Veranstaltungsbericht «BaWü-Labs Go» am 30.04.2015 in Stuttgart

3.         Nicht zuletzt gibt es methodische Herausforderungen in der Arbeit in Reallaboren, denn die Akteure aus Wissenschaft und Praxis haben unterschiedliche Bilder und sprechen unterschiedliche Sprachen. Wenn es gelingt, diese verschiedenen Wissensformen und Sprachen von dem Co-Design der Problemstellung bis hin zur Co-Produktion von Wissen zu integrieren, steigt die Wahrscheinlichkeit dass Forschungsergebnisse generiert, die sozial robust sind und von gesellschaftlichen Akteuren besser verwendet werden. Die bereits vorliegenden reichhaltigen methodischen Erfahrungen u.a. aus den transdisziplinären Fallstudien der ETH Zürich und der Sozial-ökologischen Forschung liefern hier einen vielfältigen Fundus an methodischem Handwerkszeug, aus dem die baden-württembergischen Reallabore schöpfen können. Darüber hinaus können neue methodische Impulse, etwa zur Evaluation und Messung gesellschaftlichen Impacts den Methoden-Diskurs erweitern und aufschlussreich in der Beantwortung der Frage sein, wie sich neues Wissen auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse auswirkt.

Abschließend wies Uwe Schneidewind ebenfalls auf das Positionspapier des Wissenschaftsrates hin, das die Forschung für die Großen gesellschaftlichen Herausforderungen als neue 3. Säule im Wissenschaftsbetrieb darstellt. Diese prominente Bewerbung der baden-württembergischen Reallabore im Positionspapier des Wissenschaftsrates bedingt letztlich eine besondere Aufmerksamkeit, die in den kommenden Jahren auf die sieben Forschungsprojekte gerichtet sein wird und die ihrem Gelingen eine besondere Bedeutung verleiht.

Zum Abschluss: Anerkennung, Kreativität und gute Rahmenbedingungen

In der abschließenden interaktiven Podiumsdiskussion wurden zentrale Fragen der Teilnehmenden aufgegriffen und diskutiert. Dabei wurde zunächst die Frage erörtert, inwiefern es sich bei der Forschung in Reallaboren nicht um Aktionsforschung in neuem Gewand handelt. Kontrovers wurde der Vorschlag von Partizipations-Schulungen für interessierte gesellschaftliche Akteure diskutiert. Einige TeilnehmerInnen machten sich dafür stark, dass diese Schulungen überflüssig seien, wenn die Kooperation von Wissenschaft und Praxis von Beginn an funktioniere und die Fragestellungen der beteiligten BürgerInnen adäquat Eingang in den Forschungsprozess fänden. Es brauche vielmehr erweiterte Finanzierungsstrukturen in der Wissenschaftslandschaft, die auch ehrenamtliches Engagement bspw. von zivilgesellschaftlichen Inititativen in Forschungsprojekten entsprechend unterstützen und monetär wie auch nicht-monetär anerkennen würden. Dafür wurden zahlreiche Praxisbeispiele aus der verfassten Studierendenschaft oder der etablierten Kooperation von Unternehmen und Hochschulen herangeführt. Die Anerkennung des Engagements von Akteuren dürfe sich jedoch nicht nur auf ihren wirtschaftlichen Nutzen erstrecken, sondern müsse vor allem auch den gesellschaftlichen Mehrwert sowie den Nutzen für die konkret Beteiligten umfassen und kommunizieren. Den (digitalen) Medien und einer positiven Kommunikationskultur wurde dabei eine besondere Bedeutung zugesprochen, da sie dazu beitragen würden, die Komplexität der jeweiligen Transformationsfelder, in denen die Reallabore forschend wirken, herunterzubrechen. Neue Veranstaltungsformen, wie Design Thinking, oder neue Medien-Formate (statt «Bauer sucht Frau» – «Reallabor sucht Stadt») seien dabei von großer Bedeutung. Nicht zuletzt wurde auch noch einmal die Notwendigkeit geeigneter Rahmenbedingungen betont, um die Wirkung der Reallabore zu erhöhen, aus ihrer Heterogenität eine Ressource zu machen und nicht zuletzt von dem kleinen Nukleus der nun geförderten Projekte eine Ausstrahlungskraft für andere Akteure in und außerhalb der Wissenschaft zu entfalten.

Dr. Felix Wagner, Referent im MWK, wies in seinem Schlusswort darauf hin, dass die Veranstaltung letztlich selbst als kleines Realexperiment konzipiert war, in dem die teilnehmenden Akteure intensiv in der Vorbereitung und Durchführung eingebunden waren. Er dankte allen Teilnehmenden für ihre große Bereitschaft und Ihr Engagement, dieses Experiment zu einem Erfolg zu machen.