Buchneuerscheinung und öffentliche Diskussion: Freie Bürger, freie Forschung. Die Wissenschaft verlässt den Elfenbeinturm

Mit seinem neuen Buch „Freie Bürger, freie Forschung – Die Wissenschaft verlässt den Elfenbeinturm“ (Erscheinungstermin 04.06.15, oekom Verlag) gibt Peter Finke, führender Citizen Science-Experte in Deutschland der Debatte um die Bürgerwissenschaft neuen Aufschwung. Die Stimmen, die der Herausgeber in seinem neuen Buch versammelt hat, zeigen exemplarisch, worum es der Bürgerwissenschaft geht: „Es geht um (…) eine Forschungswende und eine zumindest partielle Befreiung der Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm. Namhafte Autoren, darunter Joachim Radkau, Uwe Schneidewind, Angelika Zahrnt, Hubert Weiger, Peter Berthold oder Josef Reichholf, plädieren in diesem Buch dafür, die Wissenschaft nicht den Berufswissenschaftlern allein zu überlassen, sondern sie aus der Mitte der Gesellschaft heraus aktiv zu verändern. In einem demokratischen Staat ist dies Bürgerrecht und Bürgerpflicht zugleich. Das Buch ergänzt und erweitert das Grundlagenwerk „Citizen Science: Das unterschätzte Wissen der Laien“, welches von Prof. Finke 2014 im oekom verlag veröffentlicht wurde und große Medienresonanz erfuhr.“ (Ankündigung oekom Verlag)

Die erste Buchvorstellung findet am 8. Juni 2015 um 18 Uhr bis 20Uhr im Projektzentrum Berlin der Stiftung Mercator, Neue Promenade 6, 10178 Berlin statt. Neben Prof. Finke werden vorraussichtlich folgende ExpertInnen diskutieren.

Dr. Steffi Ober (u.a. Plattform Forschungswende)
Prof. Dr. Uwe Schneidewind (u.a. VDW/Wuppertal Institut)
Boris Woynowski (u.a. Netzwerk Wachstumswende)
Mario Parade (u.a. Wissenschaftsladen Potsdam)

Manfred Ronzheimer (Wirtschaftsjournalist)

Veranstalter ist die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie sowie BUND, NABU, der Plattform Forschungswende und dem Netzwerk Wachstumswende.

Ein Gedanke zu „Buchneuerscheinung und öffentliche Diskussion: Freie Bürger, freie Forschung. Die Wissenschaft verlässt den Elfenbeinturm“

  1. Vor dem Hintergrund unserer tradierten Wahrnehmungsmuster werden Jugendliche meist als gesellschaftliche „Risikogruppe“ betrachtet und nicht als „Problemlöser“ und „Agenda-Setter“ geachtet.,

