Grünbuch Citizen Science Strategie Deutschland 2020

Im Rahmen des Projekts „BürGEr schaffen WISSen – Wissen schafft Bürger“ (GEWISS) wurde als Teil des GEWISS-Bausteinprogramms eine Citizen Science-Strategie 2020 für Deutschland entwickelt und nun in Form eines Grünbuchs veröffentlicht.

In acht Dialogforen mit einem Thinktank, einer Auftaktveranstaltung sowie zahlreichen weiteren Beiträgen unter der bundesweiten Beteiligung von über 700 an Citizen Science interessierten Personen aus mehr als 350 Organisationen, wissenschaftlichen Einrichtungen, Fachgesellschaften, Vereinen und Verbänden, Stiftungen und Einzelpersonen wurde über Citizen Science diskutiert. Daraus wurden nun Beiträge zur Entwicklung der Visionen und Handlungsoptionen für das Grünbuch zusammengeführt und in einer weiteren umfänglichen Online-Konsultation von Privatpersonen und verschiedenen Organisationen aus Wissenschaft und Gesellschaft erörtert.

Das daraus entstandene Grünbuch für eine Citizen Science Strategie 2020 stellt die Ziele, Potenziale und Herausforderungen von Citizen Science in Deutschland dar und zeigt Handlungsoptionen für die Entwicklung einer nationalen Strategie zur Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in die Wissenschaft auf. Dabei wird der Fokus auf drei Handlungsfelder gelegt: Die Stärkung etablierter Strukturen, die Neuschaffung von Rahmenbedingungen und die weitere Integration von Cititzen Science in bestehende Konzepte durch verschiedene Maßnahmen. Außerdem werden im Grünbuch vor allem auch die Ziele und Möglichkeiten ebenso wie eine Vision für die Rolle von Citizen Science im Jahr 2020, unter anderem in Form von zehn Leitbildern, definiert. Im Vordergrund stehen auch hier die breite Etablierung, Anerkennung und Einbeziehung von Citizen Science in gesellschaftsrelevante Kontexte.

Das Grünbuch steht hier zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Forum Citizen Science Deutschland am 16. März in Berlin

BürGEr schaffen WISSEN (GEWISS), ein Konsortium verschiedener Leibniz- und Helmholtz-Institute, Universitäten und Wissenschaft im Dialog lädt am Mittwoch den 16.03.2016 nach Berlin zum „Forum Citizen Science Deutschland“ ein.

Als Abschlussveranstaltung des GEWISS-Bausteinprogramms werden dort die Prozessergebnisse einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt, insbesondere die Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland. Anschließend soll die Anschlussfähigkeit an weitere politische Strategien, unter anderem Nachhaltigkeitsforschung und Innovation, diskutiert werden.

In Storytelling-Sessions sollen Citizen Science Projekte und die darin aktiven Menschen sichtbar gemacht machen. Wer sein eigenes Projekt im Rahmen der Veranstaltung vorstellen möchte, kann sich hier anmelden.

Das Programm finden Sie hier, Informationen zur Anmeldung unter: http://www.buergerschaffenwissen.de/forum-citizen-science

Online-Konsultation zur Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland

Das GEWISS-Konsortiums lädt zur Beteiligung an der Online-Konsultation des Rahmenpapiers (Green Paper) der Citizen Science-Strategie 2020 für Deutschland ein.
Bürgerinnen und Bürger in Deutschland wünschen sich mehr Beteiligung bei der Entwicklung und Umsetzung von Forschung und Wissenschaft. Die Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland hat das Ziel, die Zusammenarbeit von professioneller und ehrenamtlicher Forschung zu stärken und die Entwicklung neuer Formen von Citizen Science zu fördern. Das Rahmenpapier der Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland steht vom 19. September bis 19. Oktober 2015 öffentlich zur Konsultation:

Alle Akteure der Citizen Science Landschaft in Deutschland sind eingeladen, Maßnahmen zur Stärkung von Citizen Science in Deutschland zu bewerten, zu kommentieren und Vorschläge einzubringen.

