„Urbane Reallabore – ein Blick in die aktuelle Forschungswerkstatt“ – Grundlagenartikel von Uwe Schneidewind veröffentlicht

„Reallabore“ und hierbei insbesondere „urbane Reallabore“ spielen beim Verständnis komplexer Transformationsprozesse zu einer nachhaltigen Entwicklung als methodischer Zugang eine zunehmend bedeutsame Rolle. So hat das Land Baden- Württemberg erst vor kurzem im Rahmen einer eigenen Förderlinie sieben solcher Reallabore auf den Weg gebracht. In einem Grundlagenbeitrag in der Zeitschrift Planung Neu Denken (pnd online) führt Uwe Schneidewind in das Konzept und die aktuelle Debatte zu urbanen Reallaboren ein und bettet dort u.a. auch die baden- württembergischen Reallabore ein. Der Beitrag „Urbane Reallabore ein Blick in die aktuelle Forschungswerkstatt“ kann online hier abgerufen werden.

Auftaktveranstaltung zum Start der Reallabore für den Wandel zur Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg fördert ab Januar 2015 sieben Reallabore, bei denen Wissenschaft und Partner wie Kommunen, Verbände und wirtschaftliche Akteure gemeinsam gesellschaftliche Herausforderungen im Land wissenschaftlich bearbeiten. Themen sind unter anderem nachhaltige Mobilitätsstrukturen, nachhaltige Stadtentwicklung, der Nationalpark Nordschwarzwald oder nachhaltiger Textilkonsum. Zum Start der Projekte lädt das Ministerium zu einer öffentlichen Veranstaltung, in der die Reallabore vorgestellt und die Besonderheiten dieser Forschung in ihren Teilaspekten beleuchtet werden: BaWü-Labs GO! Start der Reallabore für den Wandel zur Nachhaltigkeit in Baden-Württemberg am Donnerstag, 30. April 2015, 13.00 – 18.00 Uhr in der staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Um Anmeldung wird gebeten bis 21. April 2015 unter: nachhaltigkeit@mwk.bwl.de

Reallabore in Baden-Württemberg ausgewählt – 7 Millionen Euro für die Stärkung der Nachhaltigkeitsforschung

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg fördert ab 2015 mit insgesamt bis zu 7 Mio. Euro Projekte zur Einrichtung von Reallaboren an Hochschulen im Land. Eine Kommission mit externen Gutachtern hat jetzt über die Anträge der Vorauswahl-Runde entschieden. Bei den jetzt geförderten Reallaboren werden praktische Fragen großgeschrieben: so ist es z. B. Ziel des Reallabors Nordschwarzwald, ökologische, soziale und ökonomische Wirkungsbeziehungen zwischen dem neu gegründeten Nationalpark und der Region Nordschwarzwald mit Blick auf eine regionale Nachhaltigkeitstransformation gemeinsam mit den betroffenen Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zu analysieren, zu bewerten und daraus konkrete Handlungsoptionen abzuleiten und umzusetzen. „Weil Wissenschaft heute nicht mehr nur im abgeschlossenen Labor stattfinden kann, machen wir unsere unmittelbare Umgebung zum Labor“, sagte Ministerin Bauer anlässtlich der Veröffentlichung der Ergebnisse.

Die Reallabore werden wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Zur Vernetzung der einzelnen Reallabore, auch über die Landesgrenzen hinaus, sind Konferenzen geplant, eine erste öffentliche Veranstaltung zur Vorstellung der Projekte wird es im Frühjahr 2015 geben.
Die letztlich ausgewählten Projekte können Sie hier sehen.
Zur Pressemitteilung des baden-württembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst gelangen Sie hier.

Veranstaltungsbericht „Stadt und Region – Reallabore der resilienzorientierten Transformation“

Matthias Wanner

Wissenschaftlicher Assistent der Geschäftsleitung

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

Diskussionsbeiträge
zur Transformativen Wissenschaft

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Am 10. und 11.07.2014 veranstaltete das Institut für urbane Entwicklungen in Kassel zusammen mit der NaWis-Runde ein Symposium zum Thema „Stadt und Region – Reallabore der resilienzorientierten Transformation“. Im Zentrum der Diskussionen standen damit nicht nur der hochaktuelle Raum der Stadt (sowie der Region), sondern auch ein, die Nachhaltigkeitsdiskussion seit mehreren Jahren stark begleitendes Konzept, nämlich die (große) Transformation, sowie zwei aktuell stark diskutierte Begriffe: Resilienz und Reallabore.

