Transformationsanalyse zum deutschen Wissenschaftssystem im Journal for Environmental Innovation and Societal Transitions

Der in den letzten Jahren in den Niederlanden entwickelte Transition Management-Ansatz ist in den letzten Jahren angewendet worden, um Transformationsprozesse zu mehr Nachhaltigkeit in Sektoren wie dem Energie-, Agrar- oder Mobilitätssektor zu untersuchen. Uwe Schneidewind und Karoline Augenstein zeigen in einem aktuell im Journal for Environmental Innovation and Societal Transitions erschienen Beitrag auf, dass der Ansatz auch geeignet ist, die aktuellen Veränderungsprozesse zu einer nachhaltigkeitsorientierten Wissenschaft im deutschen Wissenschaftssystem zu verstehen und daraus Ansatzpunkte für künftige Strategien abzuleiten.

Sustainability Summit in Lüneburg

29.02. – 02.03.2012 an der Leuphana Universität Lüneburg

20 Jahre nach der Konferenz von Rio de Janeiro setzt sich in mehr und mehr wissenschaftlichen Einrichtungen die Erkenntnis durch, dass für die Umsetzung der normativen Idee einer nachhaltigen Entwicklung eine disziplinär ausgerichtete Forschung nicht ausreicht. Vielmehr müssen inter- und transdisziplinäre Methoden genutzt werden um die Transformation der Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung zu erforschen. Die methodologischen und forschungspraktischen Arbeiten zu transdisziplinärer Forschung haben insbesondere in den vergangenen Jahren in Deutschland eine zunehmende Resonanz erfahren – gerade in der Nachhaltigkeitswissenschaft. Die Konferenz der Leuphana Universität Lüneburg setzt mit der Zusammenführung international renommierter WissenschaftlerInnen und Verantwortlichen aus Poltik und Gesellschaft einen internationalen Impuls zur Weiterentwicklung transdisziplinärer Ansätze. Sie richtet sich an drei Leitfragen aus.

1. Welche Erkenntnisse über die Rolle der Transdisziplinarität für nachhaltige Veränderungen wurden in den letzten 10 Jahren gewonnen?
2. Welche Forschungslücken verbleiben?
3. Wie können diese Forschungslücken gefüllt werden?

Die Konferenz ist in englischer Sprache. Zum Programm und zur Anmeldung geht es hier.

Hier geht es zur Übersicht über alle Veranstaltungen der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“.

Auftaktveranstaltung zur Reihe „Transformatives Wissen schaffen“ mit den Wissenschaftsministerinnen Svenja Schulze/NRW und Theresia Bauer/Baden Württemberg am 06.02.2012 in Berlin

Die Auftaktveranstaltung leitet die Initiative „Transformatives Wissen schaffen“ für das vom BMBF ausgerufene Wissenschaftsjahr „Nachhaltigkeit/Zukunftsprojekt Erde“ ein. Sie ist gleichzeitig der erste größere öffentliche Auftritt der NaWis-Runde sowie des Ecological Research Networks (Ecornet) der freien Umweltforschungsinstitute. Die Veranstaltung findet in der Landesvertretung NRW unter Teilnahme der Wissenschaftsministerinnen des Landes NRW und des Landes Baden Württemberg statt. Die Veranstaltung gibt einen Überblick über den Stand und Herausforderungen an Wissenschaft und Wissenschaftssystem, um die Transformation zu einer Nachhaltigen Entwicklung aktiv zu unterstützen.

Programm (Stand 31.01.2012)

11:15 Uhr: Begrüßung durch die Gastgeber der Veranstaltung

Vorstellung der Initiative „Transformatives Wissen schaffen“ im Wissenschaftsjahr 2012

11:30 Uhr: Einstimmung in den Tag – Prof. Dr. Uwe Schneidewind (für das NaWis-Netzwerk und EcoRNet)

11:45 Uhr: Podiumsdiskussion zur Initiative mit den Initiatoren (Moderation: R. Andreas Kraemer/ Ecologic Institut)

  • Prof. Dr. Alexander Roßnagel/ Universität Kassel
  • Dr. Thomas Jahn/ ISOE
  • Michael Sailer/  Öko-Institut
  • Reiner Braun/ Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW)
  • Stephan Ertner/ Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden- Württemberg

13:00 Uhr: Mittagspause 

Anforderungen an eine transformative Wissenschaft

14:00 Uhr: Die Zivilgesellschaft als wissenschaftspolitischer Akteur
Moderierte Podiumsdiskussion –
(Moderation: R. Andreas Kraemer/ Ecologic Institut)

  • Prof. Dr. Angelika Zahrnt/ Rat für Nachhaltige Entwicklung
  • Prof. Dr. Wilfried Kühling/ BUND
  • Reiner Hoffmann/ IGBCE NRW
  • Dr. Steffi Ober/ Nabu
  • Alejandro Esguerra/Initiative Greening the University/Tübingen

15:15 Kaffeepause

15:30 Uhr Anforderungen und Best Practices einer transformativen Wissenschaft – moderierte Podiumsdiskussion

(Moderation: Thomas Korbun/ IÖW)

  • Prof. Dr. Claus Leggewie/ WBGU
  • Prof. Dr. Daniel Lang/ Leuphana Universität Lüneburg
  • Dr. Matthias Bergmann/ ISOE
  • Dr. Marie Loibl/ Sparkling Science – Österreich
  • Ute Zander/ VISION RD4SD
  • Thorsten Menne/ Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung NRW – Initiative Fortschritt NRW

16:30 Kaffeepause

Öffentliche Nachmittags-/Abendveranstaltung

17:00 Uhr: Begrüßung durch die Veranstalter – Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Nawis-Runde und das EcoRNet) und Dr. Mario Tobias (IASS) 

17:15 Uhr: Grand Challenges als Grundlage künftiger Innovationspolitik – das Beispiel NRW/Svenja Schulze – Wissenschaftsministerin des Landes NRW

17:40 Uhr: Wissenschaft für Nachhaltigkeit – Ausblick auf die Wissenschaftsintiative in Baden Württemberg/Theresia Bauer – Wissenschaftsministerin des Landes Baden Württemberg

18:00 Uhr Perspektiven einer transformativen Wissenschaft – wie bringen wir ökologischen, sozialen und ökonomischen Fortschritt zusammen?
Podiumsdiskussion mit (Moderation: Thomas Korbun/ IÖW)

  • Svenja Schulze/  Wissenschaftsministerin des Landes NRW
  • Theresia Bauer/ Wissenschaftsministerin der Landes Baden Württemberg
  • Prof. Dr. Hubert Weiger/ Vorsitzender des BUND
  • Kathrin Menges/ Vorstand, Henkel AG & Co. KGaA
  • Prof. Dr. Dirk Messner/ WBGU

19:30 Uhr: Schlusswort und Empfang in der Landesvertretung

Anfahrt: http://www.mbem.nrw.de/landesvertretungen/landesvertretung-berlin/service-landesvertretung.html

Anmeldung:
Anmeldungen bitte bis zum 27.01.2012  hier per Mail oder an wissenschaftsjahr2012(at)wupperinst.org.

Programm zum Ausdrucken: Nawis_INV_01_2012_01x

Pressemeldung zum Ausdrucken: Pressemeldungs_Transform_Wissen_7_Feb_2012

Hier geht es zur Übersicht über alle Veranstaltungen der Reihe „Transformatives Wissen schaffen“.

Nachhaltig forschen – transformatives Wissen schaffen: Veranstaltungsreihe im Wissenschaftsjahr 2012

Das deutsche Bundesforschungsministerium (BMBF) hat das Jahr 2012 zum Wissenschaftsjahr „Nachhaltigkeit/Zukunftsprojekt Erde“ ausgerufen. Die Initiative „Transformatives Wissen schaffen“ nimmt dies zum Anlass, mit einer Reihe von Veranstaltungen zu diskutieren, vor welchen Herausforderungen das Wissenschaftssystem selber steht, um seine Motorfunktion für die notwendigen Transformationsprozesse auf dem Weg zu einer nachhaltigen Gesellschaft auszufüllen.

Getragen wird die Initiative zum Wissenschaftsjahr von wissenschaftlichen Vorreiter-Einrichtungen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft. Dazu gehören neben dem NaWis-Verbund aus den Universitäten Kassel und Lüneburg sowie dem Wuppertal Institut und dem Institute of Advanced Sustainability Studies (IASS), das Ecological Research Network (Ecornet) der freien Umwelt-/Nachhaltigkeitsforschungsinstitute in Deutschland, die seit über 20 Jahren eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung als Pioniere betreiben. Dem EcoRNet gehören an: das Öko-Institut, das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU), das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), das Ecologic Institute, das Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie. Viele weitere Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen u.a. aus der Arbeitsgruppe Hochschule des Deutschen UNESCO-Komitees unterstützen das Netzwerk.

Für 2012 ist ein breites Spektrum an Veranstaltungen geplant.

Den Auftakt macht eine Tagung am 6. Februar 2012 in der Landesvertretung NRW in Berlin mit den Wissenschaftsministerinnen aus Nordrhein-Westfalen, Svenja Schulze und Baden-Württemberg, Theresia Bauer. In der ganztägigen Veranstaltung soll unter Einbeziehung von Wirtschaft und Zivilgesellschaft darüber diskutiert werden, wie Wissenschaft, Wissenschaftssystem und Wissenschaftspolitik künftig gestaltet sein müssen.

Neben der großen Auftaktveranstaltung werden über das gesamte Jahr verteilt Tagungen und Workshops zu bestehender nationaler und internationaler Best Practice einer transformativen Nachhaltigkeitswissenschaft in den Bereichen Forschung, Lehre und Wissenschaftsförderung stattfinden.

Einen weiteren wichtigen Höhepunkt des Jahres bildet der Sustainability Summit vom 29. Februar bis zum 2. März 2012 in Lüneburg. Auf diesem internationalen Kongress werden führende Nachhaltigkeitswissen-schaftler/innen zusammenkommen, um zu verorten, wo die transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung heute steht und wie sie sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln muss.

Die Koordination der Veranstaltungsreihe durch das Berliner Büro des Wuppertal Instituts wird von der Stiftung Mercator gefördert.

Eine Übersicht über die Veranstaltungsreihe finden Sie hier.

Die Pressemeldung zum Auftakt der Reihe finden Sie unter: http://idw-online.de/de/news456261

Europäische Geistes- und Sozialwissenschaftler fordern in offenen Brief an Forschungskommissarin Maire Geoghegan-Quinn eine stärkere Berücksichtigung der Sozialwissenschaften im 8. Forschungsrahmenprogramm

In einem offenen Brief an Forschungskommissarin Maire Geoghegan-Quinn fordern über 20.000 europäische Geistes- und Sozialwissenschafter(innen) eine stärkere Berücksichtigung der Geistes- und Sozialwissenschaften im kommenden 8. Forschungsrahmenprogramm. So waren im 7. Rahmenprogramm vom Gesamtvolumen von 55 Mrd. Euro nur ein gutes Prozent (600 Mio. Euro) für die geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung vorgesehen. Gerade wenn die „Grand Challenges“ (d.h. die großen gesellschaftlichen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts wie Klimawandel, Energieversorgung, Gesundheit, …) neben der Exzellenzforschung sowie der Förderung von Schlüsseltechnologien im 8. Forschungsrahmenbprogramm die zentrale dritte Säule der Förderung darstellen, so ist dies ohne eine umfassende Berücksichtigung sozial- und geisteswissenschaftlicher Forschung nicht möglich.

Weitere Informationen zum offenen Brief und der Liste der Unterzeichner(innen) sowie der den Brief unterstützenden Netzwerke finden sich unter: http://www.eash.eu

Leibniz-Gemeinschaft richtet strategische Forschungsverbünde zu zentralen Zukunftsthemen ein

Auf ihrer Jahrestagung in Frankfurt am Main hat Leibniz-Präsident Prof. Dr. Karl Ulrich Mayer angekündigt, „Strategische Forschungsverbünde“ in der Leibniz-Gemeinschaft einzurichten. Zunächst werden auf den Gebieten Nanotechnologie, Bildung, Biodiversität, Alternsforschung und Biotechnologie interdisziplinäre und institutsübergreifende Verbünde entwickelt. Die Strategischen Forschungsverbünde sollen auch externen Kooperationspartnern geöffnet werden und der Forschungspolitik „kritische Massen“ für gezielte, themenorientierte Forschungsinitiativen anbieten. Die Leibniz-Gemeinschaft will damit ihre Rolle als einer der zentralen wissenschaftlichen Ansprechpartner für Politik und Gesellschaft weiter ausbauen.

Mit dem Themenfeld „Biodiversität“ ist auch ein Forschungsverbund aus dem Kontext der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung unter den vorgesehnen Verbünden.

Die Leibniz-Gemeinschaft geht damit einen weiteren wichtigen Schritt, die bisher nur lose Kopplung ihrer einzelnen Institute weiter zu intensivieren und zu themenbezogenen Koordinationsmustern zu kommen, die denen in der Helmholtz-Gemeinschaft oder der Fraunhofer-Gesellschaft ähneln.

Weitere Informationen zu den Beschlüssen der Jahrestagung 2011 unter http://idw-online.de/de/news453395

Kompetenzzentrum Nachhaltige Universität der Universität Hamburg schreibt Postdoc-Stipendien für das Kolleg „Sustainable Future“ aus

Das Kompetenzzentrum „Nachhaltige Universität“ der Universität Hamburg schreibt noch bis zum 31.12.2011 die nächste Runde von Post-Doc-Fellowships aus. Die Stipendien sind auf maximal 2 Jahre mit 2200,- Euro + Sachkostenzuschuss dotiert. Bewerben können sich herausragend qualifizierte Postdoktorandinnen und -doktoranden sowohl von der Universität Hamburg als auch von anderen Universitäten im In- und Ausland. Voraussetzung ist, dass das betreffende Vorhaben das Thema der „Nachhaltigkeit“ entweder in
thematisch-inhaltlicher, reflexiv-wissenschaftskritischer, didaktischer und/oder institutioneller Perspektive aufgreift. Weitere Informationen zur Ausschreibung finden sich unter http://www.nachhaltige.uni-hamburg.de/de/Foerderung/Fellowships.html.

Öffentlicher Konsultationsprozess der European Research Area (ERA) zum neuen ERA-Framework läuft noch bis zum 30.11.2011

Noch bis zum 30.11.2011 läuft die öffentliche Konsultation der European Research Area (ERA) zu ihrem neuen Rahmenprogramm. Unter http://ec.europa.eu/research/era/consultation/era_consultation_en.htm können noch bis zum 30.11.2011 Eingaben von Bürgern, Organisationen und öffentlichen Einrichtungen gemacht werden. Das Fragen- und Eingabespektrum umfasst das europäische Forschungssystem insgesamt, erlaubt es aber, notwendige Impulse im Hinblick auf einer stärker transformative Forschung deutlich zu machen.

Dokumentation des Forums „Die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft“ vom 8.11.11 ab sofort verfügbar

Im Rahmen der Initiative „Fortschritt NRW“ veranstaltete das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium am 8.11.2011 in der Akademie der Wissenschaften und Künste, Düsseldorf ein Forum zum Thema „Die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft“. Das Forum wurde durch einen Vortrag von Prof. Dirk Messner, Leiter des Deutschen Institutes für Entwicklungspolitik (DIE) und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates für Globale Umweltveränderungen (WBGU) eingeleitet, der auf die im aktuellen Hauptgutachten des WBGU herausgearbeiteten Defizite des aktuellen Wissenschaftssystems bei der Bewältigung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen einging. Dem Vortrag schloss sich eine anregende Diskussion auf einem Podium an, auf dem Wissenschaftsministerin Svenja Schulze, Prof. Dr. Achim Bachem/Leiter des Forschunszentrums Jülich, Prof. Ursula Gather/Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz NRW, Dr. Dagmar Simon/Leiterin der Gruppe Wissenschaftspolitik des Wissenschaftszentrums Berlin sowie Philine Warnke vom Fraunhofer-ISI diskutierten. Es wurde deutlich, dass die vom WBGU eingeforderte Verstärkung einer „transformativen Forschung“ noch am Anfang steht. Die Universitäten tun sich dabei schwerer als die großen außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Sowohl in der Forschungspolitik als auch in den wissenschaftsinternen Anreizsystemen bestehen noch Anpassungsbedarfe. Dabei war bei der Diskussion u.a. umstritten, ob eine „transformative Forschung“ eigene Förderlinien braucht oder integraler Bestandteil bestehender Forschungsansätze und Institutionen werden muss.

Die Dokumentation der Veranstaltung (Vortrag von Dirk Messner, Teilnehmerliste des Podiums) ist ab sofort im Download verfügbar unter: http://www.wissenschaft.nrw.de/landdertalente_nrw/Fortschritt_NRW/Foren_des_Fortschritts/FdF__gesellschaftliche_Verantwortung_v_Wissenschaft/index.php

Erster Nachhaltigkeitstag der Hochschulregion Tübingen-Hohenheim

Am 11.11.2011 haben die sechs Hochschulen im Rahmen des Projektes „Rendevouz mit der Zukunft“ den ersten Nachhaltigkeitstag der Hochschulregion begangen. Zu ihnen gehören die Universität Tübingen, die Universität Hohenheim, die Hochschule Albstadt-Sigmaringen, die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, die Hochschule Reutlingen sowie die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg. Alle sechs Hochschulen sind in unterschiedlichen Feldern im Bereich der Nachhaltigkeitsforschung und -lehre aktiv. Die Universität Tübingen feierte an dem Tag ihre EMAS-Umweltzertifizierung und ist damit die erste EMAS-zertifizierte Hochschule in Baden Württemberg. Das Thema Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung in Baden Württemberg und wird durch die Landesregierung aktiv unterstützt.

Tagung „Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften“ des Wissenschaftsrates am 9./10.12.2012 in Bonn

Am 9. und 10.12. veranstaltet der Wissenschaftsrat eine Tagung zu den „Forschungsinfrastrukturen in den Geistes- und Sozialwissenschaften – Stellenwert/Förderung/Zukunftsperspektiven“ im Wissenschaftszentrum in Bonn. Die Tagung und die sie organisierende gleichnamige Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrates sensibilisieren für die Bedeutung von Forschungsinfrastrukturen jenseits der Technik- und Naturwissenschaften. Zu geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungsinfrastrukturen zählen z.B. die Digitalisierung des kulturellen Erbes, die Digitalisierung von Sprachressourcen sowie quantitative und qualitative Datenbestände zur Beschreibung sozialer Prozesse. Gerade letztere sind auch für eine nachhaltigkeitsorientierte Transformationsforschung von zentraler Bedeutung. Für ein differenziertes Verständnis von Transformationsprozessen spielt die Gestaltung von Laboren bzw. Realexperimenten des Wandels z.B. in Städten oder Stadtteilen eine wichtige Rolle. Die systematische Konzeptionierung solcher Labore sowie die Erfassung und Auswertung in solchen Projekten gewonnener Daten gewinnt für die Nachhaltigkeitsforschung zunehmend an Bedeutung. Claus Leggewie, Direktor des kulturwissenschaftlichen Institutes in Essen mit seinem Schwerpunkt „Klimakulturen“ ist einer der aktiv Beitragenden auf der Tagung.

Die Helmholtz-Allianz „Zukünftige Infrastrukturen der Energieversorgung“ nimmt Arbeit auf

Unter Leitung von Prof. Dr. Armin Grunwald und Prof. Dr. Ortwin Renn startet in diesen Tagen die Helmholtz-Allianz „Zukünftige Infrastrukturen der Energieversorgung. Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit und Sozialverträglichkeit“ ihre Arbeit. Die Allianz ist auf 5 Jahre ausgelegt und wird von der Helmholtz-Gemeinschaft mit 8,25 Mio. Euro gefördert. Die Federführung der Allianz liegt beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Weitere beteiligte Helmholtz-Zentren sind das Forschungszentrum Jülich, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ. Darüber hinaus arbeiten am Zentrum Wissenschaftler der Universität Stuttgart, der Otto von Guericke Universität Magdeburg, der FU Berlin sowie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim mit.

