DRIFT Workshopbericht zu Transformationsforschung

      1. Definieren der Perspektive von Transformationsforschung

Transformationsforschung wurde als übergreifende Forschungsperspektive vorgestellt, die unterschiedliche Forschungs- und Themenfelder miteinander ins Gespräch bringt. Der gemeinsame Nenner ist hierbei das Interesse an radikaler gesellschaftlicher Veränderung hin zu Nachhaltigkeit, basierend auf der Anerkennung anhaltender ökologischer und sozialer Probleme. Um weiterführende Optionen zur Standardisierung von Transformationsforschung herauszuarbeiten, müssen die unterschiedlichen Ergebnis- und Einflussgrößen klarer verdeutlicht werden. Zudem ist es wichtig, die Zugehörigkeit hinsichtlich zugespitzter Ziele und Ergebnisse der Perspektive zu spezifizieren und den Austausch und die Diskussion über die Ziele, Ergebnisse und Auswirkungen von Transformationsforschung zu fördern. Folgende Fragen bieten sich hier zur weiteren Diskussion an:

        • Was sind die unterschiedlichen Ziele von Transformationsforschung? Welche Arten von Ergebnissen, Folgen und Auswirkungen sowie Forschungsprozesse sind dahingehend zielführend?
        • Wie kann Transformationsforschung im Sinne einer einheitlichen Herangehensweise weiter strukturiert und standardisiert werden? Bis zu welchem Grad ist eine einheitliche Herangehensweise erwünscht?
        • Wie können verschiedene Formate aussehen, um die Debatte zu Transformationsforschung weiter zu führen (wissenschaftliche Workshops, Akteurseinbindung)?
      1. Gestalten durch Transformationsforschung

Während die wichtigsten Ziele von Transformationsforschung das Schaffen von Wissen für eine Nachhaltigkeitstransformation und das Erzielen von realen Wirkungen darstellen, bleibt die Frage offen, wie Forschung zu solchen Zielen beiträgt. Transformationsforschung baut sowohl auf beschreibend-analytischen wie auch handlungsorientierten Ansätzen auf, um verschiedene Arten von Wissen zu generieren, die wiederum Einfluss auf die gesellschaftlichen Debatten und Handlungen nehmen. Um Forschungsergebnisse als solche zu definieren, braucht es allerdings offene Kategorien, da Ergebnisse oder Auswirkungen nicht zwangsläufig in bestimmter Form auftreten, sondern möglicherweise viel diffuser sein können (wie z.B. Einflüsse auf den gesellschaftlichen Diskurs). Zur gleichen Zeit ist es für Forschungsansätze (wie z.B. Aktionsforschung oder transdisziplinäre Forschung), die soziale Auswirkungen beabsichtigen, besonders wichtig Auswirkungen sichtbar zu machen. Dafür sind klar definierte Qualitätskriterien notwendig, die zwischen Forschungsprozess und Ergebnissen vermitteln. Offen bleibt:

        • Welche Art von gesellschaftlichen Fragen werden am besten durch handlungsorientierte und/oder beschreibend-analytische Forschungsansätze beantwortet? Welche Ausgänge, Ergebnisse und Wirkungen werden erreicht?
        • Wie sieht kritische (im Gegensatz zur instrumenteller) handlungsorientierte Forschung zu Nachhaltigkeitstransformationen aus?
        • Wie können Qualitätskriterien für Transformationsforschung überprüft und weiterentwickelt werden?
      1. Auf Reflexivität einlassen

Eine zentrale Herausforderung für Transformationsforschung ist es ihre Reflexivität zu steigern – insbesondere hinsichtlich der Forschungsprozesse und -ergebnisse. So wie Wissen prinzipiell unsicher und begrenzt ist, muss auch Transformationsforschung kritische Fragen zur Normativität stellen, die bereits im Forschungsansatz enthalten ist. Das erfordert auch Transparenz in den wissenschaftstheoretischen Annahmen der Forschenden und ihrer normativen Positionierung. Schließlich müssen die Ergebnisse auch in Hinblick auf ihren tatsächlichen Beitrag zu einer Transformation zu gesellschaftlicher Nachhaltigkeit kritisch reflektiert werden. Während des Workshops wurde Reflexivität als eher unspezifisches Konzept diskutiert, das genaueste Aufmerksamkeit im Hinblick darauf erfordert, wer was, für wen und wie transformiert. Dabei stellen sich folgende weiterführende Fragen:

        • Welche Methoden unterstützen ForscherInnen bei der Prüfung der Legitimation, Ethik, Machtdynamiken und politischen Implikationen ihrer Forschungsprozesse und -ergebnisse?
        • Wie kann eine Lernumgebung für ForscherInnen geschaffen werden, welche die Diskussion über sensible Themen wie die eigene Positionierung und Normativität und deren Implikationen für die Forschung und Ergebnisse erlaubt?
        • Welche Qualitätskriterien unterstützen Reflexion über den Forschungsprozess, seine Ergebnisse und Auswirkungen sowie die Annahmen zu der inhärenten Normativität?
      1. Transformation des Wissenschaftssystems

Eine andere wiederkehrende Diskussion betrifft die Transformation des Wissenschaftssystems im Unterschied von Forschung (als Praxis) und Wissenschaft (als System). Letzteres umfasst dabei materielle und immaterielle Elemente wie Karrierewege, Lehrpläne, Universitäten oder Fördersystemen. Es gab eine starke Einigkeit darüber, dass eine Transformation der Forschungspraxis durch eine Umwandlung des Wissenschaftssystems ergänzt werden muss, bspw. durch Änderung der Finanzierungsstrukturen, Qualitätskriterien und Integration von Aspekten der Nachhaltigkeit und Transformation in akademische Lehrpläne. Es wurde weiter in Frage gestellt, wie eine solche Transformation unterstützt werden könnte, z.B. durch das Schaffen von Wegen auf denen Forschung auf die Transformation des Wissenschaftssystem hinwirkt. Zur Diskussion stehen die Fragen:

        • Wie muss das Wissenschaftssystems organisiert werden, um mehr Vielfalt in Forschungsansätzen zuzulassen?
        • Welche Elemente des Wissenschaftssystems müssen sich ändern und welche könnten als Sprungbrett für die Stärkung der Veränderungsprozesse genutzt werden?
        • Welche Art der Finanzierung schafft klare Anreize für Transformationsforschung?

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