Managementwissenschaft als transdisziplinäre Wissenschaft?

Managementwissenschaft weist in vielerlei Hinsicht Ähnlichkeiten mit einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft auf. Daher wundert es nicht, dass neuere Ansätze der Transformationsforschung insbesondere von Theoriesträngen des „transition managements“ inspiriert wurden. In der Studie Transformative Wissenschaft wird dargestellt, welche Verbindungslinien beide haben.

„Managementforschung oszilliert zwischen konkreten Praxisproblemen sowie einer oft unterkomplexen Definition der Problemlagen und -lösungen auf der einen Seite und dem Anspruch einer angemessenen theoretischen Verortung auf der anderen Seite. Zur Lösung von Managementforschungsfragen erfolgt der Rückgriff auf viele Disziplinen: die Ingenieurwissenschaften, die Psychologie, die Sozial-, Medien- und Kulturwissenschaften. In die Lösung von Managementfragestellungen und die Generierung des dafür notwendigen Wissens sind viele Akteure involviert: Wissenschaftler, Unternehmensvertreter, aber häufig auch Unternehmensberater als Übersetzer zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und unternehmerischer Praxis.“

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Ähnlichkeiten der Managementwissenschaft und der transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft findet sich im Buch auf der Seite 107.

Das Buch „Transformative Wissenschaft“ und die begleitende Diskussion zur Weiterentwicklung des deutschen Wissenschaftssystems – eine Übersicht

Link zum Buch beim Metropolis-Verlag, bei FairBuch.

Humboldt 2.0 – Was heißt das?

Die Anforderungen an das aktuelle Wissenschaftssystem können mit Ullrich Beck als Humboldt 2.0 beschrieben werden. In der Studie Transformative Wissenschaft wird diskutiert, wie sich ein neues Selbstverständnis von Hochschulen als Ort der Reflexion und Orientierung wieder entwickeln kann.

Humboldt 2.0

  • …die sich den Herausforderungen der reflexiven Moderne öffnen, die die multiplen Anforderungen an Hochschulen nicht als Bedrohung, sondern als aktive Chance ihrer Weiterentwicklung wahrnehmen,
  • die sich ihrer gesellschaftlichen Brückenbauerfunktion zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Systemen stellen,
  • die ihre Rolle als „strukturpolitische Akteure“ annehmen, d.h. als Akteure, die auf die Gesellschaftsentwicklungen nicht nur reagiren, sonderen sich auch als deren Stabilisierer verstehen, indem sie aktiv in ihr Umfeld einwirken“ (S. 102)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Beschreibung des Konzeptes „Humboldt 2.0“ findet sich im Buch auf den Seiten 92-102.

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Modus 3- Wissenschaft – Was bedeutet das?

Modus 3- Wissenschaft ist die wissenssoziologische Weiterentwicklung einer Modus 2 Wissenschaft in der reflexiven Moderne. Das Konzept wird in der Studie Transformative Wissenschaft hergeleitet, mit Beispielen unterlegt und auf die Möglichkeiten zur Umsetzung im Wissenschaftssystem hin diskutiert.

„Die Idee einer „Modus 3“-Wissenschaft unterstreicht (…) die Notwendigkeit eines „Third-Order-Changes“, d.h. eines grundlegenden Wandels eben auch dieses institutionellen Gefüges (im Wissenschaftssystem). Eine Modus 3-Wissenschaft ist (…) eine Wissenschaft, die sich im Bewusstsein ihrer gesellschaftlichen Rolle im Hinblick auf ihre Forschungsinhalte und -methoden, ihre Ausbildungs- und Vermittlungsfunktion sowie ihrer institutionellen Verfasstheit kontinuierlich weiterentwickelt.“ (S. 123) Sie vereint stark kontextualisiertes System-, Ziel- und Transformationswissen, die (Zivil-) Gesellschaft als Akteur der Wissensproduktion und institutionellen Wissenschaftsorganisation, eine heterodoxe Wissensbasis aus Reallaboren und konkreten Transformationsprozessen, kooperative Organisationsstrukturen in der Wissensproduktion und sich im Science-Society- Zusammenspiel weiterentwickelnde Qualitätssysteme (vgl. S. 122).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Konzept der Modus 3-Wissenschaft findet sich im Buch auf den Seiten 121-124.

