Call for applications für neue Regional Centres of Expertise on Education for Sustainable Development (RCEs)

Die United Nations University hat den diesjährigen Call for Applications für Regional Centres of Expertise on Education for Sustainable Development (RCEs) ausgesendet. Das 2005 im Rahmen der UN Dekade BNE initiierte RCE Netzwerk umfasst heute bereits 85 RCEs in Asien, N & S Amerika, Afrika, Europa und Australien. RCEs stellen auf lokaler/regionaler Ebene ein Netzwerk aus Hochschulen, formalen & non-formalen Bildungseinrichtungen, NGOs, GOs und Unternehmen dar. In diesem Netzwerk werden neue Nachhaltigkeitsinitiativen initiiert sowie werden international Forschungskooperationen zur gegenseitigen Unterstützung eingeleitet.
Im D-sprachigen Raum gibt es bereits in den folgenden Regionen RCEs:
Deutschland: München, Nürnberg, Hamburg, Vechta,
Österreich: Graz-Styria, Vienna
Niederlande: Rhine Meuse (Länderübergreifend B/NL/D)

Nähere Informationen zum Einreichverfahren finden sie unter: www.ias.unu.edu/efsd und auch ich stehe gerne für Fragen zur Verfügung.

Bei Interesse sollte dieses bereits bis zum 11. April an das Global RCE Service Centre (siehe Link) bekannt gegeben werden. Danach bekommt man vom Service Centre sowie auch von bereits bestehenden RCEs Unterstützung im Aufbau und der Entwicklung der Application.

Kurzporträts und Nachhaltigkeitsprofil der an der NaWis-Runde beteiligten Institutionen

Anbei finden sich Kurzporträts der an der NaWis-Runde beteiligten Wissenschaftseinrichtungen:

Universität Kassel
Die Universität Kassel – 1971 im Zuge der Bildungsreformen als eigenständiges Gesamthochschulmodell gegründet – ist geprägt durch einen in Deutschland ungewöhnlich vielschichtigen Verbund von Kompetenzen, die sich auf Natur und Technik, Kultur und Gesellschaft konzentrieren. Das Fundament interdisziplinär entwickelter Innovation bilden starke Fach disziplinen, deren besonderes Leistungsspektrum von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung reicht. Strategische Partnerschaften mit führenden Forschungs-Instituten und Wissenschafts-Partnern im In- und Ausland stärken ihre Position im nationalen und internationalen Wettbewerb.

Umweltbezüge spielen seit der Gründung der Universität Kassel eine wichtige Rolle: Über 60 Professuren und etwa 250 weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler forschen gemeinsam mit Kooperationspartnern an der Universität Kassel in Fachbereichen, Instituten und einer Anzahl von Forschungsschwerpunkten zu Umweltthemen. Mit über 200 umweltbezogenen Lehrveranstaltungen pro Studienjahr, 19 Studiengängen mit Abschlüssen zu Umweltthemen, vielfältigen Promotionskollegs, Zusatzqualifikationsmöglichkeiten, weiterbildenden Studienprogrammen und Qualifizierungsangeboten für internationale Studierende nimmt die Universität Kassel eine Spitzenposition in Sachen Umweltforschung und –lehre ein.

An der Universität Kassel studieren rund 20.000 Studierende. Die Universität beschäftigt 2500 Menschen, davon knapp über 300 Professorinnen und Professoren.

Leuphana Universität Lüneburg
Die Leuphana Universität versteht sich als öffentliche Universität für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts. Ihr deutschlandweit einmaliges Studienmodell mit international üblichen Bachelor- und Masterabschlüssen, ausgewiesenen Forschungsschwerpunkten und einer engen Kooperation mit gesellschaftlichen wurde mehrfach ausgezeichnet. Kernbestandteile sind das College für das Erststudium, die Graduate School mit verzahnten Master- und Promotionsprogrammen sowie die Professional School für berufliche Weiterbildung und Wissenstransfer. Vier Wissenschaftsinitiativen prägen das fachliche Spektrum der Hochschule: Nachhaltigkeitsforschung, Bildungsforschung/Lehrerbildung, Management und unternehmerisches Handeln sowie Kulturforschung.

Zum 01. Oktober 2010 hat die Leuphana als erste deutsche Universität eine Fakultät Nachhaltigkeit eingerichtet. Als Träger der universitätsweiten Wissenschaftsinitiative Nachhaltigkeitsforschung beschäftigt sich die Fakultät mit Bedingungen und Chancen einer nachhaltigen Entwicklung. Die Fakultät verbindet dazu Human- und Naturwissenschaften mit derzeit etwa 25 Professuren aus den Disziplinen Chemie, Informatik, Kommunikation, Management, Ökologie, Philosophie, Planung, Politik, Psychologie, Recht, Technik und VWL. Transdiziplinarität kennzeichnet die Arbeitsweise der Fakultät in Forschung und Lehre.

Symbol der Neuausrichtung der Leuphana ist das geplante zukunftsweisende Zentralgebäude nach Entwürfen des international renommierten Architekten Daniel Libeskind. Mit einem Innovations-Inkubator stärkt die Universität Forschungs- und Wirtschaftspotenzial des Wissenschaftsstandorts Lüneburg. Der Inkubator ist derzeit europaweit das größte Regionalentwicklungsprojekt durch Wissenschaft. Es hat ein Volumen von rund 100 Millionen Euro und wird durch die Europäische Union gefördert.