    Aufgrund unserer eigenen, demokratiefernen Sozialisation, fällt es uns schwer, uns unsere Jugend als demokratische Quelle zur Erneuerung unserer (Zivil-)Gesellschaft vorzustellen.
    Jugendliche sollte es ermöglicht werden, eine Vorreiterrolle, beispielsweise bei der „Energiewende“ oder „Digitalen Agenda“ als Promotoren für den notwendigen kulturellen ‚Bewusstseinswandel‘, einzunehmen.Mittels eines demokratischen Initiationsritus, durch den Bildung zum permanenten Selbst-Entfaltungsprozess von Jugendlichen wird, würde genügend „katalytische Prozessenergie“ freigesetzt, um die zahlreichen überkommenen Dispositive für unsere komplexe Gesellschaft wieder erkennbar, bewertbar und zugleich kulturell überformbar, zu machen. Für uns Erwachsenen sind diese grundlegenden Lernprozesse zwar auch noch möglich, erfordern jedoch einen gewissen Leidensdruck, da wir zunächst bereit sein müssten, bereits gelernte Haltungen infrage zu stellen und zu verwerfen, um Neues lernen zu können.
    Dagegen verfügen Jugendliche, „systemisch“ betrachtet, durch ihren Synapsenüberschuss bereits über sehr viel offenes geistiges und seelisches „Potenzial“, um sich neuen Gegebenheiten anzupassen.
    Durch die trivialisierenden Lernsettings in unseren Schulen wird dieses Geschenk der Natur, jedoch auf eine, ihre Persönlichkeit verletzende Weise, zurückgewiesen. Die einseitige und übermäßige Belastung durch bloßes Faktenlernen hat auf das Gehirn von Jugendlichen den Effekt eines „Downgradings“. 
    Obwohl bekanntlich überwiegend Jungs gegen diese Missstände opponieren, stellt sich ansonsten dieser staatlich organisierten, systematischen Vernichtung von „Humankapital“ bisher praktisch niemand öffentlich entgegen.
    Es ist ebenso zynisch, wie zugleich auf mehrfache weise Gesellschaft schädigend, wenn sich aus diesem System einer selbst erzeugten „Bildungs-Obsoleszenz“ anschließend, auf Kosten der Eltern und des Steuerzahlers, eine
    milliardenschwere „Bildungs-Kompensations-Industrie“ speist.
    Die Bemühungen Schulen zu „Integrationsschulen“ weiter zu entwickeln, lassen die Schieflage ihrer „Double Bind-Strukturen“ als Zielkonflikt deutlich werden. Einerseits sollen integrative Schulen als „soziale Schutz- und (Ein-)
    Bindungsräume“ dem Wohl aller Kinder und Jugendlichen dienen, andererseits werden die Schüler entsprechend des „Leistungsprinzips“ einem Selektionsprozess unterworfen, wodurch positive Aufmerksamkeit künstlich verknappt wird.
    Bei den sogenannten „schwächeren“ Kindern würde sich so, eine zuvor, während der ersten Sozialisation bereits angelegte, ängstliche Grundstimmung, durch diese zusätzliche Angst vor Ausgrenzung, noch verstärken. So kann die „zweite Chance“
    einer „Selbst-Bildung“, welche uns die Entwicklungsphase der „Pubertät“ gewissermaßen „biologisch nahelegen würde“,
    von den Jugendlichen nicht für ihre aktive Selbst-Integration in die Gesellschaft genutzt werden. Die Pubertät als „anthropologisches Entwicklungsprogramm“, welches darauf ausgelegt ist sich in einer neuen Horde zu integrieren, wurde sozusagen kulturell auf eine Weise umprogrammiert, dass wir, durch die gesetzten selektiven Bedingungen in unseren Schulen zu viele Jugendliche in ihrer menschlichen Würde kränken und durch Ausgrenzung unter Stress setzen. 
    Paradoxerweise scheint gerade der Versuch Jugendliche im Rahmen ihrer Sozialisation, beispielsweise mittels des „Beutelsbacher Konsens“, vor der „Überwältigung“ durch paternalistische „Inkulturationsprozesse“ zu schützen, wiederum zu einer Art von laissez-fairer, demokratischer „Unter-Bindung“ zu führen, durch welche Jugendliche anfälliger gemacht werden für kompensatorische, anti-demokratische Bindungs- und Ideologie-Angebote.
    Für diese neue Form einer „Demokratischen Jugend-Beteiligungs-Kultur“ bedarf es daher weniger einer Lobby für die Jugend, als vielmehr der Schaffung struktureller, poitischer Freiräume, innerhalb derer Jugendliche selbst eine wesentliche „Lobby-Rolle“ übernehmen könnten. 
    1.) PSI-21 (Politik Schule Internet & Agenda-21)
    Das Ziel ist es, mithilfe von PSI-21 die bestehenden „Bildungs-Dispositive“ so zu erweitern, dass es den nachfolgenden Generationen zukünftig möglich sein wird, selbst die veralteten Dispositive leichter durch neue zu ersetzen, um sich so,
    im Sinne einer „kulturellen Resilienz“, den sich jeweils veränderten Gegebenheiten, besser angepassten  zu können.
    Mittels dieses Universal-Konzeptes für einen „demokratischen Initiationsritus“ wird für Jugendliche die Möglichkeit geschaffen, gelebte Demokratie zu einer prägenden Selbst-Wirksamkeitserfahrung zu machen.
    Gestaffelt nach Altersstufen der Schüler, stehen ihnen Politiker auf den verschiedenen politischen Verantwortungsebenen gegenüber:
    • den jüngsten (12-14-jährigen) Schülern Politiker auf kommunaler Ebene,
    • den älteren (15-16-jährigen) Schülern Politiker auf Landesebene und
    • den ältesten Schülern Politiker auf Bundesebene, oder perspektivisch
    • sogar auf europäischer Ebene.
    Projektablauf:
    1. Die Schüler eines Jahrgangs wählen ihr „Haupt-Themengebiet“ aus, welches z. B. einem Ressort der jeweiligen politischen Ebene entsprechen würde.
    2. Das durch Mehrheitsentscheid festgelegte Thema wird den Fraktionen der entsprechenden politischen Ebene mitgeteilt. 
    Jede Fraktion stellt zwischen fünf und zehn Fragen aus diesem „Haupt-Themengebiet“ die Schüler.
    3. In jeder Klasse (bzw. Kurs) formieren sich Arbeitsgruppen entsprechend der Anzahl der vertretenen Fraktionen. Jede Gruppe hat nun die Aufgabe die vorliegenden Fragen der
    Fraktionen für die jeweils anderen Gruppen im Rahmen einer Präsentation verständlich zu machen.
    Es sollen Begriffe erläutert werden und Hintergrund-Information zum besseren 
    Verständnis der komplexen Zusammenhänge geliefert werden.
    4. Nun kann jeder Schüler eine „Schülerfrage“ stellen, welche im Internet veröffentlicht wird und von den beteiligten Mitschülern bewertet werden kann. Gesucht werden die „Top Ten“ der Schülerfragen.
    5. Zuletzt hat jeder Schüler die Möglichkeit, sich anonym einzuloggen, sich die Partei auszuwählen, welcher er sein Feedback geben möchte sowie die „Schüler-Top Ten“ Fragen zu beantworten.
    6. Die Auswertung der Feedbacks an die Fraktionen wird im Internet veröffentlicht.
    7. Die Auswertungen der Feedbacks, auf die Schülerfragen, werden zu Anträgen 
    formuliert und den jeweiligen Gremien zur Entscheidung vorgelegt.
    (Beispielhaft ist hier die SPD-Fraktion der BVV Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf, welche dem Jugendparlament C-W volles Antragsrecht eingeräumt hat.)

