Konferenzbericht zur Tagung „Neue Governance der Wissenschaft“ am 10./ 11. Oktober im WZB Berlin

Mandy Singer-Brodowski Mandy Singer-Brodowski

Wuppertal Institut für Klima, Energie und Umwelt


Die Tagung „Neue Governance der Wissenschaft“ war von ca. 70 TeilnehmerInnen besucht und stellte einen Abschluss der gleichnamigen BMBF-Förderinitiative dar. Die Vorstellung der 13 Forschungsprojekte, die auch in dem Sammelband „Neue Governance der Wissenschaft – Evaluation, externe Anforderungen, Medialisierung“ ausführlich beschrieben sind, stand daher auch im Mittelpunkt. Sie stellen den State-of-the-Art der Wissenschaftsforschung in Deutschland dar. Insgesamt gab es eine Vielfalt von Projekten, die teilweise erstaunlichen Bezug zu den Themenstellungen einer Nachhaltigen Wissenschaft hatten. Im Rahmen des folgenden Konferenzberichts sollen einige Vorträge mit besonderem Bezug zu den sonstigen Beiträgen im Blog kurz vorgestellt und einige weiterführende Gedanken ausgeführt werden. Das komplette Programm der Tagung sowie Hintergrund-Informationen zur Förderinitiative können hier eingesehen werden.

Das Konzept der Governance ist zunächst eine sozialwissenschaftliche Perspektive, die die Interdependenzen und das Zusammenspiel, sowie die Aushandlungsprozesse verschiedener gesellschaftlicher Akteure beschreibt. Im Vergleich zu anderen politikwissenschaftlichen Analyse-Rahmen steht in der Theorie der Governance der handelnde Akteur im Mittelpunkt. Mit dem Schwerpunkt der „externen Anforderungen“ wurden in den vorgestellten Governance-Projekten nun vor allem die nationalen und internationen Trends, die auf Forschungseinrichtungen einwirken sowie deren „Reaktion“ darauf diskutiert. Diese enspringen zum einen aus neuen Steuerungsmodellen in der Hochschulpolitik („New public management“) und zum anderen aus gesellschaftlichen Megatrends, wie der Medialisierung, also der zunehmenden Durchdringung wissenschaftlicher und medialer Wissensgenerierung.

Prof. Dr. Bogumil skizzierte in dem ersten Vortrag „Zwischen Selbstverwaltung und Managementmodell“ die Ergebnisse einer quantiativen Untersuchung über den Implementationsstand neuer Steuerungsinstrumente in allen deutschen Universitäten aus der Perspektive vieler hochschul-interner Akteure (PräsidentInnen, KanzlerInnen, DekanInnen und ProfessorInnen). Die Implementierung der neuen Steuerungsinstrumen ist überraschend weit – so der Bochumer Hochschulforscher – geht jedoch mit  hohen Transaktionkosten und einem signifikanten Administrationsaufwand einher, woraus die Forderung einer Nachsteuerung entsteht.

2 Gedanken zu „Konferenzbericht zur Tagung „Neue Governance der Wissenschaft“ am 10./ 11. Oktober im WZB Berlin“

  1. Mein erster Kommentar zum dritten Konferenzblock „Medialisierung“:

    Mir ist besonders aufgefallen, wie wenig die dort vortragenden Medienforscher den realen Wandel in der Medienlandschaft wahrnehmen. Sie stellen fest, dass wissenschaftspolitische Berichterstattung in der Presse vor allem für Ministerien und Hochschulleitungen von großer Bedeutung ist. Aber diese Berichterstattung des kritischen Wissenschaftsjournalismus – speziell über die Wissenschafts- und Hochschulpolitik – ist in Deutschland rasant am Sterben. Die Forscher werten etwa Wissenschafts-Artikel der Financial Times Deutschland und der Frankfurter Rundschau aus. Längst auf dem Friedhof! Was bringt solche Forschung, wie es gestern war, für heutiges Handeln? Auf der anderen Seite die unfassbare Hochrüstung der Wissenschaftskommunikation von der Angebotsseite. Ein Mißverhältnis, das im Moment keine Wahrnehmung findet. Die seit zwei Jahren geheim tagende Weingart-Gruppe „Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit“
    http://www.lemmens-online.net/wissenschaftspolitik/details/artikel/oeffentlichkeit-als-geheimnis.html
    hat das in 30 Studien, die sie in Auftrag gegeben hat, herausgefunden und war selber verblüfft über das Ausmaß der Wissenschafts-PR in Deutschland. Diese Einschätzung färbte auch die letzte, 13. These Weingart, in der er von der Gefahr des Glaubwürdigkeitsverlustes durch exaltierte Wissenschaftskommunikation sprach.
    Wenn ich in der Diskussion noch drangenommen worden wäre, hätte ich aus der Welt des Real-Journalismus darauf hingewiesen, dass dieser „Shift“ sich abzeichnet: Während die Öffentlichkeitsarbeiter der Wissenschaftsorganisationen eine riesige Potemkinsche Schokoladen-Kulisse der süßen Wissenschaft aufbauen, müssen die Wissenschaftsjournalisten in den Medien, um zu überleben und gehört zu werden, genau auf diesen Duktus verzichten. Sie müssen nicht mehr wie bisher freundschaftliches Sprachrohr der Wissenschaftler sein, sondern sie müssen neutraler und kritischer werden. Das ist die Folge der PR-Aufrüstung: In den unabhängigen Medien wird die Wissenschaftskritik zunehmen. Eine solche Einlassung von mir wäre ein guter und realitätsgesättigter Input in der WZB-Konferenz gewesen. Aber die Wissenschaftsforscher mussten ganz schnell zum Mittagessen.

    Nachtrag: Das dollste ist da – aus meiner Sicht als Wissenschaftsjournalist – der „Siggener Denkanstoß“.
    http://www.wissenschaft-im-dialog.de/wissenschaftskommunikation/weiterentwicklung/siggener-denkanstoss.html
    An dem werde ich mich noch abarbeiten, selbst wenn der TELI-Vorsitzende da mitgemacht hat.

    Manfred Ronzheimer

  2. Vielen Dank für Ihren kritischen Kommentar.
    Selbst als Wissenschaftler tätig kann ich das nur bestätigen. Kommuniziert wird gern alles Positive. Überhaupt sind ja alle Projekte grundsätzlich erfolgreich, wichtig und nur aufgrund der einzigartigen Leistung des jeweiligen Instituts möglich.
    Ist eben alles Marketing.

Kommentare sind geschlossen.