Kann die Bündelung transformativer Forschung nur als „Big- Science“ erfolgen?

Die Diskussion über eine „transformative Wissenschaft“ löst in Diskussionen immer wieder eine Reihe von Sorgen und Bedenken sowie Fehlwahrnehmungen aus. 12 der wichtigsten Fehlwahrnehmungen greifen wir auf dem Blog sowie im Buch „Transformative Wissenschaft“ (S. 377 f.) auf.

„Dort, wo der Anspruch einer gesellschafts-orientierten Wissenschaft anerkannt wird, gibt es z.T. die Vorstellung, dass es für seine Einlösung große, die „Grand-Challenge“-Forschung bündelnde, Einrichtungen braucht. Die Helmholtz-Gemeinschaft hat in ihrem Strategiepapier Helmholtz 2020 einen solchen Anspruch formuliert. Sie versteht die Antworten auf die „großen Herausforderungen“ als vorrangig technologische Innovationsaufgaben, die nur an Einrichtungen der technologischen Großforschung geeignet konzentriert werden können und bietet die Helmholtz-Gemeinschaft als entsprechende nationale Bündelungsinstanz an. Von dort soll dann der gezielte Einbezug anderer u.a. sozial- und kulturwissenschaftlicher Wissensbestände der Universitäten und anderer Forschungseinrichtungen erfolgen. Mit der Helmholtz-Allianz „ENERGY-TRANS“ lebt die Helmholtz-Gemeinschaft ein entsprechendes Muster vor.

Versteht man die großen gesellschaftlichen Herausforderungen jedoch insbesondere als soziale und institutionelle Transformationsaufgaben, in die technologische Aspekte lediglich eingebettet sind, verändert sich die Perspektive auf die notwendigen Forschungsstrukturen vollständig: Sozial-ökologische Systeminnovationen können nur zusammen mit und in der Gesellschaft erprobt werden. Es braucht dafür neue Verständnisse von „Reallaboren“ (d.h. z.B. Städte, Regionen, Branchen), in denen sozialer Wandel wissenschaftlich initiiert und begleitet wird – eine typische Form transdisziplinärer Forschung. Diese muss durch Forschungseinrichtungen und Forscher(innen) erfolgen, die sich mitgestaltend und beobachtend in den Transformationsräumen bewegen. Zentrale wissenschaftliche Infrastrukturen sind dann im Hinblick auf die Organisation und die Wissens-Kopplung entsprechender Reallabore notwendig. Die bestehenden technologischen Großforschungseinrichtungen bringen dafür nicht die richtigen Voraussetzungen mit. (Vgl. die Ausführungen zur Helmholtz-Gemeinschaft: S 167 ff.)“

Weitere der 12 Fehwahrnehmungen finden Sie im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 377 ff.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.