Lesetipp: Citizen Science – das unterschätzte Wissen der Laien von Peter Finke

Peter Finke, emeritierter Wissenschaftstheoretiker der Universität Bielefeld, hat mit seinem gerade im oekom-Verlag erschienenen Buch „Citizen Science – Das unterschätzte Wissen der Laien“ einen inspirierenden Beitrag zur Diskussion über das Verhältnis von Wissenschaft und Gesellschaft vorgelegt. Die bisherige Reformdebatte konzentriert sich insbesondere auf Veränderungen im etablierten Wissenschaftssystem sowie die Beteiligung von Zivilgesellschaft an den bestehenden wissenschaftlichen Strukturen. Mit dem Buch von Peter Finke wird mit vielen Beispielen und in Fortsetzung der Ideen von Paul Feyerabend ein viel breiterer Blick eröffnet: Von Bürgern betriebene Wissenschaft, die die Grenzen und Strukturen der etablierten Wissenschaft herausfordert. Ein sehr lesenswertes Buch!
Link zum Buch mit „Search inside“ und ersten Rezensionen.

Zwei informative Interviews mit Peter Finke zum Buch und zum Thema finden sich unter:
und

2 Gedanken zu „Lesetipp: Citizen Science – das unterschätzte Wissen der Laien von Peter Finke“

  1. Dieses Buch von Peter Finke hat durchaus das Potzenzial, eine Lücke im herkömmlichen Wissenschaftsverständnis zu schließen, die Lücke zwischen Profis und Laien.
    Bedauerlich nur, dass Finke die Rolle der Wissenschaftsläden in ihrer Funktion als Vermittler zwischen Zivilgesellschaft und Wissenschaft völlig verkennt, ihnen Einseitigkeit vorwirft und ihre besondere Rolle bei der Stärkung zivilgesellschaftlicher Gruppen, Forschungsfragen einzubringen und am Forschungsprozess teilzuhaben unterschätzt (S. 169). Eine bessere Recherche hätte dem Buch hier gut getan, um selbst den Eindruck der Einseitigkeit zu vermeiden.
    Dennoch gibt die neue Aufmerksamkeit für Citizen Science Anlass zur Hoffnung, weil sie ein neues Wissenschaftsbild und eine neue Wissenschaftspolitik einleiten könnte.
    Peter Finke weist aber zu Recht auf die Gefahr hin, dass im Zuge des aktuellen Interesses die ‚Professional‘ Science in ihrem Glauben an einen Alleinvertretungsanspruch für die Wissenschaft sich Citizen Science komplett als neue Methode mit neuen und billigen Forschungshelfern einzuverleiben versucht und die Chance auf eine lebensnähere, am Menschen und seinen Bedürfnissen ausgerichtete Wissenschaft verspielt wird.

  2. Neben der von Peter Finke als „Lite“ bezeichneten Einbeziehung von Feldforschenden in wissenschaftliche Projekte (in der US-Anwendung vorherrschend) wäre es besonders in den Sozialwissenschaften angesagt, die Bürger selbst in die Lernsituationen ihrer Bewegungen einzubeziehen.

    So, wie sich in einigen Unternehmen die „lernende Organisation“ auf dem Hintergrund von Peter Senge und Paulo Freire entwickelt, könnte mit der Transition Town Bewegung eine Bürgerwissenschaft zukünftigen Zusammenlebens wachsen, zu der parteiliche Politik nicht in der Lage war.

    Für München und Regensburg erproben wir in Hochschulen ein „Community entwickeln“, das an bekannte Ansätze des Community Organizing ansetzt und vereinfachte Formen für Gruppen und Nachbarschaften zur Verfügung stellt.

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