Bericht zur Tagung „Nachhaltige Wissenschaft – Wege für Hochschulen“

Podiumsdiskussion (Moderation Dr. Benjamin Nölting)

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden viele der vorherigen Impulse und Fragen aufgegriffen und vertieft. Neben den ReferentInnen Wilfried Krauß, Prof. Dr. Sabine Kunst, Prof. Dr. Uwe Schneidewind wurde das Podium von Paula Voigt und Alexandra Petrikat (zwei Studierende der HNE), sowie Prof. Dr. Rudi Kurz (Hochschule Pforzheim) und Prof. Dr. Jens Pape (HNE) gestaltet.

Zur Frage der zivilgesellschaftlichen Beteiligung hatte der BUND im Vorfeld der Tagung 10 Thesen entwickelt, deren forschungspolitische Umsetzung auch in der Diskussion angesprochen wurde. In der Gesamtschau auf die aktuelle Hochschul- und Wissenschaftspolitik wurde vor allem diskutiert, wie es zu mehr Transparenz und flächendeckender Beteiligung der zivilgesellschaftlichen Verbände kommen kann. In den Verbänden sollte ein wissenschaftspolitisches Capacity Buidling statt finden, ohne zeitgleich zu einer Überforderung der Verbände und einem damit einhergehenden Partizipationsfrust zu führen. Dazu wurde sowohl die Etablierung von alternativen Beteiligungsformaten (zivilgesellschaftlicher Forschungsfond) empfohlen, als auch eine Beeinflussung der Governance-Strukturen des Wissenschafts- und Hochschulsystem. Letzteres wurde am Beispiel der Hochschulräte diskutiert, die zwar im Land Brandenburg nicht für jede Hochschule existieren, aber für die Hochschulen anderer Bundesländer eine zunehmend wichtige Steuerungsfunktion einnehmen.

Zur Etablierung einer gesellschaftlich relevanten,projekt-orientierten Lehre wurde vor allem von den Studierenden für Projektwerkstätten sowie die Anerkennung studentischen Engagements plädiert. In dem Konkretisieren der abstrakten Transformationsforschung auf kleine Projekte könnten die Studierenden zur Beteiligung angeregt werden und die eigene Wirksamkeit hinsichtlich der Gestaltung ihres nahen Umfeldes erleben. Dies würde vor allem den zeitlichen Freiraum und die Kapazitäten für Experimente (die mitunter auch scheitern können) öffnen. Der Campus als Versuchsgemeinde kann ein hervorragendes Reallabor für solch ein „Learning by doing” sein. Um genügend Raum für die studentische Eigeninitiative zu geben und die Anerkennung studentischen Engagements für Nachhaltigkeit zu erhöhen, sollten die Projektwerkstätten mit mindestens 6 ECTS vergütet sein – so die Studierenden.

Eine viel geteilte Einschätzung im Publikum war die Feststellung, dass die üblichen Qualitätskriterien disziplinärer Wissenschaft dem Verständnis einer nachhaltigen Wissenschaft diametral entgegenstehen.Die Herausforderungen für Karrieren in der Nachhaltigkeitswissenschaft und die damit zusammenhängende Machtfrage dürfe nichtwegdiskutiert werden. Insbesondere mit der laufenden Veranstaltung und der damit einhergehenden Positionierung wichtiger Umweltverbände werde die Machtfrage im Wissenschaftssystem jedoch deutlich angegangen, denn letzlich werden Deutungshoheiten in Wissensgesellschaften zunehmend durch die intelektuellen Rahmungen vorgegeben.

Ansätze zur Förderung transdisziplinärer Nachhaltigkeitswissenschaft müssten Anreizsysteme neben dem klassischen peer-review-Verfahren schaffen, damit WissenschaftlerInnen die praxisnah an Nachhaltigkeitsproblemen arbeiten, nicht ihrer eigenen Karriere schaden. Die Anzahl der Förderung inter- und transdisziplinärer Forschungsvorhaben ist in den vergangenen Jahren signifikant angewachsen (beispielsweise in den großen außeruniversitären Forschungsgemeinschaften) und auch das BMBF wird die Förderung von interdisziplinären Forschungsarbeiten in den kommenden Ausschreibungen der Nachhaltigkeitsforschung stärker berücksichtigen.

Nicht zuletzt stand die Frage im Mittelpunkt, welche konkreten Wege Hochschulen in ihrer eigenen Transformation beschreiten können und wie die studentische Beteiligung in der strategischen Organisationsentwicklung aussehen kann. Blickt man auf verschiedene Hochschulen Deutschlands lassen sich sowohl Beispiele für Bottom-up-Prozesse als auch Top-Down-Strategien finden. Eine gute Strategie hängt dabei immer von engagierten MitstreiterInnen, günstigen Rahmenbedingungen an der Hochschule, gelungenen Aushandlungsprozessen und genutzten Zeitfenstern ab. Die Gestaltungspielräume der Hochschulpolitik können aktiv genutzt werden (bspw. Berufungsverfahren) und auch die Zusammenarbeit mit anderen Partnern außerhalb der Hochschule kann ein günstiges Klima für einen Wandel der Hochschule schaffen.

Am Nachmittag fanden abschließend fünf Werkstätten zur Konkretisierung der Diskussionen statt, deren Dokumentation von den VeranstaltungsorganisatorInnen in Kürze zur Verfügung gestellt wird.

Insgesamt wurde mit der Tagung auf beeindruckende Weise gezeigt, wie fundiert und fortgeschritten die Diskussion um eine nachhaltige Wissenschaft ist – insbesondere im Kreis der zivilgesellschaftlichen Organsiationen und der studentischen Initiativen. Auf ein Follow-Up darf gespannt gewartet werden.