Der Schwerpunkt der Arbeit der neuen Allianz liegt an der Schnittstelle zwischen Energietechnik, Planungsverfahren und Verbraucherverhalten. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die aktuelle Transformation des Energiesystems vorwiegend auf regenerative Energiequellen und Energieeffizienz setzt und damit die Energienachfrageseite mehr und mehr in den Fokus von Forschung und Energiepolitik rückt.

Weitere Informationen zur Allianz finden sich unter:
o http://www.helmholtz.de/index.php?id=2270
o Pressemeldung der Universität Stuttgart
o Pressemeldung des Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Nachhaltigkeitsstrategien in den Zielvereinbarungen aller hessischer Hochschulen verankert

Im Sommer 2011 haben alle 12 staatlichen hessischen Hochschulen ihre Zielvereinbarungen für die Jahre 2011-2015 abgeschlossen. Eine Besonderheit der Zielvereinbarungen ist, dass alle Hochschulen aufgefordert waren, zum Thema „Nachhaltigkeitsstrategie“ der Hochschule Aussagen zu machen. Auf diese Weise ist ein eindrucksvoller Überblick über die Nachhaltigkeitsaktivitäten der verschiedenen hessischen Hochschulen entstanden. Alle Zielvereinbarungen sind auf der Homepage des hessischen Wissenschaftsministeriums abzurufen. Hier finden sich die direkten Links zu den Zielvereinbarungen 2011-2015:

o Technische Universität Darmstadt
o Goethe Universität Frankfurt
o Justus-Liebig Universität Giessen
o Universität Kassel
o Philipps Universität Marburg
o Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt
o Hochschule für Gestaltung, Offenbach
o Hochschule Darmstadt
o Fachhochschule Frankfurt
o Hochschule Fulda
o Technische Hochschule Mittelhessen
o Hochschule RheinMain

Research for CSO´s weiterentwickeln

Im Rahmen der Forderungen vieler europäischer zivilgesellschaftlicher Organisationen nach einer Neuorientierung der europäischen Forschungspolitik richtet sich derzeit der Blick auch wieder stärker auf eine Policy-Initiative, die die EU im Rahmen des 7. EU-Forschungsrahmenprogrammes im Jahr 2007 aufgelegt hat: In dem Programm „Research for CSO´s (Civil Society Organizations)“ schafft die EU die Möglichkeit für zivilgesellschaftliche Organisationen, eigene Forschungsvorhaben zu beauftragen oder Maßnahmen für einen besseren Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen zu fördern.

Die bisherigen Erfahrungen mit diesem eigentlich hervorragend konzipierten Ansatz zeigen jedoch, dass die Antragshürden (mindestens 3 Partner aus unterschiedlichen Ländern) die Nutzung dieses Instrumentes für viele CSO´s sehr schwierig machen. Dies spricht dafür, entsprechende Instrumente auch auf nationaler und Bundesland-Ebene einzuführen, um zivilgesellschaftlichen Organisationen die Chance zu geben, den Zugriff auf wissenschaftliche Ressourcen intensiv zu erproben und auszubauen.

Grenzen überwinden – Gesellschaft und Hochschule gemeinsam gestalten – Tagung in Augsburg am 9./10.11.11

Die Augsburger Projektgruppe „Bildung durch Verantwortung“ veranstaltet gemeinsam mit Partnern von der Universität Duisburg-Essen vom 9. bis zum 10. November 2011 eine Tagung „Grenzen überwinden – Gesellschaft und Hochschule gemeinsam gestalten“ an der Universität Augsburg. Die Tagung wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, durch den Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, durch die Kurt-Bösch-Stiftung zugunsten der Universität Augsburg sowie durch die Gesellschaft der Freunde der Universität Augsburg e.V. finanziell unterstützt. Partner ist darüber hinaus das Hochschulnetzwerk „Bildung durch Verantwortung“, dem die Universität Augsburg im Rahmen der Tagung beitreten wird und dem bisher schon 10 Hochschulen (darunter z.B. die Leuphana-Universität Lüneburg) angehören.

Die Tagung widmet sich dem als „dritter Mission“ bezeichneten Aufgabenfeld für Hochschulen: Die Ansatzpunkte dieses neuen Feldes reichen von Civic Engagement, Community Outreach, Community Service, Community Based Research, Service Learning bis zu Social Entrepreneurship. Ziel der Tagung Augsburger Tagung „Mission Gesellschaft“ ist es, die in dem von diesen Begriffen abgesteckten Feld tätigen Akteure zusammenzubringen, um ihnen die Möglichkeit zu bieten, ihre jeweiligen Erfahrungen auszutauschen, über Chancen und Herausforderungen zu diskutieren

Weitere Informationen zur Tagung sind abzurufen unter: http://idw-online.de/de/news448271

Die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft – Forum des Fortschritts NRW am 8.11.2011 in Düsseldorf

Am 8. November ab 18:00 Uhr veranstaltet das nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerium in der Akademie der Wissenschaften und Künste in Düsseldorf sein nächstes Forum des Fortschritts. Thema ist die gesellschaftliche Verantwortung von Wissenschaft. Mit dem Forum bietet das Ministerium eine weitere Plattform für die Diskussion über zukünftige Anforderungen an das Wissenschaftssystem angesichts wachsender globaler Herausforderungen: „Die globalen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Klimawandel, demografische Entwicklung und Energie- und Ressourcenknappheit verlangen nachhaltige Lösungen und Strategien. Worin genau sollte der Beitrag der Wissenschaft liegen? Welche neue strukturellen und inhaltlichen Anforderungen an Wissenschaft ergeben sich? Und wie müssen Forschungsstrategien und Förderprogramme ausgerichtet sein? Auf Grundlage des Hauptgutachtens „Welt im Wandel – Gesellschaftsvertrag für eine Große Transformation“ des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) möchte Wissenschaftsministerin Svenja Schulze in einem offenen Dialog mit der Öffentlichkeit und den Fachleuten diese und andere Fragen diskutieren.“ Nach einem Eingangsreferat von Prof. Dirk Messner, Mitglied des WBGU, diskutieren Svenja Schulze, Prof. Dr. Dirk Messner, Prof. Dr. Ursula Gather/Vorsitzende der Rektorenkonferenz des Landes NRW, Prof. Dr. Achim Bachem/Vorstandsvorsitzender des Forschungszentrums Jülich, Waldemar Kütt/Mitglied des Kabinetts der EU-Kommissarin für Forschung, Innovation und Wissenschaft, Dr. Dagmar Simon/Leiterin der Forschungsgruppe Wissenschaftspolitik im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB ) und Dr. Philine Warnke/Geschäftsfeldleiterin Zukunftsforschung und Vorausschau im Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI.

Weitere Informationen und das Programm zur Veranstaltung finden sich unter http://www.wissenschaft.nrw.de/landdertalente_nrw/Fortschritt_NRW/FdF__gesellschaftliche_Verantwortung_v_Wissenschaft/index.php

Baden Württembergisches Wissenschaftsministerium stellt 8 Mio. Euro für Förderlinie „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ zur Verfügung

Auf dem heutigen Tag der nachhaltigen Entwicklung an der Hochschule Konstanz hat die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer eine mit 8 Mio. Euro ausgestattete Förderlinie „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ angekündigt. Damit setzt die Landesregierung einen ersten wichtigen Baustein der in der Koalitionsvereinbarung beschlossenen Nachhaltigkeitsinitiativen im Wissenschaftsbereich um.

Hochschultag „Rendezvous mit der Zukunft – Nachhaltige Wertschöpfung am Bodensee“ am 14.10.2011 – Perspektiven Nachhaltiger Entwicklung an Hochschulen

Wie können Hochschulen auf die komplexen Herausforderungen der Nachhaltigen Entwicklung eingehen? Wie organisiert man Lehre, Forschung und Transfer inter- und transdisziplinär? Wie können Hochschulen an bereits vorhandenes Wissen aus Unternehmen und Bürgerorganisationen anschließen – und wie können Hochschulen ihre Kompetenzen in die Prozesse Nachhaltiger Entwicklung aktiv einbringen?

Das haben Studierende, Professoren sowie Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) in Konstanz ein Jahr lang praktisch ausprobiert. Das Projekt „Rendezvous mit der Zukunft: Nachhaltige Wertschöpfung am Bodensee“ (im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württembergs) kommt am 14.10.2011 mit einem Hochschultag zum Ende, bei dem die Erfahrungen ausgewertet sowie Empfehlungen für Hochschulen und Politik formuliert werden.

Nähere Informationen finden sich auf folgender Website, auf der auch eine Anmeldung zur Veranstaltung möglich ist:
http://www.htwg-konstanz.de/hochschultag-ne

Die Teilnahme ist kostenlos, für Schüler und Studierende besteht die Möglichkeit zur Fahrtkostenerstattung.

Kontakt/Fragen an:
Frau Juliane Dross ( juliane.dross[at]htwg-konstanz.de )
07531-206433

Internationale Konferenz „Planning Research for the Future?“ vom 13.-15.10.2011 an der FU Berlin

Vom 13.-15.10.2011 veranstaltet das „Center for Cluster Development“ an der FU Berlin (Prof. Dr. Carsten Dreher) eine internationale Konferenz zum Thema „Planning Research for the Future?“. Im Zentrum der Konferenz steht die Frage, inwiefern Forschung -insbesondere solche, die sich an gesellschaftlichen Schlüsselherausforderungen orientiert- geplant werden kann und werden sollte. Die Konferenz adressiert damit Schlüsselfragen, die von hoher Relevanz für die Diskussion über eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft sind. Das Programm der Konferenz kann hier heruntergeladen werden.

NABU-Studie zum Bioökonomierat

Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat sich kritisch in einer Studie mit dem Forschungsrahmenprogramm „Bio-Ökonomie“ der Bundesregierung auseinandergesetzt, in das in den kommenden Jahren 2,4 Mrd. Euro fließen werden. Ein Kritikpunkt zielt auf die Tatsache, „dass der Forschungs- und Technologierat Bioökonomie sich nahezu ausschließlich auf technologische Lösungen beschränkt“. Damit weist die Kritik Parallelen zu den im Hauptgutachten des Wissenschaftlichen Beirats Globale Veränderungen (WBGU) geäußerten Zweifeln an der aktuellen Forschungspolitik für Nachhaltigkeit auf.

Am 12.09.2011 diskutieren der NABU und die Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) auf einer öffentlichen Veranstaltung in Berlin das Gutachten des Bioökonomierates sowie die wesentlichen Kritikpunkte der NABU-Studie.

Damit wird die Diskussion um eine Forschungsagenda für eine Nachhaltige Entwicklung fortgesetzt, die der NABU zusammen mit der VDW und dem Umweltverband BUND in einem Workshop am 10.03.2011 begonnen hatte.

Bündnis von rund 100 europäischen zivilgesellschaftlichen Organisationen fordert Neu-Orientierung der europäischen Forschungspolitik

In einem offenen Brief an Kommissions-Präsident Barroso haben rund 100 europäische zivilgesellschaftliche Organisationen kurz vor der Sommerpause eine Reorientierung in der europäischen Forschungspolitik gefordert. Unter dem provokanten Titel „Public Research should benefit Society, not Big Business“ fordern sie für die Ausgestaltung des nächsten 8. EU-Forschungsrahmenprogramms (2014-2020) insbesondere die Abwendung von einer einseitig technologisch-orientierten Fixierung der Forschungspolitik und mehr Transparenz und demokratische Teilhabe bei der Entscheidung über Forschungsfonds.

Die Kritik der Autoren des offenen Briefes weist durchaus viele Überschneidungen mit den wissenschaftspolitischen Forderungen im aktuellen WBGU-Gutachten auf.

Humboldt-Universität tritt mit THESys (The Great Transformations of Human-Environmental Systems) zur Exzellenzinitiative an

Zum 01. September mussten die Vollanträge der in der Vorauswahl erfolgreichen Universitäten zur Exzellenzinitiative bei DFG und Wissenschaftsrat eingereicht werden. Aus der Perspektive transdiszplinärer Nachhaltigkeitswissenschaften waren nur wenige Beiträge dabei. Eine erfreuliche Ausnahme ist die Humboldt-Universität mit dem in ihrem Zukunftskonzept vorgesehenen Integrated Research Institute (IRI) THESys (The Great Transformations of Human-Environmental Systems). Dieses IRI ist eines von drei IRI an der Humboldt-Universität und widmet sich dem Themenkomplex Nachhaltigkeit, Landnutzung und Globalisierung. Es ist verknüpft mit einem der zehn Graduiertenschool-Anträge der Humboldt-Universität, der von Prof. Patrick Hostert koordinierten FutureLand Graduate School – Wege zu einer nachhaltigen Landnutzung (http://hu-berlin.de/futureland). Auch wenn diese Bereiche der Nachhaltigkeitsforschung nur einen kleinen Teil des Gesamtforschungsspektrums der Humboldt-Universität darstellen, so ist es doch ein sehr erfreuliches Signal, dass an dem symbolträchtigen Flagschiff der deutschen Universitätslandschaft die Nachhaltigkeitswissenschaft einen festen Platz hat.

Kongress „Fokus nachhaltige Wissenschaft – Beitrag der wissenschaftlichen Forschung zum gesellschaftlichen Wandel“ zum 40-jährigen Bestehen des IWU am 6./7.10.2011 in Darmstadt

Anlässlich seines 40-jährigen Bestehens veranstaltet das Institut Wohnen und Umwelt (IWU) am 06./07. Oktober 2011 in Darmstadt einen Kongress zum Thema „Fokus nachhaltige Wissenschaft – Beitrag der wissenschaftlichen Forschung zum gesellschaftlichen Wandel“. Der Kongress orientiert sich am Forschungsverständnis des IWU, Forschungsthemen aus den Problemen der Gesellschaft zu generieren. Er will das aktuelle Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft diskutieren und zugleich die Merkmale exzellenter wie nachhaltiger Forschung beleuchten. Besonders im Augenmerk steht dabei, in welchen Netzwerken eine derartige Forschung gestaltet werden kann. Das vorläufige Programm des Kongresses findet sich hier.

Die IWU GmbH ist eine gemeinnützige Forschungseinrichtung des Landes Hessen und der Wissenschaftsstadt Darmstadt und arbeitet sowohl in der Grundlagenforschung als auch in der angewandten Forschung. Das Institut befasst sich mit gesellschaftlichen, wirtschaftlichen sowie umwelt- und energierelevanten Fragestellungen. Es erstellt Analysen und Prognosen für Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft und unterstützt sie mit Konzepten, Leitlinien und Instrumenten. Das IWU verfügt über hohe Kompetenz bei prozessbegleitenden Steuerungsinstrumenten wie Monitoring und Evaluation. Das Gesamtbudget beträgt rund 3 Millionen Euro. Neben der institutionellen Förderung finanziert sich das IWU zu erheblichen Teilen aus Drittmittelforschung. Derzeit beschäftigt das Institut 43 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon überwiegend Wissenschaftler aus mehr als 10 Disziplinen.

American College & University Presidents´Climate Commitment (ACUPCC) mit weit über 600 Unterzeichnern

Das Ende 2006 initiierte „American College & University Presidents´Climate Commitment (ACUPCC)“ ist inzwischen von weit über 600 Hochschul-Präsidentinnen und Präsidenten in den USA unterschrieben worden.

In dem Commitment verpflichten sich die Hochschulleitungen zu umfassenden Klimaschutz auf dem Campus und der Aufstellung eines CO2-Inventars. Zudem erklären sie die Bereitschaft, innerhalb von zwei Jahren einen klimaneutralen Campus umzusetzen. Mit dem Commitment ist weiterhin die breite Integration von Nachhaltigkeits-Inhalten in das Curriculum der jeweiligen Hochschule verbunden.

Die ACUPCC veranstaltet neben regionalen Treffen einmal jährlich einen „Climate Leadership Summit“ und publiziert regelmäßig einen Jahresbericht Ihrer Aktivitäten.

Verbund für Nachhaltige Wissenschaft (NaWis) – Netzwerk zur Stärkung der Nachhaltigkeits-Wissenschaften

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Die Universität Kassel, die Leuphana Universität Lüneburg und das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH haben sich zur NaWis-Runde zusammengeschlossen. Seit dem 01.01.2012 ist auch das Institute for Advanced Sustainability Studies Mitglied der NaWis-Runde. Ziel des Verbundes ist die Förderung transdisziplinärer Nachhaltigkeitswissenschaft im deutschen Wissenschaftssystem – sowohl in Hochschulen als auch in außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

Klima- und Umweltherausforderungen sprengen schon lange Disziplinengrenzen. Sie erfordern eine enge Zusammenarbeit von Natur- und Technik- mit Sozial- und Geisteswissenschaften. Nur so lassen sich Übergänge zu einer nachhaltigen Gesellschaft gestalten. International entwickeln sich viele Initiativen für eine inter- und transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft. Im deutschen Wissenschaftssystem steht diese noch am Anfang.

Hier setzt die von den Universitäten Kassel und Lüneburg, dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie sowie dem Institute for Advanced Sustainability Studies getragene „NaWis“-Runde an. Sie wird von vier führenden Wissenschaftseinrichtungen im Bereich der Nachhaltigen Wissenschaft getragen.

Schon heute arbeiten die vier Trägerinstitutionen auf Schlüsselfeldern der Nachhaltigkeitswissenschaft zusammen, wie z.B.

  • der Klimaanpassungsforschung,
  • dem Ausbau regenerativer Energiezeugung,
  • die nachhaltige Gestaltung von Ressourcen- und Stoffströmen,
  • nachhaltige Prozesse auf Stadtebene bzw. Nachhaltigkeitsstrategien von Städten

In Zukunft plant die NaWis-Runde u.a.

  • gemeinsame Forschungsprojekte, Graduiertenkollegs und Lehrangebote zu initiieren,
  • die Konzepte und Methoden einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft weiterzuentwickeln,
  • gemeinsam Foren und Tagungen zur Weiterentwicklung einer transdisziplinären Nachhaltigkeits-Wissenschaft im deutschen Wissenschaftssystem zu veranstalten und
  • Positionen zur institutionellen und wissenschaftspolitischen Weiterentwicklung einer Nachhaltigkeits-Wissenschaft in Deutschland zu entwickeln.

Als deutscher Herausgeberkreis der -transdisziplinär ausgerichteten- Zeitschrift GAIA verfügt die NaWis-Runde über eine Publikationsplattform.

Eine Erweiterung des Netzwerkes um weitere Institutionen in den kommenden Jahren ist geplant. 

Weitere Hintergrundinformationen zur NaWis-Runde: Homepage der NaWis-Runde

Für die „große Transformation“ muss sich das Wissenschaftssystem neu aufstellen – Beitrag von Uwe Schneidewind

In der „aktuellen Kolumne“ des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE) liefert Uwe Schneidewind unter dem Titel „Für die „große Transformation“ muss sich das Wissenschaftssystem neu aufstellen“ eine Analyse der wissenschaftspolitischen Konsequenzen aus dem aktuellen Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates für Globale Umweltveränderungen (WBGU).

Wissenschaftsstandort Ulm als Motor für eine Nachhaltige Entwicklung

Der Wissenschaftsstandort Ulm hat eine lange Tradition in der inter- und transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung. Durch die Einrichtung einer von der Stadt Ulm und zahlreichen Unternehmen der Region getragenen Stiftungsprofessur „Nachhaltiges Wissen, nachhaltige Bildung, nachhaltiges Wirtschaften“ im Jahr 2008 hat dieser Prozess zusätzliche Dynamik bekommen. So besteht an der Universität Ulm eine enge fächerübergreifende Zusammenarbeit in Lehre und Forschung zwischen der Informatik (Prof. Radermacher, FAW Ulm), der Biologie (Prof. Kazda), dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung Baden-Württemberg (Prof. Tillmetz) und der bereits erwähnten Stiftungsprofessur (Prof. Müller). Dabei bezieht sich die Zusammenarbeit in der Forschung u.a. auf Projekte im Bereich regenerativer Energien (Biogasanlagen), der Elektromobilität (Marktchancen) oder des Mobilitätsverhaltens (car2go). Auch zu ethischen Fragen der Nachhaltigkeit wird an der Universität Ulm (Prof. Fangerau) und dem Humboldt Studienzentrum geforscht.

