„Wieviel und welche Innovationen braucht das Land?“ – Diskussionsbeitrag von Prof. Dr. Hartmut Kopf zum Forschungsgipfel „Perspektiven für Wirtschaft, Wissenschaft und Innovation“

HKmitBrille_klein Prof. Dr. Hartmut Kopf
Leiter des Centers for Transformation in Society am gleichnamigen Institute for Transformation in Business and Society (INIT) der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, Wiesbaden und Honorarprofessor am Institut für Soziale Innovation (ISI) der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Kritische Würdigung und konstruktives Weiterdenken des Forschungsgipfels 2015
„Perspektiven für Wirtschaft, Wissenschaft und Innovation“
am 20.05. in Berlin

Der Anspruch der Veranstalter war hoch, er kam einer Aufforderung gleich: „Denn jetzt ist es an der Zeit, unserem Forschungssystem mit prägnanten Ideen und mutigen Initiativen neue Zukunftsperspektiven im weltweiten Wettbewerb zu eröffnen.“ So die Veranstalter Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina und die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) in ihrem gemeinsamen Vorwort in der Tagungsbroschüre verheißungsvoll.

400 persönlich eingeladene Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft diskutierten am 20. Mai 2015 im Allianzforum in Berlin erstmalig gemeinsam die zentrale Frage, wie alle vier Bereiche Sektor-übergreifend wirtschaftlichen Erfolg, Wohlstand und gesellschaftliches Wohlergehen nachhaltig in und für Deutschland sichern können. Vom begrüßenden Andreas Barner (CEO Boehringer Ingelheim) als Präsident des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft über Staatssekretär Helge Braun in Vertretung der kurzfristig verhinderten Bundeskanzlerin bis zum Schlussimpuls von Wissenschaftsministerin Johanna Wanka waren sich alle einig: Hierzu bedarf es neben technischen Innovationen auch und gerade sozialer Innovationen. Dies wurde von allen Diskutierenden auf dem Podium des „Inner Circle“ auch explizit immer wieder genannt. Martin Stratmann, Präsident der Max-Plank-Gesellschaft, formulierte noch weiter gehend: Für ihn braucht es im Forschungs- und Transferumfeld der Universitäten wieder den Typus „Campus als Lebensraum“, in dem fach- und sektorübergreifend gedacht und geforscht, aber eben auch gelebt wird – zum Wohle der besseren, weil ganzheitlicheren und gesellschaftsrelevanteren Ergebnisse („Cambridge-Modell“).

In dieser zwar wohlklingenden Einmütigkeit zum erstmalig in der Neuen Hightech-Strategie der Bundesregierung vom September 2014 formulierten „erweiterten Innovationsbegriff, der nicht nur technologische, sondern auch soziale Innovationen umfasst“ und die Gesellschaft „als zentralen Akteur“ miteinbezieht (ebd. S.4)  hat es mich zum einen sehr gefreut, aus der sympathisch-kritischen Distanz des „Extended Circle“ der 380 Zuhörenden insbesondere die auf dem Podium sitzenden Experten für soziale und nachhaltige Innovationen Helmut Anheier und Uwe Schneidewind doch immer wieder sehr dezidiert und engagiert die besondere Bedeutung von Sozialen Innovationen im Sinne neuer Praktiken zur Gestaltung gesellschaftlicher Veränderungen einfordern zu hören: Uwe Schneidewind war es, der mehrfach explizit gesellschaftlich offene Räume für Open Social Innovation gerade außerhalb des formalen und manchmal auch nicht ganz barrierefreien Raumes von Hochschulen und den stark technologisch fokussierten Transferzentren forderte.