Neue Allianzen zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft – Veranstaltungsbericht zur Tagung der Plattform Forschungswende

„Nicht Ob sondern Wie“ – Zwischenbilanz der zivilgesellschaftlichen Beteiligung in der Wissenschaft

Mit ca. 100 TeilnehmerInnen zogen die OrganisatorInnen der Zivilgesellschaftichen Plattform Forschungswende am 07.05. in der BBAW ihre Zwischenbilanz. Seit Start der Plattform im Sommer 2012 hat die Plattform mit einer Reihe von Veranstaltungen, einem Gutachten zur Transparenz und Partzipation in der Wissenschaftspolitik und eigenen Forderungen der zivilgesellschaftlichen Verbände das Thema der Beteiligung der organisierten Ziviligesellschaft auf die wissenschaftspolitische Agenda gebracht. Nicht zuletzt die im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankerte Einbindung der Zivilgesellschaft in der Diskussion neuer Forschungsprogramme zeigt, dass es bei diesen Forderungen nicht mehr um die grundsätzliche Frage des „Ob“, sondern um die Fragen des „Wie“ der zivilgesellschaftlichen Partizipation in der Wissenschaftspolitik geht.

„Die Wissenschaftspolitik braucht die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft“

Die Plattform Forschungswende bündelt dabei die wissenschaftspolitischen Anliegen der einzelnen Verbände und bildet damit auch für die wissenschaftspolitischen Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung einen wichtigen Ansprechpartner. So sprach Dr. Karl-Eugen Huthmacher, Abteilungsleiter im BMBF, in seiner Rede den Plattform-OrganisatorInnen explizit seinen großen Dank für die geleistete Aufbauarbeit aus und betonte, dass die Wissenschaftspolitik den Dialog und die Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft brauche. Die neue Hightech-Strategie werde zum ersten Prüfstein, inwiefern die Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit und Beteiligung, sowie sozialer und ökologischer Innovationen, in die Wissenschaftspolitik Eingang gefunden habe. Prof. Dr. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, forderte dabei, dass für eine solche Zusammenarbeit auch ein capacity building in den einzelnen Verbänden gefördert werden müsse, sonst drohe der Prozess die Verbände zu überfordern. Der Aufbau einer zivilgesellschaftlichen Agora könnte zu diesem capacity building entscheidend beitragen. Auch die Förderung des strukturierten Dialogs mit zivilgesellschaftlichen VertreterInnen vor Antragstellung eines konkreten Forschungsprojektes wäre ein wirksames Instrument zur stärkeren Beteiligung, so der Publikums-Beitrag von Herrn Joachim Spangenberg.

„Es bleibt ein Kampf auf allen Steuerungsebenen“

Die Integration zivilgesellschaftspolitischer Positionen in konkrete transdisziplinäre Forschungsprozesse oder ganze Forschungsagenden bleibt damit aber ein harter Kampf auf allen Steuerungsebenen, auch dies wurde durch Publikumsbeiträge zur Forschungspolitik der EU und der Bundesländer deutlich. Die Fortschreibung der Schwerpunktlinie „Wissenschaft in der Gesellschaft“ des 7. FRP der EU zur Richtline „Wissenschaft mit der und für die Gesellschaft“ im 8. FRP der EU konnte, so die Aussage von Claudia Neubauer, nur unter massivem Eingriff beteiligter Organisationen sicher gestellt werden. Auch auf Länderebene gibt es trotz einiger Erfolge mit neuen Förderrichtlinien, weiterhin viel Arbeit: Till Westermayer, Referent für Wissenschaft der Grünen in Baden-Würrtemberg, betonte dass die vergleichsweise kleine Änderung der Verwaltungspraxis mit einer Verankerung von pluralistisch besetzten Hochschulräten im neuen Landeshochschulgesetz zu massiven Widerständen der bisherigen Hochschulrats-Mitglieder geführt habe.

Der Nachmittag der Veranstaltung stand dann auch im Zeichen erfolgreicher Beispiele und der Geschichten des Gelingens, wie zum Beispiel des Next Hamburg oder der Vorstellung beginnender Prozesse, wie dem Forschungsforum Energiewende. Dr. Ernst Dieter Rossmann, Sprecher der AG Bildung und Forschung der SPD-Bundestagfraktion, verwies darüber hinaus auf den laufenden politischen Prozess, in den es sich aktiv einzubringen lohnt. Die SPD hat in einem 2013 erschienen Positionspapier die Idee eines Bürgerzukunftsfonds gestärkt. Die Zivilgesellschaftliche Plattform Forschungswende will, im Falle einer Weiterförderung durch das UBA, stärker die Zusammenarbeit mit den Bundesländern und den dortigen zivilgesellschaftlichen Landesverbänden suchen.

2 Gedanken zu „Neue Allianzen zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft – Veranstaltungsbericht zur Tagung der Plattform Forschungswende“

  1. Ich erlaube mir, auch an dieser Stelle auf die Bremer Bildungsidee „Wegweiser für Menschlichkeit – unsere Schulen!“ zum Reformationsjubiläum 2017 und darüber hinaus aufmerksam zu machen, die in den „Gesprächen am Bremer Schultisch zur Agenda 21“ von allen Orten „an der Allee der UN-Ziele“ aus gemeinsam veranschaulicht werden soll (s. GOOGLE: „Zukunftsgemeinschaft Wirtschaft Schule“)
    Erich K.H. Kalkus, Lehrer i.R.
    Initiator der Bremer Aktion für Kinder (BAKI) seit 1986

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