Bericht zur Tagung „Nachhaltige Wissenschaft – Wege für Hochschulen“

Eine intensive Diskussion im Anschluss des Vortrags von Frau Dr. Paulini entspannte sich an dem Konzept der transformativen Forschung, das sich im Spannungsfeld von Freiheit der Forschung und gesellschaftlichen Erwartungen bewegt. Einige Stimmen forderten hier, dass sich die NachhaltigkeitswissenschaftlerInnen progressiver mit diesem Spannungsfeld auseinandersetzen sollten.

Hannes Bever, vom bundesweiten Netzwerk der studentischen Nachhaltigkeitsinitiativen – netzwerk n, zeigte in seinem Vortrag Welche Erwartungen haben Studierende an die Nachhaltigkeitsbestrebung ihrer Hochschule?“ die Kraft der Studierenden die den Transformationsprozess an Hochschulen entscheidend mit vorantreiben können. Hochschulen sind für ihre Studierenden Zukunfts-Labore und Experimentierfelder für gesellschaftliche Innovationen. Herr Bever stellte drei konkrete Nachhaltigsinitiativen (Greening the University Tübingen, Green Office University Maastricht, TransLAB Bochum) und deren Projekte vor und verdeutlichte warum besonders Studierende als kreative Querdenker die Integration von mehr Nachhaltigkeit in der Hochschule befördern können. Doch das konkrete Nachhaltigkeitsengagement junger change agents erfährt auch vielfältige Hindernisse: das knappe Zeitkontingent und die Verschulung des Studiums in den BA-/MA Studiengängen, der häufige Generationenwechsel von Initiativmitgliedern durch die kurzen Studiengänge und damit zusammenhängend ein unzureichendes Wissensmanagement in den studentischen Organisationen. Abschließend stellte Herr Bever – unter Rückgriff auf ein 2011 veröffentlichtes Positionspapier – Kernforderungen der Studierenden an eine „Eine Hochschullandschaft in nachhaltiger Entwicklung” vor. Die Anerkennung studentischen Engagements in credit points oder die Förderung studentischen Engagements durch Stipendien oder andere Anreizsysteme waren zwei konkrete Forderung der Studierenden.

Die angestoßenen Fragen und Diskussionspunkte der Impulse konnten in der Mittagspause in einem offenen Format weitergeführt werden.

Den Nachmittag der Tagung eröffnete Wilfried Kraus, Leiter der BMBF Grundsatzabteilung Nachhaltigkeit, Klima und Energie mit einem euphorischen Vortrag über die Frage „Wie sieht die Wissenschaft der Zukunft aus?“. Eine gesellschaftsorientierte Wissenschaft muss vor allem in einem ehrlichen Dialog mit den „beforschten Akteuren” eintreten und „zuhören”. Forschung für nachhaltige Entwicklung heißt die frühzeitige Einbindung von BürgerInnen, Politik, Wirtschaft in die interdisziplinäre Erforschung komplexer Problemstellung – dies nicht zuletzt um am Ende von Forschungsprozessen Wirkung und Akzeptanz in der Gesellschaft zu erfahren. Für diese Art der Wissenschaft gibt es nach Herrn Krauß eine hervorragende Basis an den deutschen Hochschulen.

Das BMBF als größter nationaler Forschungsförderer hat in den vergangenen Jahren vor allem mit dem Forschungsprogramm „FONA 2” zu einer Etablierung und Verbreiterung der deutschen Nachhaltigkeitsforschung beigetragen. In den kommenden Jahren soll diese Rolle ausgebaut werden und in der Summe von Projektförderung und instutioneller Förderung Gelder in Höhe von 2,3 bis 2,5 Milliarden im Rahmend es Nachfolgeprogrammes FONA 3 zur Verfügung gestellt werden. Um bereits in der Phase der Schwerpunkt-Setzung innerhalb der kommenden Ausschreibungen möglichst viele Akteure aus Wissenschaft, Verwaltung, den Bundesländern, der Zivilgesellschaft und den Unternehmen mit einzubinden, gibt es einen laufenden Agenda-Prozess. Dieser bezieht sich vor allem auf die drei zukünftigen Forschungsschwerpunkte in FONA 3.0: Green Economy, Energiewende und Zukunftsstadt. Für das Wissenschaftsjahr 2015 hat das BMBF die „Zukunftsstadt” zum Thema gewählt.