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„Reallabore“ – neuer Modus Transformation zu verstehen?

„Reallabore“ dienen der Einbettung von Realexperimenten und tragen so zu einer Wissensgenerierung in konkreten Transformationsprozessen bei. In der Studie Transformative Wissenschaft wird das Konzept der Reallabore beschrieben, seine Bedeutung im Kontext von Transformationsprozessen diskutiert und einige schon vorhandene Orte der Umsetzung im Wissenschaftssystem benannt.

„Realexperimente vollziehen sich in „Reallaboren“, d.h. Umgebungen, in denen sich Akteure und die für Transformationsprozesse relevanten sozio-technischen Einflussfaktoren beobachten und auch beeinflussen lassen. Reallabore werden damit zu sogenannten „Boundary Objects“ in einem transdisziplinären Forschungsprozess, d.h. ein Bezugsort, der es unterschiedlichen Akteuren und Disziplinen ermöglicht, ihre Wissensbestände aufein- ander zu beziehen und damit transformatives Wissen zu schaffen (S. 126). Städte sind ein wichtiger und schon länger etablierter Typus für ein „Reallabor“. In ihnen lassen sich konkrete Transformations-Realexperi- mente initiieren und wissenschaftlich begleiten – wie z.B. Veränderungsprozesse, die auf eine konkrete Reduktion des CO2-Ausstoßes einer Stadt zielen. Durch ihre räumliche Abgrenzung sowie z.B. durch ein entsprechend gemeinsam vereinbartes Reduktionsziel schaffen eine Stadt, ein Stadtteil oder ein Dorf einen Rahmen, in dem Innovationen und Veränderungsstrategien aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht und aufeinander bezogen werden können“ (S. 127).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Konzept des Reallabors findet sich im Buch auf den Seiten 124-137.

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Die „Effizienzlücke“ als Motor aktueller Hochschulpolitik?

Hochschulen stehen heute unter einem steigenden Produktivitätsdruck und dem permanenten Sannungsfeld von wachsenden Anforderungen auf der einen Seite und abnehmenden Ressourcen auf der anderen Seite. In der Studie Transformative Wissenschaft wird beschrieben, wie mit diesem Produktivitätsdruck und der daraus resultierenden Effizienzlücke politisch umgegangen wird.

„>Managerisierung< im Sinne der vielen neu entwickelten Managementinstrumente und „Ökonomisierung“ im Sinne eines immer stärkeren Achtens auf Input-Output-Verhältnisse im Hochschulbereich sind die zwangsläufigen Versuche der Hochschulen, mit der Effizienzlücke umzugehen. Die Gewährung von „Autonomie“ hilft ihnen dabei, die Produktivitätspotenziale zu mobilisieren. Durch die äußere Zwangslage ist diese aber nicht mehr als eine Scheinautonomie – es ist die Freiheit, der Einsicht in die faktischen Ressourcenzwänge mit einem Spektrum an nahe liegenden Managementinstrumenten zu folgen“ (S. 84).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Effizienzlücke findet sich im Buch auf den Seiten 81-86.

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„Landscape“ – „Regime“ – „Nischen“ – Wie verändert sich eigentlich das Wissenschaftssystem?

Die Transition-Forschung beschreibt sektorale Veränderungsprozesse im Rahmen einer Multi-Level-Perspektive. Die Veränderung komplexer sozio-technischer Systeme wird danach durch die Wechselwirkung von drei funktionalen Ebenen beeinflusst. Die Studie Transformative Wissenschaft untersucht die verschiedenen Ebenen im Hinblick auf das deutsche Wissenschaftssystem.

