InnovationCity Ruhr Bottrop – Prototyp eines Reallabores?

Das Projekt InnovationCity Ruhr Bottrop ist ein urbanes Transformationsprojekt zur CO2 Reduktion, das intensiv wissenschaftlich begleitet wird und durch sein trandsdisziplinäres und experimentelles Format als Reallabor die Grundzüge einer transformativen Wissenschaft repräsentiert. In der Studie Transformative Wissenschaft wird es daher intensiv beschrieben.

„Beim Projekt InnovationCity Ruhr260 handelt es sich um ein im Jahr 2010 gestartetes Großprojekt: Über den Zeitraum von zehn Jahren soll in einem maßgeblichen Teil der Stadt Bottrop unter Einbeziehung einer Vielzahl von Akteuren aus der Stadt, den Unternehmen aus der Region, der Gesellschaft sowie Fördergebern in mehreren Handlungsfeldern mit gut aufeinander abge- stimmten Maßnahmen eine CO2-Emissionsreduktion von über 50 Prozent erreicht werden.“ (S. 129)

Eine detailliertere Beschreibung des Projektes „InnovationCity Ruhr Bottrop“ und die Besonderheiten seiner wissenschaftlichen Begleitung finden sich im Buch auf den Seiten 129-130.

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Wer sind Pionierhochschulen einer Wissenschaft für Nachhaltigkeit in Deutschland?

Noch vor wenigen Jahren kamen die Pionierhochschulen einer Wissenschaft für Nachhaltigkeit überwiegend aus dem Feld der mittelgroßen Universitäten. Jetzt haben sie sich ausdifferenziert und umfassen mittelgoße Universitäten ebenso wie große Volluniversitäten und Fachhochschulen. In der Studie Transformative Wissenschaft werden vier Hochschulen und ihr Weg zur Profilbildung im Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung beschrieben.

„Pilothochschulen stellen mithin den Keim für einen Wandel des Wissenschaftssystems von unten zu mehr Nachhaltigkeit dar. Sie sind vermutlich die wichtigsten „Nischen-Akteure“ für eine Veränderung“ (S. 346). „Die Beispiele der Universitäten Kassel und Lüneburg, Hamburg und der Hochschule Eberswalde zeigen unterschiedliche Pfade einer hochschulweiten Nachhaltigkeitsstrategie auf. Sie verdeutlichen, dass es verschiedene Wege und Durchsetzungsmuster für eine solche Strategie an Hochschulen gibt, die sich grundsätzlich nicht nur auf kleine Hochschulen beschränkt“ (S. 359).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Pilothochschulen findet sich im Buch auf den Seiten 345-359.

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Schweiz– Vorreiterland für eine transformative Wissenschaft?

Die Schweiz hat als eines der wenigen europäischen Länder das 3 % Ziel der Forschungsausgaben am BIP erreicht und insgesamt gute Bedingungen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, welche institutionellen Innovationen davon auch für Deutschland übertragbar wären.

„Die Schweiz hat mithin in den letzten knapp 20 Jahren eine umfassende Landschaft an Institutionalisierungen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung entwickelt: Dies reicht von spezifischen, gut ausgestatteten Förderprogrammen, einigen „Lead-Universitäten“ für die Nachhaltigkeitsforschung bis zu spezifischen Fachvereinigungen und damit verbundenen Quali- tätssicherungssystemen. Dies liefert institutionelle Anregungen für die Weiterentwicklung des deutschen Systems und macht deutlich, wie zentral „Ökosysteme“ unterschiedlicher, sich gegenseitig befördernder Institutionen sind, um neuen Forschungsausrichtungen zum Durchbruch zu verhelfen.“ (S. 208)

Eine umfassendere Darstellung der Nachhaltigkeitsaktivitäten der Schweiz findet sich im Buch auf den Seiten 205-208.

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Österreich – Vorreiterland einer transformativen Wissenschaft

Österreich zeigt eine Vielzahl innovativer Beispiele in der Förderung einer Nachhaltigen/ Transformativen Wissenschaft, die auch für Deutschland interessant sein könnten. Die Studie Transformative Wissenschaft beschreibt die unterschiedlichen Beispiele, wie der Ausruf eines „Sustainability Award“ für eine exzellente Hochschulbildung oder das partizipative Schüler-Forschungsprojekt „Sparkling Science“.