In der Lehre existieren übergreifende Module zur Nachhaltigkeit (Biologie/Wirtschaftswissenschaften). Im November letzten Jahres wurde ein erster Hochschultag zur Nachhaltigkeit durchgeführt.

Darüber hinaus besteht eine enge Kooperation mit der Hochschule Ulm in Fragestellungen der Energieforschung. Sie drücken sich in Projekten zur Energieeffizienz (Prof. Kleiser) oder zu Photovoltaik (Prof. Heilscher) aus.

Ein wesentliches Kennzeichen der Nachhaltigkeitsforschung der Ulmer Hochschulen ist die enge Vernetzung mit Unternehmen der Region. Die Offenheit der Ulmer Unternehmen zu Fragen der Nachhaltigkeit ist dem bereits seit 15 Jahren bestehenden Ulmer Initiativkreis Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung e.V. zu verdanken. In diesem Netzwerk sind zahlreiche Unternehmen der Region versammelt, um gemeinsam mit der Wissenschaft Projekte zur Nachhaltigen Entwicklung durchzuführen. Es wurden Projekte zum Stoffstrommanagement, zur Ökobilanzierung oder zum zivilgesellschaftlichen Engagement für nachhaltige Entwicklung bearbeitet (http://www.unw-ulm.de/sites/251.html). Finanziert wurden die Projekte u.a. von der EU, dem BMBF und der DBU. Weitere Projekte sind in Vorbereitung.

Kann man nachhaltige Entwicklung durch Forschung fördern? Thesen zu Rolle und Aufgaben der Forschungsförderung – Beitrag von Peter Moll

Auf der SAGUF-Tagung „Welche Forschung führt aus der Krise“ am 07.06.2011 in Bern hat Peter Moll einen Vortrag zu Rolle und Aufgaben der Forschungsförderung im Kontext Nachhaltiger Entwicklung gehalten. Der Vortrag findet sich zum Download am Ende dieses Beitrages.

Peter Moll koordiniert die EU-Initiative RD4SD (Research and Development for Sustainable Development), in der derzeit die nachhaltigkeitsorientierten Förderanstrengungen von Wissenschaftsministerien in insgesamt 18 europäischen Ländern diskutiert und Perspektiven für künftige Förderstrategien entwickelt werden.

In der Diskussion spielt dabei zunehmend die Forderung nach einem „3-Säulen-Modell“ eine zentrale Rolle. Neben die beiden Pole „Grundlagenforschung“ und „Anwendungsforschung“ sollte konsequent eine Ziel-orientierte Forschung gestellt werden (vgl. die Abbildung zum 3-Säulen-Modell).

110706-Moll-Saeulenmodell

Abb: 3-Säulenmodell der Forschungsförderung. Quelle: Moll 2011

Neben eine „Forschung über“ tritt eine „Forschung für“ (in diesem Fall für Nachhaltige Entwicklung). Damit greift Moll Forderungen auf, wie Sie auch der WBGU in seinem aktuellen Hauptgutachten formuliert hat. Eine solche 3. Säule könnte vermeiden, dass entsprechende transdisziplinäre Forschungsansätze weiterhin zwischen dem Raster von „Grundlagenforschung“ einerseits und „Anwendungsforschung“ andererseits hindurchfallen, handelt es sich bei vielen der hier beschriebenen Forschungsansätze (wie z.B. bei der vom WBGU eingeforderten „Transformationsforschung“) häufig um eine „anwendungsorientierte Grundlagenforschung“.

Peter Moll ist für Rückfragen und Kommentare unter der E-Mail-Adresse moll@science-development.de zu erreichen.

Die Folien zum Vortrag von Peter Moll stehen hier zum Download bereit:

110607-SAGUF-Vortrag-Moll

Institutionen für eine transformative Forschung – GAIA-Beitrag zur Konstituierung der NaWis-Runde

In der aktuellen Ausgabe 2/2011 der Zeitschrift GAIA ist der Beitrag (Download siehe unten) „Institutionen für eine transformative Forschung – zur Gründung der NaWis-Runde“ von Uwe Schneidewind, Andreas Ernst und Daniel Lang erschienen. Der Beitrag zeigt die Notwendigkeit institutioneller Veränderungen im Wissenschaftssystem auf, um den Anforderungen einer Nachhaltigen Entwicklung gerecht zu werden – ähnlich wie dies gerade der Wissenschaftliche Beirat Globale Umweltveränderungen (WBGU) in seinem aktuellen Hauptgutachten eingefordert hat. Mit der NaWis-Runde, die von den Universitäten Kassel und Lüneburg sowie dem Wuppertal Institut initiiert wurde und die seit 2011 der deutsche Träger der Zeitschrift GAIA ist, soll dazu ein Beitrag geleistet werden.

Der GAIA-Beitrag steht hier zum Download bereit: 110614-GAIA-NaWis-definitiv mit Titelblatt

Fachhochschulen in Baden Württemberg für Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Anläßlich des Regierungswechsels in Baden Württemberg haben die 21 staatlichen Fachhochschulen des Landes Baden-Württemberg ihr Angebot, eine „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ auszubauen, bekräftigt. Die Initiative ist als Netzwerk konzipiert, das an jeder Hochschule einen Knoten in Gestalt eines Senatsbeauftragten für Nachhaltige Entwicklung und mittlerweile ca. 180 Kolleginnen und Kollegen umfasst. Bei der Gründung des „HNE-Netzwerks“ am 28. Oktober 2005 in Ulm wurde das Referat für Technik- und Wissenschaftsethik (rtwe) als geschäftsführendes Institut und Prof. Dr. Michael Wörz als Sprecher des Netzwerks gewählt.

Das gesamte Projekt wurde erstmals im April 2006 und zuletzt im Februar 2010 von der UNESCO als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005-2014“ ausgezeichnet. Unter http://www.rtwe.de/hne findet sich ein aktueller Stand der Initiative.

Welche Forschung führt aus der Krise? – Tagung zum Stand nachhaltigkeitsorientierter Forschungspolitik in der Schweiz

Am 07.06.2011 hat die Schweizerische Akademische Gesellschaft für Umweltforschung und Ökologie (SAGUF) unter der Leitfrage „Welche Forschung führt aus der Krise?“ eine eintägige Tagung zu den Perspektiven nachhaltigkeitsorientierter Forschung und Forschungspolitik in der Schweiz durchgeführt. Die SAGUF hatte für die Veranstaltung führende Vertreter der schweizerischen Wissenschaft und Wissenschaftspolitik gewinnen können (so u.a. den Präsidenten des schweizerischen Nationalfonds Prof. Dr. Dieter Imboden, die Nachhaltigkeits-Koordinatoren der ETH Zürich Prof. Dr. Schwarzenbach und der Universität Bern Prof. Dr. Hans Hurni, leitende Vertreter des Bundesamtes für Umwelt sowie des Bundesamtes für Raumentwicklung).

In den Diskussionen wurde deutlich, dass auch in der Schweiz heftig um das richtige Verhältnis von wissenschaftlicher Selbstorganisationen und geeigneter politischer Steuerung gerungen wird. Die Vorreiterrolle, die die Schweiz im Hinblick auf eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung europaweit bis Ende der 90er-Jahre hatte, muss erst wieder errungen werden. Dies machen die rasanten Entwicklungen in anderen europäischen Wissenschaftssystemen deutlich, wie u.a. der Vortrag von Peter Moll zur EU-Initiative RD4SD (Research and Development for Sustainable Development) zeigt. Die Initiative koordiniert derzeit die Wissenschaftsministerien von 18 europäischen Ländern.

Die SAGUF wird die Impulse aus der Tagung dafür nutzen, die Diskussion in der Schweiz weiter fortzuführen. Eine erste Medienmitteilung der SAGUF zur Veranstaltung findet sich hier.

15 Jahre Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) an der TU Berlin

Am letzten Freitag hat das Zentrum für Technik und Gesellschaft (ZTG) an der TU Berlin in einem Fest-Kolloquium seinen 15. Geburtstag gefeiert.

Das inzwischen knapp 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassende Zentrum ist einer der führenden deutschen Standorte für transdiszplinäre Forschung. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stammen aus rund 20 Diszplinen und arbeiten in fünf thematischen Schwerpunkten (Klima und Energie, Landnutzungsmuster und Konsummuster, Mobilität und Raum, Sicherheit/Risiko und Informations- und Kommunikationstechnologie). Auf dem Kolloquium wurde eindrucksvoll deutlich, wie gut der Brückenschlag aus dem ZTG in unterschiedliche Forschungsbereiche der TU Berlin gelingt. Das ZTG erfüllt dadurch seit 15 Jahren eine wichtige Integrationsfunktion innerhalb der TU Berlin.

Das Potenzial des ZTG und der TU Berlin als Schlüsselstandort für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland war Gegenstand des Festvortrages von Uwe Schneidewind. Die Folien des Vortrages stehen hier zum Download zur Verfügung:
110527-Schneidewind-ZTG-TU-Berlin-Transdiszp-Nachhaltigkeitsforschung

Vortrag „Nachhaltiges Hamburg – nachhaltige Wissenschaft: Perspektiven für die europäische Umwelthauptstadt 2011“ am 26.05.2011 um 19:00 Uhr in der Universität Hamburg

Im Jahr 2010 hat das Wuppertal Institut seine Studie „Zukunftsfähiges Hamburg“ vorgelegt und die Vision einer nachhaltigen Stadtentwicklung aufgezeigt. Welche Chancen und Herausforderungen liegen in einer solchen Perspektive für die Hamburger Wissenschaft und die Universität Hamburg?

Auf diese Fragen geht Prof. Dr. Uwe Schneidewind, seit März 2010 Präsident des Wuppertal Institutes und u.a. Autor des Buches „Nachhaltige Wissenschaft“ in seinem Vortrag

an der Universität Hamburg, Hörsaal H, Edmund-Siemers-Alle 1, 20146 Hamburg
um 19:00 Uhr

ein. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Hamburger Vorträge zur Nachhaltigkeit“ statt und wird durch Grußworte von Universitätspräsident Prof. Dr. Dieter Lenzen und Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt eröffnet.

Die Folien des Vortrags können finden Sie hier zum Download:
110526-Schneidewind-Nachhaltiges-Hamburg-Nachhaltige-Wissenschaft

Fraunhofer Gesellschaft setzt auf fünf globlale „Fraunhofer Challenges“

In einem umfassenden Prozess hat die Fraunhofer Gesellschaft fünf globale Zukunftsfragen identifiziert, in denen sie die technologische Kompetenz ihrer Institute künftig stärker bündeln möchte:
– Verlustarme Erzeugung, Verteilung und Nutzung elektrischer Energie,
– Bezahlbare Gesundheit,
– Produzieren in Kreisläufen,
– Emissionsarme, zuverlässige Mobilität in urbanen Räumen,
– Erkennen und Beherrschen von Katastrophen.

Diese Herausforderungen dienen der Fraunhofer-Gesellschaft zur Definition künftiger strategischer Projekte. Die Themen ergänzen hervorragend den von der Fraunhofer-Gesellschaft eingeschlagenen Nachhaltigkeitsprozess. Sie decken Nachhaltigkeitsherausforderungen auf unterschiedlichen Ebenen ab und betten die von Fraunhofer vorangetriebene Technologieentwicklung konsequent in die übergeordneten Herausforderungen ein.

Die Fraunhofer Gesellschaft bündelt die Themen in einem Programm »Märkte für Übermorgen« und fördert die Projekte des Programmes mit insgesamt 33 Millonen Euro.

Weitere Informationen unter http://idw-online.de/de/news422212

Theresia Bauer wird neue Wissenschaftsministerin in Baden Württemberg – erfreuliche Perspektiven für eine Nachhaltige Wissenschaft

Nachdem schon im Koalitionsvertrag der neuen baden-württembergischen Landesregierung das Thema Nachhaltige Wissenschaft eine zentrale Rolle spielt, lässt die heutige Benennung von Theresia Bauer als künftige Wissenschaftsministerin auf eine engagierte Umsetzung dieser Programmatik in der künftigen Legislaturperiode hoffen. Theresia Bauer war in den letzten Jahren eine der engagierten Vordenkerinnen und Vorkämpferinnen für eine nachhaltigkeits-orientierte Wissenschaftspolitik in Baden-Württemberg.

„Nachhaltige Wissenschaft“ im grün-roten Koalitionsvertrag in Baden-Württemberg

Der grün-rote Koalitionsvertrag in Baden-Württemberg enthält einen expliziten Passus zur „Nachhaltigen Wissenschaft“. Auf S. 13 zu den „Leitideen für ein zukunftsfähiges Landeshochschulgesetz“ heißt es gleich an erster Stelle:

Nachhaltige Wissenschaft
Nachhaltigkeit soll in Lehre und Forschung eine größere Rolle spielen. Wir wollen eine Wissenschaftskultur fördern, die über die Grenzen der Fachdisziplinen hinweg die großen Zukunftsprobleme der Gesellschaft bearbeitet. Wir werden dazu ein landesweites Netzwerk „Nachhaltigkeit erlernen, erforschen, umsetzen“ ins Leben rufen, ein Landeskompetenzzentrum „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, das Impulse für den gesamten Bildungsbereich setzen soll und die Nachhaltigkeitsforschung stärken.“

Der Text des gesamten Koalitionsvertrages findet sich hier.

Kurzporträts und Nachhaltigkeitsprofil der an der NaWis-Runde beteiligten Institutionen

Anbei finden sich Kurzporträts der an der NaWis-Runde beteiligten Wissenschaftseinrichtungen:

Universität Kassel
Die Universität Kassel – 1971 im Zuge der Bildungsreformen als eigenständiges Gesamthochschulmodell gegründet – ist geprägt durch einen in Deutschland ungewöhnlich vielschichtigen Verbund von Kompetenzen, die sich auf Natur und Technik, Kultur und Gesellschaft konzentrieren. Das Fundament interdisziplinär entwickelter Innovation bilden starke Fach disziplinen, deren besonderes Leistungsspektrum von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung reicht. Strategische Partnerschaften mit führenden Forschungs-Instituten und Wissenschafts-Partnern im In- und Ausland stärken ihre Position im nationalen und internationalen Wettbewerb.

Umweltbezüge spielen seit der Gründung der Universität Kassel eine wichtige Rolle: Über 60 Professuren und etwa 250 weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen gemeinsam mit Kooperationspartnern an der Universität Kassel in Fachbereichen, Instituten und einer Anzahl von Forschungsschwerpunkten zu Umweltthemen. Mit über 200 umweltbezogenen Lehrveranstaltungen pro Studienjahr, 19 Studiengängen mit Abschlüssen zu Umweltthemen, vielfältigen Promotionskollegs, Zusatzqualifikationsmöglichkeiten, weiterbildenden Studienprogrammen und Qualifizierungsangeboten für internationale Studierende nimmt die Universität Kassel eine Spitzenposition in Sachen Umweltforschung und –lehre ein.

An der Universität Kassel studieren rund 20.000 Studierende. Die Universität beschäftigt 2500 Menschen, davon knapp über 300 Professorinnen und Professoren.

Leuphana Universität Lüneburg
Die Leuphana Universität versteht sich als öffentliche Universität für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Ihr deutschlandweit einmaliges Studienmodell mit international üblichen Bachelor- und Masterabschlüssen, ausgewiesenen Forschungsschwerpunkten und einer engen Kooperation mit gesellschaftlichen wurde mehrfach ausgezeichnet. Kernbestandteile sind das College für das Erststudium, die Graduate School mit verzahnten Master- und Promotionsprogrammen sowie die Professional School für berufliche Weiterbildung und Wissenstransfer. Vier Wissenschaftsinitiativen prägen das fachliche Spektrum der Hochschule: Nachhaltigkeitsforschung, Bildungsforschung/Lehrerbildung, Management und unternehmerisches Handeln sowie Kulturforschung.

Zum 01. Oktober 2010 hat die Leuphana als erste deutsche Universität eine Fakultät Nachhaltigkeit eingerichtet. Als Träger der universitätsweiten Wissenschaftsinitiative Nachhaltigkeitsforschung beschäftigt sich die Fakultät mit Bedingungen und Chancen einer nachhaltigen Entwicklung. Die Fakultät verbindet dazu Human- und Naturwissenschaften mit derzeit etwa 25 Professuren aus den Disziplinen Chemie, Informatik, Kommunikation, Management, Ökologie, Philosophie, Planung, Politik, Psychologie, Recht, Technik und VWL. Transdiziplinarität kennzeichnet die Arbeitsweise der Fakultät in Forschung und Lehre.

Symbol der Neuausrichtung der Leuphana ist das geplante zukunftsweisende Zentralgebäude nach Entwürfen des international renommierten Architekten Daniel Libeskind. Mit einem Innovations-Inkubator stärkt die Universität Forschungs- und Wirtschaftspotenzial des Wissenschaftsstandorts Lüneburg. Der Inkubator ist derzeit europaweit das größte Regionalentwicklungsprojekt durch Wissenschaft. Es hat ein Volumen von rund 100 Millionen Euro und wird durch die Europäische Union gefördert.

An der Leuphana studieren 7.000 junge Menschen. Rund 450 der 800 Leuphana-Beschäftigten sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, davon 150 Professorinnen und Professoren.

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH
Das Wuppertal Institut erforscht und entwickelt Leitbilder, Strategien und Instrumente für Übergänge zu einer nachhaltigen Entwicklung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Im Zentrum stehen Ressourcen-, Klima- und Energieherausforderungen in ihren Wechselwirkungen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Die Analyse und Induzierung von Innovationen zur Entkopplung von Naturverbrauch und Wohlstandsentwicklung bilden einen Schwerpunkt seiner Forschung.

Nachhaltige Entwicklung bedarf eines integrierten Politik- und Wissenschaftsansatzes. Denn die Fragestellungen einer zukunftsfähigen Entwicklung sind häufig nicht innerhalb von Ressortgrenzen oder einzelner wissenschaftlicher Disziplinen zu beantworten. Hier setzt das Forschungsprogramm des Wuppertal Instituts an. Es baut auf interdisziplinäres und am Systemverständnis orientiertes Arbeiten auf. Das Wuppertal Institut sieht sich seit seiner Gründung im Jahr 1991 der anwendungsorientierten Nachhaltigkeitsforschung verpflichtet.

Das Wuppertal Institut beschäftigt rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und wird in der Rechtsform der gemeinnützigen GmbH geführt. Es erhält eine Grundfinanzierung vom Land Nordrhein-Westfalen. Den größten Teil seines Budgets von rund 11 Mio. Euro erwirtschaftet das Institut mit extern finanzierten Projekten.

IASS, Potsdam (ab 01.01.2012)
Ab dem 01.01.2012 tritt das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) der NaWis-Runde als viertes Kernmitglied unter Leitung von Exekutivdirektor Klaus Töpfer bei.

Die Anregung des Nobelpreisträger-Symposiums „Global Sustainability – A Nobel Cause“ und die Aufforderung durch die Bundesregierung beim nachfolgenden Klimaforschungsgipfel im Oktober 2007 aufgreifend, hat die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen ein Konzept zur Schaffung eines interdisziplinären, interaktiven und internationalen Elite-Instituts für Nachhaltigkeitsforschung erarbeitet (Institute for Advanced Sustainability Studies – IASS).

Dieses Institut soll anspruchsvolle und neuartige Ansätze zu hochrelevanten Nachhaltigkeitsthemen wie Klimastabilität, Energiesicherheit, Ressourceneffizienz, umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaftsdynamik, Koevolution urbaner und ruraler Räume und nachhaltige technologische Entwicklungen erschließen. Zudem soll das IASS einen zentralen Beitrag zur Entwicklung einer nationalen Forschungsstrategie zum Klimaschutz leisten und sich mit der ökologischen, ökonomischen und gesellschaftspolitischen Dimensionen einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Klima- und Erdsystemforschung einbringen. Dabei soll das Institut herausragende Beiträge zum wissenschaftlichen Fortschritt leisten und als Drehkreuz des strategischen Dialogs zwischen Forschung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Meinungsbildung beitragen.

