Responsible Research and Innovation als Beteiligung auf Augenhöhe – Bericht zum Workshop der Plattform Forschungswende

Dr. Steffi Ober fragte, ob Bürgerdialoge wirklich das richtige Format für Agenda-Setting in Forschungsprogrammen seien, weil sie häufig nur einmalig und nicht langfristig aufgesetzt seien. Im Forschungsforum Energiewende seien beispielsweise die Versprechen der wirklichen Partizipation nicht umgesetzt worden, weil die Partikularinteressen aus der Wirtschaft hier einen großen Einfluss gehabt hätten. Frau Burkhardt wies darauf hin, dass je nach Partizipationstyp die Möglichkeiten der Verwertung sehr unterschiedlich und von vornherein klar zu kommunizieren seien. Zudem sei dass der öffentliche Druck groß genug, dass das BMBF eine ehrliche Partizipation als Teil der eigenen Selbstverpflichtung sehe.
Dr. Dietmar Kraft, Mitarbeiter in der nationalen Kontaktstelle Umwelt des BMBF für Horizon 2020 und Mitwirkender an der Entwicklung des Rahmenprogramms FONA3 beim Projektträger Jülich plädierte für etwas Geduld bei den zivilgesellschaftlichen Organisationen und den WissenschaftlerInnen. In Horizon 2020 wird eine Partizipation im Rahmen der gesamten Innovationskette gefordert und gefördert – diesen Vorsprung der EU in Sachen Partizipation in der Wissenschaft müsse man in Deutschland noch aufholen. Dr. Christine Kühnel, wissenschaftliche Referenting bei der Acatech für das Forschungsforum Energiewende betonte, dass die Diskussionen und Abstimmungen im Rahmen solcher Gremien einen wichtigen Lernprozess darstellten, in dessen Rahmen nicht nur verschiedene Netzwerke ihre jeweiligen Interessen einbringen würden, sondern auch eine Abstimmung zwischen den beteiligten Ministerien zusätzlich Herausforderungen für den Prozess bedeuteten.
Manfred Ronzheimer, Wissenschaftsjournalist, merkte in seiner Wortmeldung an, dass die Diskussion um die Fortführung der Exzellenztinitiative die wissenschaftspolitische Debatte dermaßen beherrsche, dass Initiativen wie das Papier des Wissenschaftsraten zu den Großen gesellschaftlichen Herausforderungen oder RRI großteils wenig Resonanz fänden.
Michaela Thorn, Projektträger DLR, fragte was konkret aus den RRI Tools für den deutschen Kontext gelernt werden könne und welche Beispiele für nationale Strategien zur Verbreitung von RRI es in anderen europäischen Staaten gebe. Darauf hin antwortete Norbert Steinhaus, dass das Projekt RRI Tools zunächst einmal die Muster und Erfahrungen aus verschiedenen Beteiligungsprozessen versuche systematisch sichtbar zu machen: die Plattform Forschungswende, die Citizen Science Aktivitäten, die Wissenschaftsläden oder einzelne Hochschulzentren wie Uni-Aktiv an der Universität Duisburg-Essen.

Abschließend zu dem ersten Block wurden noch einige Hindernisse in der konkreten Projektförderung thematisiert: zentral seien hier die fehlende Forschungsexpertise in den zivilgesellschaftlichen Verbänden sowie das laufende Projekt- und Akquise-Geschäft, das wenig Ressourcen für beispielsweise die Mitgestaltung von Agenda-Prozessen liesse. Hier wurde die Idee geäußert, dass NGOs auch Aufwandsentschädigungen für die Teilnahme an Gremien erhalten können, wie es aktuell bei den beteiligten zivigesellschaftlichen Organisationen der Endlagerkommission geschieht.

Simon Pfersdorf wies letztlich nochmal darauf hin, dass für eine wirkliche Partizipation Bürgerdialoge eher weniger geeignet seien, da sie zeitlich und thematisch sehr weit gefasst seien. In dem stärker eine Projekt- und Arbeitsebene fokussiert würde, könnte Bürgerinnen erfolgreich in Forschungsprozessen partizipieren und würden auch Lust darauf bekommen, sich langfristig zu engagieren.

Im zweiten Teil des Workshops am Nachmittag wurde in kleineren Arbeitsgruppen konkretisiert, welche Partizipationsformate auf welcher Ebene geeignet erscheinen um RRI und eine Beteiligung der Zivilgesellschaft zu ermöglichen. Unterschieden wurde zwischen (1.) dem Prozess der Agenda-Erstellung, also der Diskussion über die großen Schwerpunktsetzungen in der Forschungsförderung, (2.) der Programm- Erstellung, die sich auf der Ebene der Rahmenprogramme oder Sonderbereiche wie der Sozial-Ökologischen Forschung bewegt, (3.) der konkreten Ebene einzelner Forschungsprojekte sowie (4.) der Gestaltung der Evaluation und des Monitorings. In allen vier Arbeitsgruppen wurden Partizipationsformate, Akteure, Treiber und Hindernisse auf den genannten Ebenen zusammengetragen. Die kurze Schilderung lässt bereits erkennen, dass hier sehr differenzierte Prozesse vorliegen, für die es keine „one fits all“ Lösung geben kann. In allen Diskussionen jedoch wurde deutlich, dass Rückmeldung, also Feedbackstrukturen und Wertschätzung an die Teilnehmer aus der Praxis ebenso wesentliche Gelingensfaktoren darstellen wie eine klare Rahmung des Erwartungshorizontes vorab. Werden Praxispartern oder Bürger einbezogen, um ein allgemeines Stimmungsbild abzugreifen oder geht es wirklich um die Gestaltung von gemeinsamen Prozessen? Zwischen diesen Polen bewegt sich die Partizipation.

Ein großer Wunsch bestand am Abschluss des gelungenen Workshops in der Intensivierung des Austauschs mit den relevanten Akteuren aus Forschung und Innovation wie den großen außeruniversitären Wissenschaftsorganisationen und der Wirtschaft. Eine robuste, wissenschaftliche Politikberatung profitiert vom Dialog mit und Ergänzung aus der Zivilgesellschaft. Akzeptanz und eine gemeinsame Verantwortung mit Partnern aus der Gesellschaft stärken die Umsetzung von wissenschaftlich wie politisch wünschenswerten Lösungen.

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Die Abbildungen stammen aus den Powerpoint-Präsentationen der ReferentInnen und können dort angefordert werden.

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