen ins Leere, auch wenn im Vergleich zum Wirtschaftssektor hier noch ein Kapazitätsaufbau in zivilgesellschaftlichen Organisationen notwendig ist.

Eine frühere Beteiligung von Zivilgesellschaft an Forschungsprogrammen und -politiken hätte vermutlich geholfen, viele Technologieentwicklungen der Vergangenheit, die später an gesellschaftlichem Widerstand scheiterten, in andere Bahnen zu lenken. (Vgl. zur Vertiefung: „Die Zivilgesellschaft als wissenschaftspolitischer Motor“: S. 306 ff.)

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

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