Französische Förderagentur legt Programm „Innovative Gesellschaften“ auf

Die französische Förderagentur (Agence Nationale de la Recherche) hat ein umfassendes Förderprogramm „Innovative Gesellschaften“ aufgelegt. Das Programm folgt einem erfrischend weiten Innovationsverständnis und fühlt sich einem umfassenden interdisziplinären Ansatz verpflichtet. Einige Hintergrundinformationen zur Agentur finden sich hier.

Workshop „Vorausschauen. Neue Leitbilder für die Hochschulen“ der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen am 12.03.2011 in Berlin

Am 12.03.2011 diskutierten auf einem ganztägigen Workshop „Vorausschauen. Neue Leitbilder für die Hochschulen“ rund 60 Teilnehmer -darunter zahlreiche Vertreter(innen) deutscher Hochschulleitungen- im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages die Chancen und Risiken des laufenden Ausdifferenzierungsprozesses. Zentrale Fragen der Veranstaltung waren: Welche Aufgaben sollen die Hochschulen für die Gesellschaft und das Wissenschaftssystem, für Wirtschaft und Region, aber auch für die Hochschulangehörigen selbst erfüllen? Ist ein harmonischer Ausgleich zwischen Spitzenforschung und Breitenausbildung möglich? Welche Aufgaben fallen der Politik beim Ausdifferenzierungsprozess zu?

Veranstaltet wurde die Tagung von der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Neben den wissenschafts- und hochschulpolitischen Vertretern der Bundestagsfraktion waren fast alle hochschul- und wissenschaftspolitischen Sprecher(innen) der grünen Landtagsfraktionen anwesend.

Grundlage der Diskussionen bildeten dabei u.a. das aktuelle Gutachten des Wissenschaftsrates zur Differenzierung der Deutschen Hochschulen (Vortrag von Dr. Sabine Behrenbeck vom Wissenschaftsrat), die Erfahrungen von Unileitungen mit innovativen Differenzierungsstrategien (u.a. Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke/Uni Duisburg-Essen) sowie die Ergebnisse der ersten Auswertungen der Exzellenzinitiative (u.a. mit Prof. Dr. Stephan Leibfried, Sprecher der Arbeitsgruppe Exzellenzinitiative).

Das Leitbild einer nachhaltigen Hochschule spielte in den Diskussionen eine zentrale Rolle und fließt derzeit durchaus auch in die aktuellen Landtags-Wahlkämpfe ein (vgl. z.B. das Wahlprogramm der Grünen in Baden Württemberg, das dem Thema „Nachhaltige Hochschulen – Nachhaltige Wissenschaft – Nachhaltige Lehre“ drei Seiten widmet (S. 133 ff.).

Die Dokumentation der Gesamtveranstaltung findet sich hier.

Stimmen zur Gründung der NaWis-Runde

Anbei ausgewählte Stimmen zur Gründung der NaWis-Runde:

Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep/Präsident der Universität Kassel:
„Die Universität Kassel zählt sicher zu den Vorreiterhochschulen im Feld interdisziplinärer Umweltwissenschaften. Wir haben unsere entsprechenden Forschungs- und Lehraktivitäten schon früh über Fachgrenzen hinweg gebündelt. Die Kooperation im NaWis-Verbund eröffnet unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nun neue Synyergien“

Prof. Dr. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg:
„Die Leuphana ist mit der Gründung einer eigenen Fakultät für Nachhaltigkeit die erste deutsche Universität, die eine transdisziplinäre Ausrichtung auch konsequent in ihrer organisatorischen Struktur umsetzt. Die Zusammenarbeit mit anderen Vorreiterinstitutionen im Rahmen des NaWis-Verbundes stärkt unsere Aktivitäten.“

Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Institutes:
„Die NaWis-Runde ist ein Nukleus, um die Nachhaltigkeitswissenschaften in Deutschland insgesamt weiter auszubauen. Das Netzwerk soll sich in den kommenden Jahren um weitere Schlüsseleinrichtungen in anderen Bundesländern erweitern.“

Svenja Schulze, Wissenschaftsministerin des Landes Nordrhein Westfalen:
„Nordrhein Westfalen verfügt über hervorragende wissenschaftliche Potenziale, um Beiträge zur Transformation zu einer klimagerechten und nachhaltigen Welt zu leisten. Mit unserer Initiative Fortschritt.NRW wollen wir u.a. zu den dafür notwendigen interdisziplinären Brückenschlägen beitragen. Die NaWis-Runde setzt länderübergreifend auf eine Vernetzung der entsprechenden Vorreitereinrichtungen im Wissenschaftssystem. Das begrüßen wir ausdrücklich.“

Workshop „Eine neue Forschungsagenda für nachhaltige Entwicklung“ von BUND, NABU, BÖLW und VDW am 10.03.2011 in Berlin

Am 10.03.2011 veranstalten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND), der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) einen ganztätigen Workshop „Eine neue Forschungsagenda für nachhaltige Entwicklung“ in Berlin. Der Workshop will die gegenwärtigen Prämissen und Konsequenzen der Forschungspolitik und Forschungsförderung analysieren und Grundzüge eines Konzeptes entwerfen, das auf eine nachhaltige Entwicklung und vielfältige Forschungspfade hin orientiert ist. Ein vorläufiger Programmentwurf ist am Ende des Beitrages abrufbar. Anmeldungen und weitere Informationen bei Steffi.Ober@NABU.de.

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BMBF-Ausschreibung „Förderung von Forschungspotenzialen im Bereich Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)“ – Ausschreibung mit Relevanz für den Hochschulbereich

In einer neuen Bekanntmachung schreibt das Bundesforschungsministerium (BMBF) Forschungsvorhaben im Bereich „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) aus. BNE soll damit stärker an die bestehende bildungswissenschaftliche Forschung herangeführt werden. Als Themenfelder sind dabei neben (1) Kompetenzmessung und -diagnostik und (2) Lehrerkompetenzen auch die Bereiche (3) Steuerung und Institutionalisierung sowie (4) Transfer von BNE angesprochen. Die beiden letzten Felder sind nicht auf den schulischen Bereich beschränkt. Es geht hier um die Institutionalisierung und Diffusion von BNE in allen Bereichen des Bildungssystems – also auch in Hochschulen.

Gefördert werden möglichst Projektverbünde aus unterschiedlichen Partnern, die theoriebasiert und empirisch gestützt vorgehen, möglichst interdisziplinär ausgerichtet sind und ein besonderes Augenmerk auf die Doktorandenförderung legen. Die Projekte können maximal 3 Jahre laufen und sollen ein Volumen von 65.000 Euro p.a. nicht überschreiten. Die Einreichungsfrist für die 15-seitigen Projektskizzen ist der 18.03.2011. Es ist auf möglichst viele und gute Skizzen mit einem Hochschulfokus zu hoffen!

Wege und Irrwege in die Wissensgesellschaft – neue Publikation des Bundes demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi)

Einen kritischen Blick auf die aktuelle Wissenschafts- und Forschungspolitik wirft ein aktuelles Studienheft des des BdWi: „Kaum ein politisches Handlungs- und Entscheidungsfeld dürfte von der Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands und Österreichs derartig unhinterfragt – wenn nicht gar desinteressiert – hingenommen werden wie die etablierte Forschungs- und Technologiepolitik (FuT). Diese inszeniert sich schließlich selbst als ein sachzwanglogisch-neutraler und damit unpolitischer Generator von Wirtschaftswachstum und künftigem Wohlstand….“. In 20 Beiträgen beleuchten Experten aus der Wissenschafts-, Forschungs- und Gesellschaftspolitik aktuelle Entwicklungen und Visionen für ein künftiges Wissenschaftssystem. Die Beiträge sind in vier Kapitel organisert: (1) Strukturveränderungen in Forschung und Hochschule, (2) Forschungs- und Technologiepolitische Weichenstellungen, (3) Neue Forschungsfelder und strategische Innovationen sowie (4) langfristige Grundsatzfragen. In vielen Beiträgen sind für eine Nachhaltige Wissenschaft hoch relevante Aspekte angesprochen. Das Studienheft kann direkt über den BdWi bestellt werden.

Tagung „Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung“ in Berlin – kraftvoller Impuls für eine Nachhaltigkeits-Orientierung an Deutschen Hochschulen

Rund 100 Teilnehmer nahmen am 3.12.2010 im Berliner Harnack-Haus an der von der deutschen UNESCO-Komission (DUK) (AG Hochschule), dem Rat für Nachhaltige Entwicklung und der Freien Universität Berlin getragenen Tagung „Hochschulen für nachhaltige Entwicklung“ teil. Diese Tagung war Nachfolge-Tagung einer Veranstaltung von Deutscher Unesco-Kommission und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am 15. April 2010 in Bremen und erfreute sich noch größerer Resonanz als schon die Bremer Tagung.

Doch nicht nur die Zahl der Teilnehmer aus rund 40 unterschiedlichen Hochschulen war bemerkenswert, sondern die Kraft, mit der das Thema „Nachhaltigkeit“ aktuell aus unterschiedlichen Richtungen in die Hochschulen getragen wird: Prof. Dr. Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, machte in seinem Vortrag zum Exzellenzintiativen-Antrag der Universität Hamburg deutlich, wie eine Nachhaltigkeitsorientierung den Rahmen für ein umfassendes Zukunftskonzept einer Großuniversität in den Bereichen Wissenschaftsverständnis, Forschung, Lehre und Universitäts-Governance bilden kann.
Mandy Singer-Brodowski stellte in einem eindruckvollen Vortrag die Perspektiven und den Forderungskatalog von rund zehn an unterschiedlichen Hochschulen tätigen studentischen Initiativen vor. Dabei stellte sich eine hohe Parallelität der Forderungen mit den Bausteinen des Hamburger Zukunftskonzeptes heraus. Ein Zusammenfallen, das zeigt, dass eine Nachhaltigkeitsorientierung zu neuen Formen der Zusammenarbeit vieler Gruppen in Hochschulen führen kann.

In parallelen Workshops (zu den Themenfeldern Lehrerbildung, fachübergreifende Angebote zum Thema Nachhaltigkeit sowie E-Learning-Veranstaltungen für Nachhaltigkeit) zeigte sich, dass dieser Impuls inzwischen an vielen Hochschulen aufgenommen wurde. Ein aktuelles Beispiel ist die Katholische Universität Eichstätt, die –befördert durch die gemeinsame Erklärung von Deutscher Unesco-Kommission und HRK- inzwischen eine eigene Beauftragte für BNE in der Hochschule benannt und rechtzeitig zur Berliner Tagung ein Leitbild „Nachhaltige Katholische Universität Eichstätt“ verabschiedet hatte (vgl. den Titel-Bericht im Universitätsmagazin „Agora“ der Universität).

Am Ende der Veranstaltungen bestand Einigkeit darüber, dass über solche Tagungen hinaus Wege zu einer weitergehenden Institutionalisierung der Nachhaltigkeitsimpulse an deutschen Hochschulen gefunden werden müssen. Dabei wurden Forderungen laut, eine Verpflichtung zu Nachhaltigkeit zu einem festen Element in allen Landes-Hochschulgesetzen zu machen – eine Perspektive von der einzelne Länder wie das Land Hessen, das Nachhaltigkeitselemente fest in den Katalog der Zielvereinbarungsbausteine mit seinen Hochschulen übernommen hat, gar nicht so weit entfernt sind.

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Prof. Dr. Dieter Lenzen; Prof. Dr. Uwe Schneidewind; Mandy Singer-Brodoski, Prof. Dr. Georg Müller-Christ im Podiumsgespräch zu den Perspektiven von Hochschulen für Nachhaltigkeit am 3.12.2010 im Berliner Harnack-Haus.

Drei studentische Nachhaltigkeits-Initiativen als Modellprojekte der Dekade einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet

Auf der Berliner Tagung „Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung“ wurden gleich drei studentische Initiativen als Modellprojekte der Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Dies sind:
O die AG Nachhaltigkeit Erfurt e.V. an der Universität Erfurt (www.stufu-nachhaltigkeit.de)
O die Studierendeninitiative „Greening the University“ e.V. an der Universität Tübingen (www.greening-the-university.de)
O der Arbeitskreis Ökologie – Studierendenvertretung der Julius-Maximiliam Universität Würzburg (http://www.stuv.uni-wuerzburg.de/arbeitskreise/ak_oekologie/)

Einen herzlichen Glückwunsch zu dieser Anerkennung der erfolgreichen Arbeit!

101203-DUK-Berlin-Ausgezeichnete-Initiativen

Forderungskatalog studentischer Initiativen für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Auf der Berliner Tagung „Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung“ am 3.12. in Berlin hat ein Netzwerk studentischer Initiativen (darunter auch die drei dort als Modellprojekte der UN-Dekade der Bildung für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichneten Vereinigungen) einen Forderungskatalog für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung an Hochschulen vorgelegt. Dieser umfasst ein breites Spektrum an notwendigen Verbesserungen an Hochschulen und reicht weit über rein thematische Re-Orientierungen in Forschung und Lehre hinaus. Hier finden sich die sieben wichtigsten Forderungen im Überblick:
1. Förderung innovativer Lehrformen (vom Projektstudium über Summer-Schools bis zu Maßnahmen der Erhöhung von Raum für Reflexion in bestehenden Veranstaltungen)
2. Schaffung der Möglichkeit von ehrenamtlichen Engagement im Lernraum
3. Thematische Integration der Inhalte einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung
4. Förderung von Inter- und Transdisziplinarität in der Lehre
5. Einführung eines integrierten Nachhaltigkeitsmanagements an der Hochschule
6. Verbesserte Informations- und Beteiligungspraktiken in der Selbstverwaltung
7. Ausbau bildungspolitischer Anreize in Politik und Institutionengeflecht der Hochschulen

Neben diesem abgestimmten Forderungskatalog wurden in den Diskussionen in Berlin weitere Ideen entwickelt, deren Weiterverfolgung lohnenswert erscheint:
O Ausbau und Förderung der Möglichkeiten des Peer-to-Peer-Lernens (d.h. Wissensaustausch zwischen Studierenden) in den Hochschulen
O Verankerung einer Nachhaltigkeitsorientierung als Hochschulaufgabe in den Landeshochschulgesetzen
O Aufbau von Förderprogrammen auf Bundes- und Landesebene, die die Einrichtung von Nachhaltigkeitsbeauftragten an Hochschulen unterstützen

Das Netzwerk der Hochschul-Initiativen für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung wird sich weiterhin eng abstimmen. Eine Liste beteiligter Initiativen ist aktuell im Aufbau. Das Netzwerk wird auf dem Weblog Nachhaltige Wissenschaft über aktuelle Aktivitäten berichten.

Europäische „Innovationsunion“ konzentriert sich insbesondere auf Innovationsherausforderungen im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich

Anfang Oktober hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag einer „Innovationsunion“ als einen Baustein zur Umsetzung der Europa 2020-Strategie (in der ein „smart, sustainable and inclusive growth“ als Politikziel eine zentrale Rolle spielt) vorgelegt. Die Innovationsunion folgt der schon mit der Lissabon-Strategie eingeschlagenen Richtung, die künftige Forschungspolitik so auszurichten, dass aus der Forschung schneller marktfähige Produkte und Dienstleistungen und werden und so zur Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Europa beitragen. Interessant dabei ist jedoch, dass im Rahmen dieser Strategie ökologische Herausforderungen wie Klima, Energie, Wasser, Ressourcenknappheit, nachhaltige Landwirtschaft und intelligente Städte im Zentrum stehen (vgl. die Ankündigung der Kommission vom Oktober 2010). Es lohnt sich daher zu verfolgen, ob die Instrumente der Innovationsunion im ab 2013 anstehenden 8. Forschungsrahmenprogramm Ansätze für eine durchaus transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft bieten.

VDW-Positionspapier „Für eine verantwortbare und zukunftsorientierte Forschungspolitik in Deutschland“

  • Die 1959 von Carl Friedrich von Weizsäcker gegründete Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) fordert in ihrem aktuellen Positionspapier „Für eine verantwortbare und zukunftsorientierte Forschungspolitik in Deutschland“ ein umfassendes wissenschafts- und forschungspolitisches Umdenken. Die Kritik der VDW setzt daran an, dass heute umfassende Forschungsgelder ohne öffentliche Diskussion in (technologischen) Großprojekten z.T. auf Jahrzehnte gebunden sind, andere gesellschaftliche Herausforderungen z.T. nur sehr ungenügend in der aktuellen Forschungspolitik abgebildet sind. Die VDW fordert daher u.a. dazu auf:
  • die Förderschwerpunkte einem systematischen Monitoring und Reporting zu unterziehen,
  • die Förderschwerpunkte im BMBF vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Fragen neu zu strukturieren,
  • die Verwendung der öffentlichen Mittel für Forschung & Entwicklung in den Gestaltungsraum der Politik zu bringen,
  • das Übergangsfeld zwischen Forschungsförderung und Markteinführung neu zu bestimmen,
  • einen wirklichen Dialog mit der Öffentlichkeit zu entwickeln,
  • Bürgerinnen und Bürgern sowie Nichtregierungsorganisatinen an forschungspolitischen Fragen zu beteiligen.

Vermutlich am 10. März 2011 wird es eine Tagung der VDW geben, in der die Themen des Positionspapieres im Mittelpunkt stehen werden.

Wissenschaftsrat legt seine Empfehlungen zur Differenzierung von Hochschulen vor – nur zaghafte Brücken zu gesellschaftsorientierten Wissenschaftsprofilen

In seiner Herbstsitzung (10.-12.11.2010 in Lübeck) hat der Wissenschaftsrat u.a. seine „Empfehlungen zur Differenzierung der Hochschulen“ verabschiedet. In seinen Empfehlungen plädiert der Wissenschaftsrat für mehr Mut zu Differenzierung im deutschen Hochschulsystem. Die Hochschultypen Universität und Fachhochschule in ihrer bisherigen Form allein reichen aus Sicht des Wissenschaftsrates nicht mehr aus, um die gewachsene Vielfalt der individuellen und gesellschaftlichen Erwartungen an akademische Einrichtungen erfüllen zu können. Es seien mehr alternative Hochschulformen notwendig. In seinem Gutachten (S. 110 f.) weist der Wissenschaftsrat dann auch knapp 30 Hochschulbeispiele aus, die heute schon in Deutschland als „institutionelle Sonderformate“ in „Abweichung vom institutionellen Regelfall“ gelten können – dabei auch mehrere themenfokussierte Hochschulen wie z.B. die Hafen City Univercity (HCU) oder die Hertie School of Governance. Insgesamt wird das Potenzial einer gegenstandsbezogenen Differenzierung von Hochschulen anhand von gesellschaftlichen Herausforderungen nur am Rande adressiert (vgl. S. 38 der Stellungnahme). So heißt es lediglich in einer Fußnote auf S. 38 „International lassen sich vereinzelt Experimente mit gegenstandsbezogenen Hochschulen beobachten. Dabei spielen vielfach transdisziplinäre Konzepte und eine Orientierung an großen gesellschaftlichen Herausforderungen eine Rolle. Vgl. exemplarisch die Selbstbeschreibung der Arizona State University in Phoenix.“ Es ist auch die einzige Stelle in dem 150-seitigen Papier, an der der Begriff der „Transdisziplinarität“ auftaucht. „Nachhaltige Entwicklung“ als gesellschaftliche Schlüsselherausforderung für eine mögliche gesellschaftliche Orientierung von Hochschulen wird kein einziges Mal erwähnt. Dies ist umso interessanter als aktuell mehrere Universitäten (wie z.B. die Universität Hamburg in ihrem Exzellenzinitiativenantrag oder die Leuphana Universität Lüneburg) in Deutschland aktuell auf eine Nachhaltigkeits-Orientierung als Differenzierungsstrategie setzen. Am 3.12.2010 wird in Berlin im -Rahmen der Tagung „Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung“ die Frage eine Rolle spielen, ob die Herausforderung „Nachhaltige Entwicklung“ ein Differenzierungsmerkmal für einzelne Hochschulen oder eine Aufgabe für die gesamte Hochschullandschaft ist.

