Impressionen der Tagung „Interfaces of Science and Policy and the Role of Foundations“

4. Media: New strategies for the production and dissemination of knowledge
In der dritten Podiumsdiskussion wurde von den ExpertInnen die Schnittstelle von (neuen) Medien und Wissenschaft stärker beleuchtet. Prof. Dr. Otfried Jarren, Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Zürich, vedeutlichte in seinem Beitrag, dass sich die Kommunikation wissenschaftlich generierten Wissens zunehmend ausdifferenziert und institutionalisiert und es im Sinne einer gegenseitigen Durchdringung der beiden Systeme zu einer Medialisierung der Wissenschaft kommt. Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Medialisierung auch Rückwirkungen auf die wissenschaftliche Wissensproduktion selbst hat. Stiftungen können als intermediäre Organisationen hier eine wichtige und korrektive Funktion entwickeln. Ehsad Massod, Chefredakteur von „Research Fortnight“, einer Forschungs- und Wissenschaftszeitung in Großbritannien, skizzierte die Bedingungen unter denen sich ein guter Wissenschaftsjournalismus aktuell behaupten muss: der Trend zu digitalen Medien und der damit gestiegene Aktualitätsdruck sowie eine immer stärker spezialisierte und überarbeitete Wissenschaftler-Community, für die die Wissenschaftskommunikation häufig nicht prioritär ist. Stiftungen erhalten vor diesem Hintergrund eine neue Rolle, wenn gleich sie nicht politisch legitimiert sind. Prof. Dr. Karen Knorr-Cetina, Professorin für Soziologie und Anthropologie an der University of Chicago, lenkte mit einer system-theoretischen Perspektive auf die Systeme Wissenschaft und Politik den Blick darauf wie eine strukturelle Kopplung beider Systeme unter Rückgriff auf intermediäre Organisationen, wie Stiftungen und Medien, erfolgreicher sein kann. Ihnen kommt die Rolle der Facilitatoren, der Gestalter oder der externen Beobachter an der Schnittstelle von Informationsproduktion und – verbreitung zu. Dabei sei es jedoch auch wichtig, die verschiedenen disziplinären (Sub-)Kulturen von WissenschaftlerInnen zu beachten. Prof. Dr. Bernhard Lorentz, ehemaliger Geschäftsführer der Stiftung Mercator, erläuterte in seinem Statement, dass Probleme wie die mediale Berichterstattung über den Klimawandel neue Herausforderungen für die Stiftungsarbeit mit sich bringen. Als boundary organizations können Stiftungen aus einer einzigartigen Position heraus agieren, weil sie Reputation in beiden Systemen – der Wissenschaft und der Politik – vorweisen können. Stiftungen haben in der jüngeren Vergangenheit einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, wichtige gesellschaftliche Themenstellungen stärker in die Öffentlichkeit zu bringen.
Die anschließende Debatte kreiste um die Frage der Sicherung eines qualitativ hochwertigen, unabhängigen und kritischen Wissenschaftsjournalismus. Wenn Stiftungen sich direkt in der Förderung eines Wissenschaftsjournalismus engagieren würden, wäre die Neutralität und Glaubwürdigkeit dieser Berichterstattung tendenziell gefährdet. Die Förderung von Trainings für JournalistInnen wäre demgegenüber ein konkret vorstellbares Stiftungsengagement.
Prof. Dr. Klaus Töpfer verdeutlichte in der abendlichen Keynote den Wandel zwischen den Welten Wissenschaft und Politik anhand der eigenen biographischen Stationen als Wissenschaftler, ehemaliger Umweltminister und Exekutivdirekter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), sowie als jetziger Leiter des Institute für Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam. Von der Wissenschaft forderte er, dass sie die Bedingungen von Unsicherheit in einer interdisziplinären und transdisziplinären Wissensproduktion berücksichtige. Für die Politik machte er sich für einen engagierten Vorsorge-Ansatz stark, in dem (unter Anerkennung des unsicheren wissenschaftlichen Wissens) wann immer es möglich sei „no-regret-decisions“ getroffen werden sollen. Beide Akteure sollten Wissen und Entscheidungen generieren, die potentielle Gestaltungsmöglichkeiten mehr eröffnen als verschließen.
5. Analysing linkages between science and politics (revisited)
Der zweite Tagungstag bot erneut einen zunächst theoretischeren Einstieg in die Diskussion. Prof. Dr. Rudolf Stichweh, Direktor des Forums Internationale Wissenschaft an der Universität Bonn, bot mit einer historischen Perspektive auf die Entwicklung verschiedener Teilsysteme der Gesellschaft eine Erklärung dafür, warum sich seit ca. 1800 diese funktionalen Systeme ausdifferenzieren und gleichzeitig an Autonomie und „Reinheit“ verlören. Diese Entwicklung gebe den Verbindungen zwischen den verschiedenen Systemen eine besondere Bedeutung. Die Wissenschaft und Hochschulen werden aktuell, wie andere gesellschaftliche Teilsysteme auch, globaler und inklusiver. Besonders die Hochschulen haben jedoch historisch eine enge Verbindung zu der Zivilgesellschaft und dem Bürgertum. Wissenschaft solle daher nicht nur in einer Ratgeber-Rolle für die Politik angesprochen werden, denn sie trage als einziges System von unabhängigen ExpertInnen eine sehr viel weitere gesellschaftliche Verantwortung. Prof. Dr. Daniel Sarewitz, Direktor des „Consortium for Science, Policy and Outcome, an der Arizona State University, fokussierte in seinem Impulsvortrag vor allem die Beziehungen zwischen WissenschaftlerInnen und PolitikerInnen. Durch die jeweils eigenen Wertestrukturen beider Akteursgruppen kann die „Ehe“ zwischen beiden als voller Abhängigkeiten und Spannungen beschrieben werden. Anhand verschiedener Geschichten aus der amerikanischen Umweltpolitikberatung illustrierte Daniel Sarewitz anschaulich, wie wissenschaftlich fundiertes Wissen von der Politik instrumentalisiert, marginalisiert oder ignoriert wurde.
In der anschließenden Diskussion wurde vor allem die Rolle der Wirtschaft in der aktuellen Entwicklung moderner Wissensgesellschaften kontrovers diskutiert. Da sie zunehmend stärker auf die Wissenschafts- und Forschungsförderung Einfluss nehme, gehe es darum demokratisch legitimierte Prozesse und Entscheidungen als Gegengewicht zu schützen. Die Aushandlungen über die Weiterentwicklung der Demokratie sei eine wesentliche weitere Aufgabe für die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik.

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