„Schließlich geht Österreich auch im Bereich der Wissenschaftskommunikation und -partizipation neue Wege: Im Jahr 2012 wurde die Initiative „OpenScience4Sustainability“ (OS4S) vom Wissenschaftsministerium gestartet. Hierbei handelt es sich um eine anläßlich der Rio+20 Konferenz im Juni 2012 gestartete Plattform, die zum Thema Nachhaltigkeitsforschung informiert und die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit aktiv fördern soll“(S. 204).

Eine umfassendere Darstellung der österreichen Aktivitäten zur Förderung einer transformativen Wissenschaft findet sich im Buch auf den Seiten 202-205.

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Die unabhängigen Umwelt- und Nachhaltigkeitsinstitute – Impulsgeber einer transformativen Wissenschaft im Wissenschaftssystem

Unabhängige Nachhaltigkeitsinstitute, wie sie etwa im Ecornet (Ecological Research Network) organisiert sind, waren bereits in den 80er und 90er Jahren Implusgeber für eine transformative Wissenschaft. In der Studie Transformative Wissenschaft werden sie und ihre Rolle als transdisziplinäre Experten zur Etablierung einer sozial-ökologischen Forschung im Wissenschaftssystem beschrieben

„Die Institute wurden zwischen den Jahren 1977 und 1995 außerhalb des traditionellen Wissenschaftssystems gegründet. Die Institutsgründungen können als Antwort auf das Fehlen tragfähiger Konzepte und Lösungen für die drängenden ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Probleme der damaligen Zeit gesehen werden. Es waren Gründungen, die z.T. stark aus der Zivilgesellschaft herausgetragen waren und teilweise aus Universitäten heraus passierten. Sie waren Antwort auf den Bedarf nach einer Forschung, die ökologische Transformationsprozesse wissenschaftlich begleitet und durch das klassische Wissenschaftssystem nicht befriedigt werden konnten“ (S. 360).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den unabhängigen Nachhaltigkeitsinstituten findet sich im Buch auf den Seiten 359-362.

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Wissenschaftsstiftungen als Katalysator für eine transformative Wissenschaft

Wissenschaftsstiftungen bringen sich durch Impulse für innovative Problemlösungen in den vergangenen Jahren zunehmend in die Förderung eines Strukturwandels im Wissenschaftssystems ein. In der Studie Transformative Wissenschaft werden die Potentiale und Grenzen dieses Stiftungsengagements diskutiert und Beispiele für herausragendes Stiftungsengagement beschrieben.

„Stiftungen haben Freiräume zum Experimentieren und verstehen sich selbst als >gesellschaftliche Risiko-Kapitalgeber<, sie fördern neue Arten der Wissensgenerierung, neue Arenen der Kommunikation und sind >Convener<, die die Kooperation von Institutionen und Köpfen ermöglichen. (…)“

  • Stiftungen können innovative Impulse in der Förderung von unkonventionellen und riskanteren Forschungsprojekten geben und dabei auch vermeintlich auseinanderliegende Themenstränge sinnvoll zusammenführen.
  • Sie können an der Schnittstele von Hochschule und Gesellschaft entscheidend zu einer Beteiligung der Zivilgesellschaft sowie zu einer daraus folgenden Verschränkung unterschiedlicher Wissensformen beitragen.
  • Sie agieren jenseits der Förderalismus-Zwänge und können daher auch strukturelle Impulse jenseits der klassischen Förderinstrumente an Hochschulen setzen (z.B. transdisziplinär arbeitende Stiftungsprofessuren).
    Stiftungen bringen Aufmerksamkeits- und Reputationskapital ins Wissenschaftssystem ein und können dadurch über ihre finanziellen Mittel hinaus Anreite für ein umfassendes Umsteuern im Wissenschaftssystem setzen.“ (S. 318f.)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Innovationskraft der Wissenschaftsstiftungen findet sich im Buch auf den Seiten 319-322.

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Applied Economics an der Universtität Bonn – disziplinäre Exzellenz und transformative Wissenschaft zusammendenken?

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Kritik an der disziplinären und methodischen Verengung der Wirtschaftswissenschaften sind wirtschaftwissenschaftliche Institute und Bereiche, die sich institutionell und inhaltlich neu aufstellen, betrachtenswert. In der Studie Transformative Wissenschaft wird die angewandte Ökonomie an der Universität Bonn vorgestellt und seine institutionellen Innovationen für eine transformative Wissenschaft diskutiert.