Qualität statt Quantität – Positionspapier der Jungen Akademie ist auch ein gutes Signal für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Die Junge Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina hat ein Positionspapier „Qualität statt Quantität – auch in Berufungsverfahren“ vorgelegt, in dem sie die neuen Regeln der DFG auf Beschränkung der Publikationszahlen im Rahmen von Forschungsanträgen begrüßt und entsprechende Regeln auch bei Berufungsverfahren einfordert. Diese Orientierung an „Qualität statt Quantität“ bedeutet auch eine Chance für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, weil sie den Blick auf die konkreten Inhalte wissenschaftlicher Arbeiten stärken wird und Anreize dazu schafft, auch komplexere inter- und transdisziplinäre Forschungsvorhaben insbesondere im Kontext einer Forschung für Nachhaltige Entwicklung zu wagen.

5. internationale Barcelona-Konferenz des „Global University Network on Innovation“ (GUNI) widmet sich dem Thema „Higher Education´s Commitment to Sustainability: from Understanding to Action“

Die 5. Barcelona-Konferenz des GUNI-Netzwerkes ist vom 23.-25.11.2010 dem Thema Nachhaltigkeit im Hochschulsektor gewidmet. Das GUNI-Netzwerk wurde 1999 von der UNESCO, der United Nations University (UNU) und der technischen Universität von Katalonien (UPC) im Jahr 1999 im Anschluss an die UNESCO-Weltkonferenz on „Higher Education“ im Jahr 1998 gegründet. Es setzt sich aus den weltweiten UNESCO-Lehrstühlen zusammen und umfasst 179 Institutionen aus 68 Ländern. Ziel des GUNI-Netzwerk ist es, die Rolle der Higher Education in der Gesellschaft zu stärken.

Die 5. Barcelona-Konferenz wird einen umfassenden Überblick über den Stand der Nachhhaltigkeitsorientierung im Hochschulsektor in allen Weltregionen geben und zukünftige Perspektiven aufzeigen.

4. Studentenwerkspreis für soziales Engagement an die Tübinger Studierenden Initiative „Greening the University e.V.“

Am 25. Oktober 2010 hat die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, den 4. Studentenwerkspreis für soziales Engagement 2009/2010 „Studierende für Studierende“ an die Tübinger Studierendeninitiative „Greening the University e.V.“ verliehen. Die Studierendeninitiative „Greening the University“ wird für ihr Engagement im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ausgezeichnet und dabei insbesondere für ihr seit dem Sommersemester 2009 organisiertes Kursprogramm „Studium Oecologicum“. Dieses Tübinger Modell ist bundesweit bisher einzigartig. Weitere Informationen sehen finden Sie hier.

Tagung „Von der Internationalen Hochschule zur Transkulturellen Wissenschaft“ vom 16.-18.09.2010 in Lüneburg – interessante Impulse für eine „Nachhaltige Wissenschaft“

Vom 16.-18.09.2010 fand in Lüneburg die Tagung „Von der Internationalen Hochschule zur Transkulturellen Wissenschaft“ statt. Hervorragend besetzt (so waren dort neben vielen führenden internationalen Wissenschaftlerinnen u.a. die ehemalige Bundespräsidentin Rita Süßmuth sowie die amtierende DAAD-Präsidentin Sabine Kunst anwesend) wagte die Tagung zehn Jahre nach dem erfolgreichen Projekt der Frauenuniversität auf der Expo 2000 einen Blick auf die Perspektiven einer transkulturellen Wissenschaftsentwicklung. Es wurde deutlich, wie eng die Bezüge zwischen transkultureller Wissenschaft (vgl. z.B. den Beitrag von Mae), Gender- und Diversity-Forschung sowie den Anforderungen an eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft sind. Hier bestehen erhebliche Potenziale, das Projekt einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ in enger Kooperation dieser Forschungs- und Wissenschaftsbezüge zusammenzubringen. Die Ergebnisse der Tagung werden im nächsten Jahr in einem Buch dokumentiert erscheinen.

„Übernehmt die Verantwortung“ – lesenswerter Denkanstoß im neuen duzMagazin

In der neuesten Ausgabe des duzMAGAZIN (Deutsche Universitätszeitung 10/2010) findet sich ein sehr lesenswerter Denkanstoß von Volker Meyer-Guckel/stellvertretender Generalsekretär und Frank Stäudner/Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit vom Stifterververband der Deutschen Wissenschaft, der von der deutschen Wirtschaft getragenen Einrichtung zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. Sie weisen in dem Beitrag auf die Breite der gesellschaftlichen Aufgaben von Hochschulen hin und bemängeln, dass durch die starke Autonomisierung der Hochschulen „nahezu alle Hochschulen im Wettbewerb auf das gleiche Pferd setzen: … jede Hochschule…definiert sich als exzellente Forschungsstätte“. Indem alle Hochschulen nach einer Rolle streben, verelende letztlich das gesamte System, löse das Hochschulsystem insgesamt seine vielfältigen gesellschaftlichen Funktionen nicht mehr ein.

Diese Ausdifferenzierungsforderung ist in sich nicht neu. Was den Beitrag von Volker Meyer-Guckel und Frank Stäudner bemerkenswert macht, ist einmal die Breite der gesellschaftlichen Funktionen, die beide in ihrem Beitrag aufzeigen: dies reicht von der Vermittlung anspruchsvoller Bildung, die Förderung alternativer Hochschulzugänge und Weichenstellungen zum gesellschaftlichen Aufstieg über Forschung zur Lösung von Problemen in Wirtschaft und Gesellschaft bis zum Dialog mit der Gesellschaft. Zum anderen legen Meyer-Guckel und Stäudner konkrete Vorschläge zur künftigen Hochschulsteuerung vor, um die Funktionsfähigkeit des Gesamtsystems zu gewährleisten: eine konsequente Weiterentwicklung des Instrumentes der Zielvereinbarungen auf Landesebene, die dazu führen soll, dass in großen Flächenländern die Bandbreite der verschiedenen Hochschulfunktionen wirklich abgedeckt wird und auf Bundesebene die Forderung nach einer stärkeren Koordinationsfunktion der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), um die Funktionsfähigkeit auch über kleine Bundesländer hinweg zu gewährleisten.

Gerade in den politischen Gestaltungsvorschlägen steckt provokanter Diskussionsstoff, weil sie eine Abkehr vom heutigen Verständnis von Hochschulautonomie bedeuten und die Hochschulen stärker in die gesellschaftliche Pflicht nehmen.

Stifterverband wünscht sich in Studie stärkere gesellschaftliche Pluralisierung der Hochschulräte

Der Stifterverband hat ein „Handbuch Hochschulräte“ vorgelegt, in dem er u.a. zu einer stärkeren Pluralisierung von Hochschulräten rät. In der begleitenden Pressemeldung heißt es wörtlich:
„Nur wenn Hochschulräte vielfältig zusammengesetzt sind, können sie ihre Funktion als Orte des gesellschaftlichen Diskurses ausüben…. Derzeit kommt jedes zweite Hochschulratsmitglied aus der Wissenschaft. Aus der Wirtschaft stammt dagegen nur jedes dritte Mitglied. Von einer Dominanz der Unternehmen in Hochschulräten kann nicht gesprochen werden.“ Es ist zu erwarten, dass die Zurückdrängung von wissenschaftlichen Vertretern in den Hochschulräten zugunsten von mehr Vertretern aus gesellschaftlichen Gruppen zu Diskussionen geführt wird. Im Sinne einer nachhaltigkeits-orientierten Wissenschaft nehmen hoffentlich viele gesellschaftliche Gruppen aus Kirchen, Umweltverbänden, Gewerkschaften den Ball auf und signalieren die klare Bereitschaft zu Mitwirkung in Hochschulräten. Die Studie des Stifterverbandes liefert hierfür eine gute Vorlage.

Universität Hamburg geht mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ als Zukunftskonzept in die nächste Runde der Exzellenzinitiative

Die Universität Hamburg setzt mit ihrem Zukunftskonzept (3. Linie) in der Bewerbung für die kommende Runde der Exzellenzinitiative auf das Thema Nachhaltigkeit. Der Antrag für die 3. Förderlinie heißt „Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung Universität Hamburg: Seeking Knowledge for a Sustainable Future“ und soll mit einem Partnernetzwerk deutscher und skandinavischer Universitäten umgesetzt werden. Dies verspricht spannende Impulse für die Diskussion um eine Nachhaltigkeitsausrichtung von Hochschulen in Deutschland.

Nachfolgetagung „Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ am Fr, dem 3.12.2010 in Berlin

Die Nachfolgeveranstaltung zu der am 15. April in Bremen von Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutschen Unesco-Kommission (DUK) durchgeführten Tagung „Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung“ wird am Fr, dem 3.12.2010 im Berliner Harnack-Haus stattfinden. Die Tagung wird diesmal auch vom Nachhaltigkeitsrat unterstützt, in dem seit kurzem Walter Hirche wirkt, der Vorsitzende der Deutschen Unesco-Kommission. Die Koordination der Veranstaltung liegt bei der Arbeitsgruppe Hochschule und Nachhaltigkeit der Deutschen Unesco-Kommission unter Leitung von Prof. Dr. Georg Müller-Christ, Konrektor Lehre an der Universität Bremen.

Die Tagung am 3.12.2010 hat zwei Schwerpunkte:

1. Mit führenden Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft wird über die Frage diskutiert, in welchem Verhältnis eine Lehre und Forschung für Nachhaltige Entwicklung zur Ausdifferenzierung im deutschen Wissenschaftssystem steht. Vor dem Hintergrund der zweiten Runde der Exzellenzinitiative existieren hier aktuell interessante Dynamiken.

2. In parallelen Workshops werden „Good-Practice“-Beispiele einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung in den Feldern „Lehrerbildung“, „Fachübergreifende Veranstaltungen“, „E-Learning“ präsentiert und Möglichkeiten der Übertragung auf andere Hochschulen erörtert.

Das endgültige Programm wird ca. Ende September zur Verfügung stehen. Weitere Informationen sind erhältlich über Prof. Dr. Georg Müller-Christ oder Dipl. Oek. Nadine Dembski.

White Paper und Konferenz „Wasserforschung im Globalen Wandel“ in der Berlin Brandenburgischen Akademie

Am 13. und 14.07.2010 fand in der Berlin-Brandenburgischen Akademie die Konferenz „Wasserforschung im Globalen Wandel“ statt. Rund 200 Teilnehmer suchten nach Perspektiven für eine künftige transdisziplinäre und integrative Wasserforschung in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung des Brückenschlages zwischen Natur- und Sozialwissenschaften. Die Konferenz wurde mit einem White-Paper vorbereitet. Die Wasserforschung erweist sich hier einmal mehr als wichtiger Vorreiter auf der Suche nach geeigneten Formen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft.

Kommentieren Sie Ihre Erfahrungen und Eindrücke von der Konferenz!

ICSU/ISSC-Bericht: Grand Challenges in Global Sustainability Research: A Systems Approach to Research Priorities for the Decade

Der International Council for Science (ICSU) hat mit dem International Social Science Council (ISSC) einen umfassenden Visioning-Prozeß zur Ermittlung der zentralen Herausforderungen einer zukünftigen Nachhaltigkeitsforschung initiiert. Der Endbericht „Grand Challenges in Global Sustainability Research: A Systems Approach to Research Priorities for the Decade“ liegt seit Sommer vor und zeichnet einen Outline für die künftige Sustainability-Forschung.

Fünf zentrale Challenges werden dabei identifiziert:
Challenge 1: Forecasting
Challenge 2: Observations
Challenge 3: Thresholds
Challenge 4: Responses
Challenge 5: Innovation

Die Herausforderungen 4 und 5 widmen sich dabei den konkreten Übergangsprozessen zu nachhaltigen Gesellschaften.
Die ICSU und ISSC-Initiative bildet auch eine wichtige Rahmung für die künftige deutsche Nachhaltigkeitsforschung

Campus.grün Lüneburg legt Positionspapier „Auf dem Weg zur Nachhaltigen Hochschule“ vor

Die Studierenden-Initiative campus.grün Lüneburg (Link: www.leuphana.de/campusgruen) hat ein umfassendes Papier zur Nachhaltigkeitsstrategie an der Leuphana Universität Lüneburg vorgelegt.
Sie zeigt darin Perspektiven auf, die über das ohnehin schon ergriffene Nachhaltigkeitsengagement der Leuphana hinausgehen. Es umfasst dabei die Bereiche der nachhaltigen Campus-Entwicklung genauso wie Forschung, Lehre sowie das Leben auf dem Campus.

Das Papier kann unter folgendem Link als PDF heruntergeladen werden.

Tagung „Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ vom 15.04.2010 in Bremen jetzt auch als Video-Mitschnitt dokumentiert

Die Tagung „Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ am 15.4.2010 an der Universität Bremen wurde in einem 30-minütigen Zusammenschnitt wichtiger Beiträge auch per Video dokumentiert. Der Mitschnitt vermittelt gute Eindrücke der Tagung. Das System der „mobile lecture“, mit dem die Aufnahmen passierten, wird an der Universität Bremen breit in der Lehre eingesetzt.

Öffentliche Anhörung „Nachhaltige Wissenschaft“ im baden-württembergischen Landtag am 05.07.2010

Am Mo, dem 05.07.2010 veranstaltet die Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ im baden-württembergischen Landtag eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Nachhaltige Wissenschaft“. Die Veranstaltung findet von 12:30-17:00 Uhr im Stuttgarter Landtag statt. Weitere Informationen finden sich unter: http://www.bawue.gruene-fraktion.de/cms/themen/dok/326/326969.hochschultour_2010.html.

„Sustainability Lectures“ an der Leuphana-Universität Lüneburg

Im Rahmen der Lüneburger „Sustainability Lectures“, einer öffentlichen Veranstaltungsreihe zu aktuellen Fragen des Nachhaltigkeitsdiskurses finden bis zur Sommerpause noch drei Vorträge statt:

17. Juni 2010 Prof. Dr. Uwe Schneidewind/Wuppertal Institut
Transformationsforschung – eine integrierte Perspektive in der Nachhaltigkeitsforschung

24. Juni 2010 Prof. Dr. Hans-Peter Dürr
Lebensstile – Zahlenspiele, Wie viel menschliche Aktivität verträgt die Geobiosphäre?

1. Juli 2010 Prof. Dr. Lenelis Kruse/Universität Heidelberg
Biodiversität – eine Herausforderung für „Nachhaltigkeit lernen“

Weitere Informationen finden sich unter: http://www.lueneburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-68/122_read-21138/date-66287

Buch „Methoden transdisziplinärer Forschung“ erschienen

Ab sofort ist das Buch: Bergmann, M. u.a. (2010): Methoden transdisziplinärer Forschung. Ein Überblick mit Anwendungsbeispielen. Campus, Frankfurt a.M. 2010 erhältlich.

Das Buch ist das Abschlußprodukt des vom BMBF im Rahmen der sozial-ökologischen Forschung geförderten td-prax (Stärkung der transdisziplinären Forschungspraxis)- Projektes.

Das ist Buch liefert einen hervorragenden, empirisch gestützten Einblick in den Stand transdisziplinärer Forschungsmethoden. Es hat die vielen insb. im Rahmen der sozial-ökologischen Forschung durchgeführten transdisziplinären Projekte gescreent und auf die dort sich erfolgreich erwiesenen Methoden der Wissensintegration hin untersucht. Gerade die Integration unterschiedlicher Wissensbestände stellt die zentrale Herausforderung jeder transdisziplinären Forschung dar. Die unterschiedlichen Integrationsformen (vgl. insb. die Übersicht S. 287)

  • Integration durch Begriffsklärung und theoretische Rahmung,
  • Integration durch Forschungsfragen und Hypothesenbildung,
  • Integration durch Sichtung, Nutzung-, Weiter- und Neuentwicklung integrativ wirkender wissenschaftlicher Methoden,
  • Integration durch Bewertungsverfahren
  • Integration durch die Entwicklung und Anwendung von Modellen
  • Integration durch Artefakte, Dienstleistungen und Produkte als Boundary Objects
  • Integrative Verfahren der Forschungsorganisation

werden hervorragend herausgearbeitet und an vielen Fallbeispielen illustriert. Damit entsteht ein Handbuch im besten Sinne für all diejenigen, die sich auf den Weg zu einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung machen. Man merkt dem Buch an, dass es von den führenden Vordenkern transdisziplinärer Projekte in Deutschland geschrieben und in mehreren Workshops innerhalb der einschlägigen Community validiert wurde. Sehr gute Abbildungen und Übersichten und eine hilfreiche Leserführung runden den Eindruck ab.

COPERNICUS Alliance Workshop vom 02.-03.07.2010 in Graz

Vom 02.-03.07.2010 findet an der Universität Graz ein COPERNICUS Alliance-Workshop statt. Er soll die mit der COPERNICUS-Charta initiierte Idee europäischer Nachhaltigkeitshochschulen in einem Kreis engagierter Vorreiterhochschulen auf neue Beine stellen.

Zentrale Elemente des internationalen Workshops werden sein:
„- to inform about the aims, vision, opportunities and recent development of the COPERNICUS Alliance
– to work on an update of the COPERNICUS Charta to adopt it according to actual and future requirements of the European Higher Education area and
– to establish European working groups in various fields of Higher Education for Sustainable Development like for example: European higher education policy, student entrepreneurship, funding strategies etc.“

Das Programm des Workshops kann hier heruntergeladen werden.

Weitere Informationen sind erhältlich über die E-Mail-Adresse office@copernicus-alliance.org

Tagung und Preisverleihung: „Sustainable University“ an der Leuphana-Universität Lüneburg

Am heutigen 21.05.2010 fand im Rahmen des Wettbewerbes „Land der Ideen“ die Tagung und Preisverleihung: „Sustainable University“ an der Leuphana-Universität Lüneburg statt. Die Veranstaltung war insofern eindrucksvoll als deutlich wurde, wie weitgehend die Leuphana Universität ihre integrierte Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt hat. Die meisten der neu geschaffenen Nachhaltigkeitsprofessuren sind berufen. Inzwischen erfolgte auch die Einrichtung einer eigenständigen Fakultät für „Nachhaltigkeitwissenschaften“ als eine von vier Fakultäten der Leuphana Universität. Das vom Stararchitekten Libeskind als Positiv-Energie-Gebäude entworfene neue Hörsaalzentrum steht bald vor seiner Grundsteinlegung und wäre ein weiterer Schritt zur Vision eines klimaneutralen Campus an der Leuphana-Universität.

In einem weiteren Vortrag stellte Frau Dr. Evelyn Nowotny vom österreichischen Wissenschaftsministerium die in den letzten Jahren in Österreich initiierten Maßnahmen für die politische Förderung Nachhaltiger Hochschulen vor. Diese reichen von neuen Formen der Forschungsförderung, wie sie sich auch in Deutschland finden, insbesondere über flexible Formen der finanziellen Unterstützung für innovative Initiativen über einen alle zwei Jahre in 8 Kategorien mit hoher Sichtbarkeit verliehenen „Sustainability Award“ bis hin zur Integration von Nachhaltigkeitszielen und -projekten in die Leistungsvereinbarungen des Wissenschaftsministeriums mit den Hochschulen. Hier stecken einige Anregungen auch für politische Impulse auf Bundes- und Landesebene in Deutschland.