An der Leuphana studieren 7.000 junge Menschen. Rund 450 der 800 Leuphana-Beschäftigten sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, davon 150 Professorinnen und Professoren.

Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH
Das Wuppertal Institut erforscht und entwickelt Leitbilder, Strategien und Instrumente für Übergänge zu einer nachhaltigen Entwicklung auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Im Zentrum stehen Ressourcen-, Klima- und Energieherausforderungen in ihren Wechselwirkungen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Die Analyse und Induzierung von Innovationen zur Entkopplung von Naturverbrauch und Wohlstandsentwicklung bilden einen Schwerpunkt seiner Forschung.

Nachhaltige Entwicklung bedarf eines integrierten Politik- und Wissenschaftsansatzes. Denn die Fragestellungen einer zukunftsfähigen Entwicklung sind häufig nicht innerhalb von Ressortgrenzen oder einzelner wissenschaftlicher Disziplinen zu beantworten. Hier setzt das Forschungsprogramm des Wuppertal Instituts an. Es baut auf interdisziplinäres und am Systemverständnis orientiertes Arbeiten auf. Das Wuppertal Institut sieht sich seit seiner Gründung im Jahr 1991 der anwendungsorientierten Nachhaltigkeitsforschung verpflichtet.

Das Wuppertal Institut beschäftigt rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und wird in der Rechtsform der gemeinnützigen GmbH geführt. Es erhält eine Grundfinanzierung vom Land Nordrhein-Westfalen. Den größten Teil seines Budgets von rund 11 Mio. Euro erwirtschaftet das Institut mit extern finanzierten Projekten.

IASS, Potsdam (ab 01.01.2012)
Ab dem 01.01.2012 tritt das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) der NaWis-Runde als viertes Kernmitglied unter Leitung von Exekutivdirektor Klaus Töpfer bei.

Die Anregung des Nobelpreisträger-Symposiums „Global Sustainability – A Nobel Cause“ und die Aufforderung durch die Bundesregierung beim nachfolgenden Klimaforschungsgipfel im Oktober 2007 aufgreifend, hat die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen ein Konzept zur Schaffung eines interdisziplinären, interaktiven und internationalen Elite-Instituts für Nachhaltigkeitsforschung erarbeitet (Institute for Advanced Sustainability Studies – IASS).

Dieses Institut soll anspruchsvolle und neuartige Ansätze zu hochrelevanten Nachhaltigkeitsthemen wie Klimastabilität, Energiesicherheit, Ressourceneffizienz, umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaftsdynamik, Koevolution urbaner und ruraler Räume und nachhaltige technologische Entwicklungen erschließen. Zudem soll das IASS einen zentralen Beitrag zur Entwicklung einer nationalen Forschungsstrategie zum Klimaschutz leisten und sich mit der ökologischen, ökonomischen und gesellschaftspolitischen Dimensionen einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Klima- und Erdsystemforschung einbringen. Dabei soll das Institut herausragende Beiträge zum wissenschaftlichen Fortschritt leisten und als Drehkreuz des strategischen Dialogs zwischen Forschung, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zur Meinungsbildung beitragen.

Französische Förderagentur legt Programm „Innovative Gesellschaften“ auf

Die französische Förderagentur (Agence Nationale de la Recherche) hat ein umfassendes Förderprogramm „Innovative Gesellschaften“ aufgelegt. Das Programm folgt einem erfrischend weiten Innovationsverständnis und fühlt sich einem umfassenden interdisziplinären Ansatz verpflichtet. Einige Hintergrundinformationen zur Agentur finden sich hier.

oikos spring meeting vom 24. bis 27. März in Prag – students for sustainable economics and management

Unter dem Titel „Sustainable Architecture: Space for Living“ fand das diesjährige spring meeting von oikos international statt. oikos ist ein Netzwerk internationaler Studierender, mit dem Ziel, Nachhaltigkeit als festen Bestandteil in Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften zu etablieren.
Architektur, Thema der Veranstaltung, ist aus dem Leben nicht weg zu denken: Die Gebäude, in denen wir uns aufhalten, beeinflussen Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensqualität. Gleichzeitig sind sie durch Heizungen, Ventilatoren und Klimaanlagen energiehungrige CO²- Emittenten. Im Blick auf Energie- und Kosteneffizienz lassen sich Beiträge für den Klimaschutz in jedes betriebswirtschaftliche Kalkül einbauen. Mittel und Wege, Perspektiven und Herausforderungen nachhaltiger Gebäudewirtschaft standen thematisch im Mittelpunkt der Veranstaltung. Dass Nachhaltigkeit und Wirtschaft enger verbunden sind als vielfach unterstellt und praktiziert, hat sich einmal mehr bestätigt.
Mehr zu oikos gibt’s hier.

Krisen öffnen Augen ? ein Blick auf den wirtschaftswissenschaftlichen Diskurs in Indien: Perspektiven für eine nachhaltige Entwicklung in der Wissenschaft?

