German Future Earth Summit 2014 – Ein Veranstaltungskommentar von Steffi Ober aus der Perspektive der Zivilgesellschaft

Dr. Steffi Ober Dr. Steffi Ober

NABU/ Plattform Forschungswende

Diskussionbeiträge zur Nachhaltigen Wissenschaft


Die Future Earth Forschung beschäftigt sich mit Themen und Problemstellungen, die inter- und transdisziplinär gelöst werden sollen. Sie sieht ihren Schwerpunkt darin, Lösungsansätze zu formulieren, damit sich Gesellschaft und Institutionen global nachhaltig entwickeln. Die Themenschwerpunkte liegen auf „Dynamic Planet“, die Frage wie ein „safety space for humanity“ in Anlehnung an das Rockström Modell gesichert werden kann. Ein zweiter Schwerpunkt „Globale Entwicklung“ stellt die gerechte Verteilung von ökologischen und ökonomischen Ressourcen in den Mittelpunkt“ und ein dritter Schwerpunkt betrachtet die Transformation, und die Entwicklung von Narrativen, Normen und Werten ebenso wie Technologien, um eine nachhaltige Zukunft zu befördern. Mit dem ersten German Future Earth Summit vom 27. bis 28.01.2014 in Berlin wurde der Raum für einen inhaltlichen Austausch von interessierten Akteuren geschaffen.

Prof. Dr. Frans Berkhout, der Interims Direktor von Future Earth, betonte in seinem Eingangsvortrag, dass sich das Future Earth Projekt als Brückenbauer verstehe. Damit eine nachhaltige Zukunft entstehen könne, müsse man Möglichkeiten für fundamentale Änderungen und transitions schaffen. Es ginge darum „Science to Society“ aber auch „Society to Science“ zusammen zu denken. Für das Deutsche Future Earth Committee betonte Prof. Dr. Martin Visbeck ebenso, dass sich das Projekt als Plattform für Co-Design, Co-Produktion und Co-Kommunikation von Wissen verstehe und dass es nun darum gehe, diesen Anspruch mit konkreten Ideen und Projekten zu unterfüttern.

Die folgende Podiumsdiskussion zeigte jedoch vor allem auf, wie schwer es in der wissenschaftlichen Community nach wie vor ist, interdisziplinär zusammen zu kommen. Es mangelt nach Ansicht der Diskutanten an Räumen, Anreizen und Karrieremöglichkeiten. Der Schritt weiter hin zu externen Akteuren, dem vielbeschworenen Stakeholderdialog, erscheint dann noch schwieriger und vor allem noch viel ungeübter. Als einzige außerwissenschaftliche Akteure in der gesamten Tagungsregie saßen ein Vertreter der Munich Re sowie eine Vertreterin des BMU, also aus Wirtschaft und Politik, am Montag morgen auf dem Podium. Dr. Ebernhard Faust von der Münchner Rückversicherung machte seinen Standpunkt deutlich. Es mangele der Wissenschaft an Praxisbezug und an einer visionären Praxis, was man gemeinsam mit den Stakeholdern erreichen wolle. Das Co-Design habe noch einen langen Weg, um in den Köpfen der Wissenschaftler anzukommen. Dabei forderte er, dass zu Beginn eines jeden wissenschaftlichen Projektes eine gemeinsame Problemformulierung mit den Stakeholdern passieren müsse. Die Multiperspektivität, die verschiedenen Systemlogiken aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, müsse explizit gemacht und ausgehandelt werden, wenn man gemeinsam etwas erreichen will.