Bericht zur Tagung „Nachhaltige Wissenschaft – Wege für Hochschulen“

Am 20.01. fand an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE) die Tagung „Nachhaltige Wissenschaft – Wege für Hochschulen“ statt. Mit 130 TeilnehmerInnen und einer inhaltlich fundierten Diskussion setzte diese erste Kooperationsveranstaltung zwischen einem großen Umweltverband (BUND) und einer Hochschule (HNEE) einen wichtigen Akzent in der Diskussion über die Umorientierung im Wissenschaftssystem in Richtung Nachhaltigkeit. Im Folgenden finden Sie eine inhaltliche Zusammenfassung der Tagung von Mandy Singer-Brodowski.

Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Willhelm-Günther Vahrson, Präsident der HNEE fokussierte Dr. Johannes Merck, Leiter des Direktionsbereiches Corporate Responsibility der Otto Group in seinem Vortrag „Nachhaltig Wirtschaften – Welche Erwartungen haben Unternehmen an die Wissenschaft?“ vor allem auf die notwendigen Kompetenzen des akademischen Nachwuchses für die große gesellschaftliche Transformation. Ausgehend von der Frage „Was macht einen guten Nachhaltigkeitsmanager aus?“ erörterte Herr Merck, dass vor allem ein ausgeprägtes Querschnitts-Know How der AbsolventInnen notwendig ist um ein gutes Change-Management in Richtung Nachhaltigkeit in den Organisationen zu entwickeln: Wie gut ist ihr Verständnis der Governance-Strukturen im speziellen Unternehmensfeld? Wie entwickeln sie Strategien für change management, die breite Akzeptanz bei allen beteiligten Akteuren finden? Und nicht zuletzt: wie können junge AbsolventInnen, die mit einer hohen intrinsischen Motivation ins Unternehmen kommen dauerhaft motiviert bleiben? Denn in der Umsetzung des überwiegend randständigen Themas Nachhaltigkeit besteht die Gefahr eines Motivationsverlustes, wenn konkrete Nachhaltigkeitsprojekte nicht sofort Zustimmung erfahren.

Frau Dr. Inge Paulini (WBGU) erläuterte in ihrem Vortrag „Die große Transformation – Auftrag an die Wissenschaft“ das Konzept der großen Transformation, das der WBGU 2011 in die Debatte eingebracht hat. In dem Gutachten des WBGU werden zwei historische Transformationen (neolithische und industrielle Revolution) als Beispiele für komplexe gesellschaftliche Veränderungsprozesse herangezogen. Die bereits laufende Transformation in eine CO2- arme Gesellschaft ist demgegenüber ein gesamtgesellschaftlicher Such- und Lernprozess. Die Wissenschaft muss in diesen Prozess ein übergreifendes Orientierungs- und Handlungswissen (durch Transformationsforschung und transformative Forschung) mit einspeisen, sowie eine Grundbildung zur gesellschaftlichen Teilhabe und der Gestaltung der Transformation für die Studierenden bereit stellen (Transformationsbildung und transformative Bildung). Der neue Gesellschaftsvertrag, wie ihn der WBGU vorschlägt, erfordert auch eine neue „Selbstverpflichtung“ der Wissenschaft und eine Umorientierung der Forschung und Lehre. Methodisch sollte diese Wissenschaft systemisch, interdisziplinär, transdisziplinär ausgerichtet sein; in der Durchführung sollte sie international kooperierend, reflexiv und langfristig angelegt sein. Die Orientierung an diesen Ansätzen würde soziale Innovationen für die Transformation befördern, sowie Verbreiterungs- und Beschleunigungsbedingungen dieser Innovationen anstoßen. Dabei müsste die Zivilgesellschaft in dem konkreten Forschungsprojekt eng mit eingebunden sein.