Die Länder der sog. Dritten Welt sind in besonderem Maße von den negativen Auswirkungen verantwortungsloser, wirtschaftlicher Verwertungslogik betroffen, die sich verstärkt auch im Bildungssektor bemerkbar macht. Zwar ist nicht abzustreiten, dass auch die hiesige Wissenschaft kritische Stimmen und Theorien zulässt und teils auch fördert, der Grundtenor von Effizienz und Verwertbarkeit ist jedoch nicht zu überhören.
Kaum verwunderlich dürfte daher sein, dass Länder, in denen dieses System die existenziellen Grenzen von Menschen antastet, der Diskurs über alternative, normative Prämissen umso stärker ausgeprägt ist.

Südamerika und Indien stellen hier wohl die prominentesten Vertreter dar, aber auch islamische Länder weisen ein grundsätzlich anderes Verständnis von Wissenschaft auf, wenn auch mit anderer Motivation. Vergessen sei an dieser Stelle aber nicht, dass auch in diesen Ländern viele Universitäten sich dem globalen, technologischen Innovationswettbewerb verschrieben haben.

Eine diskursive Trias von Sozialismus, islamischer Ökonomie und Neoliberalismus lässt sich gut in den verschiedenen Ausrichtungen der Wirtschaftswissenschaften in Indien beobachten. Einige Universitäten, insbesondere im Bundesstaat Kerala, aber bspw. auch die Jawaharlal University in Neu Delhi verfolgen eine stark sozialistisch geprägte Linie, Tendenzen zur islamischen Ökonomie finden sich besonders im Norden in Staaten mit einem hohen Anteil der muslimischen Bevölkerung. Das neoklassische Dogma der perfekten Berechenbarkeit findet insbesondere in den großen, international renommierten Universitäten seinen Platz. Und je nach dem welche normative Zielsetzung man zugrunde legt und die hierzu entsprechenden Zahlen benutzt, findet jede dieser Denkschulen ihre Legitimation.
Unter Berücksichtigung sozialer Kriterien wie Kindersterblichkeit, Lebenserwartung oder Bildungsgrad kann die sozialistisch orientierte Politik Keralas im landesweiten Vergleich eine sehr gute Bilanz ziehen. Die Neoklassiker sehen ihre Bestätigung in den hohen Wachstumsraten des BIP. Islamische Ökonomen berufen sich auf die Stabilität islamischer Finanzinstitutionen in der Finanzkrise.
Amartya Sen, der 1998 für seine Arbeiten zu Wohlfahrtsökonomie und seine Theorien zu wirtschaftlichen Entwicklung und zu Lebensstandard den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt, mag wohl das bekannteste Beispiel dafür sein, wie wichtig ein Blick über die starren, disziplinären Grenzen einer Wissenschaft sein kann. Er studierte Wirtschaft und Philosophie und konnte die sozialen Realitäten in Indien bzw. Bangladesch hautnah miterleben. Dies alles mag seinen Beitrag dazu geleistet haben, dass er ein erweitertes Verständnis von Wirtschaft entwickelte, das eine tiefergehende Dimension als das Messen monetärer Werte umfasst. Maßgeblich wirkte er beispielsweise auch an der Erarbeitung des Human Development Index mit.

Im Hinblick auf die ?Nachhaltigkeit? in der Wissenschaft ist spannend, mit welcher Offenheit die Diskussion über diese Denkrichtungen und deren zugrunde liegenden normativen Prämissen geführt wird, da keine der ökonomischen Schulen in einem Monopolanspruch überzeugend ist.
In Ländern wie Indien stoßen die perfekt konstruierten, modellhaften Systeme unübersehbar an ihre Grenzen. Die islamische Ökonomie ist vielleicht sogar die nachhaltigste, da sie ihre Prämissen ständig neu von einer islamischen Rechtsinstanz bewerten lässt. Allgemeine Gültigkeit wird dies für den weit größeren Hindu-Anteil in der Bevölkerung jedoch kaum suggerieren. In Kerala geht es den Menschen zwar gut, aber nur so lange der Strom der Gelder gut gebildeter, keralischer Gastarbeiter in den Golfstaaten ins Land strömt. Global ?wettbewerbstauglich? sind die Keraler mit ihren starken Gewerkschaften nämlich kaum. Verfechter des freien Marktes sehen sich rekordverdächtigen Selbstmordstatistiken verarmter Bauern, einem verkümmernden Agrarsektor im Angesicht schwankender Weltmarktpreise und gesunkenen Reallöhnen gegenüber. Klima- und Ressourcenproblematik kommen hinzu. Derartige Bedingungen fördern auf natürliche Weise den Diskurs.

Krisen, wie die Finanz- und die androhende Klimakrise, sollten auch bei uns dazu beitragen, den Diskurs über normative Grundkonzeptionen von Wissenschaft neu zu eröffnen und nie wieder zu schließen. Aber wahrscheinlich ist das ein nur zu menschliches Phänomen: solange es gut läuft, hat die Wissenschaft recht und Kritiker werden müde belächelt.
Hier liegt die große Herausforderung einer wirklich nachhaltigen Wissenschaft: Stete Entwicklung durch immer wiederkehrenden kritische Reflexion des eigenen Tuns.
Ein Argument für mehr Ethik in den Wissenschaften!