Bürger Künste Wissenschaft – Citizen Science Tagung vom 21. bis 23.09. an der Universität Erfurt

Citizen Science in Kultur und Geisteswissenschaft – das ist das Thema einer Tagung vom 21. bis 23. September, die von MitarbeiterInnen der Universität Erfurt und des Kulturmanagement Network organisiert wird und von der Forschungsbibliothek Gotha, den Geschichtsmuseen der Stadt Erfurt, der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte sowie der Plattform „Bürger schaffen Wissen” unterstützt wird.
„Raus aus dem Elfenbeinturm, lautet ein häufig vernommener Ruf – auch an Forscher der „schönen Künste“. Ihre Ergebnisse sollen anwendbarer werden, ihre Arbeit transparenter, ihre Kommunikation offener. Aber wie? Citizen Science ist eine Möglichkeit, eng geknüpft an technische Trends wie Big Data oder gesellschaftliche die digitale, zunehmend dialogische Kommunikation – ein nie dagewesenes Potenzial, um Interessierte und Gleichgesinnte zu treffen, deren Wissen und Ideen der Forschung zugänglich zu machen. Der Weg aus dem Elfenbeinturm ist dabei zugleich jener Zugang hinein in die Welt universitärer oder etwa musealer Forschung, ohne dass diese marginalisiert würde. Doch ist Citizen Science beinahe eine Wissenschaft an sich, ein Bereich, der viele Herausforderungen und noch offene Fragen birgt: Was ist eigentlich das Wissen der Massen? Welche Gefahren und welche Potenziale gehen damit einher, etwa für die Zugänglichmachung von Wissen für Laien und für Wissenschaftler? Wie muss ein gutes Projekt aufgebaut sein? Wie lassen sich große Datenmengen sammeln, auswerten und aufbereiten? Wie kann man die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für ein solches wecken? Wie kann Citizen Science bei der Sensibilisierung auch für die Schwierigkeiten wissenschaftlicher Arbeit helfen? Diese und weitere Fragen stehen im Zentrum der Tagung Bürger Künste Wissenschaft. Citizen Science in Kultur und Geisteswissenschaften.“ (Aus dem Programm zur Tagung)Die Konferenz wird aus zwei Teilen bestehen: einem Konferenzteil, bei dem die wissenschaftlichen Grundlagen vorgestellt werden, und einem Barcamp-Teil mit intensivem Austausch über die Anwendbarkeit für die verschiedenen Disziplinen und Bereiche.
Zum Programm der Tagung und zur Anmeldung gelangen Sie hier.

Umfrage: Beteiligung von Laien an Forschung – Welcher Mehrwert entsteht für die Bildung?

Citizen Science (‚Bürgerwissenschaft‘) ist auf dem Vormarsch: Immer mehr Bürgerinnen und Bürger beteiligen sich an wissenschaftlicher Forschung und tragen so zu neuen Erkenntnissen bei. Welcher Gewinn ergibt sich in solchen Projekten für die Bildung? Wie können Bildungseinrichtungen im schulischen und außerschulischen Bereich Citizen Science nutzen? Und welche Rahmenbedingungen sind hierfür notwendig – vom Fortbildungsangebot bis zum Fördertopf?
Eine aktuelle Umfrage zu diesen Themen richtet sich an alle, die in den Bereichen Bildung, Citizen Science oder Wissenschaft arbeiten und sich dabei mit Natur-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen beschäftigen – gleich ob mit oder ohne Erfahrung in Citizen Science.
Die Initiatorinnen und Initiatoren der Umfrage kommen aus Einrichtungen der Wissenschaft (UFZ / iDiv, BOKU), Bildung (ANU) und Kommunikation (GEWISS, science et cité) in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit den Ergebnissen der Umfrage möchten sie ein Signal in Richtung Forschungs- und Bildungsförderung setzen.

Zur Teilnahme an der Umfrage bis 05. August 2015  gelangen Sie hier.

Veranstaltungsbericht Buchvorstellung „Freie Bürger – Freie Forschung – Die Wissenschaft verlässt den Elfenbeinturm“ von und mit Peter Finke u.a.

Am 08.06. fand im ProjektZentrum Berlin der Stiftung Mercator die öffentliche Buchvorstellung des neuen Citizen Science Bands von Peter Finke „Freie Bürger-Freie Forschung – Die Wissenschaft verlässt den Elfenbeinturm“ (erschienen am 04.06. im oekom Verlag) statt. Veranstalter waren die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW e.V.), das Wuppertal Institut, der BUND, der NABU, die Zivilgesellschaftliche Plattform Forschungswende, der oekom Verlag und das Netzwerk Wachstumswende. Rund 70 BesucherInnen aus Wissenschaft, Medien, Politik und Zivilgesellschaft nahmen an der Buchvorstellung teil und repräsentierten damit den Facettenreichtum der Bürgerwissenschaft, die sich auch in dem Sammelband entfaltet.