„Mit den Maßnahmen ist es der Universität Bonn in den letzten Jahren gelungen, Zentrum einer ökonomischen Forschung zu werden, das hohe theoretische und methodische Standards mit einem relevanten gesellschaftlichen Impact der Arbeiten verknüpft. Labor- und Feldexperimente stellen dabei einen zentralen Nukleus dieses Forschungsdesigns dar. Interessant ist dabei die Entwicklung der Reputationswahrnehmung innerhalb der ökonomischen Community: Diese Form „angewandter Ökonomie“ hat sich zunehmend zur eigentlichen ökonomischen Spitzenforschung entwickelt. Dies zeigt, wie sich die Entwicklung zu einer transformativen Wissenschaft durchaus in ein- drucksvoller Form mit Wissenschaftsstandards von bestehenden Wissen- schaftscommunities verbinden lässt.“ (S. 133)

Eine detailliertere Darstellung der Bonner Applied Economics findet sich im Buch auf den Seiten 131-135.

Überblick zum Buch „Transformative Wissenschaft“ und zur Diskussion in den Monaten April bis Juli 2013 auf diesem Blog

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Baden-Württembergs Engagement für eine Wissenschaft für Nachhaltigkeit

Baden-Württemberg ist eines der Bundesländer mit einem der leistungsstärksten Wissenschaftssysteme. In den beiden bisherigen Runden der Exzellenzinitiative bewährten sich die Baden-Württemberger Hochschulen und Forschungseinrichtungen signifikant. Die Studie Transformative Wissenschaft skizziert die partizipativ angelegte wissenschaftspolitische Strategie des Bundeslandes.

„Für die Weiterentwicklung seiner diesbezüglichen wissenschaftspolitischen Strategie wählte das Wissenschaftsministerium ein exploratives Vorgehen: Es bekannte sich zur Leitidee einer „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ und dem Anspruch Baden-Württembergs, mit seinem Wissenschaftssystem eine Führungsrolle in diesem Bereich einzunehmen. Die Wissenschaftsministerin setzte im Frühjahr 2012 eine siebenköpfige Expertenkommission „Wissenschaft für Nachhaltigkeit“ ein, die im Laufe eines Jahres Empfehlungen für die Stärkung von Nachhaltigkeit in Forschung, Lehre und Betrieb von Hochschulen und Wissenschaft erarbeiten sollte“ (S. 342)

Eine weitergehende Beschreibung der wissenschaftspolitischen Steuerungsansätze Ansätze Baden-Württembergs findet sich im Buch auf den Seiten 341-343.

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Global Change-Forschung – internationaler Motor für eine transformative Wissenschaft?

In der Global Change Forschung werden im Zuge der internationalen Netzwerkbildung die großen naturwissenschaftlichen und sozialwissenschaftlichen Forschungsprogramme integriert und im Kontext einer Nachhaltigen Entwicklung koordiniert. In der Studie Transformative Wissenschaft wird diskutiert, an welchen Stellen diese Integration bereits erfolgreich ist und was das deutsche Wissenschaftssystem davon lernen kann.

„Die Global Change-Forschung befindet sich seit 2011 in einem Umbruch. Unter dem Titel „Future earth: research for global sustainability“ soll eine noch stärkere Integration der unterschiedlichen themen- und disziplinen-bezogenen Forschungsprogramme sowie ein intensivierter Austausch mit der Zivilgesellschaft erfolgen. Eine Schlüsselrolle spielen dabei das sogenannte „Co-Design“, d.h. die gemeinsame Festlegung von Forschungsthemen und Fragen mit der Zivilgesellschaft, als auch die „Co-Production“, d.h. Forschungsprozesse, in die betroffene Akteure intensiv eingebunden sind.“ (S. 211)

Eine detailliertere Darstellung der Global Change Forschung findet sich im Buch auf den Seiten 210-214.

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Wissenschafts- und Hochschulpolitik als Thema der Gewerkschaften?

Die Gewerkschaften haben durch die ihre langjährige Auseinandersetzung mit Hochschulen als Arbeitgeber eine breite Erfahrung mit der Wissenschaftspolitik. Die Studie Transformative Wissenschaft skizziert die Entwicklung eines über Arbeitsmarkt-Fragen hinausgehenden hochschulpolitischen Leitbildes durch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung.

