„Vom Nutzen der Wissenschaft für die Gesellschaft – Eine Kritik zum Anspruch der transformativen Wissenschaft“ – Beitrag von Wolfgang Rohe in der aktuellen GAIA

Neben Carsten von Wissels Beitrag zur „Eigenlogik der Wissenschaft neu verhandeln“ ist in der GAIA 3/ 2015 auch ein Artikel von Dr. Wolfgang Rohe (ehemals Referatsleiter in der DFG und Leiter des Forschungsreferats sowie stellvertretender Generalsekretär des Wissenschaftsrats, heute Geschäftsführer der Stiftung Mercator) „Vom Nutzen der Wissenschaft für die Gesellschaft – Eine Kritik zum Anspruch der transformativen Wissenschaft“ erschienen.
Wolfgang Rohe unterstreicht in seinem Beitrag zunächst, dass Peter Strohschneider in seinem Artikel nicht primär einen wissenschaftstheoretischen, sondern einen demokratietheoretischen Vorwurf an die „transformative Wissenschaft“ formuliere: „Strohschneider sieht die Gefahr eher in einer Hypertrophie der Wissenschaft, die für sich reklamiert, was in einer Demokratie Aufgabe des Politischen wäre, nämlich: Arena gesellschaftlicher Veränderungen zu sein.“ (Rohe 2015, S. 156) Damit weist Rohe aus differenzierungstheoretischer Sicht auch ein Argument zurück, das Schneidewind (2015) in seiner Strohschneider Replik nochmals formuliert hat: dass Wissenschaft eine wichtige Integrationsfunktion in sich funktional ausdifferenzierenden Gesellschaften erfülle. Mit diesem umfassenden Anspruch verspiele die transformative Wissenschaft zwei Chancen:
1. wichtige Impulse in die wissenschaftliche Praxis durch transdisziplinäre Verfahren und Methoden hineinzugeben und samt der epistemologischen und normativen Implikationen bspw. der Nachhaltigkeitsforschung wissenschaftlich zu diskutieren und
2. eine langsame „Rehabilitierung“ (vgl. ebd. S. 159) des Nutzendiskurses von Wissenschaft durch eine überzogene Kritik an der Autonomie zu torpedieren anstatt zu stärken.
Der Beitrag von Wolfgang Rohe ist in der GAIA 3/2015 (S. 156-159) erschienen und kann hier heruntergeladen werden.