 
Die einleitenden Beiträge widmeten sich dementsprechend dem Brückenschlag von den bekannten großen Herausforderungen (Klimawandel, Ressourcenknappheiten, demografischer Wandel) zum Verständnis einer großen Transformation und den hiermit geforderten Veränderungen im wissenschaftlichen System (transformative Forschung/ Transformationsforschung (WBGU 2011), transformative Wissenschaft (Schneidewind/ Singer-Brodowski 2014)). Neben den vielfältigen methodischen und strukturellen Veränderungen im Wissenschaftssystem könnten Reallabore eine innovative und integrative Form guter transdisziplinärer Forschung sein, die robustes, reflektiertes und anwendungsorientiertes Wissen und Erfahrungen erzeugt. Reallabore und auch Resilienz sind also Modi und Konzepte des Zwischenraums zwischen einer wachstumsorientierten, nicht-nachhaltigen Ist-Transformation und einer erwünschten Soll-Transformation. Diese These wurde im Lauf der Tagung eingehend diskutiert, sowohl auf begrifflich-methodischer Ebene, als auch verstärkt unter dem praktisch-empirischen Blickwinkel konkreter Projekte vor Ort.
 
Unter anderem wurde das scheinbar neue Konzept der Reallabore verschiedentlich angebunden an teils jahrzehntealte wissenschaftliche Konzepte realer Experimente mit hoher ökologischer Validität oder an die langjährige Praxis des BBSR, Modellvorhaben durchzuführen. Ebenso wurde einerseits die Ambivalenz des Begriffs (Labore als pragmatische Werkstätten oder als „aseptische“ Experimentalräume) und die Gefahr vor Missverständnissen (Beteiligte als unwissend Manipulierte oder Labore als unsaubere „soziale Experimente“) diskutiert, andererseits die Stärke eines attraktiven und pointierten Begriffs, der als Kristallationspunkt für Methoden- und Qualitätsdiskussionen im transdsiziplinären Kontext dient.
Über verschiedene Vorträge hinweg wurden die Konturen eines Reallabors deutlicher:
  • ein RL strebt Veränderungen in der „realen Welt“ (also zusätzlich zu akademischem Wissenszuwachs) an -> real-world impact UND scientific impact,
  • RL verankern sich in der transdisziplinären Forschung und versuchen deshalb, die mit Co-Design und Co-Produktion formulierten Ansprüche weitgehend einzulösen,
  • RL richten ihren Fokus verstärkt auf Transformationsprozesse und transformative Fähigkeiten der beteiligten Akteure,
  • RL sollten Beiträge zur Transformation zur Nachhaltigkeit sein, die deutlich über Projekte zur reinen Effizienzsteigerung hinausgehen

„Stadt und Region – Reallabore der resilienzorientierten Transformation“ – Tagung am 10./11.07. in Kassel

Vom 10.07. bis 11.07. findet an der Universität Kassel die Tagung „Stadt und Region – Reallabore der resilienzorientierten Transformation“ statt. Städte sind ein idealtypischer Raum für das Forschen in Reallaboren. In ihnen können Realexperimente zur Beförderung einer nachhaltigen Entwicklung initiiert und wissenschaftlich begleitet werden. Die vielfältigen Erfahrungen und wissenschaftlichen Projekte über den Stadtumbau hin zu resilienten Strukturen sollen in dem wissenschaftlichen Symposium zusammengeführt werden. Dabei wird zunächst bilanziert, wo die Forschung zur Resilienz und Transformation von Städten und Regionen steht, um dann über zukünftige Aufgaben und das systematische Implementieren von Reallaboren und ihrer Erforschung zu diskutieren. Es werden dabei auch konkrete Beispiele derartiger Labore einbezogen, die unter anderen durch die Impulse der ExpertInnen des Institut für urbane Entwicklungen der Universität Kassel und den kooperierenden NaWis-Institutionen vorgestellt werden.
Das vollständige Programm und mehr Informationen zur Tagung finden Sie hier.

Begleitforschung zu Reallaboren in Baden-Württemberg ausgeschrieben

Um die Hochschulen in Baden-Württemberg in ihrem Beitrag für nachhaltige Entwicklung zu stärken, hat die Landesregierung 2013 im Rahmen des Innovations- und Qualitätsfonds ein Förderprogramm im Umfang von 5 Mio. € zur Einrichtung sogenannter Reallabore ausgeschrieben. Im Rahmen einer ersten Auswahlrunde wurden 10 Projektanträge ausgewählt und die Antragsteller aufgefordert Vollanträge einzureichen. Die endgültige Auswahl der zu fördernden Projekte erfolgt bis Herbst 2014. Die abschließend ausgewählten Projekte sollen wissenschaftlich begleitet und ausgewertet werden. Ziele der Begleitforschung sind die Einbindung der Projektfragestellungen und -ansätze in eine Gesamtbetrachtung und die Unterstützung des Transfers von Forschungsergebnissen in die Praxis. Anträge zur Begleitforschung können bis zum 30.06.2014 eingereicht werden.
Die vollständige Ausschreibung finden Sie hier.

Forschung für Nachhaltigkeit: 10 Projekte für die Einrichtung von Reallaboren an baden-württembergischen Hochschulen für Endrunde qualifiziert

In der Bewerbung für Fördermittel des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums zur Einrichtung von so genannten Reallaboren haben insgesamt zehn Projekte die Vorrunde erfolgreich bestanden und können nun mit Vollanträgen an der entscheidenden Endauswahl teilnehmen. Mit dem Förderprogramm Stärkung des Beitrags der Wissenschaft für eine nachhaltige Entwicklung“ nimmt Baden-Württemberg eine Pionierrolle ein, da dieser Ansatz bisher wenig verbreitet ist.

In Reallaboren begeben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in reale Veränderungsprozesse. Sie begleiten z. B. die Sanierung von Stadtteilen oder die Einführung nachhaltiger Mobilitäts- oder Energiesysteme vor Ort. Reallabore helfen gesellschaftliche Veränderungsprozesse besser zu verstehen, mitgestalten und in ihren Wirkungen messen zu können. Sie bieten Vernetzungs- und Kooperationsstrukturen zwischen Hochschulen, außeruniversitären Forschungseinrichtungen und freien Forschungsinstituten sowie zwischen Wirtschaft, Politik, Verwaltung und zivilgesellschaftlichen Akteuren.

Die zehn in der Vorrunde erfolgreichen Projekte können nun bis zum 18. Juli 2014 Vollanträge einreichen, über die im Herbst 2014 gutachterlich entschieden wird. Für die Erstellung der Vollanträge können die Projekte bereits jetzt mit bis zu 50.000 Euro gefördert werden. Förderbeginn für die in der Endauswahl erfolgreichen Projekte ist voraussichtlich Dezember 2014. Die Reallabore werden wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

Mehr Informationen erhalten Sie hier.

Ausschreibung zur Förderung von Reallaboren in Baden-Württemberg gestartet

Im Rahmen der Initiative „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums ist die zweite Ausschreibung zur „Stärkung des Beitrags der Wissenschaft für eine nachhaltige Entwicklung“ gestartet. Bereits im Jahr 2012 gab es eine Ausschreibung in Höhe von 3 Mio € zur Förderung von Projekten für die Integration von Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre und Hochschul-Verwaltung.

Mit der Veröffentlichung der Empfehlungen der Expertengruppe „Wissenschaft für Nachhaltige Entwicklung“ im Juni 2013 wurde von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer eine zweite Ausschreibungsrunde in Höhe von 5 Mio € angekündigt. Aufbauend auf den Empfehlungen der Expertengruppe ist der Schwerpunkt dieser Ausschreibung die Förderung von Reallaboren. Die Förderung wird aus Mitteln des Innovations- und Qualitätsfonds (IFQ) ermöglicht. Die Einreichung von Projektskizzen im zweistufigen Antragsverfahren muss bis zum 14.02.2014 erfolgt sein.

Die Ausschreibung, die Richtlinien zur Beantragung und das Antragsformular können Sie hier herunterladen:

IQF_Ausschreibung_Reallabore Kriterien und RichtlinienAntragsformular Nachhaltigkeit

Mehr Informationen erhalten auf der Seite des Baden-Würrtembergischen Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst: http://mwk.baden-wuerttemberg.de/service/aktuelle-ausschreibungen/staerkung-des-beitrages-der-wissenschaft-fuer-eine-nachhaltige-entwicklung/

Diskussionsbeitrag: Reallabore weiter denken – ein Kommentar zum Expertenbericht „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ des Baden-Württembergischen Wissenschaftsministeriums

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Prof. Dr. Andreas Löschel

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

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Dr. Daniel Römer

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung

Im Bericht der Expertengruppe „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ wird als eine wichtige Aufgabe der Aufbau von Reallaboren genannt, um  „Transformationsprozesse zu einer Nachhaltigen Entwicklung gezielt wissenschaftlich anzuregen und zu begleiten.“ Weiterhin soll es in diesem Rahmen möglich sein, „Veränderungsprozesse zu beobachten, in ihren Ursachen und Wirkungen besser zu verstehen, Probleme ggf. früh zu erkennen und gemeinsam mit den vor Ort Betroffenen Maßnahmen zu ihrer Lösung zu entwickeln.“ Aus dieser Sicht dienen Reallabore daher zwei Zielen: Zum einen beinhaltet die Ausrichtung eine starke Ergebnisorientierung, d.h. das Ziel, konkrete Veränderungsprozesse zu erreichen und zu dokumentieren. Zum anderen wird aber auch ein Erkenntnisgewinn angestrebt, d.h. die Identifikation von Kausalzusammenhängen, die sich auf zukünftige Herausforderungen übertragen lassen. Wenn beide Ziele ernst genommen werden, sollte somit sichergestellt werden, dass Reallabore nicht nur einen Wissenstransfer in die Praxis darstellen, sondern auch aus wissenschaftlicher Perspektive einen Erkenntnisgewinn generieren.

Die im Bericht erwähnten Beispiele für Reallabore erwecken beim Lesen den Eindruck, dass sie eher Fallbeispiele einer erfolgreichen Transformation darstellen. Durch die Analyse erfolgreicher Transformation können wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Allerdings ist die Generalisierbarkeit dieser Erkenntnisse durchaus kritisch zu hinterfragen. Der Nachweis von Kausalzusammenhängen ist auf Grundlage eines Einzelfalles nicht möglich. Nur durch Vergleich mit einer geeigneten Kontrollgruppe kann ein wissenschaftlich fundierter Erkenntnisgewinn erzielt werden. Ein erster Schritt in diese Richtung wäre die  Gegenüberstellung von Reallaboren mit einer Kontrollgruppe, d.h. mit vergleichbaren Orten, an denen keine Eingriffe vorgenommen werden. Hierbei stellt die benötigte Vergleichbarkeit der Kontrollgruppe allerdings eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, insbesondere bei einer kleinen Anzahl an Beobachtungen. In jedem Fall sollte diese Einschränkung bei der Entwicklung des Konzepts beachtet werden. Aufgrund der beschriebenen Identifikationsprobleme wäre ein grundsätzlich weiter gefasstes Verständnis von Reallaboren sinnvoll, das über die Betrachtung von Fallbeispielen hinausgeht und natürliche Experimente und feldexperimentelle Studien mit einschließt. Natürliche Experimente entstehen durch die Veränderung der institutionellen oder politischen Rahmenbedingungen, beispielsweise aufgrund einer neu eingeführten Politikmaßnahme. Auch hier ist eine ideale Kontrollgruppe häufig nicht zu beobachten. Aufgrund der typischerweise umfangreicheren Anzahl an Beobachtungen lassen sich hier jedoch mit Hilfe moderner ökonometrischer Verfahren (wie z. B. Propensity Score Matching oder Synthetische Kontrollgruppen) Kausaleffekte identifizieren. Feldexperimente hingegen werden gezielt zur Beantwortung einer praxisbezogenen Forschungsfrage gestaltet. Bei dieser Methodik, die sich in den Sozialwissenschaften einer steigenden Beliebtheit und Anwendung erfreut, wird durch systematische Randomisierung eine geeignete Kontrollgruppe generiert und somit eine saubere Kausalanalyse möglich. Beide methodischen Ansätze wahren den starken Bezug zur politischen und wirtschaftlichen Realität, genügen jedoch auch den Ansprüchen wissenschaftlicher Forschung. Sie bieten die Gelegenheit, individuelles Entscheidungsverhalten in einem natürlichen Umfeld und unter einer systematischen Veränderung der Rahmenbedingungen beobachten zu können. Im Vergleich zu einem leicht als Untersuchungsobjekt identifizierbaren Reallabor ist den Beteiligten hier zudem in der Regel weniger bewusst, dass ein wissenschaftlicher Begleitprozess stattfindet.

