„Wieviel und welche Innovationen braucht das Land?“ – Diskussionsbeitrag von Prof. Dr. Hartmut Kopf zum Forschungsgipfel „Perspektiven für Wirtschaft, Wissenschaft und Innovation“

In der Tat ist es nach meiner Einschätzung mit reinen verbalen Lippenbekenntnissen zur Bedeutung sozialer Innovationen allein nicht mehr getan. Vielmehr sollten jetzt konkrete Ausgestaltungen folgen.

Deshalb zum anderen ein erster Versuch einer konkreten Ausgestaltung des integralen Innovationsverständnisses der Bundesregierung in Form einer Ideenskizze eines neuen Typus von Transferzentrum, eines „Transferzentrums für Soziale Innovationen“. Explizit verstanden als nachgereichten Beitrag zum Forschungsgipfel im Sinn der geforderten „mutigen Initiative für unser Forschungssystem“ und den dort gehörten Impuls von Martin Startmann „Campus als Lebensraum“ konkret weiterdenkend:

Die Vision eines „Transferzentrums für Soziale Innovationen“

Deutschland steht – trotz aller wirtschaftlichen, technischen und sozialen Erfolge – vor zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen: Wertewandel, Fachkräftemangel, Bildungsgerechtigkeit, zunehmende Zivilisationskrankheiten, demografischer Wandel und steigender Ressourcenverbrauch sind Fragestellungen, deren Nicht-Beantwortung sich Wirtschaft und Gesellschaft auf Dauer nicht leisten können und dürfen. Der (Sozial-) Staat kann die Herausforderungen allein nicht lösen. Gerade Probleme wie fortschreitende Umweltzerstörung und Ressourcenverbrauch, die mitunter durch technologische Entwicklungen verschärft werden, benötigen zu ihrer Lösung Soziale Innovationen, welche Nutzen durch veränderte Lebensstile und soziale Praktiken schaffen.

Inspiriert von den Ergebnissen des BMBF-Forschungsprojekts „Soziale Innovationen in Deutschland“ (EBS Business School und World Vision Stiftung 2011-2014)  und der in dem Zusammenhang mit Akteuren im Feld Sozialer Innovationen gemeinsam erarbeiteten Erklärung „Soziale Innovationen für Deutschland“ sollten in geeigneten Regionen Partner aus Politik (Bund/Land/Kommunen), Wirtschaft (Großunternehmen/KMU/Startup), Wissenschaft (BWL/Sozialwissenschaften/Natur-/Technikwissenschaften) und Zivilgesellschaft (Bürger/Initiativen/Vereine/Stiftungen/NGO) gesucht und gefunden werden, die gemeinsam regionale und Sektor-übergreifende „Transferzentren für Soziale Innovationen“ (TZ SI) als Modelle mit Skalierungspotential konzipieren, implementieren und etablieren wollen.

Die „Idea in a nutshell“: Ein TZ SI gestaltet die gesellschaftlichen Veränderungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft mit. Es identifiziert Treiber und Barrieren und unterstützt Unternehmen und soziale Einrichtungen bei der Bewältigung des transformatorischen Wandels.Ein TZ SI bietet allen relevanten Stakeholdern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in einer klar definierten und damit überschaubaren Region einen Sektor-übergreifenden und gemeinsamen Open Social Innovation-Marktplatz/Campus.