Tagungsbericht: „Zukunftsfähige Entwicklung und Generative Organisationskulturen“ (ZEGO)

Über die herausfordernde Aufgabe der erfolgreichen Führung eines Unternehmens, das im Gegensatz zur Familie ein konditioniertes System darstelle, welches sich ständig als solches weiterentwickeln müsse, referierte im Anschluss Prof. Sonja A. Sackmann. Um diese Veränderungsprozesse erfolgreich zu meistern, komme es vor allem auf die Unternehmenskultur an, die agil bzw. lernfähig, attraktiv für externe (qualifizierte) Personen, kompetent und gesund in ihrer Organisation, für Mitarbeiter und Führungskräfte sein müsse.

Wie sich eine neue Kultur und ein Umdenken in der öffentlichen Verwaltung einstellen könnten, darüber berichtete im zweiten Block Dr. Thomas Faust und gab in seinem Beitrag einen Aufriss über die historische Entwicklung von Ethik und Organisationskultur der letzten drei Jahrzehnte. So könne ex-post festgestellt werden, dass sich nach der Entwicklung des „schlanken Staats“ und der allgemeinen Privatisierungs- und Liberalisierungswelle der 1990er Jahre zu Beginn des neues Jahrtausends das Konzept des „aktivierenden Staates“ herauskristallisierte und seit Beginn der 2010er Jahre in einer Rückbesinnung zur „Re-Etatisierung“ bzw. „Re-Kommunalisierung“ mündete. Um den Fortschritt hin zur nachhaltigen Entwicklung im privaten Unternehmenssektor zu fördern, stellte im Anschluss Dr. Christian Geßner das Konzept der Zertifizierung von Nachhaltigkeit des Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung vor, dem sich Unternehmen auf Basis der Selbstverpflichtung unterwerfen können. Natürlich seien Selbstverpflichtungen, wie die Erfahrung zeige, immer schwierig hinsichtlich einer effektiven Zielerreichung, aber ihm gehe es in einem ersten Schritt erstmal darum, Nachhaltigkeit überhaupt in die Unternehmen hinein zu tragen und die Akteure für die Thematik zu sensibilisieren.

Eine besonderen Ansatz um in Organisationen Kommunikationsprobleme aufzudecken und auch zu lösen, stellte am frühen Nachmittag des zweiten Tages Prof. Georg Müller-Christ vor, in dem er mit den Teilnehmern des Symposiums eine beispielhafte Systemaufstellung als Instrument eines nachhaltigen Managements praktizierte. Bei dem aus der Psychotherapie kommenden Ansatz werden Stellvertreter des zu lösenden Kommunikationsproblems in Form von Personen entsprechend ihrer zielgerichteten Funktion in der Organisation im Raum angeordnet, um die unterschiedlichen Präferenzen, Sichtweisen und Absichten im System zu veranschaulichen und somit mögliche Konfliktpotentiale aufzudecken.

Am Nachmittag skizzierte Prof. Jürgen Howaldt die Wichtigkeit der sozialen Innovation auf dem Weg hin zur Verwirklichung einer nachhaltigen Gesellschaft. Bleibe der Fokus vieler aktueller wissenschaftlicher Beiträge und auch des politischen-gesellschaftlichen Diskurses häufig auf die technische Produkt- und Dienstleistungsinnovation beschränkt, seinen jedoch für den nachhaltigen Transformationsprozess vor allem soziale Innovationen notwendig. Die hierfür zu Grund liegende These sei die Auffassung, dass sich im Übergang von der Industrie- zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft ein „Paradigmenwechsel des Innovationssystems“ vollziehe, infolgedessen sich das Verhältnis von technologischen und sozialen Innovationen grundlegend verändere. Den Abschluss des Symposiums bildete ein Vortrag von Prof. Petra Schweizer-Ries, die erste praktische Erfahrungen und Forschungsergebnisse zum Transdisziplinären Forschen, Lehren und Lernen in Lehrforschungsprojekten des IBKN der Hochschule Bochum vorstellte. Die Aktivitäten bilden erste praktische Ansätze und Versuche aus dem Forschungsschwerpunkt „Nachhaltige Entwicklung“, der seit 2014 unter Einbeziehung aller Fachbereiche entwickelt werde.

Als Fazit dieses überaus spannenden Symposiums lässt sich festhalten, dass sich die Vorträge zur inter- und transdisziplinären Forschung zur Nachhaltigen Entwicklung in der Tat von der nur theoretischen und rein konzeptionellen Ebene verabschiedet haben und nun verstärkt auf die praktische Umsetzung von nachhaltigem Wirtschaften, Leben und Forschen fokussieren. Damit wird ein wertvoller Beitrag zur aufgeworfenen Problemstellung von Thzeorie hin zur Praxis geboten. Besonders hervorzuheben ist außerdem die ausgesprochen gute Organisation des Symposiums, in dem vor allem auch ausreichend Zeit zur Diskussion der Beiträge eingeplant wurde, so dass nicht wie seit Jahrhunderten in der universitären Lehre üblich die Wissens- und Erkenntnisvermittlung als Frontalvortrag praktiziert wurde, sondern alle Teilnehmer intensiv mit diskutieren konnten und auch in praktische Übungen einbezogen wurden.