Exzellenz und Nachhaltigkeit – eine kleine Nachlese der Vorentscheidung der dritten Runde der Exzellenzinitiative

Die Universität Hamburg konnte sich mit ihrem Zukunftskonzept der Nachhaltigen Universität in der Exzellenzinitiative leider nicht durchsetzen. Der Blick auf die sonstigen Entscheidungen der ersten Auswahlrunde der Exzellenzinitiative am 02.03.2011 läßt aber einzelne Ansätze einer an Transdisziplinarität und Nachhaltigkeit ausgerichteten Forschung erkennen.
Insbesondere zeigt es sich, dass Themen wie Ressourcenknappheit, Global Governance und Klimawandel vor den Türen der Universitäten nicht Halt machen.

Ein interessantes Konzept verfolgt die TU München, die mit der Idee einer Graduiertenschule für „Risk and Security“ antritt, die sich bewusst einer disziplinären Eingrenzung entzieht. Für ein tiefgreifendes Verständnis des komplexen Phänomens des Risikos sei es unumgänglich aus jedem Blickwinkel die einzelnen Facetten der Thematik zu betrachten. Das Graduiertenkolleg soll Doktoranden und Wissenschaftlern aller Fachrichtungen als Ansprechpartner für Fragen der Risikoforschung dienen. Hierbei wird auch explizit eine thematische Brücke der Bedeutung eines tiefgehenden Verständnisses von Risiko im Rahmen nachhaltiger Forschung geschlagen.

Rein inhaltlich dürfte auch die angestrebte Graduate School of Social Science der Universität Bamberg für eine nachhaltige Wissenschaft von hohem Interesse sein. Sie widmet sich der Erforschung des Wandels von Governancestrukturen, der Herausbildung von Institutionen und der Ausprägung individuellen bürgerlichen Engagements im transnationalen Kontext widmet.

Bereits im Titel spiegelt sich der Nachhaltigkeitsbezug eines Graduiertenprogramms der HU Berlin wieder: „FutureLand Graduate School – The Transformation of Land Use to Sustainability“. In einer interdisziplinären Forschung von Natur-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften sollen Lösungsstrategien für globale Herausforderungen im Angesicht von Klimawandel, abnehmender Biodiversität und zunehmender Landnutzungsintensität gefunden werden.

Nicht nur bei den Graduiertenschulen, sondern auch bei den in der ersten Runde erfolgreichen Exzellenzcluster finden sich vielversprechende Ansätze. So tritt die Universität Mainz mit einem Cluster an, der sich der Erforschung des „Anthropozän“ als neuem Erdzeitalter widmet. Es geht um die Untersuchung natürlicher Elementzyklen und geologischer Prozesse unter der Einflussnahme des Menschen.

Den Governance-Veränderungen im globalen Kontext widmet die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt Oder ein Exzellenzcluster: Unter dem Titel „B/ODERS IN MOTION“ solle eine Forschung etabliert werden, die sich den sozial-, kultur-, wirtschafts- und rechtswissenschaftlichen Implikationen der zunehmenden Diffusion nationaler Grenzen widmet. Diese Programm dürfte interessant sein hinsichtlich globalpolitischer Steuerungsmöglichkeiten zur Bekämpfung von nachhaltigkeitsrelevanten Krisen.

Auch bei den Exzellenzclustern bewegt sich die TU München im Themenfeld Nachhaltigkeit: Electro Mobility beyond 2020 ist ein multi- und interdisziplinäres Forschungskonzept, das den Herausforderungen einer zukunftstauglichen Mobilität begegnet: technologisch orientierte Forschung elektrischer Antriebe und neuer Speichertechnologien, jedoch mit dem Fokus auf die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die Problemen von Stromnetzwerken und Speicherbegrenzungen auch auf nicht-technischem Wege begegnen.

„Resarch – Relevance – Responsibility“ heißt die Idee mit der die Universität Tübingen als Anwärter auf den Rang einer künftigen Eliteuniversität verbleibt. Durch die Einrichtung eines Zentrums für angewandte Wissenschaften soll der Bezug der Wissenschaften zur Realität bestärkt werden. Forschung und Lehre sollen auf diese Weise dahin gelenkt werden, dass sie Absolventen den verantwortungsbewussten und vor allen Dingen weltbezogenen Umgang mit ihrem Wissen vermitteln.

All dies sind Entwicklungen, die hoffnungsfroh stimmen könnten: Realitätsbezüge, Verantwortung und Zusammenarbeit jenseits disziplinärer Grenzen scheinen in der kommenden Runde der Exzellenzinitiative möglich zu sein.

Universitäre Nachhaltigkeitsberichte -Neuer Nachhaltigkeitsbericht der Universität Bremen erschienen

Die Universität Bremen legt für das Jahr 2010 einen neuen Nachhaltigkeitsbericht vor. Nachdem bereits vor fünf Jahren ein erster Nachhaltigkeitsbericht erschienen war, werden hier die Entwicklungen der Universität erneut unter die Lupe genommen.

Nachhaltigkeitsberichte dienen dazu, alle Interessengruppen einer Universität über deren Entwicklungen zu informieren. Sie untersuchen die Universität hinsichtlich ihres inneren wie äußeren Wirkens, was zum einen die Betriebsabläufe der Universität selbst, zum anderen aber auch deren Rolle im regionalen Umfeld umfasst. Ganzheitlichkeit, die quasi begriffsimmanent mit Nachhaltigkeit verbunden ist, spiegelt sich auch konzeptuell in Nachhaltigkeitsberichten wieder. Während beispielsweise eine EMAS-Zertifizierung oder Umweltberichte in der Regel nur Aktivitäten einer Einrichtung hinsichtlich bestimmter Umweltkriterien bewerten, finden auch soziale und ökonomische Komponenten in Nachhaltigkeitsberichten ihren Niederschlag.