„In den Jahren 2009 und 2010 hat nun die gewerkschaftsnahe Hans- Böckler-Stiftung zusammen mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB.) und den DGB-Mitgliedsgewerkschaften einen Leitbildprozess initiiert, der in ein hochschulpolitisches Leitbild „Demokratische und soziale Hochschule“ mündet (…). Das Leitbild baute u.a. auf 14 Expertisen zu zentralen Themen der hochschulpolitischen Auseinandersetzung auf und zielt insbesondere auf die Rolle der Hochschulen für eine demokratische und soziale Gesellschaft sowie den sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Ausgestaltung der Hochschulen selbst ab“ (S. 311).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel von Wissenschaftspolitik und ziviligesellschaftlichen Akteuren findet sich im Buch auf den Seiten 311-312.

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Warum die Umweltverbände die Wissenschaftspolitik für sich entdecken

Aktuelle Umweltpolitik ist ein stark wissenschaftsgestütztes Politikfeld. Die gleichzeitige Expansion von Umweltbewegung und Hochschulausbau in den 70er Jahren führte dazu, dass die Umweltverbände immer über ausreichende „Sparrings-Partner“ im Wissenschaftssystem verfügten. Aktuell wird der aktive Austausch von Umweltverbänden und dem etablierten Wissenschaftsystem jedoch zunehmend geringer. Die Studie Transformative Wissenschaft untersucht die Folgen dieser Entkopplung: ein gesteigertes Engagement der Umweltverbände in der Wissenschaftspolitik.

„Seit einigen Jahren merken die Umweltverbände aber, dass der intensive Austausch mit dem etablierten Wissenschaftssystem geringer wird. Die Generation der in den 70er-Jahren berufenen Hochschullehrerinnen und -lehrer tritt ab. Viele der von ihnen vertretenen Lehrstühle werden gar nicht oder nur in veränderten Denominationen nachberufen. Die Umweltverbände spüren plötzlich die (…) skizzierten Folgen eines sich reduzierenden, auf rein innerwissenschaftliche disziplinäre Exzellenz konzen- trierenden Wissenschaftssystems“ (S. 309).

Eine Beschreibung der Hintergründe und Folgen des wissenschaftspolitischen Engagements der Umweltverbände findet sich im Buch auf den Seiten 308-311.

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DFG- Sackgasse für transformative Forschung?

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ist als Selbstorganisation der deutschen Wissenschaft aktuell kein Impulsgeber für eine transformative Wissenschaft. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, welche Öffnungstendenzen es im Hinblick auf eine Missions- sowie eine stärkere Gesellschaftsorientierung bei der DFG gibt:

„Die Förderung erfolgt insbesondere für Forschungsansätze und Zugänge, die im aktuellen Wissenschaftssystem etabliert und dadurch in den bestehenden Gutachtergremien repräsentiert sind. Dies sichert einen hohen Qualitätsstandard im Hinblick auf die bestehenden Formen der Forschung, verringert in der Regel jedoch die Erfolgschancen für neue und daher noch nicht in gleicher Weise qualitätsgesicherte Forschungsparadigmen – wie es die transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung darstellt. Sowohl die Ergebnisse der Exzellenzinitiative als auch das Spektrum der geförderten koordinierten Forschungsverbünde und der Anträge der Einzelförderung zeigen dies“ (S. 148).

Eine detailliertere Darstellung der Anknüpfungspunkte an eine transdisziplinär ausgerichtete und Transformationsprozesse begleitende Forschungsförderung in der DFG findet sich im Buch auf den Seiten 148-150.

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Die sozial-ökologische Forschung – Vorbild für eine transformative Wissenschaft?

Die sozial-ökologische Forschung (SÖF) in Deutschland wird seit dem Jahr 1999 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschug gefördert und hat entscheidende Entwicklungen (beispielsweise in der Diskussion um Qualitätskriterien transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung) ermöglicht. Seit der Etablierung der sozial-ökologischen Forschung wurden auch institutionelle Innovationen befördert – z.B. durch die Förderung von sozial-ökologischen Nachwuchsgruppen zur Qualifizierung von transdisziplinär arbeitenden NachwuchsforscherInnen. Die Studie Transformative Wissenschaft diskutiert warum sie durch diese institutionellen Innovationen ein Vorbild für eine transformative Wissenschaft sein kann.

„Die Sozial-ökologische Forschung verstand und versteht sich deswegen als Motor für die Entwicklung sozialwissenschaftlich aufgeklärter Transformationsstrategien von Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen sowie als Katalysator für die Entwicklung transdisziplinärer Forschungsstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem. (…) Dabei wurde mit dem Förderprogramm zur Sozial-ökologischen Forschung von Anfang an ein zweifaches Ziel verfolgt: einmal konkrete Projektförderung in dem gerade definierten Schnittbereich zu fördern, zum anderen aktiv zum „Capacity Building“, d.h. dem Aufbau von dauerhaften Strukturen für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung beizutragen: Neben der Projektförderung in Form der Förderung thematischer Forschungsverbünde erfolgten von Beginn an auch sogenannte „Infrastrukturförderungen“ (S. 155).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der sozial-ökologischen Forschung findet sich im Buch auf den Seiten 154-165.

