Veranstaltungsbericht „Stadt und Region – Reallabore der resilienzorientierten Transformation“

Zum Begriff der Resilienz wurde seine stark steigende Verwendung innerhalb der Wissenschaft, aber auch der Politik und Verwaltung angemerkt. Ursprünglich aus der Entwicklungspsychologie stammend, ist der Begriff inzwischen in verschiedenen Disziplinen in Gebrauch. Deutlich wurde die Übereinstimmung, Resilienz breiter zu fassen als eine reine „bounce-back“-Fähigkeit. Gerade im Zusammenhang mit dem Panarchie-Modell (C.S. Holling, L.H. Gunderson 2002) mit seinen vier Phasen des Wachstums/Erkundung, Erhalt/Stabilität, Zerfall/Bruch und Reorganisation sowie den qualitativen „Sprüngen“ zu einer anderen Systemebene (sog. „revolts“) aus der Phase der Neuorientierung heraus, wurde dies veranschaulicht.
Häufig genannt wurde ebenfalls das Verständnis von Resilienz als ein Konzept, das nicht auf einzelne Problemlagen wie den Klimawandel verengt werden darf. Statt dessen gilt es, unterschiedliche ökologische, soziale und wirtschaftliche Herausforderungen und mögliche Ausbalancierungen in Verbindungen zu erforschen (z.B. auch Peak Oil und andere Ressourcenverknappungen).
Ebenfalls vorgetragen wurde die Ansicht, Resilienz und Nachhaltigkeit würden sich nicht substituieren, sondern vielmehr gegenseitig ergänzen. So wurde Resilienz als ein systemisches, analytisch wenig normativ aufgeladenes Konzept betrachtet, Nachhaltigkeit hingegen als normativ gerahmte Perspektive. In ihrer modularen Verbindung können damit differenzierte Aussagen und Forschungsrichtungen bedient werden.
Zugänge, Kritierien für die Bewertungen der Resilienz von geografischen Räumen zu finden, wurden diskutiert und der positive Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Faktoren und Resilienz (z.B. führt niedrige Konjunkturabhängigkeit zu hoher Resilienz, basiert evtl. aber auf einer insgesamt leistungsschwachen Wirtschaft) kritisch kommentiert.
 
Bezogen auf die konzeptionelle Unterfütterung resilienzorientierten Reallaboren wurden folgende Ansätze genannt:
  • Urban Transiton Labs (Nevens et al. 2013 + 2014)
  • Pressure-Point-Analysis (aus der Psychologie stammend)
  • Panarchie-Modell (C.S. Holling, L.H. Gunderson 2002) und Erweiterungen (Schnur, 2014)
  • das Vorgehen im Quartier Zukunft – Labor Stadt
 
Ein Schwerpunkt des zweiten Tags lag auf der Vorstellung lebendiger Beispiele für reale Experimente, Labore und Veränderungsprojekte:
·Lüneburg (Leuphana Uni)
oLaborN
·Ferropolis: www.ferropolis.de
·Hannover (Pestel Institut und Transition Town Hannover): Unternehmen Tafelrunde
 
Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine ausführliche Fishbowl-Runde, in der wichtige Themen vertieft, oder Weiterführendes diskutiert wurde. U.a ging es um die Frage, inwieweit Nachhaltigkeitsbewegte die „besseren“ Menschen sind und als Träger von überlegenem Wissen auftreten können und dürfen. In dem Zusammenhang wurde auch die Verwendung von Marketingstrategien zur Verbreitung nachhaltiger Lebensstile kontrovers diskutiert. Zudem wurde das schon während der Tagung angesprochene Problem der (Über-)belastung von engagierten, transdisziplinär Forschenden aufgegriffen -> häufig fehlen Zeit- und Geldressourcen.
Unterschiedlich wurden zudem die Chancen für transdisziplinäre Wissenschaftler im Forschungssystem eingeschätzt – für manche ist es der „Karrierekiller“, andere wie z.B. die Leuphana Universität suchen händeringend nach explizit transdisziplinär ausgebildeten ForscherInnen.
 
Insgesamt schlug die Diskussion damit starke Brücken in persönliche Lebenswelten und schien damit das Bedürfnis nach Austausch und Reflexion innerhalb der „community“ zu treffen. Deutlich wurde zudem die häufig hohe persönliche Involviertheit und die intrinsische Motivation der in transdisziplinären Projekten Aktiven. Die sich hieraus ergebenden Vor- und Nachteile sollten dementsprechend auch in Zukunft reflektiert werden und, wo möglich, persönliche oder institutionelle Veränderungen anstoßen.