Der Nachhaltigkeitsbericht der Universität Bremen beispielsweise teilt sich formal in zwei Bereiche: eine Innen- wie Außenansicht der Universität.
Nach Innen konzentriert sich der Bericht auf die Darstellung der Universität als nachhaltige Hochschule, aufgegliedert in die drei Komponenten der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Im Innenbereich geht es darum, die Qualität von Lehre und Forschung zu sichern, ein umweltverträgliches Energie- und Abfallmanagement zu betreiben sowie Chancengleichheit, Diversität und Familienfreundlichkeit zu fördern.

Nachhaltigkeit in der Außenwirkung einer Hochschule findet ihren Bewertungshintergrund in ihrer gesellschaftlichen Aufgabe: dem Transfer und der Generierung von Wissen. Eine Hochschule für nachhaltige Entwicklung ist danach zu bewerten, wie sie ihren Studierenden für Themen der Nachhaltigkeit sensibilisiert und gleichzeitig einen Transfer diesen Wissens in die Gesellschaft leistet; auch die Forschung sollte bestimmte Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllen.

Nicht nur die Universität Bremen ist bisher diesen Schritt gegangen, ihre Rechenschaftslegung auf eine solch breite Ebene zu legen, auch an anderen Universitäten finden sich solche Initiativen. Aktuell liegen beispielsweise Berichte der Universitäten Graz, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück vor. Es gibt jedoch auch Universitäten, an denen das Engagement zu einer solch ausführlichen Berichterstattung nicht von der Hochschulleitung sondern von Studierenden ausging. So hat beispielsweise eine Lokalgruppe des Netzwerkes Oikos für die Universität Bayreuth einen Nachhaltigkeitsbericht verfasst.

Orientierung beim Erstellen eines solchen Nachhaltigkeitsberichtes können internationale Standards liefern. So stellt beispielsweise die Global Reporting Initiative Richtlinien zur Verfügung, anhand derer ein Nachhaltigkeitsbericht aufgebaut werden kann.
Der Nachhaltigkeitsbericht der Universität Bayreuth ist beispielsweise nach diesen GRI-Standards strukturiert.

„Nachhaltige Hochschule – Das Konzept der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt“: eine Vorstellung von Andreas Lob-Hüdepohl im Rahmen des Treffens der AG Hochschule vom 03.03.11

Die Idee der „Nachhaltigen Hochschule“ ist an der KU Eichstätt-Ingolstadt kein ganz neuer Gedanke. Bereits im Jahr 1993 unterzeichnete die KU EI die sogenannte Copernicus-Charta, die im Eindruck der Rio Konferenz von 1992 die Rolle der Hochschulen im Kontext nachhaltiger Entwicklung neu definierte. So bekundete die KU EI schon früh ihre Ambitionen zu mehr Nachhaltigkeit. Über Umweltringvorlesungen, die Zusammenarbeit mit regionalen Partnern aus Wirtschaft, Kommunen und Verbänden begann sich dieses Anliegen zu konkretisieren. Aus verschiedenen Gründen verlor diese Bewegung mit der Zeit jedoch an Schwung und wurde erst im Jahr 2008 wieder aufgegriffen.

Quasi zeitgleich mit der Wiederaufnahme des Konzeptes einer nachhaltigen Universität durch Umweltringvorlesungen und den Ideenwettbewerb „Sustainable Campus“ kam auch bundesweit Leben in die Debatte um die Verantwortung der Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung. Anfang 2010 verfassten die UNESCO-Kommission und der Hochschulrektorenkonferenz „Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung“.

Die Hochschulleitung selbst definiert in einem Wechselspiel zwischen Bottom-up und Top-down Einflüssen zu betrachten. Sie selbst trägt hierbei lediglich die Verantwortung für die Struktur und den Prozess, nicht aber für das Ergebnis selbst. Konkret lässt sich das beispielsweise an der Ernennung eines Beauftragten für Nachhaltige Entwicklung festmachen. Aufgabe der Hochschulleitung ist es für die institutionelle Einbettung eines solchen Prozesses zu sorgen.

Nachhaltigkeit selbst sei hier als normatives Konzept verstanden. Eine nachhaltige Universität müsse sich ständig einer kritischen Selbstreflexion unterziehen und hierin ihre Legitimation neu definieren. Gesellschaftliche Verantwortung ist zentral im Selbstverständnis als Nachhaltige Hochschule. In dieser stetigen Selbstreflexion und Legitimation unterliegt die einem steten Gestaltungsprozess. Im Kontext einer so nennbaren „organisierten Anarchie“, die an Universitäten vorherrschend ist, unterliegen Gestaltungsprozesse meist dem zufälligen Engagement einzelner Akteure, was einen hohen Anspruch der Durchsetzbarkeit an die Idee der Nachhaltigen Hochschule stellt.