Nach einer Eröffnung durch Uwe Schneidewind gab Peter Finke Einblicke in die rund 30 Kapitel des Buches und liess die sieben anwesenden Ko-AutorInnen ihre jeweiligen Beiträge vorstellen. Die einzelnen Artikel reichen von einer Darstellung der Citizen Science in einzelnen Bereichen (z.B. dem Artenschutz oder der Oral History) über wissenschaftstheoretische Perspektiven zur Legitimation der Bürgerwissenschaft als wichtiges Element gelebter Demokratie bis hin zu biographischen Erzählungen über die Auseinandersetzung mit dem „Mainstream der Wissenschaft“. In der sich anschließenden Diskussion zeigten sich vor allem auch die Kontroversen, die mit dem Leitbild der Bürgerwissenschaft verknüpft sind. Kritisiert wurde u.a. eine unscharfe Trennlinie zwischen Bürgerwissenschaft und konventioneller Wissenschaft, da diese eine Grenze zwischen beiden Wissenschaftsformen ziehe anstatt Brücken zu bauen. Weiterhin wurde angemerkt, dass klassische Citizen-Science Projekte in spezifischen Disziplinen sehr viel stärker verbreitet sind als in anderen und die Frage gestellt inwieweit Citizen Science ein Programm für alle Disziplinen sein kann. Eine weitere Ausdifferenzierung nach Disziplin-spezifischen Fragestellungen, die auch gemeinsam mit oder selbstorganisiert durch BürgerInnen bearbeitet werden können, scheint hier in Zukunft nötig. Nicht zuletzt thematisierten die Redner aus dem Publikum, dass ein politisches und gesellschaftliches Programm zur weiteren Diffusion einer besonders kritischen und starken Bürgerwissenschaft weitgehend aussteht und die bisherigen Initiativen (beispielsweise die Plattform „Bürger schaffen Wissen“) zu stark den Modus einer einseitigen Kommunikation aus der Wissenschaft in die Gesellschaft darstellten. Der eigentlich emanzipative Charakter einer nicht institutionell angebundenen und durch engagierte Laien vorangetriebenen Forschungspraxis steht erst am Anfang.

Buchneuerscheinung und öffentliche Diskussion: Freie Bürger, freie Forschung. Die Wissenschaft verlässt den Elfenbeinturm

Mit seinem neuen Buch „Freie Bürger, freie Forschung – Die Wissenschaft verlässt den Elfenbeinturm“ (Erscheinungstermin 04.06.15, oekom Verlag) gibt Peter Finke, führender Citizen Science-Experte in Deutschland der Debatte um die Bürgerwissenschaft neuen Aufschwung. Die Stimmen, die der Herausgeber in seinem neuen Buch versammelt hat, zeigen exemplarisch, worum es der Bürgerwissenschaft geht: „Es geht um (…) eine Forschungswende und eine zumindest partielle Befreiung der Wissenschaft aus dem Elfenbeinturm. Namhafte Autoren, darunter Joachim Radkau, Uwe Schneidewind, Angelika Zahrnt, Hubert Weiger, Peter Berthold oder Josef Reichholf, plädieren in diesem Buch dafür, die Wissenschaft nicht den Berufswissenschaftlern allein zu überlassen, sondern sie aus der Mitte der Gesellschaft heraus aktiv zu verändern. In einem demokratischen Staat ist dies Bürgerrecht und Bürgerpflicht zugleich. Das Buch ergänzt und erweitert das Grundlagenwerk „Citizen Science: Das unterschätzte Wissen der Laien“, welches von Prof. Finke 2014 im oekom verlag veröffentlicht wurde und große Medienresonanz erfuhr.“ (Ankündigung oekom Verlag)

Die erste Buchvorstellung findet am 8. Juni 2015 um 18 Uhr bis 20Uhr im Projektzentrum Berlin der Stiftung Mercator, Neue Promenade 6, 10178 Berlin statt. Neben Prof. Finke werden vorraussichtlich folgende ExpertInnen diskutieren.