Ergebnisse und Follow-Up aus der Tagung „Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung“ mit HRK und DUK in Bremen am 15.04.2010

Anläßlich der am 1. März 2010 von Hochschulrektorenkonferenz (HRK) dem Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zur „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“ fand am 15.04.2010 eine begleitende Tagung an der Universität Bremen statt. Sie bildet den Auftakt für einen weiteren Prozeß der AG „Hochschule und Nachhaltigkeit“. Auf der Abschlussrunde der Tagung des 15.04.2010 wurden dazu unterschiedliche zukünftige Maßnahmen (s.u.) diskutiert und in einem ersten Arbeitstreffen am 30.04.2010 konkretisiert. Der Prozeß wird von Prof. Dr. Georg Müller-Christ, Konrektor an der Universität Bremen, koordiniert. Interessierte können sich an Frau Frau Nadine Dembski (nadem@uni-bremen.de) wenden.

Ergebnisse der Abschlussrunde der Tagung
„Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“
am 15.4.2010 an der Universität Bremen

In der Abschlussrunde haben die Teilnehmer/innen der Tagung die folgenden
Vorschläge für die weitere Zusammenarbeit gemacht:
1. Auf einer weiteren Veranstaltung sollten mehr Hochschulen ihre guten
Beispiele darstellen und zur Diskussion stellen können, wie sie Nachhaltigkeit
in Forschung, Lehre und Transfer umgesetzt haben.
2. Die HRK wird gebeten, den Prozess aktiv weiter zu unterstützen
und den Dialog mit den Hochschulen zu initiieren.
3. Die Rektoren der Hochschulen sollen über die Ergebnisse und die weiteren
Prozessschritte informiert werden.
4. Neben der konkreten Umsetzung vieler Maßnahmen soll auch weiter an
der strategischen Einbindung des Themas in Hochschulen gearbeitet
werden: Wie lässt sich das Thema mit der Idee einer modernen Hochschule
verknüpfen?
5. Wie in Österreich könnte in Deutschland ein Wettbewerb initiiert werden,
um Best-Practices sichtbar zu machen und zu würdigen (Preis ausloben)
6. Eine inhaltliche Diskussion über die Verknüpfung der Diskussionen über
eine soziale und demokratische Hochschule mit der Einbindung von
Nachhaltigkeit könnte geführt werden.
7. Studierende sollten aktiv in den Prozess einbezogen werden, um die
Nachfrage nach nachhaltigkeitsbezogenen Inhalten zu fördern und als
Argument für ein größeres Angebot einsetzen zu können.
8. Die Entwicklung einer Hochschule in Richtung Nachhaltigkeit sollte über
Kennziffern sichtbar gemacht werden können.
9. Kooperationsangebote der Wirtschaft für Forschung und Lehre sollen
aktiv genutzt werden.

Von der Tagung ist ein Videomitschnitt verfügbar.

Das grüne Hochschulranking 2010 gestartet

Auf der Internetplattform Utopia wurde das grüne Hochschulranking 2010 gestartet. Der Fragebogen richtet sich an Studierende, nimmt ca. 5 Minuten in Anspruch und muss bis zum 31.05.2010 ausgefüllt werden. Es werden Fragen zu ökologischen Standards an der eigenen Hochschule (Bio-Essen in der Mensa, Energieeinsparung, Müll-Trennung, Engagement der Hochschulleitung, Ökologie/Nachhaltigkeit in der Leere) gestellt. Der Fragebogen bleibt sehr grob, aber das Ranking ist ein erster Schritt in ein Benchmarking aus Studierendensicht. Im Jahr 2009 gewannen (auf der Grundlage von 3000 Beteiligten) die Uni Witten-Herdecke und die FH-Eberswalde das Ranking (vor den Universitäten Kassel und Lüneburg).

Schwerpunktausgabe „Nachhaltigkeit und Universitäten“ im Journal of Cleaner Production

Die Mai-Ausgabe des Journal of Cleaner Production (Volume 18, Issue 7, Pages 607-702 (May 2010)) widmet sich dem Schwerpunkt „Going beyond the rhetoric: system-wide changes in universities for sustainable societies“). In dem Heft findet sich eine Reihe guter empirischer und konzeptioneller Beiträge zur Ausleuchtung des Feldes.

Gemeinsame Erklärung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) zur Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung

Am 1. März 2010 haben die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und die Deutsche UNESCO-Kommission (DUK) eine gemeinsame Erklärung zur Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung öffentliche vorgestellt und damit ein wichtiges Signal für die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit auch in Hochschulen gesetzt (zur Presseerklärung vom 01.03.2010). Am 15.04.2010 wird in Bremen eine eigene Veranstaltung zu der Erklärung stattfinden. Organisatoren sind die HRK, die DUK und die Universität Bremen.

Vortrag „Nachhaltige Wissenschaft: Zum nötigen Klimawandel im deutschen Wissenschaftssystem“ als podcast auf der Plattform Lecturio

Ab sofort finden Sie unter http://www.lecturio.de/e-vorlesungen/videoplayer/evorlesung/nachhaltige-wissenschaft.html den von Uwe Schneidewind am 17.12.2009 gehaltenen Vortrag „Nachhaltige Wissenschaft: Zum nötigen Klimawandel im deutschen Wissenschaftssystem“ im Rahmen der Phlink-Vorlesungsreihe an der Universität Marburg. Neben einem Überblick stehen insbesondere die Ansätze im Bereich der Lehre im Zentrum des Vortrages.

Nachhaltigkeit in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften

Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften, d.h. die Helmholtz- Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Max-Planck-Gesellschaft stellen eine zentrale Säule des deutschen Wissenschaftssystem dar. Über 6 Mrd. Euro werden in den Instituten der Gemeinschaften für Forschung ausgegeben. Die Max Planck-Gesellschaft ist im wesentlichen auf Grundlagenforschung hin orientiert. 

In der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und in der Fraunhofer-Gesellschaft spielt eine inter- und teilweise transdisziplinäre Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung aber eine Rolle. Die Motorfunktion, die diese Wissenschaftsgemeinschaften bei der weiteren Etablierung einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung haben könnten, wurde lange Zeit von diesen nur bedingt eingelöst. Seit wenigen Jahren ist aber in den Wissenschaftsgemeinschaften beim Thema Nachhaltigkeitsforschung Bewegung entstanden. Die folgenden pointierten Beiträge kennzeichnen den Stand der Nachhaltigkeitsforschung in den drei Wissenschaftsgemeinschaften und gehen auf ihre diesbezüglichen Zukunftsperspektiven ein. Ein weiterer Beitrag zeichnet das Bild einer möglichen zukünftigen Vorreiterrolle der nationalen Wissenschaftsgemeinschaften auf dem Weg zu einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ in Deutschland:
o Helmholtz-Gemeinschaft: „Tanker der Umweltforschung
o Leibniz-Gemeinschaft: „Loser Bootsverband mit erheblichem Potenzial
o Fraunhofer-Gesellschaft: „Anwendungsprofis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
o Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften als Motor für eine „Nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland?

Helmholtz-Gemeinschaft: „Tanker der Umweltforschung“

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit rund 2,8 Milliarden Euro Jahresbudget die größte der nationalen Wissenschaftsgemeinschaften. Sie fasst 16 Großforschungszentren zusammen. Die Forschungsbereiche Energie, Umwelt, Verkehr und Gesundheit spielen in der Helmholtz-Gemeinschaft traditionell eine zentrale Rolle. Über die Festlegung von sechs Forschungsbereichen (Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr) sind sie in der Helmholtz-Gemeinschaft auch institutsübergreifend organisiert und müssen sich mit ihren Forschungsprogrammen alle fünf Jahre einer Evaluation stellen.

Die Relevanz der Themen sowie die finanzielle Potenz der Helmholtz- Gemeinschaft führt dazu, dass Helmholtz der dominante technologisch-naturwissenschaftliche Motor in der deutschen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung ist. Dies fand erst Mitte Dezember seinen Ausdruck darin, dass Helmholtz sowohl an dem jeweils mit 100 Mio Euro geförderten „Energie-“ als auch dem „Klima“-KIC (Knowledge Innovation Cluster des European Institute of Technology EIT) der EU prominent beteiligt ist.

Die Großforschungs(= Großgeräte)-Ausrichtung der Helmholtz- Gemeinschaft hat aber zur Konsequenz, dass eine transdisziplinäre Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung, die neben naturwissenschaftlich- technischen auch umfassend ökonomische, gesellschafts- und naturwissenschaftliche Bezüge aufweist, auf wenige Inseln in der Helmholtz-Gemeinschaft beschränkt bleibt: Zu diesen Inseln gehört die sozialwissenschaftlich-ökonomische Forschung im Umweltforschungszentrum Leipzig (UFZ) sowie das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemananalyse (ITAS) am Karlsruher Institute of Technologie (KIT).

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Leibniz-Gemeinschaft : „Loser Bootsverband mit erheblichem Potenzial“

Die im Jahre 1997 aus der 1990 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Blaue Liste“ hervorgegangene Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich im Vergleich zur Helmholtz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft durch eine noch größere Vielfalt ihrer 86 Institute (Stand Ende 2009) sowie durch eine sehr viel dezentralere Organisationsform aus. Ihre Einrichtungen sind in den meisten Fällen wissenschaftlich und organisatorisch unabhängig und decken Forschungsfelder von den Naturwissenschaften bis zu den Sozial- und Geisteswissenschaften ab. Aus der Perspektive der Nachhaltigkeitsforschung setzten daher in den letzten Jahren einzelne Institute Akzente, die sich explizit Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen verschrieben haben. Besonders relevant ist hierbei das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) . Als ein zentraler Akteur der nationalen und internationalen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung deckt es mit seinen Arbeiten die Klimaforschung breit und interdisziplinär ab. Im PIK gibt es neben den naturwissenschaftlichen und ökonomischen Kompetenzen auch umfassende sozialwissenschaftliche Bezüge. In der Leibniz-Gemeinschaft sind auch die großen Wirtschaftsforschungsinstitute organisiert, die wie z.B. das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) oder das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim über umfassende umweltökonomische Abteilungen verfügen.

Ausgelöst durch eine in den Jahren 2004/2005 bundespolitisch intensiv geführte Debatte über die Zukunft der Leibniz-Gemeinschaft hat diese unter ihrem Präsidenten Ernst Th. Rietschel erfolgreiche Anstrengungen in der Entwicklung eines gemeinsamen Leitbildes sowie der Vernetzung innerhalb der Gemeinschaft unternommen. Die in einem Strategiepapier ausgearbeitete Vision „Theoria cum praxi: Wissenschaft zum Nutzen und Wohl der Menschen“ entwickelt eine umfassende gesellschaftsorientierte Wissenschaftsvision für die Leibniz-Gemeinschaft und fördert Ansätze von disziplinen- und institutsübergreifenden Clusterbildungen, die z.B. in der Biodiversitätsforschung schon erfolgreich umgesetzt sind.

Über das Konzept des Wissenschaftscampus treibt die Leibniz-Gemeinschaft zudem die Kooperation mit Hochschulen voran. Mit Blick auf die Leibniz-Gemeinschaft kann daher festgestellt werden, dass zunehmend nicht nur einzelne ihrer Institute (wie z.B. das PIK) Motor für eine nachhaltigkeitsorientierte Forschung sind, sondern sich die Gemeinschaft insgesamt zu einem wichtigen Dach für eine „Nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland zu entwickeln verspricht.

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Fraunhofer-Gesellschaft: „Anwendungsprofis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“

Mit einem Geschäftsvolumen von ca. 1,5 Mrd. Euro gehört auch die Fraunhofer-Gesellschaft zu den großen, weltweit agierenden deutschen Forschungsorganisationen. Sie ist das Dach von rund 60 Fraunhofer-Instituten, in deren Zentrum der Forschung der (industrielle) Anwendungsbezug steht. Dies erklärt auch den im Vergleich zu den anderen Forschungsgemeinschaften hohen Drittmittelanteil, der fest zur Programmatik der Fraunhofer-Gesellschaft gehört. Er hat erhebliche Auswirkungen auf die inhaltlichen Felder, die von den Instituten bearbeitet werden.
So ist die Fraunhofer-Gesellschaft prominent an der von der Bundesregierung initiierten Hightech-Strategie beteiligt, für die in Deutschland von 2005 bis 2009 fast 15 Mrd. Euro für Spitzentechnologien bereitgestellt werden. Die Gelder dienen der Verbreitung neuer Technologien in siebzehn Zukunftsfeldern, um insbesondere Forschung und Wirtschaft besser zu vernetzen, damit aus neuen Ideen auch wirtschaftlich erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen entstehen. Die meisten der 17 Zukunftsfelder sind auch Schwerpunkte der Institute der Fraunhofer-Gesellschaft.
Die Arbeit der Fraunhofer-Gesellschaft ist in sieben Forschungsverbünden organisiert: Informations- und Kommunikationstechnik, Life Sciences, Mikroelektronik, Oberflächentechnik/Photonik, Produktion, Werkstoffe und Verteidigungs-/Sicherheitsforschung.

Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spielen in der Fraunhofer-Gesellschaft insbesondere in der Energieforschung, aber auch in den Feldern der weißen Biotechnologie, der Wassernutzung, nachwachsenden Rohstoffen, der Optimierung von Stoffkreisläufen sowie Recycling-Technologien eine Rolle.

In den meisten Forschungsfeldern und Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft dominiert die technologische Perspektive. Jedoch verfügt die Fraunhofer-Gesellschaft mit Fraunhofer IAO (Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation) und insbesondere dem schon 1972 gegründeten Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) über ein Institut mit einer organisationswissenschaftlichen Kompetenz. Das ISI untersucht, wie technische und organisatorische Innovationen Wirtschaft und Gesellschaft heute und in Zukunft prägen. Bei der Analyse von Innovationssystemen arbeitet man in hohem Maße interdisziplinär. In insgesamt sieben Competence Centern (Neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und Energiesysteme, Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme, Politik und Regionen, Regulierung und Innovation, Innovations- und Technologie-Management sowie Vorausschau) mit insgesamt 23 Geschäftsfeldern arbeiten rund 160 MitarbeiterInnen. Nachhaltigkeit gehört neben relevanten Teilgebieten wie der Energiepolitik und Energiesystemen explizit zum Arbeitsbereich des Fraunhofer ISI. Zur nachhaltigkeitsorientierten Innovationspolitik sind von dort immer wieder wichtige Forschungsimpulse ausgegangen.

Als Reaktion auf die zunehmende Bedeutung des Themenfeldes Nachhaltigkeit hat sich in der Fraunhofer-Gesellschaft im Jahr 2007 auch eine institutsübergreifende Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ gebildet. Über die zukünftige strategische Bedeutung des Themas für die Fraunhofer-Gesellschaft wird derzeit intensiv diskutiert.

Gerade aufgrund der hohen Anwendungskompetenz und der hohen Adaptivität an neue Themen könnte sich die Fraunhofer-Gesellschaft zu einem wichtigen Motor einer zukünftigen „Nachhaltigen Wissenschaft“ entwickeln – insbesondere in dem Maße, in dem Nachhaltigkeitsfragen für immer mehr Unternehmen und Branchen relevant und damit für eine industriebasierte Drittmittelforschung zugänglich werden.

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Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften als Motor für eine „nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland?

Die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft haben alle den Anspruch gesellschaftlicher (bzw. wirtschaftlicher) Relevanz in ihrer Mission. Durch ihre Governance-Strukturen sind an der Themenfindungen der Forschung auch Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt. Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spielen in allen drei Gemeinschaften eine wichtige Rolle. Der Koordinationsgrad im Hinblick auf institutsübergreifende Themen ist unterschiedlich. Bei der Helmholtz-Gemeinschaft ist die übergreifende Programmpolitik am konsequentesten ausgeprägt. So finden sich Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in einzelnen Gemeinschaften (Helmholtz) prominent bei den übergreifenden Programmen und Schwerpunkten, bei der Leibniz-Gemeinschaft verortet in einzelnen Instituten, seit kurzem jedoch auch in der Gesamtvision und einzelnen integrierten Themenfeldern. Die Gemeinschaften liefern unterschiedliche Beispiele für die mögliche Integration nicht naturwissenschaftlich-technischer Kompetenz in ihr Arbeit.

Ihre Größe und wissenschaftliche Potenz würden den Wissenschaftsgemeinschaften die Möglichkeit geben, eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung noch sehr viel stärker zu fördern und zu einem nationalen „Capacity-Building“ für diese Form der Forschung beizutragen. Und das in einem Ausmaß, das von einzelnen Hochschulen oder einzelnen wissenschaftlichen Instituten nicht geleistet werden kann.

Beispiele für einen solchen Kapazitätsaufbau sind:
o die Initiierung transdisziplinärer Forschungsprojekte in komplexen Nachhaltigkeitsfragen,
o die Integration transdisziplinärer Forschungselemente in bestehende Großforschungsstrukturen (Exzellenzcluster, Knowledge Innovation Clusters (KICs),..),
o der Aufbau von Karrierepfaden für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftler(innen),
o die Qualifizierung von Wissenschaftler(innen) und Gutachter(innen) in den Qualitätskriterien transdisziplinärer Methoden
o der Aufbau transdisziplinärer Infrastrukturen wie Journals, Panels, Preise,
o die Vernetzung mit führenden internationalen Einrichtungen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung,
o die wissenschaftspolitische Lobby-Arbeit zur Stärkung transdisziplinärer Forschung im Wissenschaftssystem insgesamt.

Es wäre erfreulich, wenn sich die Dynamik zu mehr transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften fortsetzt und diese einen Beitrag zu dem o.g. Kapazitätsaufbau leisten würden.

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Schwerpunkt Nachhaltige Wissenschaft/Nachhaltige Hochschule im HIS: Mitteilungsblatt 4/2009

Im Mitteilungsblatt 4/2009 vom Dezember 2009 der HIS (Hochschul-Informations-System GmbH), Hannover steht das Thema „Nachhaltige Wissenschaft/Nachhaltige Hochschule“ im Mittelpunkt. Neben einer umfassenden Rezension des Buches „Nachhaltige Wissenschaft“ werden aktuelle Tagungen vorgestellt sowie über den Neustart des Copernicus-Netzwerkes berichtet.

Nachhaltige Wissenschaft messen? – Ansatzpunkte für eine Operationalisierung

Wie lässt sich der Stand einer Nachhaltigkeitswissenschaft im deutschen Wissenschaftssystem feststellen? Wie läßt sich beobachten, ob einzelne Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen Fortschritte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeitsorientierung machen? Dies sind bisher weitgehend unbeantwortete Fragen, da die Darstellung nachhaltigkeitsbezogener Forschung und Lehre selbst in den Nachhaltigkeitsberichten der Pionierinstitutionen nur qualitativ und anekdotenhaft anhand einzelner Beispiele erfolgt.

Das hat mehrere Gründe:
o Die Unklarheit darüber, wie „Nachhaltige Forschung“ und „Nachhaltige Lehre“ überhaupt abgegrenzt werden können. Je unterschiedlicher die Abgrenzungen, desto schwieriger verbindliche Operationalisierungen.
o Das Fehlen von Berichtssystemen und Kennzahlen, die Forschung und Lehre aus der spezifischen Perspektive der Nachhaltigkeit wahrnehmen.
o Eine grundsätzliche Zurückhaltung, die Forderung nach einer qualitativ neuen Ausrichtung von Forschung und Lehre in quantitativen Dimensionen zu fassen

Im folgenden werden drei Thesen formuliert, die für eine Quantifizierung des Nachhaltigkeitsstandes in einzelnen Wissenschaftsinstitutionen sowie dem Wissenschaftssystem insgesamt plädieren:

1. Ohne Quantifizierung keine Fortschrittskontrolle. Auch Unternehmen sind in ihren Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichten mit anekdotenhaften Berichten über erfolgreiche Prozess- und Produktinnovationen gestartet und dafür zurecht kritisiert worden. Nur über die Definition von Indikatoren ist im Zeitablauf feststellbar, ob sich nachhaltige Forschungs und Lehransätze wirklich in wissenschaftlichen Einrichtungen ausbreiten. Die hochschulinterne Diskussion über konkrete Indikatoren hilft zudem, sich differenziert über das Nachhaltigkeitsverständnis der eigenen Institution zu verständigen.

