Braucht wissenschaftliche Politikberatung die eine bündelnde Stimme?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„In der Diskussion um eine geeignete Form der Wissenschafts-Gesellschaftskopplung ist immer noch das Bild eines klassischen Kopplungsmechanismus dominant: Auf der einen Seite eine Wissenschaft, die nach ihren Kriterien Wahrheit ergründet, auf der anderen Seite Politik und Gesellschaft, der dieses Wissen übergeben wird, um darauf aufbauend Entscheidungen zu treffen. Als Mittler sollen wissenschaftliche Akademien fungieren. Seit 2008 besitzt auch Deutschland mit der Nationalen Akademie Leopoldina eine nationale Wissenschaftsakademie mit einem solchen Bündelungsanspruch. In vielen gesellschaftlichen Schlüsselfragen wurden ihr inzwischen entsprechende Aufgaben übertragen.

Doch zeigt sich, dass dieses Modell zu kurz greift. Schon naturwissenschaftliches Faktenwissen unterliegt aufgrund der Komplexität der untersuchten Systeme Unsicherheit. Noch mehr gilt dies im Hinblick auf technologische, ökonomische, sozialwissenschaftliche und kulturelle Analysen und Szenarien. Beim „Zielwissen“ sind Wissens-Unterschiede in pluralen Gesellschaften konstitutiv. Eine Pluralität von Wissens-Positionen ist daher unhintergehbar. Wissenschaftliche Akademien können daher maximal „Agentur“- Funktionen übernehmen. D.h. sie können Wissenslandkarten unterschiedlicher Wissensstände und Positionen skizzieren. Einrichtungen wie der IPCC oder das Büro für Technikfolgenabschätzung des deutschen Bundestages haben solche Agenturfunktionen und zeigen, dass eine gesellschaftlich breit akzeptierte Aufbereitung von Wissens-Positionen möglich ist. Hierfür braucht es eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz und Einbindung der Zivilgesellschaft. (Vgl. zur Politikberatung im Nachhaltigkeitskontext und die Rolle der Akademien die Ausführungen auf S. 63 ff.)

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

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