Dr. Steffi Ober (u.a. Plattform Forschungswende)
Prof. Dr. Uwe Schneidewind (u.a. VDW/Wuppertal Institut)
Boris Woynowski (u.a. Netzwerk Wachstumswende)
Mario Parade (u.a. Wissenschaftsladen Potsdam)

Manfred Ronzheimer (Wirtschaftsjournalist)

Veranstalter ist die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie sowie BUND, NABU, der Plattform Forschungswende und dem Netzwerk Wachstumswende.

„Die unfertige Demokratie“ – Beitrag von Peter Finke in der Deutschen Universitätszeitung

In der Septemberausgabe der Deutschen Universitätszeitunig (duz) greift Peter Finke die aktuelle Debatte über die Demokratisierung der  Wissenschaft auf. Er kritisiert aktuelle Äußerungen des Bonner Universitätsrektors Günter Fohrmann, des neuen Leibniz-Präsidenten Matthias Kleiner, des DFG-Präsidenten Peter Strohschneider und des BBAW-Präsidenten Günter Stock und zeigt das Potenzial einer Bürgerwissenschaft vor diesem Hintergrund auf. Der Beitrag ist jetzt online verfügbar unter diesem Link.

BürgerInnen wollen mehr Beteiligung an Wissenschaft – Ergebnis des Wissenschaftsbarometers

Das Wissenschaftsbarometer im Auftrag von Wissenschaft im Dialog zeigt, dass die deutsche Bevölkerung ein großes Interesse an Forschung und Wissenschaft hat und stärker in Entscheidungen über Wissenschaft einbezogen werden möchte.

„Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie manchmal oder oft Artikel zu wissenschaftlichen Themen lesen und 40 Prozent besuchten im vergangenen Jahr mindestens einmal ein Wissenschafts- oder Technikmuseum. Ein Drittel der Deutschen kann sich vorstellen, aktiv an einem Citizen Science-Projekt mitzuarbeiten und gemeinsam mit Wissenschaftlern ein Forschungsprojekt voranzubringen. Diese enorme Bereitschaft und das allgemein große Interesse an Forschung wertet Markus Weißkopf, Geschäftsführer von Wissenschaft im Dialog, als Hinweis dafür, „dass die Wissenschaftskommunikation mit ihren Angeboten auf eine große Nachfrage trifft und die Bürger stärker in die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingebunden werden sollten“. (IDW Meldung vom 28.07.2014)

Interessant sind auch die Aussagen zum Vertrauen der Befragten in spezielle Forschungsbereiche. Während ca. 40% der Befragten den Aussagen der wissenschaftlichen ExpertInnen im Bereich Erneuerbare Energien oder Klimawandel trauen, sind es im Bereich der Grünen Gentechnik nur 16 %. Darüber hinaus haben 47 % der Befragten den Eindruck nicht genügend in Entscheidungen über Forschung und Wissenschaft mit einbezogen zu werden.

Die gesamte Umfrage kann hier eingesehen werden.

Bericht zu europäischen Entwicklungen der Citizen Science

Die europäische Debatte um Citizen Science gewinnt Kontur und Kraft – dies zeigt ein aktueller Bericht des Joint Research Centre der Europäischen Kommission, Institute for Environment and Sustainability. Der Bericht stellt eine Zusammenfassung der Beiträge auf einem europäischen Summit zu Citizen Science and Smart Cities im Februar in Italien dar. Neben einer Vorstellung von 28 laufenden europäischen Citizen Science Projekten, werden in dem Bericht konkrete Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Citizen Science in Europa abgegeben. Diese umfassen neben konkreten Empfehlungen zu Veröffentlichungsstrategien von Forschungsergebnissen, auch die Differenzierung in verschiedene Arten der Citizen Science. Nach Haklay (2011) werden in dem Bericht verschiedene Formen der Citizen Science Projekte unterschieden: 1. Crowdsourcing, 2. Distributed Intelligence, 3. Participatory Science und 4. „Extreme Citizen Science“, die eine gleichberechtigte Kooperation mit Laien-Wissenschaftlern bei Problemdefinition, Datenkollektion und -analyse beschreibt (vgl. Report, S. 41). Insbesondere diese letzte Form der Citizen Science bietet auch für die deutsche Diskussion einen spannenden Impuls und schafft Anschluss an die differenzierte methodische Diskussion innerhalb der transdisziplinären Forschung. Der vollständige Bericht kann hier heruntergeladen werden: