Diskussionsbeitrag: Zur Gründung des „Haus der Zukunft“ – Kommentar von Reinhold Leinfelder zum Diskussionsbeitrag von Steffi Ober

Auch am Haus der Zukunft soll es neben der Rolle der Wissenschaft (Natur-, Technik-,Sozial-, Kultur-,Geisteswissenschaften, möglichst im transdisziplinären/transformativen Kontext) sowie der Technologien ganz besonders um die Rolle und Einbindung der Zivilgesellschaft (durchaus auch hinsichtlich wissenschaftlicher Fragestellungen und wissenschaftlichem Vorgehen) gehen. Mit welchem Wissen gehen wir die Zukunft an? Welche Rolle spielen Erfahrungswissen und Überzeugungswissen, sind dies Ergänzungen oder Gegenspieler von  Wissenschaftswissen? Und in welche Zukunft gehen wir, was ist wünschbar, machbar, unausweichlich? Wie können wir die Zukunft selbst gestalten? Welche Wege in die Zukunft sind dabei möglich? Ein Reaktionspfad, ein Suffizienzpfad, ein Konsistenzpfad oder ein Effizienzpfad? Oder doch eher Mischungen davon? Wie können wir dies gemeinsam verhandeln? Welche Wirtschaftsweisen, Werte, Arbeitsabläufe und Lebensentwürfe bringt also die Zukunft?
Selbstverständlich müssen wir dazu auch erklären, welche wichtige Rolle die Wissenschaft hierbei spielt, aber eben in einer völlig neuen Weise. Wir wollen mit dem Haus der Zukunft ja insbesondere ein Forum dazu bieten, zu reflektieren, wie alles mit allem zusammenhängt, aber auch dazu, sich mögliche Zukünfte besser vorstellen zu können, technische Prototypen, ja sogar neue Verhaltensweisen selbst auszuprobieren, sich insgesamt einzubringen, selbst Ideen zu liefern, diese vielleicht selbst mit zu beforschen und umzusetzen, sich aber natürlich auch dem konstruktiven Diskurs zu stellen. Um all dies soll es im Haus der Zukunft gehen. Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik müssen hier auf Augenhöhe miteinander reden und konstruktiv miteinander umgehen. Ausreden wie „mit denen rede ich doch gar nicht“, lassen wir einfach nicht zu. Ganz einfach auf den Punkt gebracht: Im Haus der Zukunft sollen die am Gesellschaftsvertrag für eine Zukunftstransformation beteiligten Akteure üben, diesen Vertrag mit Leben zu erfüllen. Oder noch einfacher: das Haus der Zukunft soll allen Lust und Mut zu machen, die Zukunft aktiv mitzugestalten.
Eine hohe Messlatte, ich weiß, und nach erst einer Woche im Amt ist mir klar, dass es kein einfacher Weg sein wird, diese Ziele zu erreichen, aber die Zukunft, besser die Zukünfte, ist/sind es wert, dies anzupacken. Auf umfassende Partnerschaften, konstruktiven Dialog und Unterstützung in einer Sache, die jeden von uns angeht, nämlich die Zukunftsgestaltung, freue ich mich sehr.
Reinhold Leinfelder, Gründungsdirektor des Haus der Zukunft Berlin

Siehe auch:

http://www.wbgu.de

http://www.die-grosse-transformation.de

http://www.scilogs.de/der-anthropozaeniker