Nachhaltigkeit als Leitbild einer Hochschule ist jedoch mehr als ein abstraktes Bild, sondern stellt hohe Ansprüch an alle Bereiche. Hierbei tun sich insbes. drei Handlungsfelder hervor: 1. Forschung, 2. Studium, Lehre und Weiterbildung sowie 3. die institutionelle Umsetzung und Infrastruktur.
Kurzfristig gilt es in der Forschung den Bezug des Forschungsschwerpunktes „Nachhaltigkeit“ sichtbar zu machen. Im weiteren kann diese Forschung durch die Veranstaltung von Tagungen und Symposia, der Beteiligung an (inter)nationalen Forschungsprojekten und den Ausbau institutionenübergreifender Kooperationen gestärkt werden. Die Verstetigung wird über die Beteiligung an einschlägigen nationalen wie internationalen Netzwerken und Kooperationen angestrebt.
In Lehre und Studium ist zunächst wichtig, Studierende für das Fach BNE, hier Konkret in Form eines Masterstudienganges, zu begeistern. Auch gilt es, für Studierende anderer Studiengänge die Verfügbarkeit von Wahlmodulen zur Nachhaltigkeit zu erweitern. Umweltringvorlesungen des Studium generale sollen weiterhin zentraler Bestandteil des Campusleben bleiben. Auch in der Lehre ist es wichtig, durch eine stärkere nationale wie internationale Sichtbarkeit eine Verstetigung und Profilierung im Bereich der Nachhaltigkeit zu erlangen.
Auf Seite der institutionellen Umsetzung und Infrastruktur heißt dies auch, die Universität in ihrem Vorbildcharakter zu stärken: Es gilt Abfall zu vermeiden, Energiesparmaßnahmen einzuleiten und Studierende und Mitarbeiter der Universität für das Konzept der Nachhaltigkeit auch im eigenen Wirken zu begeistern. Partizipation aller Universitätsangehörigen bei der Umgestaltung und steten Weiterentwicklung der Universität sind durch institutionelle Verankerung zu bestärken und verstetigen. Auch das verstärkte Sichtbarmachen von Literatur und sonstigen Medien zur Thematik kann zur Sensibilisierung für eine NE einen Beitrag leisten. Langfristig wird eine EMAS-Zertifizierung angestrebt.

Die Entwicklung einer Universität zu einer Nachhaltigen Universität hat also nicht nur Relevanz im Bereich der Lehre und des Studiums sondern spiegelt sich auf allen Ebenen wieder. Gesellschaftliche Verantwortung ist auch darin zu sehen, dass Universitäten eine Vorbildfunktion zu erfüllen haben. Durch den eigenen, verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen kann so glaubhaft vermittelt werden, dass Hochschulen die Idee der „Nachhaltigen Entwicklung“ ernst meinen.

Workshop „Vorausschauen. Neue Leitbilder für die Hochschulen“ der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen am 12.03.2011 in Berlin

Am 12.03.2011 diskutierten auf einem ganztägigen Workshop „Vorausschauen. Neue Leitbilder für die Hochschulen“ rund 60 Teilnehmer -darunter zahlreiche Vertreter(innen) deutscher Hochschulleitungen- im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages die Chancen und Risiken des laufenden Ausdifferenzierungsprozesses. Zentrale Fragen der Veranstaltung waren: Welche Aufgaben sollen die Hochschulen für die Gesellschaft und das Wissenschaftssystem, für Wirtschaft und Region, aber auch für die Hochschulangehörigen selbst erfüllen? Ist ein harmonischer Ausgleich zwischen Spitzenforschung und Breitenausbildung möglich? Welche Aufgaben fallen der Politik beim Ausdifferenzierungsprozess zu?

Veranstaltet wurde die Tagung von der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. Neben den wissenschafts- und hochschulpolitischen Vertretern der Bundestagsfraktion waren fast alle hochschul- und wissenschaftspolitischen Sprecher(innen) der grünen Landtagsfraktionen anwesend.

Grundlage der Diskussionen bildeten dabei u.a. das aktuelle Gutachten des Wissenschaftsrates zur Differenzierung der Deutschen Hochschulen (Vortrag von Dr. Sabine Behrenbeck vom Wissenschaftsrat), die Erfahrungen von Unileitungen mit innovativen Differenzierungsstrategien (u.a. Rektor Prof. Dr. Ulrich Radtke/Uni Duisburg-Essen) sowie die Ergebnisse der ersten Auswertungen der Exzellenzinitiative (u.a. mit Prof. Dr. Stephan Leibfried, Sprecher der Arbeitsgruppe Exzellenzinitiative).

Das Leitbild einer nachhaltigen Hochschule spielte in den Diskussionen eine zentrale Rolle und fließt derzeit durchaus auch in die aktuellen Landtags-Wahlkämpfe ein (vgl. z.B. das Wahlprogramm der Grünen in Baden Württemberg, das dem Thema „Nachhaltige Hochschulen – Nachhaltige Wissenschaft – Nachhaltige Lehre“ drei Seiten widmet (S. 133 ff.).

Die Dokumentation der Gesamtveranstaltung findet sich hier.

Aufbruchstimmung beim Workshop „Eine neue Forschungsagenda für Nachhaltige Entwicklung“

Mit dem gestrigen Workshop „Eine neue Forschungsagenda für nachhaltige Entwicklung“ in Berlin hat sich ein gesellschaftspolitisches Bündnis für eine nachhaltigkeits-orientierte Forschungspolitik konstituiert. Zu dem Hintergrundworkshop hatten die beiden Umweltverbände Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammen mit der Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) und dem Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) eingeladen. Rund 40 Teilnehmer diskutieren über Anforderungen an eine künftige nachhaltigkeits-orientierte Forschungspolitik und konzentrierten sich dabei insbesondere auf die Felder der Energiepolitik sowie den Bereich Agrarforschung/Bio-Ökonomie. Es wurden Bausteine für ein forschungspolitisches Programm und konkrete Maßnahmen zusammengetragen. Auf dieser Grundlage soll die koordinierte Arbeit der Verbände in dem von Ihnen bisher kaum bearbeiteten Feld der Wissenschafts- und Forschungspolitik fortgesetzt werden.