Veranstaltungsbericht „Wissenschaft für Nachhaltigkeit – Reallabore als Erprobungsräume für Transformation“

Insgesamt 150 Teilnehmer besuchten die Veranstaltung „Wissenschaft für Nachhaltigkeit – Reallabore als Erpobungsräume für Transformation“ am 27.09. in Stuttgart. Nach einem Grußwort der Ministerin, Theresia Bauer, wurden im ersten Teil der Veranstaltung die Empfehlungen der „Expertengruppe Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ von Prof. Dr. Armin Grunwald vorgestellt. Mit dem Fokus auf die Empfehlung der Etablierung von Reallaboren war sowohl der Rahmen für die ganze Veranstaltung gesetzt, als auch ein wichtiger Schwerpunkt für die kommende Ausschreibung des MWK zur Förderung der Nachhaltigen Wissenschaft in Baden-Württemberg präzisiert. Anhand einer Reihe von internationalen, nationalen und landesweiten Beispielen wurde gezeigt, wie eine Konkretisierung von Reallaboren sowohl innerhalb einer Hochschule, als auch in einem Verbund mit lokalen Partnern aussehen kann. 

Herbert Dreiseitl
 (Atelier Dreiseitl Rambøll Gruppe) verdeutlichte zunächst anhand der Renaturalisierung des Kallang River im Bishan-Ang Mo Kio Park in Singapur wie ein umfassendes Infrastrukturprojekt zur nachhaltigen Stadtentwicklung erfolgreich umgesetzt werden kann. Dr. Michael Stauffacher vom Institut für Umweltentscheidungen (IED) an der ETH Zürich machte in seinem Vortrag über transdisziplinäre schweizerische Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu Energiestrategien deutlich, dass für diese kontinuierliche Zusammenarbeit mit Partnern außerhalb der Hochschule das Vertrauen der beteiligten Akteure ein wichtiges Gelingenskriterium ist – zusätzlich zu den Qualitätskriterien der Forschung insgesamt.

Die anschließende Podiumsdiskussion fand unter Beteiligung der beiden Redner, sowie Prof. Dr. Rainer Grieshammer (Geschäftsführer des Öko -Institut Freiburg), Prof. Dr. Wolfgang Marquardt (Vorsitzender des deutschen Wissenschaftsrates) und Julia Wittmayer
(Projektleiterin am Dutch Research Institute for Transitions (DRIFT) der Erasmus University Rotterdam statt und zeigte einmal mehr das dynamische Spannungsverhältnis von traditionell disziplinär organisierter Wissenschaft und der Wissenschaft mit einem transdisziplinären und transformativem Anspruch auf. Insbesondere von Prof. Marquardt wurde betont, dass zur erfolgreichen Etablierung der Nachhaltigkeitswissenschaft der eigene „Kern der Forschung“ herausgearbeitet werden müsse. Letztlich wurde von allen Podiumsdiskutanten bestätigt, dass für individuelle Lebensläufe und Karrieren im klassischen Wissenschaftssystem Inter- und Transdisziplinarität zumindest keinen beschleunigenden Effekt habe. Dies macht einmal mehr die Notwendigkeit des Aufbaus institutioneller und komplementärer Strukturen durch die Wissenschaftspolitik deutlich, damit ausreichend Anreize für WissenschaftlerInnen zur Arbeit am und im Reallabor geschaffen werden.