ZEIT-Dossier zur „gekauften Wissenschaft“ – ein Kommentar

In ihrer Print-Ausgabe vom 01.08.2013 hat die ZEIT ein dreiseitiges Dossier dem Thema „Die gekaufte Wissenschaft“ gewidmet. Dieses Dossier liegt jetzt auch online auf der Internetseite der Zeit vor. Uwe Schneidewind kommentiert den ZEIT-Artikel.
Im Beitrag thematisiert die ZEIT die immer stärkere Einflussnahme der Wirtschaft auf die Wissenschaft – über Forschungsprojekte, Stiftungsprofessuren und weitere Formen des Sponsoring. 2011 flossen demnach 1,8 Milliarden Euro von Firmen und wirtschaftsnahen Stiftungen an die Hochschulen in Deutschland. Das Zeit-Dossier – mit vielen plastischen Beispielen – ist insofern eindrucksvoll als dass deutlich wird, wie die starke wirtschaftliche Einflussnahme auf den Wissenschaftsprozess immer stärker als Problem wahrgenommen wird. In den Lösungsvorschlägen bleiben die Autor(inn)en Kerstin Kohlenberg und Yassin Masharabash eher schwach. Der Einflussnahme durch die Wirtschaft wird das Idealbild des unabhängigen Wissenschaftlers entgegengestellt. Dies kann aber nur ein Teil der Lösung sein. Denn -wie im Artikel herausgearbeitet- ist eine zentrale Frage, welche Forschungsfragen überhaupt untersucht werden. Hierauf wird insbesondere von der Wirtschaft Einfluss genommen. Eine alleinige Entscheidung dieser Frage durch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler führt jedoch im Wissenschaftsbetrieb beobachtbar oft zu einem anderen Extrem : (methodischen) Glasperlenspiele ohne Relevanz. Eine wirklich „freie“ Wissenschaft verläuft daher nicht entlang einer Linie „Unabhängig“ vs. „von Wirtschaft beeinflusst“, sondern braucht eine möglichst große Pluralität der Einflüsse. D.h. neben durch Wissenschaft alleine bestimmte Themen der Grundlagenforschung sollte die Anwendungsforschung ihre Impulse sowohl von der Wirtschaft als auch von anderen gesellschaftlichen Interessengruppen wie Umweltverbänden, Kirchen oder Gewerkschaften erhalten. Dafür sind die Voraussetzungen zu schaffen und die liegen bisher kaum vor.

Vgl. auch zur Fehlwahrnehmung: „Bedeutet die Orientierung an gesellschaftlichen Herausforderungen das Ende der Wissenschafts- und Forschungsfreiheit“.