Universität Erfurt setzt auf Nachhaltigkeit in der öffentlichen Darstellung

Als Ergebnis der langjährigen Bemühungen der studentischen Initiative „AG Nachhaltigkeit Erfurt“ um eine Umgestaltung der Universität in Richtung Nachhaltige Entwicklung wird der Schwerpunkt Nachhaltigkeit in Zukunft deutlich in der Öffentlichkeitsarbeit der Universität ausgewiesen.

http://www.uni-erfurt.de/nachhaltigkeit/

Neben Aktivitäten wie der Teilnahme am Ökoprofit und der Einrichtung einer Tauschbörse für Austauschstudierende steht das Selbstorganisierte Seminar „Sustainability – Face the Challenge!“ im Mittelpunkt der öffentlichen Darstellung. Bei dem Projekt treten Sudierende als Organisator/-innen ihrer eigenen Lehrveranstaltung auf. Ihr Ziel ist es Studierenden im Rahmen von Mikroprojekten in Erfurt und Umgebung eine praktische Auseinandersetzung mit dem Konzept nachhaltiger Entwicklung zu ermöglichen. Dabei sind ausgeklügelte Organisationsstrukturen, Kreativität und ein hohes Maß an Motivation und Engagement gefragt. Eine Ringvorlesung für die interessierte Öffentlichkeit bildet den einführenden Rahmen. Im Jahr 2010 brachten die Studierenden eine Broschüre zur Lehrveranstaltung zum Thema Nachhaltigkeit heraus. Lesenswert:

http://www.uni-erfurt.de/fileadmin/public-docs/Nachhaltigkeit/Unterlagen/Broschuere_StuFu_Nachhaltigkeit_2010_web.pdf

Treffen der AG Hochschule in Essen

Nach der leichten Ernüchterung, die sich im Zuge des Scheitern des Zukunftskonzeptes einer Nachhaltigen Universität als Zukunftskonzept im Rahmen der Vorauswahl der Exzellenzinitiative eingestellt hat, zeigten die Mitglieder der AG Hochschule, die als Arbeitsgruppe der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) fungiert, dass ihnen ein solcher Bremser nichts anhaben kann.

Vergangenen Donnerstag, 03.03.2011, setzten sich erneut die Vertreter aus Studierendenschaft, Lehrenden sowie außeruniversitärer Akteure zusammen, um das Voranschreiten von BNE im Hochschulbereich kritisch unter die Lupe zu nehmen, gute Beispiele und Herausforderungen in der Praxis zu diskutieren sowie die weitere Projektarbeit zu koordinieren.

Ulrich Schreiber, Nachhaltigkeitsbeauftragte der Universität Duisburg-Essen, stellte das BENA-Nachhaltigkeitsprojekt der Uni Duisburg-Essen vor. BENA (BEstandsaufnahme NAchhaltigkeit) hat das Ziel, relevante Akteure sowohl universitätsintern, wie -extern zu identifizieren und durch eine bessere Vernetzung deren Aktivitäten zu fördern und insbesondere nach außen zu kommunizieren.

Bereits im universitären Gesamtkonzept etabliert hat sich die Idee einer „Nachhaltigen Hochschule“ an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Andreas Lob-Hüdepohl, Präsident der KU Eichstätt-Ingolstadt berichtete sowohl von der normativen Grundkonzeption als auch von der Konkretisierung eines solchen Vorhabens in der Praxis.

Maik Adomßent von der Universität Lüneburg hingegen erläuterte eher theoriebasiert, was Nachhaltigkeit an Hochschulen zu bedeuten hat. In einer kritischen Bestandsaufnahme zog er Bilanz über die Entwicklungen und Anstrengungen der vergangenen Jahre, zeigte Impulse der Vergangenheit sowie Perspektiven für die Zukunft auf.

Die angeschlossene Projektplanungsphase lässt erwarten, dass wir auch in Zukunft von der AG Hochschule hören werden. An dieser Stelle sei schon mal auf eine geplante Informationsbroschüre zum Thema der Nachhaltigen Hochschule sowie auf zwei im Laufe des Jahres anstehende Konferenzen verwiesen: zum einen geht es um die Stärkung studentischen Engagements in Zeiten verkürzter Studiendauer und enger Stundenpläne sowie um eine Tagung in Anlehnung an die Tagungen des vergangenen Jahres; diesmal unter dem Motto: Wir gehen in die Breite!

Besonderer Dank geht an das Team von BENA, die aus ihrem Gewinn aus dem DM-Wettbewerb „Ideen Initiative Zukunft“ das Treffen finanziell unterstützten.

Startschuss für eine nachhaltige Ausdifferenzierung – ein Kommentar zu den Entscheidungen in der Exzellenzinitiative

Seit Freitag ist klar, dass die Exzellenzinitiative auch in ihrer zweiten Runde ohne nachhaltigkeitsorientierte Gesamtkonzepte stattfinden wird. Der couragierte und äußerst differenzierte Zukunftskonzept-Entwurf der Universität Hamburg zur „Sustainable University“ hat keine Aufforderung zur Ausarbeitung eines endgültiges Antrages erhalten.