2. Sowohl für den Bereich Forschung als auch für den Bereich Lehre sind solche Indikatoren zu definieren – sowohl absolute als auch relative Indikatoren. In der Forschung liegen dazu gute Vorschläge vor. Gerade die Festlegung solcher Indikatoren ist ein guter Weg, um sich über das Nachhaltigkeitsverständnis der eigenen Institution bewusst zu werden.

3. Die Erfassungs- und Controllingssysteme in den meisten Wissenschaftseinrichtungen sind auf die entsprechenden Indikatoren hin noch nicht ausgerichtet. Dieses ist jedoch mit relativ einfachen Anpassungen möglich.

In einem studentischen Projekt im Rahmen des Masterstudienganges „Sustainability Economics and Management“ an der Universität Oldenburg werden aktuell entsprechende Indikatoren für Nachhaltigkeits- Forschung und Lehre entwickelt und implementiert. Die dort gemachten Erfahrungen sollen anderen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen Anregungen für eine Übertragung geben. Die dort entwickelten Indikatoren werden im Laufe des Februars auf dem Weblog vor- und zur Diskussion gestellt.

Der grüne Weg zu mehr Profil – Schwerpunktthema in der DUZ 1/2010

In ihrer Januarausgabe (1/2010) stellt die Deutsche Universitätszeitung (DUZ) unter dem Titel „Der grüne Weg zu mehr Profil“ die umweltorientierten Profilbildungsstrategien mittelgroßer Universitäten vor. Konkret werden die Universitäten Kassel, Lüneburg und Oldenburg porträtiert. Der Beitrag zeigt auf, warum im Umwelt- und Nachhaltigkeitsthema gerade für mittelgrosse Universitäten ein besonderes strategisches Potenzial steckt. Die Beiträge des Schwerpunktes zum Download als pdf finden Sie hier:

Schwerpunkt: Nachhaltige Wissenschaft und studentisches Engagement

Schon von Ende der 80er bis Mitte der 90er-Jahre waren es studentische Initiativen, die dafür sorgten, dass das Thema Ökologie stärker in die Strukturen der Hochschulen einzog. So gingen neu eingerichtete Lehrstühle und Institute für Umweltmanagement u.a. an den Universitäten St. Gallen, der Universität Lüneburg oder TU Berlin auf studentisches Engagement zurück.

Aktuell sind es wieder die Studierenden, die mit Kraft auf Veränderungen in der Hochschulausbildung drängen. Es lohnt daher ein Blick darauf, welche Bedeutung dieses Engagement auch für eine „Nachhaltige Wissenschaft“ haben kann. In mehreren Beiträgen beleuchtet daher der aktuelle Schwerpunkt des Weblogs …
• …wie sich die Forderungen der Studierenden ins Jahr 2010 tragen und mit der Idee einer nachhaltigen Hochschule verknüpfen lassen,
• …warum die aktuellen studentischen Proteste so wichtig für eine notwendige Leitbilddebatte an den Hochschulen sind,
• …welche Hochschulinitiativen derzeit bundesweit mit dem Leitbild Nachhaltigkeit unterwegs sind oder sich aktuell gründen (z.B. an der Universität Tübingen, an der Universität Marburg (das Netzwerk Phlink), an der FU Berlin , studentische Leitbildentwicklung zur Nachhaltigkeit an der Universität Bern, …) – Beiträge werden laufend ergänzt.

Nachhaltige Lehre! oder wie lassen sich die berechtigten Bologna-Anliegen der Studierenden nachhaltig ins Jahr 2010 tragen?

Die aktuellen Studierendenproteste wenden sich gegen die vielfältigen Auswüchse des Bologna-Systems: gegen Verschulung, gegen die Stofffülle, gegen überbordende Prüfungsbelastungen, gegen fehlende Freiräume für selbstbestimmtes Lernen und studentisches Engagement.

Grundsätzlich geben Hochschulleitungen und Hochschulpolitik den Protestierenden Recht und ein baldiger „Bologna-Gipfel“ soll Abhilfe schaffen. Doch angesichts der aktuell zu beobachtenden gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Hochschulpolitik („Die richtige Umsetzung der Studienreformen obliegt der Autonomie der Hochschulen“) und Hochschulleitungen („Ohne ausreichende Finanzierung der Hochschulen durch die Landesregierungen ist eine vernünftige Umsetzung nicht möglich“) ist die Gefahr groß, dass die nötigen Änderungen nur halbherzig angepackt werden.

Was ist den Studierenden zu empfehlen, damit ihre Proteste auch nach der Weihnachtspause weiter mit Elan vorgetragen werden? Was sich anbietet, ist die Fokussierung auf einige Kernfelder, die dann als Katalysator für die Veränderung des Gesamtsystems wirken können.

Fünf solcher Felder seien im folgenden kurz skizziert werden – sie bieten sich auch für die idealtypische Umsetzung einer Nachhaltigen Hochschule an:
1. Fokus: Transdisziplinäre Lehre einfordern – zur Wiederbelebung des Projektstudiums
2. Fokus: General Studies und Professionalisierungsbereiche nutzen
3. Fokus: Freiräume für studentisches Engagement erkämpfen
4. Fokus: Neue Studiengänge
5. Fokus: Über Web 2.0 die Hochschule demokratisieren und das Lehrangebot verbreitern

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Fokus: Transdisziplinäre Lehre einfordern – zur Wiederbelebung des Projektstudiums

Transdisziplinäres Forschen und Lehren heißt „sozial robustes Wissen“ zu schaffen – über Fachgrenzen hinweg und unter Einbezug der Wissensbestände nicht-wissenschaftlicher Akteure. Ausgangspunkt dafür sind konkrete gesellschaftliche Fragestellungen:

Wie lässt sich mehr Demokratie in unserer Hochschule umsetzen? Wie kann der Energieverbrauch in der Uni erheblich gesenkt werden? Das sind Fragen, die sich in jeder Hochschule bearbeiten lassen – fachübergreifend und besonders wichtig: unter Einbezug von Studierenden auf gleicher Augenhöhe, deren Wissen z.B. über eigene Verhaltensmuster und das von Kommilitonen oder über innovative Nutzungsformen des Web 2.0 wichtige Bausteine für eine solche Lehre liefern können. Transdisziplinäres Lernen bringt den Hochschulen das durch die Bachelor- und Masterstrukturen fast völlig verschwundene Projektstudium zurück – heute nochmals sehr viel stärker methodologisch und konzeptionell abgesichert.

Empfehlung: Fordern Sie im Rahmen der Reformierung der Bachelor- und Masterstudiengänge an ihrer Hochschule mindestens ein transdisziplinäres Projektmodul ein, in dem Lehrende und Studierende auf gleicher Augenhöhe Wissensgenerierung im Modus 2 betreiben und gleichzeitig dazu beitragen, konkrete Probleme und gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen.

Links: Projekt „Sparkling Science“ des österreichischen Wissenschaftsministeriums.

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Fokus: General Studies und Professionalisierungsbereiche nutzen

Alle Bachelor- und Masterstudiengänge weisen einen Bereich auf, der hervorragende Möglichkeiten für neue Formen des Lehrens und Lernen eröffnet, aber von den Hochschulen bisher kaum wirklich dafür genutzt wird: die sogenannte General Studies oder Professionalisierungsbereiche. In Deutschland wurde kein Bachelor- oder Masterstudiengang akkreditiert, der nicht einen solchen Bereich der fachübergreifenden Vermittlung von „Schlüsselqualifikationen“ enthält. In den meisten Studiengängen umfasst er bis zu 30 Kreditpunkten und damit ein ganzes Studiensemester. In den meisten Hochschulen wird dieser Bereich stiefmütterlich behandelt, ist ein Sammelsurium von losen Kursangeboten, oft zerrieben in den Konflikten zwischen den Fachkulturen, die diesem Studienbereiche sehr unterschiedliche Bereiche zumessen.

Dabei ist dieser Bereich geradezu prädestiniert, um hochschulübergreifend neue Formen des Lernen zu erproben: Hier lassen sich neue Formen des Lernen und Lernens erproben, hier kann man mit als erstes von zu kleinteiligen Modulen und überfrachteten Prüfungslasten befreien. Gut ausgestaltet können diese Bereiche ein Aushängeschild für jede Hochschule werden.

Empfehlung: Machen Sie die General Studies-/Professionalisierungsbereiche zur zentralen Baustellen und zum Erprobungsort für neue Lehr- und Lernformen. Setzen Sie sich für das Erlernen der Schlüsselqualifikationen ein, auf die es aus studentischer Sicht wirklich ankommt. Hier können Sie fach-übergreifend neue Lern- und Prüfungsformen durchsetzen, ohne sich im Dickicht der vielen Studiengänge zu verlieren. Und zudem tragen Sie damit sogar noch zur Profilbildung Ihrer Hochschule bei und haben daher die Hochschulleitungen auf Ihrer Seite.

Links: Kapitel „Professionaliserungsbereiche/General Studies“ im Buch „Nachhaltige Wissenschaft“

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Fokus: Freiräume für studentisches Engagement erkämpfen

Die Vielfalt der studentischen Aktionen während der Protesttage der letzten Wochen hat gezeigt, welches Potenzial für gutes Lernen in studentischem Engagement steckt. Für diesen Elan gilt es auch in Zukunft Freiräume zu schaffen. Nirgendwo besser lässt sich Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz in engem Zusammenspiel weiterentwickeln als im Rahmen studentischen Engagements – sei es in der Studierendenschafts- oder Fachschaftsarbeit, in studentischen Organisationen wie AIESEC oder christlichen Hochschulgemeinden oder im ehrenamtlichen Engagement außerhalb der Hochschule.

Diese Form der Lernens lässt sich durchaus mit den neuen Studienstrukturen verknüpfen. Sogenannte „Joker“-Module (wie z.B. an der Universität Oldenburg) schaffen die Chance, sich studentisches Engagement auf die „Workload“ anrechnen zu lassen und damit zeitliche Freiräume zu schaffen. Die Verknüpfung von Engagement mit studentischen Job-Möglichkeiten schafft finanzielle Freiräume. Auch hier weisen erste Hochschulen wie die Universität Duisburg-Essen mit ihrem Projekt Uniaktiv vorbildliche Wege. Die General-Studies-Bereiche bieten für entsprechende Vorhaben ein hervorragendes Gefäß – und warum nicht ein Modul schaffen, dass alle Studierenden am Anfang des Studiums in die Möglichkeiten des Engagements an der eigenen Hochschule sowie die Möglichkeiten der Mitgestaltung der eigenen Hochschule einführt?

Empfehlung: Entwickeln Sie Ideen dafür, wie sich studentisches Engagement mit den Rahmenbedingungen der Bachelor- und Masterstudiengänge verknüpfen lässt. Initiieren Sie in Ihrer Hochschule Modellprojekte und öffnen Sie damit auch neue Wege für die Zusammenarbeit von Studierenden mit innovativen Lehrenden und Studiengangsplanern.

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Fokus: Neue Studiengänge

Die Reform schon bestehender Bachelor-/Master-Studiengänge ist eine Herausforderung, die richtige Gestaltung neuer Studiengänge die andere. In den meisten Hochschulen sind aktuell viele zusätzliche Studiengänge in Planung – sowohl in der grundständigen Lehre als auch im Weiterbildungsbereich. Hier gilt es von vorneherein, die Fehler zu vermeiden, die zu den aktuellen Studierendenprotesten geführt haben.

Empfehlung: Jeder neue Studiengang muss von Studienkommission und Fach-/Fakultätsrat genehmigt werden. Bringen Sie sich als studentische Vertreter in die Planung der Studiengänge ein. Weisen Sie früh auf Fehlentwicklungen hin und animieren Sie die Studiengangsplaner zu Mut bei Lehr- und Prüfungsformen. Neue Studiengänge und zukünftige Studierendengenerationen sollten von Ihren Erfahrungen profitieren.

Links: Kapitel „Neue Studiengänge“ im Buch „Nachhaltige Wissenschaft“

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Fokus: Über Web 2.0 die Hochschule demokratisieren und das Lehrangebot verbreitern

Etwas weiteres haben die Studierendenproteste gezeigt: die Möglichkeit und die Kraft der neuen Medien. Nur durch die virtuose Nutzung von Weblogs, Wikis, Twitter oder auf YouTube eingestellten Videos konnten die studentischen Aktionen auch kurzfristig organisiert, ein hoher Mobilisierungsgrad gehalten und die Motivation auch über unterschiedliche Studienstandorte hinweg erhalten werden.

Trotz der Potenziale der neuen Medien finden diese bisher kaum wirklich breit Eingang in den Hochschulalltag. Die jetzige Studierendengeneration ist den aktiv Lehrenden hier im Wissen um die Möglichkeiten weit voraus. Dieses Potenzial sollte für die Gestaltung guter Lehre stärker genutzt werden. Mitschnitte guter Lehrveranstaltungen von anderen Standorten, um das Lernen zu erleichtern und Zeichen für „Best Practices“ zu setzen, Weblogs zum Lehr- und Informationsaustausch über Studienstandort hinweg, Hinweise auf hilfreiche Lern- und Prüfungstipps – all das ist mit den Instrumenten des Web 2.0 besser zu organisieren.

Die neuen Medien können auch ein Weg zur mehr Demokratie innerhalb der Hochschule sein: Mitschnitte von Fakultätsrats- und Senatssitzungen machen Hochschulpolitik und Ihre Akteure präsenter und lebendiger, die Diskussion sensibler Tagesordnungspunkte auf Weblogs eröffnet Chancen für eine breite Beteiligung und hilft bei wichtigen Entscheidungen zur Teilnahme an öffentlichen Sitzungen zu mobilisieren.

Empfehlung: Nutzen Sie die Kompetenz Ihrer Generation im Umgang mit den neuen Medien, um Hochschullehre besser und lebendiger zu machen und die Hochschulpolitik ein Stück offener und demokratischer.

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„European Sustainability Science Group“ (ESSG) – Motor für eine ambitionierte Nachhaltigkeitswissenschaft auf europäischer Ebene

Mit der „European Sustainability Science Group“ (www.essg.eu) hat sich dieses Jahr eine Initiative auf europäischer Ebene gegründet, die auf die stärkere Verbreitung und Verankerung einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung im europäischen Wissenschaftssystem zielt. Die Mitglieder der ESSG stammen aus führenden Nachhaltigkeits-Forschungseinrichtungen und -Universitäten u.a. aus den Niederlanden, der Schweiz, Schweden, England und Deutschland. Mit ihren Themen und Aktivitäten zielt die ESSG auf Veränderungen im europäischen Wissenschafts- und Fördersystem, die die Spielräume für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschafts erweitern.

Weblog „Sustainability Marketing“ gestartet

Einen gemeinsamen Weblog zum Thema „Sustainability Marketing“ haben Prof. Dr. Frank Belz/TU München und Prof. Ken Peattie von der Cardiff Business School gestartet. Der Weblog begleitet das diesen Sommer erschienene Lehrbuch „Sustainability Marketing – a global perspective“. Diese deutsch-englische Kooperation verspricht frischen Wind in die Nachhaltigkeits-Diskussion und -lehre in der deutschen Betriebswirtschaftslehre zu bringen.

Nachhaltigkeits-Prozess an der Hochschule Fulda gestartet

Mit einer Auftaktveranstaltung „Die Hochschule Fulda – nachhaltig“ hat die Hochschule Fulda unter Leitung von Vizepräsident Prof. Dr. Christian Schrader einen Nachhaltigkeitsprozess für die Hochschule gestartet. Dem Auftakt werden in den kommenden Monaten weitere Veranstaltungen folgen. Informationen zum Prozess gibt es über Vizepräsident Prof. Dr. Christian Schrader (Christian.Schrader@sk.hs-fulda.de).

„Neue Leitbilder für die Hochschule“ – 100 Teilnehmer diskutieren in der Böll-Stiftung über die Potenziale einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ für die deutschen Hochschulen

Die am Dienstag (27.10.09) Abend von der Böll-Stiftung und der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW) ausgerichtete Veranstaltung „Neue Leitbilder für die Hochschule. Nachhaltigkeit als Chance für die deutsche Wissenschaft?“ ist auf eine erfreuliche Resonanz gestoßen. Rund 100 Teilnehmer fanden den Weg in die Böll-Stiftung, um nach einem Eingangsstatement von Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Autor der Studie „Nachhaltige Wissenschaft) mit Prof. Dr. Sascha Spoun (Präsident der Leuphana-Universität Lüneburg), Krista Sager (Stellvertretende Bundestags-Fraktionsvorsitzende der Grünen und ehemalige Hamburger Wissenschaftssenatorin), Dr. Thorsten Wilhelmy (Wissenschaftsrat) und Dr. Thomas Jahn (Leiter des Instituts für sozial-ökologische Forschung) unter Moderation von Thomas Korbun (Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Vorstandsmitglied der VÖW) zu diskutieren.

Vier Leitfragen standen im Vordergrund der Debatte:
• Ist das Leitbild „Nachhaltige Wissenschaft“ bzw. einer „Nachhaltigen Hochschule“ wirklich eine Perspektive für deutsche Hochschulen? Oder greifen inhaltlich ausgerichtete Leitbilder für ganze Hochschulen zu kurz?
• Ist das Leitbild einer „Nachhaltigen Hochschule“ eher eine gezielte Nischenstrategie für wenige Hochschulen oder kann es prägenden Charakter für größere Teile des Wissenschaftssystems haben?
• Was bedeutet die thematische Orientierung für die Führung einer Hochschule oder Wissenschaftseinrichtung? Mit welchen Konflikten hat man zu rechnen?
• Wie lässt sich die Ausdifferenzierung der Leitbilder politisch flankieren?

Zu allen Fragen wurde auf dem Podium und mit dem Publikum kontrovers diskutiert:

Vorsicht vor der Kompensationsfalle
Nachhaltigkeit ist ein interessantes Profilierungsthemen für Hochschulen – es eröffnet die Chance zu wissenschaftlichen Antworten auf die großen Transformationsherausforderungen unserer Gesellschaft, es ist als Dach offen genug und daher anschlussfähig an andere Debatten (z.B. die regionale Ausrichtung von Hochschulen, eine Gender-Orientierung, eine stärker entwicklungspolitische Ausrichtung). Nachhaltigkeitsorientierung hat dabei Potenziale sowohl in der Forschung und der Lehre ….

In dieser Hinsicht waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Kontroversen gab es aber über die Reichweite einer solchen Ausrichtung im deutschen Hochschulsystem. Im schlechten Fall wird die Nachhaltigkeitsorientierung zum Profilfeld einiger weniger Nischenhochschulen. Und dann droht die „Kompensationsfalle“ (Wilhelmy): eine oder einige wenige Hochschulen übernehmen die Abdeckung des Feldes und entlasten damit alle anderen, die sich nicht mehr um die Fragestellung zu kümmern brauchen. Eine Entwicklung, die sich z.B. im Bereich der Weiterbildung und des lebenslangen Lernens in anderen Wissenschaftssystemen beobachten lässt: eine spezialisierte Hochschule übernimmt die Funktion, die anderen fühlen sich nicht mehr betroffen.

Diese Gefahr wird nur zu überwinden sein, wenn deutlich wird, dass „Nachhaltigkeits-orientierung“ mehr ist als die Konzentration auf spezielle Themenfelder in Forschung und Lehre. Nur wenn erlebbar wird, dass transdisziplinäre Forschung und Lehre einen ganz neuen Modus der Wissensentwicklung bedeutet, der Hochschulen hilft, ihre Forschung und Lehre neu und breiter zu definieren, dann hat ein Leitbild Nachhaltigkeit eine umfassende Chance im deutschen Wissenschaftssystem. Um diese sicht- und erfahrbar zu machen, kann es sinnvoll sein, dass einige Hochschulen mit einer engagierten Nachhaltigkeitsausrichtung vorangehen und so Beispielgeber für das Gesamtsystem werden.


