Veranstaltungsbericht «BaWü-Labs Go» am 30.04.2015 in Stuttgart

In Baden-Württemberg hat 2012 eine Expertengruppe zunächst eine Bestandsaufnahme der landesweiten Initiativen und Bestrebungen für Nachhaltigkeit in der Wissenschaft vorgenommen und in einem Expertenbericht 2013 sieben Handlungsempfehlungen veröffentlicht. Die Arbeit der Expertengruppe folgte dabei ebenso einem partizipativen Prozess wie die Reallabore selbst, da auf mehreren Veranstaltungen die Thesen der Expertengruppe vorgestellt und diskutiert wurden und auf einer Veranstaltung im September 2013 auch das Konzept des Reallabors vorgestellt wurde. Im Rahmen der folgenden Ausschreibung des Wissenschaftsministeriums wurden 32 Reallabor-Anträge von baden-württembergischen Hochschulen eingereicht, aus denen eine unabhängige Gutachtergruppe sieben Anträge auswählte. Die sieben Projekte werden seit Januar 2015 gefördert und stellten sich auf der Auftaktveranstaltung erstmals einer größeren Öffentlichkeit vor. Da Baden-Württemberg mit der Förderung von Reallaboren deutschlandweit eine Vorreiterrolle inne hat, stehen die sieben Projekte vor einer doppelten Aufgabe. Sie sollen einerseits Transformationswissen generieren, das in den jeweiligen Feldern gesellschaftliche Veränderungen befördert, und andererseits das Reallabor-Konzept mit Leben füllen. Dafür werden sie zusätzlich von einer Begleitforschung, bestehend aus zwei Teams (eines an der Universität Basel, eines ein Konsortium der Leuphana Universität Lüneburg, des ISOE Institut für sozial-ökologische Forschung und des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie), unterstützt. Die beiden Teams wollen in enger Zusammenarbeit untereinander und mit den Reallaboren Einsichten über die Prozesse in den Reallaboren – hinsichtlich Methoden, Qualitätsmerkmalen und transdisziplinärer Wissensintegration – gewinnen.

1 BaWü-Labs_Stuttgart_DSC06848 Stand des Reallabors „Nachhaltige Transformation der Textilwirtschaft am Standort Dietenheim“

Theresia Bauer schloss ihre Rede mit einem Ausblick auf die kommenden Monate. Der Fortschritt der Arbeit der sieben Reallabore wird im Rahmen mehrerer Veranstaltungen wiederum der Öffentlichkeit präsentiert. Weiterhin wird es eine eigene Website zur Dokumentation der Reallabore geben. Aufgrund der großen Anzahl an Anträgen hat das Wissenschaftsministerium nicht zuletzt eine zweite Ausschreibung zur Förderung von Reallaboren mit dem Fokus auf die nachhaltige Entwicklung von Städten veröffentlicht (Einreichefrist für Anträge: 26.06.2015).

Gelebte Partizipation – sieben Reallabore, eine Messe

Katja Nellissen (Medienbüro Köln und Moderation der Gesamtveranstaltung) gab im Anschluss an die Rede der Ministerin einen Überblick über den Veranstaltungsablauf, der die vielfältigen Interaktions- und Partizipationsmöglichkeiten während der Veranstaltung verdeutlichte. Die TeilnehmerInnen konnten auf blauen und grünen Karten jeweils ihre Vorschläge und Ideen, sowie ihre Bedenken hinsichtlich einzelner Reallabore oder des Konzeptes insgesamt verschriftlichen. Diese Karten wurden im Laufe des Tages aufgegriffen und in die interaktive Diskussion am Nachmittag einbezogen.

Vor der Präsentation der Reallabore im Rahmen einer zweistündigen Messe inszenierte das Freiburg Scientific Theatre ein Stück über das Thema Klima-/ Nachhaltigkeitswissenschaft und Reallabore. In drei Akten, die über den gesamten Tagesverlauf verteilt waren, setzten die sechs KünstlerInnen eindrucksvoll die Chancen und Hürden in der Zusammenarbeit von WissenschaftlerInnen und Nicht-WissenschaftlerInnen in Szene.

Schließlich erhielten VertreterInnen der sieben geförderten Reallabore und der Begleitforschung die Möglichkeit, auf ihre jeweiligen Stände im Rahmen der anschließenden Messe hinzuweisen. Dabei beeindruckten die Stände der Reallabore mit einer Vielfalt von Darstellungsformen und der Bereitschaft, mit den Messe-BesucherInnen in einen intensiven Dialog zu gehen.

Nicht nur die inhaltliche Ausrichtung der Reallabore auf die Transformation in Richtung Nachhaltigkeit in einzelnen Städten oder Sektoren, sondern auch ihre vielfältige Vernetzung mit den außerwissenschaftlichen Akteuren (die zum Teil auch an den Ständen präsent waren) zeigten, dass das von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer gezeichnete Bild eines Reallabores in vielfältiger Weise in die Forschungspraxis umgesetzt wurde. Eine Beschreibung der einzelnen Reallabore kann aus der Pressemitteilung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg vom 10.10.2014 entnommen werden.