Veranstaltungsbericht «BaWü-Labs Go» am 30.04.2015 in Stuttgart

Der experimentelle Charakter der Messe insgesamt und die Möglichkeit zu intensivem Austausch und Begegnung, sowie die medial und visuell äußerst kreativ umgesetzen Reallabor- Stände beförderten eine Aufbruchstimmung, die der ganzen Veranstaltung einen besonderen Charme verlieh.

2 BaWü-Labs Stuttgart_DSC06863            Stand des „Reallabors Nordschwarzwald (ReNo) – Der Nationalpark Schwarzwald als Katalysator einer regionalen Nachhaltigkeitstransformation“

Erfolgsfaktoren von Reallaboren – Haltung, Mut und Methoden

Nach der ausführlichen Vorstellung der Reallabore auf der Messe präsentierte Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie, in einem Vortrag das transformative Potential von Reallaboren. Ausgehend von der Feststellung, dass die bisherigen Anreizstrukturen im Wissenschaftssystem nicht ausreichend seien, um eine Forschung für den gesellschaftlichen Wandel zu befördern, stellte er Reallabore als einen Forschungsansatz vor, der neue Formen des gesellschaftlichen Impacts erzeuge. Dabei seien drei Fakoren für den Erfolg von Reallaboren entscheidend: 1. Haltung, 2. Mut und 3. der Einsatz von geeigneten Methoden. Alle drei Faktoren erläuterte Uwe Schneidewind ausführlich.

1.         Die Zusammenarbeit mit nicht-wissenschaftlichen Akteuren erfordert von WissenschaftlerInnen ein Selbstverständnis einer verantwortlichen Wissenschaft als Teil der Gesellschaft. Der Anspruch einer Wissenschaft, die in der Gesellschaft wirken soll, ist dabei aktuell öffentlich umstritten, denn er beeinflusst den Forschungsprozess vom Zeitpunkt der Auswahl der Forschungsfragestellung bis hin zur Verbreitung der Ergebnisse. Durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe von WissenschaftlerInnen und gesellschaftlichen Akteuren während aller Forschungsphasen wird eine Vielfalt unterschiedlicher Wissensformen integriert, die für die Gestaltung des Wandels in Richtung Nachhaltigkeit notwendig seien. Die der Wissenschaft eigene Form der Neugier erweitert sich so auf eine Neugier und die damit zusammenhängenden Such- und Lernprozesse der gesamten Gesellschaft.


2.         Diese Form der inter- und transdisziplinären Wissensproduktion kann dann besonders gut gelingen, wenn die daran Beteiligten Mut auf unterschiedlichen Ebenen aufbringen. Zunächst braucht es nach Uwe Schneidewind den Mut sich in Kontexten zu bewegen, die nicht vertraut sind und sich deswegen unsicher anfühlen. Besonders gefragt ist dabei eine kommunikative Sensibilität, denn in transdisziplinären Forschungsprozessen gilt es neue Kommunikationsmuster zu entwickeln und zu erproben, um eine Kooperation zwischen Wissenschaft und Praxis tragfähig zu machen. Darüber hinaus braucht es insbesondere von NachwuchswissenschaftlerInnen akademischen Mut, denn im Vergleich mit den disziplinär aufgestellten KollegInnen warten herausfordernde Karrierwege auf sie. Die BetreuerInnen und Coaches dieser NachwuchswissenschaftlerInnen sollten daher ausreichend Unterstützung und Flankierung für deren akademische Laufbahn bieten. Und nicht zuletzt brauchen diejenigen politischen Kräfte Mut, die eine Stärkung der Forschung in Reallaboren ermöglichen wollen, denn im Mainstream des Wissenschaftssystems existieren noch viele Widerstände gegen solch einen Forschungstypus.