„Dies sind die Ebenen von (1) Umfeld („Landscape“), (2) Regime und (3) Nische. Die „Umwelt“ wird dabei durch stabile Megatrends eines Systems charakterisiert, die in der Regel durch die Akteure im System nicht beeinflusst werden können(…). Das „Regime“ charakterisiert die in einem sozio-technischen System bestehenden Institutionen, Regeln und Routinen, die das Handeln im System beeinflussen und stabilisieren(…). „Nischen“ bezeichnen schließlich Handlungsmuster und Experimente von Akteuren und Akteursgruppen, die Neuerungen erproben, auch gegen bestehende institutionelle und organisationale Regeln des bestehenden Regimes. Nischen-Akteure werden dadurch zu zentralen Motoren für Veränderungsprozesse (S. 298f.).“

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Zusammenspiel der drei funktionalen Ebenen im Wissenschaftssystem findet sich im Buch auf den Seiten 298-301.

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Was heißt Transdisziplinarität?

Transdisziplinarität ist ein weit verbreitetes Konzept in der Nachhaltigkeitswissenschaft und darüber hinaus. Die Studie Transformative Wissenschaft greift das in ihrer Analyse auf und untersucht die institutionellen Bedingungen für die Möglichkeiten transdisziplinärer Forschung.

„Transdisziplinäre Forschung liefert Beiträge zur Lösung gesellschaftlich relevanter Probleme. Sie ist dabei zwangsläufig interdisziplinär und vernetzt unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen. Zudem bezieht sie nichtwissenschaftliche Akteure des Problemfeldes in ihre Forschung ein, um zu umsetzbaren Handlungsempfehlungen zu kommen. Die Herausforderung einer Nachhaltigen Entwicklung (…) ist eines der zentralen Anwendungsfelder transdisziplinärer Forschung. Die Entwicklung von Güte-Kriterien transdisziplinärer Forschung stellt eine wichtige Aufgabe im Rahmen der Qualitätssicherung von Nachhaltigkeitswissenschaft dar.“ (S. 42)

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Forschungsmodus der Transdisziplinarität findet sich im Buch auf den Seiten 46-52.

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Was ist eine „transformative Wissenschaft“?

Transformative Wissenschaft ist ein vom WBGU in die wissenschaftspolitische Debatte eingebrachter Begriff. Die Studie Transformative Wissenschaft greift ihn in ihrer Analyse auf und entwickelt damit den 2009 vorgestellten Ansatz einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ weiter:

„Transformative Wissenschaft versteht sich dabei als eine Wissenschaft, die als Katalysator für gesellschaftliche Veränderungsprozesse wirkt (…). Der Begriff der transformativen Wissenschaft lehnt sich an die vom WBGU (2011) geprägte Definition einer >transformativen Forschung< an. Transformative Wissenschaft ist demnach eine Wissenschaft, die >Umbauprozesse durch spezifische Innovationen (…) befördert. Sie unterstützt Transformationsprozesse konkret durch die Entwicklung von Lösungen sowie technischen und sozialen Innovationen; dies schließt Verbreitungsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft sowie die Möglichkeiten zu deren Beschleunigung ein und erfordert zumindest in Teilen systemische Betrachtungsweisen sowie inter- und transdisziplinäre Vorgehensweisen, darunter die Beteiligung von Stakeholdern< (WBGU 2011, S. 374.)“

Eine transformative Wissenschaft ist eine Antwort auf die Herausforderungen einer „reflexiven Moderne“. Sie macht den bewussten Umgang mit den ökologischen, sozialen und ökonomischen Nebenfolgen ausdifferenzierter Gesellschaften möglich. Mit ihr gehen drei „Wenden“ im Wissenschaftsystem einher: ein „normative turn“, ein „experimental turn“ und ein „institutional turn“.

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Konzept einer transformativen Wissenschaft findet sich im Buch „Transformative Wissenschaft“ auf den Seiten 67-76.

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