Diskussionsbeitrag: Veröffentlichung der neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung – von Steffi Ober

Dr. Steffi Ober Dr. Steffi Ober

NABU/ Plattform Forschungswende

Anfang September wurde die neue Hightech-Strategie, die zentrale und interministeriell organisierte Innovationsstrategie der Bundesregierung, im Bundeskabinett verabschiedet. Allein 2014 sollen für diese Strategie 11 Milliarden € zur Verfügung stehen um Wohlstand und Wachstum durch Forschung zu befördern. In einem Kommentar aus der Perspektive der organisierten Zivilgesellschaft diskutiert Steffi Ober positive und kritische Aspekte der neuen Innovationsstrategie.

„Nicht weniger als “ Innovationspolitik aus einem Guss “ verspricht die Bundesregierung mit der neuen Hightech-Strategie, die mit 11 Mrd. Euro startet. Obwohl geschickt in der Darstellung immer wieder auf „Lebensqualität“ und „qualitatives Wachstum“ verwiesen wird, scheinen die kritischeren Überlegungen der Enquete – Kommission des Deutschen Bundestages zu „Wachstum, Wohlstand und Lebensqualität“ wenig Spuren hinterlassen zu haben.  Die Green Economy soll als Wachstumsmotor dienen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken. Als prioritäre Zukunftsaufgaben für Wohlstand  und Lebensqualität werden fünf Kernelemente vorgestellt:

·       Innovationsdynamik in der Wirtschaft
·       Innovationsfreundliche Rahmenbedingungen
·       Vernetzung und Transfer
·       Partizipation und Transparenz
Innovation brauche die Mitte der Gesellschaft, so die Erkenntnis der Bundesregierung. Deshalb solle die Gesellschaft „Technologieaufgeschlossener“ werden. Man könnte es auch anders formulieren: sie solle weniger technologiekritisch sein. Dabei steht doch gerade die technologiekritische Haltung der Gesellschaft für einen reflektierten Umgang mit Technologie, der auf einer hohen Bildung und Kritikfähigkeit beruht. Dabei stellt das seitens des BMWI in Auftrag gegebene Gutachten fest, dass die vermeintliche Technologieverweigerung der Deutschen nicht zutrifft. Menschen sind dann technologieaufgeschlossen, wenn sie einen deutlichen Nutzen erkennen können und wenn sie in die Mitgestaltung der Technologieentwicklung von Anfang ein mit einbezogen werden. Diesen Gedanken  nimmt die Hightech Strategie in ihrem letzten Punkt auf. Informationen sollen neutral vermittelt und die Diskussion sachlich geführt werden. Wir erinnern uns – mit diesem Konzept ist bereits die Diskussion um die Grüne Gentechnik krachend gescheitert, da mit solchen Formulierungen unterschiedliche Werthaltungen und Interessen der Akteure verschleiert anstatt dem Dialog zugänglich gemacht werden. Leider zieht sich im gesamten Kapitel der überholte Ansatz durch, dass Wissenschaft nur gut aufbereitet und erklärt werden muss, damit der das „von den Menschen verstanden, angenommen und angewendet wird“. Dies trifft auch für das Haus der Zukunft zu, das mit Millionenbeträgen gebaut und im Jahr 2017 eröffnet werden soll.

3 Gedanken zu „Diskussionsbeitrag: Veröffentlichung der neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung – von Steffi Ober“

  1. Liebe Frau Ober, ich sehe einerseits viele Missverständnisse in Sachen Haus der Zukunft, verstehe aber auch Ihre Vorbehalte, es geht nun darum dies mit Inhalt und Leben zu erfüllen. Hier ein paar Gedanken: Beim Haus der Zukunft geht es mir als Gründungsdirektor natürlich darum, ALLE einzubinden. „Die“ Politik, aber auch „die“ Wissenschaft, „die“ Wirtschaft und „die“ NGOs/Initiativen etc. werden eine Transformation in die Zukunft nicht jeweils alleine hinbekommen, so wie dies auch der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen formuliert hat. Natürlich geht es damit neben der Rolle der Wissenschaft (Natur-, Technik-,Sozial-, Kultur-,Geisteswissenschaften, möglichst im transdisziplinären/transformativen Kontext) insbesondere um die Rolle und Einbindung der Zivilgesellschaft (durchaus auch hinsichtlich wissenschaftlicher Fragestellungen und wissenschaftlichem Vorgehen). Mit welchem Wissen gehen wir die Zukunft an? Wissenschaftswissen wird durch Erfahrungswissen und Überzeugungswissen ergänzt. Wie interagiert dies? In welche Zukunft gehen wir, was ist wünschbar, machbar, unausweichlich? Welche Pfade gibt es? Reaktions-, Suffizienz-, Konsistenz-, Effizienzpfad? Vielleicht Mischungen davon? Wirtschaftsweisen, Werte, Arbeit in der Zukunft? Sich Dinge besser vorstellen können, ausprobieren, sich einbringen, selbst Ideen liefern, selbst mit umsetzen, sich aber auch dem konstruktiven Diskurs stellen. Um all dies soll es im Haus der Zukunft gehen. Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft müssen hier auf Augenhöhe miteinander reden und konstruktiv miteinander umgehen. Ausreden wie „mit denen rede ich doch gar nicht“, lassen wir einfach nicht zu 😉 Oder auf den Punkt gebracht: Im Haus der Zukunft sollen alle am Gesellschaftsvertrag für eine Zukunftstransformation Beteiligten üben, diesen mit Leben zu erfüllen.
    Eine hohe Messlatte, ich weiß, und nach erst einer Woche im Amt ist mir klar, dass dies kein einfacher Weg sein wird, aber die Zukunft, besser die Zukünfte, ist/sind es wert dies anzupacken. Auf konstruktiven Dialog und Unterstützung in der Sache freue ich mich sehr.
    Reinhold Leinfelder, Gründungsdirektor des Haus der Zukunft Berlin
    http://www.hausderzukunft-berlin.de
    (siehe ggf. auch: http://www.die-grosse-transformation.de sowie http://www.anthropocene.de)

  2. Innovationen sind doch ein Stück weit eine Kulturfrage und ein Ergebnis von Rahmenbedingungen. Diese können nicht durch ein paar Floskeln geschaffen werden sondern dazu bedarf es eines Wechsels der Einstellung zu dieser Thematik der Beteiligten. Hin zu mehr Risikobereitschaft und eine Entfernung vom Sicherheitsdenken in Kauf nehmen, da Innovationen immer durch Unsicherheit gekennzeichnet sind. Warum sind wir Optimierungsweltmeister aber nicht bekannt für die Innovationskultur? Weil Optimierungen planbar sind und das ist in vielen Fällen der grundlegende und entscheidende Faktor.

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