taz Artikel über die aktuellen Spannungsfelder von Citizen Science

Am 08.07.2014 fand in Berlin die Auftakt-Veranstaltung zum Projekt GEWISS (Bürger schaffen Wissen) statt. Die BMBF geförderte Plattform soll die Citizen Science in Deutschland voran treiben und sowohl für wissenschaftlich engagierte BürgerInnen als auch für WissenschaftlerInnen eine Vernetzungsmöglichkeit schaffen. Ob diese Form aktuelle Unterstützung der Beteiligung an Forschungsprojekten eine echte Partizipation von BürgerInnen in der Wissenschaft darstellt, wird zunehmend kontrovers diskutiert. Befürchtet wird die Gefahr einer Scheinbeteiligung, die eine echte Demokratisierung der Wissenschaft z.B. in der Co-Definition von Forschungsfragen oder der Mitbestimmung in der Erstellung von Forschungsagenden eher verhindert. Darüber hinaus wird gefragt, ob die aktuelle Institutionalisierung der Citizen Science den gerade nicht instiutionalisierten Forschungsprojekten vieler BürgerInnen ein entscheidendes Maß an Unabhängigkeit und Freiheit nimmt. Dies betont der Citizen Science Experte, Prof. Dr. Finke, der im Frühjahr das Buch „Citizen Science -Das unterschätzte Wissen der Laien“ veröffentlicht hat und die Chancen der Citizen Science vor allem in ihrem, vom Mainstream des Wissenschaftssystems unabhängigen, Bestreben nach mehr Unabhängigkeit, mehr Nachhaltigkeitsforschung, mehr Transdisziplinarität und mehr bürgerfreundliche Kommunikationsweisen sieht. In einem aktuellen taz Artikel zieht Manfred Ronzheimer ein Fazit zur GEWISS- Auftakveranstaltung und zeigt das Spannungsfeld der aktuellen Debatte um Citizen Science differenziert auf.
Der Artikel wurde am 11.07. veröffentlicht und kann hier gelesen werden.

Ein Gedanke zu „taz Artikel über die aktuellen Spannungsfelder von Citizen Science“

  1. Die Formulierungen machen schon klar, wo her das Denken kommt, in der Wissenschaft leider meist von oben:

    Wer Worte wie „Laien“ benutzt, wird nicht wirklich zu den Bürgern kommen, sondern im Wissenschaftslatein bleiben, wie eine frauendiskriminiernde katholische Kirche: Dinge, die Wissenschaftler so nicht aussprechen.

    „Demokratie braucht wissenschaftlich sprechfähige Bürger“ ist Vogels Credo, und aus seiner Tätigkeit im nicht unumstrittenen deutschen Bioökonomierrat wisse er: „Wir müssen die Menschen bei neuen wissenschaftlichen Richtungen mitnehmen und Teilhabe gewährleisten.“

    Auch dieser Satz aus dem taz-Artikel macht klar: Wir bestimmen, müssen die Bürger mitnehmen, damit keine Widerstände entstehen, ein wenig Teilhabe erlauben, statt als Wissenschaftler den Bürgern und ihren Interessen verpflichtet zu sein: Wir fühlen uns den Geldgebenden und der Regentschaft verpflichtet.

    Was früher einmal republikanisches Denken war, ist im konkurrenz-kapitalistischen Wissenschaftssystem ausgerottet oder verlorengegangen.

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