German Future Earth Summit 2014 – Ein Veranstaltungskommentar von Steffi Ober aus der Perspektive der Zivilgesellschaft

Das Treffen des Deutschen Future Earth Kommittes setzte deutlich seinen Schwerpunkt darauf, die deutsche Forschungscommunity zu vernetzen und zu stärken. Dies ist ein wichtiger Anfang, da dieser Ansatz der internationalen Nachhaltigkeitsforschung selbst eher ein Randthema ist und um Ressourcen und Aufmerksamkeit kämpft. Doch wie das Wissen aus der Wissenschaft zu handlungsrelevanten Maximen in der Gesellschaft wird, wie die Gesellschaft in die Problemformulierung, Problemlösung und Interpretation konkret mit einbezogen wird, das blieb in diesem Kreis recht unkonkret und wenig angedacht.

In seiner Programmatik formuliert das Projekt Future Earth dazu folgendes: „Future Earth will provide a global knowledge and collaboration platform and deliver a step-change in the way science for sustainability is produced and used. (…) the scale and magnitude of global environmental change and the risk posed to ecosystems and societies requires a bridging of the gap between science, policy and practice, to deliver knowledge that will effectively support decisions and actions towards sustainability.[1]

Bridging of the gap zwischen Wissenschaft und Praxis, das ist eine Aufgabe an die Wissenschaft, die in diesen Kreisen noch wenig diskutiert und ausformuliert ist. Doch nur mit einer stärkeren Einbeziehung der Zivilgesellschaft und ihrer Organisationen kann die angestrebte wissensbasierte Transformation beschleunigt und unterstützt werden. Doch auch die Zivilgesellschaft muss sich bewegen, Capacity Building und Empowerment in der Zivilgesellschaft und ihren Organisationen muss stärker in den Fokus rücken, damit diese effektiv an solch anspruchsvollen Programmen wie Future Earth teilnehmen kann. Die zivilgesellschaftlichen Organisationen bündeln als Mitgliederverbände viele Tausend Mitglieder und Multiplikatoren, stellen also effektive Hebel zur Verbreitung von Wissen dar.

Die frühzeitige Einbeziehung der organisierten Zivilgesellschaft ermöglicht zudem, dass die zivilgesellschaftlichen Organisationen in wesentlichen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen selbst Verantwortung übernehmen und diese eigenständig in ihrer Multiplikatorfunktion kommunizieren. Gerade hinsichtlich des dramatisch fortschreitenden Klimawandels ist Zeit ein entscheidender Faktor. In diesem Gebiet sollten sich technologische, soziale wie kulturelle Innovationen möglichst schnell durchsetzen. Dies nutzt nicht zuletzt auch der Ökonomie (wie der Müncher Rückversicherung), wenn die Klimafolgen einigermaßen kalkulierbar bleiben. Die Wissenschaftspolitik selbst profitiert entscheidend von mehr Rückenwind für Forschung & Innovation, wenn diese Themen in Zukunft in der Gunst des Wählers stärker wahrgenommen werden. Wissenschaft und Forschung leben von der Zuwendung ihres Mäzens, dem Steuerzahler. Diesen mehr einzubeziehen sichert auch für die Zukunft nötige Ressourcen ab.


[1] http://www.dkn-future-earth.de/?q=node/11