Responsible Research and Innovation als Beteiligung auf Augenhöhe – Bericht zum Workshop der Plattform Forschungswende

Cornelia Reimoser, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Fraunhofer Gesellschaft, stellte in ihrem Impuls den Leitfaden Nachhaltigkeitsmanagement vor – ein BMBF-geför-dertes Verbundprojekt der Fraunhofer- Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft, mit dem Ziel ein gemeinsames Verständnis von Nachhaltigkeitsmanagement in außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland zu entwickeln. Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren (bis Ende 2016), über 90 Mitwirkende aus Wissenschaft, Management & Verwaltung sowie 25 beteiligte Einrichtungen aus allen drei Forschungsgesellschaften. In dem Projekt wurden drei zentrale Handlungsfelder identifiziert: „Forschen mit gesellschaftlicher Verantwortung“, „Personal“ und „Betrieb und Bau“, in denen eine weiterführende Institutionalisierung von Nachhaltigkeit durch die Bereitstellung von praxisnahen Informationen unterstützt werden soll. Für alle drei Handlungsfelder werden zielgruppenspezifische Fact-Sheets und Empfehlungen veröffentlicht. Darüber hinaus soll es einen, die Handlungsfelder übergreifenden, Leitfaden geben, der wiederum auch Anschlussfähigkeit an andere Nachhaltigkeitsberichtserstattungsstandards aufweist, wie die Global Reporting Initiative (GRI G4) oder den Deutschen Nachhaltigkeitskodex des Nachhaltigkeitsrates. Auch mit dem Nachhaltigkeitsrat gibt es zur geplanten Entwicklung eines Nachhaltigkeitsberichtserstattungssystems für Hochschulen einen Austausch mit dem Projektteam, um eine Anschlussfähigkeit zwischen den Systemen herzustellen. Cornelia Reimoser betonte zum Ende ihres kurzen Impulses, dass wissenschaftspolitische Strategiepapiere, wie das jüngst veröffentlichte Diskussionspapier des Wissenschaftsrates zu den Großen gesellschaftlichen Herausforderungen oder ein für Herbst geplantes Positionspapier der Deutschen UNESCO-Kommission „Wissenschaft für nachhaltige Entwicklung und die neue globale Agenda“ sowohl für die Unterstützung nach innen als auch in der Diskussion nach außen hohe Bedeutung haben.

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Diskussion im Plenum: Simon Pfersdorf, Nicole Burkhardt, Caroline Paulick-Thiel, Cornelia Reimoser, Dr. Steffi Ober, Norbert Steinhaus (v.l.n.r.)

Simon Pfersdorf, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse am KIT Karlsruhe, referierte in seinem Vortrag wiederum über europäische Entwicklungen und Erkenntnisse in der Einbindung der Öffentlichkeit in Forschung und Innovation, die vor allem auf die EU-Forschungsprojekte CONSIDER und Engage 2020 zurückgehen. Zunächst machte er deutlich, dass in vielen forschungs- und innovationspolitischen Diskussionen die Partizipation außeruniversitärer Akteure immer noch als „Inquisition der Wissenschaft“ betrachtet würde. Dabei seien die Gründe FÜR eine stärkere Einbindung der Öffentlichkeit in Wissenschaft vielfältig:

  • Public Understanding of Science/ Scientific understanding of the Public
  • Betonung eines öffentlichen Interesses
  • Verbesserung der Legitimation von Forschung
  • Verbesserung der Kontextsensibilität von Forschung
  • Lösung zivilgesellschaftlicher Probleme
  • Verbesserung der Technologieentwicklung (Bedarfsgerechte Innovation mit weniger Risiken)

Aus der Analyse verschiedener europäischer Forschungsprojekte differenzierte Simon Pfersdorf dabei vier Einbindungsebenen (1. Politischer Diskurs, 2. Programmentwicklung, 3. Projektdurchführung, 4. Projektdesign). Darüber hinaus machte er deutlich, dass es eine Reihe von Praxisfeldern gibt, in denen zivilgesellschaftliche Akteure bereits seit vielen Jahren mit der Wissenschaft im Dialog sind.

  • Wissenschaftsläden
  • partizipatorische Technikfolgenabschätzung
  • Action Research/ Community Based Research
  • Kommissionen
  • Transdisziplinäre Forschung
  • Nutzer und Arbeitnehmereinbindung
  • Bürgerwissenschaft

Da es diese vielfältigen Aktivitäten bereits seit langem gibt, sei es wichtig die unterschiedlichen Modi der Einbindung nochmals zu reflektieren, so Pfersdorf. Eine aktive Teilnahme von BürgerInnen an Forschung und Innovation (Agendagestaltung, selbst Forschen, Forschungsbeteiligung) oder an der Gestaltung von Rahmenprozessen in der Forschung (durch die Beauftragung und Förderung von Forschung oder die Überwachung von Forschung bspw. durch ein extended peer review) unterscheide sich gravierend von einer passiven Einbindung von BürgerInnen als Ressource oder Zielgruppe (Beispiel Marktforschung) oder als Objekt der Forschung (Beteiligte als Gegenstand von Experimenten oder Beobachtung). In CONSIDER und Engage 2020 konnten nicht nur verschiedene Hürden und Barrieren der Einbindung der Öffentlichkeit analysiert werden, sondern auch einige Empfehlungen generiert werden (vgl. Abb. 2). ´

Pferdorf

Abb. 2) Empfehlungen aus CONSIDER und Engage2020 (Pfersdorf 2015)

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