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Die Fraunhofer-Gesellschaft: Nachhaltigkeit als konsequente Weiterentwicklung unternehmensbezogener Anwendungsforschung?

Die Fraunhofer-Gesellschaft setzt als große Wissensschaftsgemeinschaft am konsequentesten auf Anwendungsorientierung und ist im Gegensatz zu den anderen großen deutschen Wissenschaftsgemeinschaften zu großen Anteilen über Drittmittel finanziert. In der Studie Transformative Wissenschafft wird diskutiert inwieweit dieses Profil für eine Forschung für Nachhaltigkeit geeignet ist.

„Die Fraunhofer-Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren mithin zu einem wichtigen Motor für das Nachhaltigkeitsthema in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften entwickelt. Ihre nachhaltigkeits-bezogene Forschung bleibt – einzelne Projekte und Initiativen ausgenommen – Technologie- und Unternehmens-orientiert. Die Orientierung an konkreten Unternehmensbedarfen hat in der Fraunhofer-Gesellschaft aber eine hohe Kompetenz zum transdisziplinären Arbeiten entstehen lassen. Durch die Anwendungsorientierung bei der Bildung von regionalen Clustern ermöglicht die Fraunhofer-Gesellschaft einen schnellen Transfer von Technologien und unterstützt dabei gerade auch kleine und mittlere Unternehmen mit wissenschaftlichem Know- How“ (S. 177).

 

Umfassendere Informationen zur Fraunhofer-Gesellschaft und ihren Nachhaltigkeits-Aktivitäten finden sich im Buch auf den Seiten 173-177.

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Niederlande – Vorreiterland für eine transformative Wissenschaft

Die Niederlande verfügt über ein weit verzweigtes Netzwerk an Forschungsorganisationen die nachhaltigkeits-orientierte Transformationsprozesse in Unternehmen, Branchen und insbesondere Städten und Regionen anstoßen. Inbesondere die seit 2000 entwickelte Transition-Forschung hat international an Beachtung gewonnen. Die Studie Transformative Wissenschaft beschreibt, wie es zu dieser Entwicklung und auch zum partiellen Abbruch der Aktivitäten kam.

Es ist seit 2000 „gelungen, mit der Transition-Forschung nachhaltig Strukturen aufzubauen, die heute weit über die Niederlande hinausreichen: Mit mehreren Hundert (zum größten Teil referierter) Publikationen ist die Transition-Forschung inzwischen international als Wissenschaftsfeld etabliert und in einem eigenen internationalen wissenschaftlichen Netzwerk mit jährlichen Konferenzen und einem eigenen Journal organisiert. Der Transition-Forschungszugang hat inzwischen festen Eingang in die EU-Förderprogramme gefunden“ (S. 210).

Eine umfassendere Darstellung der Nachhaltigkeitsbezogenen Forschungsaktivitäten der Niederlande findet sich im Buch auf den Seiten 209f..

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Wie weiter mit einer transformativen Wissenschaft auf europäischer Ebene?

Die europäische Forschungsförderung umfasst einen kontinuierlich steigenden Anteil an der Finanzierung der in Deutschland ansässigen Forschung – und wies auch schon im 7. Rahmenprogramm (2006-2013) interessante Impulse für eine transformative Nachhaltigkeitsforschung auf.  Mit dem besonderen Stellenwert von „Grand Challenges“ im 8. Rahmenforschungsprogramm der EU (Horizon 2020) wird diese programmatisch und finanziell auch für die deutsche Nachhaltigkeitsforschung noch releveanter. In der Studie Transformative Wissenschaft wird die institutionelle Innovationskraft von Horizon 2020 im Hinblick auf eine transformative Wissenschaft untersucht.