    Die Pubertät – als „Krise“, – scheint wie gemacht,
    um „Chancen“ kulturellen Lernens zu eröffnen.
    „Die (mögliche) Erkenntnis, dass Pubertät – quasi als eine biologische „Hidden Agenda“ –  zugleich die hervorragendsten kulturellen Entwicklungschancen zur Unterstützung von „nachhaltigen“ gesellschaftlichen Bewusstseins-Bildungsprozessen böte, kann wohl so lange nicht gewonnen werden, bis sich diese aus den konkreten Erfahrungen einer angewandten Praxis des Konzeptes von PSI-21 herleit ließe.“
    2.) Bildungslandschaften als Referenzprojekte im Rahmen
    der „Digitalen Agenda“ + Energiewende
    Die technischen und menschlichen Bedingungen für die „Digitale Agenda“ sollten als ein gemeinsames dynamisches System betrachtet werden, dessen Voraussetzungen und (Sicherheits-)Standards sich am Menschen als „dem Maß aller Dinge“ orientieren, da wir sonst Gefahr laufen könnten als überforderte „Zauberlehrlinge“ zunehmend die „System-Kontrolle“ zu verlieren.
    „Bis heute gibt es in Kontinentaleuropa noch keinen wissenschaftlich wie politisch international sichtbaren Internet-Thinktank, der die politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und rechtlichen Wirkungsweisen der Digitalisierung durchdenkt und detaillierte Handlungsempfehlungen als Reaktion darauf entwickelt.“ (KAS, Die politische Meinung Nr. 526/ 5_6 2014/ DIGITAL/ Wann beginnt der Heißhunger? Zolleis, Udo/ S. 21)
    Diese Handlungs- und Orientierungslosigkeit blieb nicht ohne Folgen:
    [Plattform Industrie 4.0 vor dem Aus: 
    »Deutschland hat die erste Halbzeit verloren«  10.02.2015 von Karin Zühlke]
    Wir sollten lernen Schulen unter einer neuen Perspektive zu betrachten, als konkrete Handlungserprobungsräume für vorweggenommene, sozial-kultur-technische gesellschaftliche Entwicklungen von Zukunftsperspektiven. Nach diesem Verständnis tragen Schulen enorme Entwicklungspotenziale in sich.
    http://psi-21.de/de/dl-ordner/2009-02-25_kiss-proofed_ness-iba.pdf
    http://gattel-stiftung.de/dl-ordner/2012-04-25_schulische_bildung_als_sozialisations_2.pdf %5D
    Im Interesse der Daseinsvorsorge im Falle eines „Blackouts“ wäre es sinnvoll, auf der Grundlage kombinierter Energietechnologien („Netzknoten“ auf KWK-Basis) Schullandschaften als redundante und autarke „Smart-Grigd-Schools“ aufzubauen.
    Im Rahmen zahlreicher, lokaler „Referenz Projekt-Schulen“ könnten Wissenschaftler, Unternehmen und Schüler (als zukünftige Kunden) ihren praktischen Erfahrungshorizont gemeinsam erweitern und neue Produktangebote, welche zukünftig den vernetzungsfähigen „Prosumer“ voraussetzen, gleichzeitig zur Marktreife und -akzeptanz führen.
    Bekanntlich steckt der Teufel im Detail und aus den praktischen „Fehlern“ die Schüler, innerhalb dieses neuen „Dualen Systems“ machen können (sollten), würde unsere Gesellschaft sukzessive klüger und resilienter.

    Selfi-Links: 
    http://psi-21.de/de/dl-ordner/2014-11-29_psi-21_initiationsritus.pdf
    http://psi-21.de/de/dl-ordner/2014-11-14_leitbild-jugenddemokratie.pdf
    http://psi-21.de/de/dl-ordner/2014-11-08_spd-leitbild-jugenddemokratie_1.pdf
    http://psi-21.de/de/dl-ordner/2013-06-27_oekologie_der_pubertaet.pdf
    http://psi-21.de/de/dl-ordner/2009-02-25_kiss-proofed_ness-iba.pdf
    http://psi-21.de/de/dl-ordner/2001-11-22-was-haenschen-lernt.pdf

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