Bericht zur Tagung „Nachhaltige Wissenschaft – Wege für Hochschulen“

Prof. Dr. Sabine Kunst, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, diskutierte in ihrem Impuls „Wie befördert das Land Brandenburg das Thema nachhaltige Wissenschaft?” die politischen Strategien auf Landesebene zur Umsetzung der größeren Nachhaltigkeitsorientierung in den wissenschaftlichen Einrichtungen. Besonders in den ländlichen Regionen Brandenburgs sind dabei inhaltliche Schwerpunktsetzungen (beispielsweise zum Demographischen Wandel) mit den strategischen Fragen der Hochschulsteuerung (Erschließung neuer Zielgruppen für ein Studium) zu kombinieren. Eine Reihe von renommierten Forschungseinrichtungen prägen dabei die nachhaltige Wissenschaftslandschaft in Brandenburg:

·Das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist ein international anerkannter Think Tank der Klimaforschung.

·Das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Töpfer zeigt als weiterer wichtiger Think Tank, dass der Aufbau solcher Institute entscheidend von renommierten Persönlichkeiten und einer regionalen Verankerung der WissenschaftlerInnen profitiert.

·Die HNEE selbst ist nach Ministerin Sabine Kunst ein gutes Beispiel dafür, wie Nachhaltigkeit ein intergrierter Gegenstand der Lehr- und Lerngemeinschaft auf einem Campus werden kann. Die konsequente Weiterführung der begonnenen Aktivitäten sollte daher weiter vorangetrieben werden – auch in der stärkeren Einbindung neuer Partner aus dem Bereich der außeruniversitären Forschung.

Insbesondere in ländlichen Regionen, so schloss Ministerin Sabine Kunst ihren Vortrag, können sich Hochschulen als Innovationsmotoren für nachhaltige Entwicklung profilieren.

Prof. Dr. Uwe Schneidewind lieferte mit seinem Vortrag „Nachhaltige Wissenschaft – auf dem Weg zur Bürgerhochschule” eine Perspektive für die Profilierung von Hochschulen aus der Sicht einer gesellschaftsorientierten Wissenschaft. Er benannte zunächst wichtige Akteure, die sich in die aktuellen Debatten einmischen und skizzierte damit eine Kulisse, in der sich in den vergangenen fünf Jahren deutliche Veränderungen im deutschen Wissenschaftssystem gezeigt haben. Diese Transformation ist jedoch in den Hochschulen am geringsten ausgeprägt, weshalb eine Umsteuerung hier umso wichtiger ist. In einem Debattenbeitrag der Deutschen Universitätszeitung hat Uwe Schneidewind das Leibild einer Bürgerhochschule eingeführt.

Diese Bürgerhochschule nimmt gesellschaftliche Herausforderung aktiv auf und fördert eine Haltung der Integration von unterschiedlichen Wissensformen, die bisherige Hierarchien abbaut und zu einem gemeinsamen Wissensaustausch zwischen verschiedenen Akteuren auf Augenhöhe führt. Dies hat auch zentrale Auswirkungen darauf, wie die Hochschule ihren Studierenden begegnet: In vielen Nachhaltigkeitsfeldern sind sie Wissensträger auf gleicher Augenhöhe und von ihnen stammen häufig neuartige Problembeschreibungen und -lösungen: dies zeigen beispielhaft die Beiträge zu einer heterodoxen Wirtschaftswissenschaft, wie sie aktuell vom Netzwerk Plurale Ökonomie und anderen Studierendeninitiativen in die Hochschulen eingebracht warden.

Die Umsetzung einer Bürgerhochschule braucht nach Uwe Schneidewind ein Klima des Miteinanders, kritische Studierende, den Mut zu strukturellen und kontinuierlichen Reformen und vor allem geeignete institutionelle Rahmenbedingungen zur Transformation der Hochschulen (beispielsweise durch transdisziplinäre Förderformate oder transdisziplinäre Methoden- und Nachwuchsqualifizierungen). Nicht zuletzt sind Hochschulen selbst ein ideales Reallabor, das für Forschungs- und Lehrzwecke aktiver genutzt werden kann.