„So gab es (im 7. Rahmenprogramm) einen eigenen Forschungsstrang „Science in Society“ und dort einen Bereich „Research for CSO (Civil Society Organizations)“, in dem zivilgesellschaftliche Organisationen eigene Forschungsbedarfe adressieren konnten. Auch wenn der Umfang und die Ausgestaltung aus der Perspektive der Zivilgesellschaft noch als unzureichend angesehen werden, so hat die EU-Kommission hier Möglichkeiten geschaffen, die z.B. im deutschen Fördersystem völlig fehlen. (…) Auch der umfassende öffentliche Konsultationsprozess für die Ausgestaltung des Europäischen Forschungsraumes durch die EU-Kommission Ende 2011 hat einen wichtigen Vorbildcharakter für die Programmgestaltung auf nationaler Ebene.“ (S. 200f.)

Eine detailliertere Darstellung der Europäischen Forschungsförderung findet sich im Buch auf den Seiten 192-201.

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Helmholtz-Gemeinschaft: Transformative Forschung als Großforschung?

Die Helmholtz-Gemeinschaft verfügt über ein gut ausgebautes Netzwerk an interdisziplinären Instituten, die in den Forschungsbereichen Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr aufgestellt sind. In ihrem Strategiepapier „Helmholtz 2020“ reklamierte sie ihren Führungsanspruch in der Koordination der Erforschung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, warum dieser Anspruch kontrovers diskutiert werden sollte.

„Das Papier hat (…) bei der Hochschulrektorenkonferenz und anderen großen Forschungsgemeinschaften erhebliche Kritik ausgelöst – sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf die möglichen finanziellen Konsequenzen und Verteilungsmuster, die eine solche Schlüsselstellung der Helmholtz-Gemeinschaft in der Wissenschaftsfinanzierung ab 2017 auslösen könnte. (…) Durch ihren primär naturwissenschaftlich-technischen Charakter und durch die über die „Großforschung“ definierte Ausrichtung gibt es ausgeprägte Pfadabhängigkeiten in der Helmholtz-Gemeinschaft. Die Arbeit der Institute der Helmholtz-Gemeinschaft ist stark über die in ihr vorhandenen Großgeräte und die in ihr über teilweise Jahrzehnte herausgebildeten Kompetenzen geprägt. Ein umfassendes Umschwenken auf völlig neue Forschungsausrichtungen, wie es eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung darstellt, wird dadurch automatisch erschwert“. (S. 171f.)

Eine ausführliche Darstellung der Helmholtz-Gemeinschaft und eine Diskussion ihres Strategiepapiers findet sich im Buch auf den Seiten 168-173.

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Wohin geht eigentlich unsere Forschungsförderung?

Deutschland investierte 2012 insgesamt ca. 70 Milliarden Euro (2,82% seines Bruttoinlandsprodukt) in die Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen. Die Studie Transformative Wissenschaft zeigt, wie diese Gelder verteilt werden und welche Rolle darin eine Forschung für Nachhaltigkeit einnimmt.

„Rund zwei Drittel der Aufwendungen werden in Forschungsprojekten innerhalb der deutschen Industrie erbracht und davon rund 77% in den Sektoren Fahrzeugbau (37% der gesamten Industrie- F&E-Aufwendungen), der Elektroindustrie, der Chemie, der Pharmaindustrie und des Maschinenbaus. Der zentrale Anteil der Forschungsanstrengungen in Deutschland ist daher unmittelbare technologische Forschung in den deutschen Schlüsselindustriesektoren.“ (S. 141)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Verteilung der Forschungsförderung findet sich im Buch auf den Seiten 139-166.

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Plattform Forschungswende – Motor für zivilgesellschaftliches Engagement in der Wissenschaftspolitik

Die Plattform Forschungswende bündelt seit Juni 2012 die wissenschaftspolitischen Positionen von Umweltverbänden, Kirchen und anderen nichtstaatlichen Organisationen. Die Studie Transformative Wissenschaft untersucht welche Rolle ihr im Rahmen der Umsteuerung im Wissenschaftssystem zukommt und zeigt die wichtigsten Forderungen der zivilgesellschaftlichen Verbände.

„Die zivilgesellschaftliche Plattform „Forschungswende“ hat sich mehrere Ziele gesetzt: (1) Bildung von wissenschaftspolitischer Kompetenz in den angeschlossenen Verbänden durch die Plattform, (2) Bildung einer Anlaufstelle für Interessierte aus Politik und Verwaltung an den wissen- schaftspolitischen Positionen der Verbände, (3) stärkere Forderung und Förderung von verbesserter Partizipation und Transformationsorientierung im Wissenschaftssystem.“ (S. 313)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Plattform Forschungswende und der erstarkten Zusammenarbeit zivilgesellschaftlicher Verbände unter der Agenda der „Transformation“ findet sich im Buch auf den Seiten 313-315.

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