Responsible Research and Innovation als Beteiligung auf Augenhöhe – Bericht zum Workshop der Plattform Forschungswende

Dr. Steffi Ober, Leiterin der Plattform Forschungswende, stellte anschließend mit dem vierten Impulsvortrag die Debatte um eine zivilgesellschaftliche Beteiligung in der Agenda-Gestaltung von Forschungsprogrammen dar. Die großen Forschungsstrategien der Bundesregierung wie die Hightech-Strategie oder die Bioökonomiestrategie verfolgen eine doppelte Zielstellung: einerseits sollen die großen Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenübernutzung und Welternährung angegangen werden, andererseits geht es jedoch auch darum, den Standort Deutschland zu stärken und die Wirtschaft in ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu unterstützen. Die Expertengremien zur Begleitung dieser Strategien sind vorrangig auf das zweite Ziel ausgerichtet. Um Lösungen für die großen Herausforderungen zu erzielen, die die planetaren Grenzen berücksichtigen und die Gesellschaft mitnehmen, ist der Diskurs und die Abwägung der verschiedenen Interessen für eine robuste Strategieentwicklung zur Forschung zentral. Deshalb unterstützt die Plattform Forschungswende die zivilgesellschaftlichen Organisationen darin, sich gut informiert in eine partizipative Governance für Forschung und Innovation einzubringen. Robuste Wissenschaftliche Politikberatung bedarf der Rückkoppelung an Wertepräferenzen und einer Priorisierung der Forschungsförderung mit der Gesellschaft.

Nicole Burkhardt, Leiterin des Referats „Strategische Vorausschau, Wissenschaftskommunikation“ im BMBF hatte nicht zuletzt die Aufgabe die bisherigen Impuls-Vorträge aus Sicht des BMBF zu kommentieren. Sie erläuterte einführend, dass im BMBF, sowie in der gesamten Bundesregierung Ansätze der Partizipation an immer größerer Bedeutung gewinnen. Speziell für die Wissenschaft kann Partizipation nach Frau Burkhardt (1.) die gesellschaftliche Relevanz der Forschungs- und Innovationspolitik erhöhen, (2.) forschungspolitische Entscheidungen nachvollziehbar machen, (3.) das Wissen der Vielen nutzen, (4.) Vertrauen schaffen und die Aufgeschlossenheit erhöhen sowie (5.) Interesse wecken und Neugier für das Neue schaffen. Daher erstellt das BMBF aktuell intern Leitlinien der Partizipation, die handlungsleitend für die hauseigenen Strategien werden sollen. Zur Umsetzung der neuen Hightech-Strategie werden bspw. aktuell acht Fachforen aufgesetzt, worunter eines speziell zum Thema Partizipation eingerichtet wird. Nicole Burkhardt wies anschließend darauf hin, dass es wichtig sei die verschiedenen Partizipationsformate und Entscheidungsebenen zu differenzieren. Dazu präsentierte sie eine Gegenüberstellung der Entscheidungsebenen, wie sie im Rahmen von Engage 2020 identifiziert wurden und den Aktivitäten des BMBF (vgl. Abb. 3).

Burkhardt

Abb. 3) Gegenüberstellung der Partizipationsebenen in Engage2020 und im BMBF (Burkhardt 2015)

In der anschließenden Diskussion im Plenum wurde zunächst die Frage aufgeworfen durch wen TeilnehmerInnen für Partizipationsverfahren wie Bürgerdialoge ausgewählt werden. Frau Burkhardt berichtete hier von dem Versuch einer maximalen Repräsentativität durch eine Kriterien-geleitete Auswahl, sowie von der Suche nach inhaltlichen ExpertInnen, die auch abhängig von der inhaltlichen Schwerpunktsetzung ausgewählt werden.

Prof. Dr. Aletta Bonn, Koordinatorin der Citizen Science Plattform „Bürger schaffen Wissen“ betonte bezüglich der Bürgerdialoge, wie wichtig es sei die Ideen von BürgerInnen mit aufzunehmen, fragte jedoch, woher in den zivilgesellschaftlichen Organisationen und Initiativen die Kapazität komme, konsequent bei transdisziplinären Forschungsprozessen oder der Gestaltung der Forschungsagenden zu partizipieren. Hier wies Frau Burkhardt auf ein positives Beispiel in dem BMBF Rahmenprogramms Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften hin. Im Rahmen des Agendaprozesses „Zukunft sichern und gestalten – Forschung zu den großen Gesellschaftlichen Herausforderungen“ wurde zunächst ein Aufruf an WissenschaftlerInnen und ExpertInnen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung vorangestellt, um relevante Themen und Fragestellungen zu identifizieren. Diese bilden die Grundlage für das BMBF, thematische Schwerpunkte zukünftiger Förderbekanntmachungen zu konkretisieren. Außerdem sehen die meisten BMBF Richtlinien die Möglichkeit vor, auch Vertreter der Zivilgesellschaft zu berücksichtigen.

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