Tagungsbericht: „Zukunftsfähige Entwicklung und Generative Organisationskulturen“ (ZEGO)

Hierbei referierte Dr. Frank Zurlino im ersten Block über die unternehmerische Perspektive und machte in seinem Vortrag deutlich, dass es sich bei privatwirtschaftlich agierenden Unternehmungen in letzter Konsequenz immer um die Gewinnmaximierung drehe, also jede Art „nachhaltiger“ Interventionsansätze letztendlich zu besseren wirtschaftlichen Erfolg führen müsse. Um Unternehmen diesem Ziel näher zu bringen, müssten Innovationsprozesse gekapselt (von außen geschützt) und ressortübergreifend vernetzt werden; konventionell aufgestellte funktionale Organisationsstrukturen sein hierfür nicht ausreichend bzw. sogar hinderlich.

Mit welchem Beitrag die Wissenschaft zur Problemlösung beitragen könnte, wurde anschließend von Prof. Armin Grunwald vorgetragen. Die Notwendigkeit von Reflexivität und Lernen an der Schnittstelle von Wissenschaft und Gesellschaft sei hierfür unerlässlich. Bevor jedoch Handlungswissen für eine nachhaltige Entwicklung vermittelt werden könne, müsse zunächst Wissen über das zu transformierende System (Systemwissen) als auch Orientierungswissen bereitgestellt werden. Dass gerade die Reflexivität – vor allem an den Universitäten – in den letzten 30 Jahren stark abgenommen habe, stellte Prof. Uwe Schneidewind u.a. in seinem Beitrag zu Ansätzen und Erfahrungen organisationaler Prinzipien und institutioneller Reformen für eine Politik der Nachhaltigkeit heraus. Vor allem lasse sich die Welt nur durch Ineffizienz „retten“, da man inzwischen wisse, dass Ungleichheit ökonomisch effizient sei. Wie in diesem Zusammenhang der Zwiespalt zwischen kollektiver Verantwortung bei den heutigen ausdifferenzierten Zuständigkeitsbereichen an den Schnittstellen von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik aufgelöst werden könne, machte zum Abschluss der zweiten Session Dr. Dr. René von Schomberg in seinem Vortrag zur „Responsible Innovation“ deutlich. Denn wenn die Ethik nicht wieder als Gestaltungsprinzip verankert werde, werde man auch nicht zu nachhaltigeren Innovationen kommen. Zum Abschluss des ersten Veranstaltungstages stellte Prof. Ariane Berthoin Antal noch einen erquickenden und innovativen Ansatz vor, um völlige neue und kreative Lösungsansätze bei organisatorischen Herausforderungen zu erschließen. Ausgangspunkt bei der künstlerischen Intervention sei die Feststellung, dass neue Ideen und Konzepte häufig nicht erschlossen werden könnten, wenn der Lösungsraum von vornherein zu eng gedacht werde (z.B. „Die Abläufe müssen produktiver und effizienter werden“). So gab Sie ein anregendes Praxisbeispiel, wie es bei einem Team von schwedischen Ingenieuren durch künstlerische Intervention bewerkstelligt wurde, radikale Produktinnovationen hervorzubringen, indem die Verantwortlichen zunächst aufgefordert wurden, sich vom vorrangigen Zielsystem zu lösen und „Out of the Box“ zu denken, indem sie angeregt wurden, sich an ihr erstes Weihnachtsgeschenk zurück zu erinnern.

Den zweiten Tag eröffnete Prof. Hannelore Küpers mit einem Vortrag zur interkulturellen Kommunikation und transpersonalen Verständigung im organisationalen Kontext. Hierbei verwies sie auf die etwas kontrovers diskutierte These, dass der Perspektivwechsel einer Erweiterung der Empathiefähigkeit mit dem Ziel des Verstehens und der Verständigung die Akteure tendenziell überfordere. Allerdings räumte sie ein, dass die zunehmende Vermischung in der globalisierten Welt die Methode des Perspektivwechsels ggf. fördern könne. Denn um letztendlich Gewalt zu vermeiden, sei nach Heitmeyer zunächst ein (konstruktiver) Konflikt nötig.