Zur doppelten Führungsfalle einer universitären Nachhaltigkeitsstrategie

Welche Herausforderungen es für eine Hochschulleitung bedeutet, eine Nachhaltigkeitsstrategie auf universitärer Ebene konsequent umzusetzen, das wurde in den Ausführungen von Sascha Spoun deutlich, der vor vier Jahren als neuer Präsident der Lüneburger Universität angetreten ist, um sie zu einer „Hochschule für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ zu entwickeln.

Thorsten Wilhelmy zeigte die zwei zentralen Hürden einer solchen Strategie auf:
1. Es gibt keine Tradition im deutschen Wissenschaftssystem, Hochschulen als institutionelle Akteure zu begreifen. Die gestärkte Macht und Autonomie der Hochschulleitungen, um gesamtuniversitäre Strategien zu befördern, ist mit einer unmittelbaren Einschränkung der Autonomie der einzelnen Hochschullehrerinnen und Fächer verbunden und wird daher als Bedrohung empfunden.
2. Es gibt eine zentrale Rolle der Disziplinarität im deutschen Wissenschaftssystem. Über die Disziplinen rekrutiert sich der Nachwuchs und entscheiden sich wissenschaftliche Karrieren. Isolierte Strategien einzelner Universitäten sind in Deutschland zusätzlich erschwert, weil der Hochschulwechsel für eine wissenschaftliche Karriere unabdingbar ist.

Wer als Hochschulleitung seine Hochschule als „Nachhaltigkeitshochschule“ positionieren will, kämpft damit gleich an doppelter Front: Er schränkt über eine institutionelle Strategie die Autonomie der Hochschullehrerinnen ein und bricht zudem mit dem Disziplinenprinzip.

Dies erfordert ein hohes Maß an Vision, Mut und Durchhaltekraft.

Umsteuern mit mehr als der „finanziellen Möhre“
Auch deswegen wurde intensiv darüber diskutiert, wie solche Prozesse in Hochschulen politisch unterstützt werden können.

Angesichts der Unterfinanzierung der deutschen Hochschulen ist Geld ein ganz zentrales Steuerungsmittel. Es erklärt auch, warum die deutschen Hochschulen so gleichgeschaltet der „finanziellen Möhre“ (Theresa Bauer) Exzellenzinitiative hinterhergelaufen sind. Krista Sager zeigte sich aus den eigenen Erfahrungen als Wissenschaftssenatorin optimistisch, dass Förderprogramme für mehr Nachhaltigkeitsforschung und Transdisziplinarität schnell entsprechendes Umdenken in Hochschulen auslösen können. Auch die bestehenden Steuerungsinstrumente (Zielvereinbarungen, indikatororientierte Mittelzuweisungen) ließen sich noch effektiver für eine entsprechende Umsteuerung in den Hochschulen nutzen.

Doch Geld wird angesichts der Überschuldung der öffentlichen Haushalte in den kommenden Jahren immer weniger vorhanden sein. Daher ist auch die Hoffnung auf entsprechende Bund-Länder-Programme unabhängig von den hohen Zustimmungshürden kaum realistisch. Auch vor dem Hintergrund gilt es einmal die nächste Runde der Exzellenzinitiative zu nutzen, die Türen für mehr transdisziplinäre Forschung zu öffnen (z.B. durch Einlösung der Transdisziplinaritätsanforderung an Graduiertenschulen, eine Lockerung des Standortprinzips und der Verpflichtung einer federführenden Hochschule sowie die Gewährleistung von Gutachterteams mit Erfahrung in transdisziplinärer Forschung).

Zum anderen ist nach Wegen zu mehr Nachhaltigkeitsorientierung jenseits umfassender staatlicher Förderprogramme zu suchen. Durch die Zivilgesellschaft und private Stifter initiierte Institutionen wie ein „Centrum für Nachhaltige Hochschulentwicklung“ oder ein „Stifterverand für eine Nachhaltige Wissenschaft“ (so zwei Vorschläge aus der Studie „Nachhaltige Wissenschaft“) könnten hier Wege sein.

Genauso wichtig ist es aber, das intrinsische Potenzial von Lehrenden und Studierenden für eine Umorientierung zu transdisziplinärer Forschung und Lehre zu nutzen. Nachhaltigkeit bietet neue Perspektiven und Befriedigung durch wissenschaftliche Tätigkeit durch ihren partizipativen Charakter und die Möglichkeit, Beiträge zu relevanten gesellschaftlichen Herausforderungen zu liefern. Dies können Wege sein, die Freude an Hochschule und wissenschaflticher Tätigkeit auch in Zeit leerer Kassen zu erhalten.

Den Schwung von unten nutzen, Studierende besser einbinden

Die Suche nach diesen intrinsischen Potenzialen rief eine sehr berechtigte Kritik aus dem Plenum hervor: die viel zu geringe Einbindung von Studierenden in die Debatte und auch auf das Podium der Veranstaltung.

Die Diskussion über Umorientierung zu mehr Nachhaltigkeit wird heute noch zu stark forschungsorientiert und aus der Perspektive von Hochschulleitungen geführt. Dabei haben sich prägende Ansätze transdisziplinärer Wissenschaft und Forschung häufig aus innovativen Lehrkonzepten entwickelt. Die Transdisziplinaritätsforschung an der ETH Zürich ist ein Beispiel dafür. Es sind auch oft Studierendeninitiativen, die die Brücken zwischen Forschung und Lehre und ganz konkret praktizierter Nachhaltigkeit an den Hochschulen (z.B. im Rahmen von Energieeinspar- oder Unisolarprojekten) leisten.

Die Möglichkeiten studentischen Engagements gilt es noch intensiver zu nutzen und zu eruieren. Daher stand am Ende der Veranstaltung der feste Vorsatz, eine der nächsten Hochschuldebatten der Böll-Stiftung unter das Thema studentischer Potenziale für eine nachhaltige Hochschule zu stellen und dann ein Podium zusammenzustellen, das mindestens zur Hälfte aus Studierenden besteht.

Was waren Ihre Eindrücke von der Veranstaltung? Diskutieren Sie mit und kommentieren Sie!

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Herbstkongress der Initiative „Psychologie im Umweltschutz“ (IPU) zum Thema „Nachhaltige Universität“

Der diesjährige Herbstkongress der Initiative „Psychologie im Umweltschutz“ (IPU) findet vom 19.-22. November 2009 in Gersheim bei Saarbrücken zum Thema „Nachhaltige Universität“ statt. Saarbrücken wurde bewusst als Tagungsort gewählt, da die Universität Saarbrücken aktuell an der Umsetzung einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie arbeitet (Der derzeitige Präsident Prof. Dr. Volker Linneweber ist einer der führenden Umweltpsychologen in Deutschland). Die Ergebnisse des Herbstkongresses sollen in den Prozeß an der Universität Saarbrücken einfließen. Weitere Informationen zum Kongress finden Sie auf der Homepage von IPU.

16 für einen nachhaltigen Streich – eine Übersicht über die Nachhaltigkeitsorientierung in den Wissenschaftssystemen der 16 Bundesländer

Das Weblog „Nachhaltige Wissenschaft“ greift in regelmäßigen Abständen Schwerpunktthemen auf. Im ersten „Schwerpunkt“ geht es um den Stand einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ in den 16 deutschen Bundesländern. Die Ausdifferenzierung des deutschen Wissenschaftssystems fordert nicht nur die Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen heraus, sich zu positionieren. Auch jede Landesregierung als die zentrale wissenschafts- und hochschulpolitische Instanz steht vor der Frage, mit welcher Form der Wissenschafts- und Hochschulpolitik sie ihr Land fit für das 21. Jahrhundert macht.

Der Aufbau transdisziplinärer Wissenschaftsstrukturen und die Ausrichtung an zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen kann dabei eine interessante Option sein, um im Profilwettbewerb der Länder den eigenen Wissenschaftsstandort für zukünftige Studierende und Wissenschaftler(inn)en attraktiv zu halten. „Nachhaltigkeit“ als ein übergeordnetes Wissenschaftsleitbild mit einem hohen Integrationspotenzial bietet hier vielfältige Chancen. Die Ausrichtung am Leitbild einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft hat alle Ingredienzien für eine zukunftsweisende Wissenschaftspolitik: Sie kann bestehende Forschungsspitzen aufgreifen und sie in einen gesellschaftlich relevanten Kontext einbetten, sie stärkt die gesellschaftliche Vermittlung von Wissenschaft, fördert die Integration zwischen Disziplinen und Hochschulen (insbesondere auch von unterschiedlichen Hochschultypen) sowie anderen wissenschaftlichen Einrichtungen. Sie integriert auf überzeugende Weise Forschung und Lehre. Der Blick auf die 16 Bundesländer zeigt, dass einige für eine solche Strategie hervorragende Voraussetzungen besitzen.

Die folgenden Blog-Beiträge zu den einzelnen Bundesländern sind bewusst kurz und provokant verfasst. Allein die Idee, dass einzelne Bundesländer ihre Wissenschaftspolitik an einzelnen gesellschaftlich relevanten Leitthemen ausrichten, ist an sich schon diskussionswürdig. All dies soll Sie zu Ergänzungen und Kommentierungen anregen.

Neben unmittelbaren Kommentierungen zu den einzelnen Beiträgen („Kommentar schreiben“) sind zu dem Thema ganz herzlich auch Gastbeiträge eingeladen. Wenn Sie einen eigenen Weblog-Beitrag zu Ihrem Bundesland oder der Diskussion insgesamt verfassen möchten, dann wenden Sie sich an die Weblog-Administration, damit Ihnen die entsprechenden Rechte eingerichtet werden. Wir freuen uns besonders über Beiträge mit kontroversen Positionen oder solchen, die neue Blicke auf die Debatte werfen.

Leiten Sie den Link auf die Weblog-Diskussion gerne an andere hochschulpolitisch interessierte Akteure in ihrem Umfeld weiter, um die Diskussion für einen breiten Kreis von Diskutaten zugänglich zu machen.

Hier die Übersicht über die Beiträge zu den einzelnen Bundesländern:
o Baden-Württemberg: „Erdrückt von Exzellenz“
o Bayern: „Wüste jenseits der TU München?“
o Berlin: „Wo bleibt die nachhaltige politische Kraft der Universitäten?“
o Brandenburg: „Advanced Studies als Motor?“
o Bremen: „Hoffnungsvoller Kandidat mit historischem Balast“
o Hamburg: „Potenziale – versunken in Konflikten“
o Hessen: „Ein Ökosystem spannender Davids“
o Mecklenburg-Vorpommern: „Meer- und Ökosystemforschung in schwierigem Umfeld“
o Niedersachsen: „Federführende Rolle mit fehlender politischer Integration“
o NRW: „Schwergewichte mit nur zarter Vernetzung“
o Rheinland Pfalz: „Perlen in schwierigem hochschulpolitischen Umfeld“
o Saarland: „Voran mit externer Förderung“
o Sachsen:“Flagschiff ohne Kontext“
o Sachsen-Anhalt: „Zu klein für Sustainability?“
o Schleswig Holstein: „Über die Meeresforschung den globalen Wandel verstehen“
o Thüringen: „Energie und Nachhaltigkeit nur im Grenzbereich“

Bayern: Wüste jenseits der TU München?

Transdisziplinarität und Nachhaltigkeitsorientierung spielen bisher keine wirklich wichtige Rolle in der bayrischen Wissenschaft und Wissenschaftspolitik. Es ist das Flagschiff der bayrischen Universitäten, die TU München, die auch in diesem Feld die prominentesten Zeichen setzt. Mit dem Campus Weihenstephan (Land- und Ernährungswissenschaft) sowie dem von der TU München mit initiierten Wissenschaftszentrum Straubing (Nachwachsende Rohstoffe) existieren zwei integrierte Standorte, die zeigen, wie zu ökologisch relevanten Themen disziplinen- und institutionen-übergreifend gelehrt und geforscht werden kann..

Daneben gibt es einzelne Ansätze zu nachhaltigkeitsrelevanten Themen auf hohem wissenschaftlichen Niveau – z.B. die Afrikaforschung in Bayreuth, die Arbeiten zu nachhaltiger Chemie an der Universität Regensburg oder das Engagement mehrerer Fachhochschulen in diesem Feld, ohne dass jedoch eine der Institutionen dies zu einem prägenden Strategieelement gemacht hätte. Gerade angesichts des „München-Bias“ in der bayrischen Wissenschaftspolitik liegt eventuell gerade hier ein spannendes Potenzial für einzelne der mittelgroßen Universitäten außerhalb Münchens – wenn nicht die „Unternehmeruniversität TU München“ mit ihrem „entrepreneurial spirit“ auch die gesellschaftlichen Zukunftsthemen des 21. Jahrhunderts wissenschaftlich früh besetzt.

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Baden Württemberg: Erdrückt von Exzellenz

Baden Württemberg ist als der eindeutige Sieger aus der Exzellenzinitiative vorgegangen. Vier der neun gekürten Eliteuniversitäten stammen von hier (Karlsruhe, Konstanz, Freiburg, Heidelberg). Angesichts dieser geballten Kraft klassischer wissenschaftlicher Exzellenz, haben es Perspektiven einer eher thematischen Ausrichtung des Wissenschaftssystems schwer – auch wenn an vielen der ausgezeichneten Universitäten starke Bereiche einer mindestens interdisziplinären Umweltforschung (z.B. am KIT, Karlsruhe oder dem Zentrum für Erneuerbare Energie (ZEE) an der Universität Freiburg) präsent sind.

Einige kleinere Hochschulen (z.B. die vom Stifterverband ausgezeichnete Fachhochschule Rottenburg) nutzen dies für ganz bewusste Nischenstrategien. Mit dem Öko-Institut Freiburg verfügt Baden Württemberg zudem über die Pionierinstitution im Bereich der nachhaltigkeits-orientierten freien Forschungsinstitute.

Man wird in den kommenden Jahren sehen, ob es bei solchen Nischenstrategien bleibt oder Baden-Württemberg außer Hochdeutsch wirklich alles kann – eben auch seine Spitzenforschung noch stärker auf die gesellschaftlichen Schlüsselherausforderungen des 21. Jahrhunderts hin auszurichten.

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Rheinland-Pfalz: Perlen in schwierigem hochschulpolitischen Umfeld

Rheinland Pfalz tut sich nicht leicht mit seiner hochschulpolitischen Positionierung. Die Ergebnisse der Exzellenzinitiative haben ernüchtert. Gerade zu einer Graduiertenschule an der Universität Mainz hat es gereicht. Wäre da eine stärkere gesellschaftsorientierte Ausrichtung des Wissenschaftssystems nicht eine interessante Alternative?

Einige „Perlen“ dafür besitzt das Land. Dazu gehört an prominenter Stelle der Umweltcampus Birkenfeld der Fachhochschule Trier unter Beteiligung der Universität Trier. Und auch in der TU Kaiserslautern spielen Nachhaltigkeitsbezüge über Fachgrenzen hinweg eine zentrale Rolle. Zudem hat sich die TU Kaiserslautern mit ihrem deutschlandweit führenden Weiterbildungangeboten schon früh gesellschaftlichen Belangen geöffnet.

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Hessen: Ein Ökosystem spannender Davids

Das wissenschaftliche Machtzentrum Hessens pocht in seinem Süden: Das bundesweit beachtete Autonomiemodell „TU Darmstadt“ und das Projekt der „Stiftungsuniversität Frankfurt“ haben die wissenschaftspolitische Kulisse Hessens in den letzten Jahren geprägt. Von den anderen hessischen Universitäten beeindruckte insbesondere die Universität Giessen in der Exzellenzinitiative mit dem Gewinn eines Exzellenzclusters und einer Graduiertenschule (und war damit ähnlich erfolgreich wie Frankfurt und Darmstadt). Zudem erregte hier die Zusammenlegung und Privatisierung der Universitätskliniken Giessen und Marburg Aufsehen.

In dieser Kulisse klassisch wissenschaftlicher Goliaths hat sich eine aus Nachhaltigkeitsperspektive erfreuliche kleine Schar von „Davids“ herausgebildet. Bei den Universitäten gehört dazu an vorderster Front die Universität Kassel, die seit 2004 eine prononcierte Umweltstrategie verfolgt und dafür sogar eine eigene Vizepräsidentenposition geschaffen hat. Zudem verfügt Hessen über bundesweit führende freie Forschungsinstitute im Feld: dazu gehören neben dem Öko-Institut Darmstadt insbesondere das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) – eine der Vordenker-Institutionen für die Standards transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland.

Auch wenn eine Nachhaltigkeitsausrichtung (trotz einiger interessanter Potenziale gerade an der TU Darmstadt und der Universität Frankfurt) auch mittelfristig keine dominante Strategie für Hessen werden wird, so wäre es in jedem Fall eine Chance, die interessanten Pionier-Institutionen in Hessen auch im Rahmen der prononcierten Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung im Blick zu behalten.

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Saarland: Voran mit externer Förderung

Das Saarland ist das Bundesland mit der kleinsten Hochschullandschaft aller Bundesländer. Verstärkt durch seine Randlage erfüllen die wenigen Hochschulen zudem einen wichtigen allgemeinen Bildungs- und Wissenschaftsauftrag, der eine inhaltlich zu begrenzte Ausrichtung verbietet.

Im Hinblick auf eine Nachhaltigkeits-Orientierung verfügt das Land aber mit der in Saarbrücken ansässigen ASKO-Europa-Stiftung (hervorgegangen aus der Metro-Gruppe) über einen der bundesdeutschen wichtigen privaten Motoren für eine stärkere Nachhaltigkeits-Orientierung im Wissenschaftssystem. Ein konkretes Ergebnis ist die im Jahr 2009 eingerichtete Nachhaltigkeits-Stiftungsprofessur der Stiftung an der Universität Saarbrücken. Dass aktuell einer der deutschland-weit führenden Umweltpsychologen die Uni Saarbrücken führt verspricht zudem Offenheit für eine weiteren Ausbau des Themas. Angesichts der Saarbrücker Stärken in der Informatik wäre z.B. Fragen einer „Nachhaltigen Informationsgesellschaft“ ein spannender Themenkandidat für ein Bundesland, das sich gerade im industriestrukturellen Wandel befindet.

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NRW: Schwergewichte mit nur zarter Vernetzung

Als größtes Bundesland verfügt Nordrhein-Westfalen auch über die größte und ausdifferen-zierteste Landschaft an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland. Neben der im technischen Bereich dominierenden RWTH Aachen (der einzigen in der Exzellenzinitiative ausgezeichneten „Eliteuniversität“ in NRW) sind die fachlichen Schwerpunkte und Profilspitzen relativ gleichmäßig über das Bundesland verteilt. Allein schon aufgrund der Masse der Wissenschaftseinrichtungen existiert eine umfassende Wissenschaftssubstanz auch in Nachhaltigkeits-relevanten Themenfeldern: Dazu gehört z.B. eine profilierte (regenerative) Energieforschung (z.B. an der RWTH Aachen, dem Forschungszentrum Jülich).

Keine der vielen Hochschulen in NRW hat jedoch bisher eine Umwelt- oder Nachhaltigkeitsorientierung zu einem dominanten Strategieschwerpunkt gemacht – auch wenn es an einzelnen Universitäten dazu erste Ansätze gibt, wie z.B. an der Universität Duisburg-Essen (bei der eines der Präsidiumsmitglieder, Prof. Ute Klammer, aktuell auch Mitglied des deutschen Nachhaltigkeitsrates ist).

Angesichts der existierenden Substanz in NRW könnte das Land –auch wenn eine solche Ausrichtung für so großes Bundesland keine dominierende Prägung des Wissenschaftssystem sein kann – durch noch bessere Vernetzung eine führende Rolle nachhaltigkeitsorientierter Wissenschaft in Deutschland spielen. Auch über die prädestinierten Vordenker- und Vernetzer-Institutionen für eine solche Vision- wie z.B. das Wuppertal-Institut für Umwelt, Energie und Klima verfügt NRW längst.

Die 2009 gestartete „Bonn Sustainability Alliance“ (wissenschaftliche insbesondere durch die FH Bonn Rhein-Sieg getragen) zeigt, dass auch andere Akteure in NRW in Richtung einer solchen Vernetzung denken.

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