Damit wurde es verpasst, auch einer gesellschaftsorientierten Wissenschafts-Ausrichtung eine Chance im Rahmen der Exzellenzinitiative zu geben. Diese immer wichtiger werdende Ergänzung im deutschen Wissenschaftssystem muss mithin außerhalb der Exzellenzinitiativenkulisse stattfinden. Auf den ersten Blick ist das ernüchternd, auf den zweiten Blick stecken darin auch Chancen:

Einmal ist es eine unmittelbare Chance für die mittelgroßen Universitäten, die schon seit einiger Zeit auf ein Nachhaltigkeitsprofil in ihrer strategischen Ausrichtung setzen – vorne weg die Universitäten Lüneburg und Kassel. Ihre besondere Bedeutung für das Wissenschaftssystem wird durch die Entscheidungen vom Freitag wachsen. Durch eine intelligente Vernetzung ihrer Aktivitäten können sie ihre wissenschaftspolitische Wirkung noch stärken.

Es ist aber auch eine Chance für eine Reihe von Universitäten, die seit Freitag wissen, dass sie sich ab jetzt nicht mehr auf die Exzellenzinitiative konzentrieren müssen. Universitäten wie Duisburg-Essen, Dortmund, Osnabrück oder Wuppertal haben in den letzten Jahren viele interessante Elemente einer nachhaltigkeitsorientierten Wissenschaft entwickelt. Für sie könnte die Weiterentwicklung eines gesellschafts- und nachhaltigkeitsorientierten Wissenschaftsprofils eine interessante Differenzierungschance darstellen.

Die Entscheidung wirkt aber auch auf der Ebene ganzer Bundesländer zurück:

Das Land Hessen weiß seit Freitag, dass es auch künftig keine „Eliteuniversität“ beherbergen wird – trotz der eindrucksvollen Exzellenzcluster und Graduiertenkollegs-Leistungen seiner Universitäten Frankfurt, Darmstadt oder Gießen. Dies ist eine Gelegenheit, über die wissenschaftspolitische Positionierung des Landes nachzudenken. Und dabei auch über den Stellenwert von „Gesellschaftsorientierung“ – zumal das Land Hessen im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie in den Hochschul-Zielvereinbarungen als erstes Land diese Dimension fest für alle Hochschulen verankert hat und zudem mit der Universität Kassel sowie Instituten wie dem Institut für sozial-ökologische Forschung über Vordenker-Organisationen im Feld verfügt.

Die neue Landesregierung in Hamburg ist nach den Entscheidungen des Wissenschaftsrates ebenfalls gefordert, ihre künftige Wissenschaftsstrategie zu überdenken. Als Umwelthauptsstadt Europas und vielen Ansatzpunkten für eine nachhaltige Metropole würde es Hamburg gut anstehen, wenn es seine Wissenschaftspotenziale noch stärker für eine entsprechende Positionierung nutzt. Es ist daher zu hoffen, dass die Universität Hamburg ihr wegweisendes Nachhaltigkeitskonzept auch außerhalb der Exzellenzinitiative weiter vorantreibt.

Nordrhein-Westfalen als größtes Bundesland hat die herausragende Chance, das Zusammenspiel von exzellenter Grundlagenforschung und nachhaltigkeitsorientierter Anwendungsforschung vorzuleben. Neben der RWTH-Aachen sind jetzt mit den Universitäten Köln und Bochum zwei weitere Eliteuniversitätskandidaten im Rennen. Schon heute klappt der Brückenschlag zwischen Grundlagenforschung und problemorientierter Anwendungsforschung in NRW in wichtigen Feldern wie der Energie- und Klimaforschung. Dies ließe sich intensivieren. Die Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR) könnte dafür ein Versuchsort mit Vorbildcharakter sein. Hier treffen sich der „Elitekandidat“ Bochum mit den herausragenden inter- und transdisziplinären Potenzialen der Universitäten Duisburg-Essen und Dortmund (vgl. z.B. BMBF Spitzencluster „Effiziencluster LogistikRuhr“ oder Profilschwerpunkte wie den Urbanen Systemen in Duisburg-Essen), ergänzt um Leuchtturminstitutionen wie dem Kulturwissenschaftlichen Institut (KWI) in Essen, das mit seinen Arbeiten zur Klimakultur zentrale Akzente in der Umwelt- und Klimadebatte gesetzt hat. Und dies passiert in einem Umfeld mit idealtypischen „Realexperimentcharakter“ – wie z.B. der Innovation City Ruhr, bei der exemplarisch am Beispiel Bottrops eine CO2-Reduktion um 50% in 10 Jahren umgesetzt und als Muster zusammen mit vielen weiteren Ruhrgebietsstädten entwickelt werden soll.

Es ist zu hoffen, dass die Standorte, die seit Freitag wissen, dass sie Ihre Zukunftsplanung künftig befreit vom Blick auf die Schlange „Exzellenzinitiative“ gestalten können, diese Chance für intelligente Differenzierungsstrategien nutzen.

Stimmen zur Gründung der NaWis-Runde

Anbei ausgewählte Stimmen zur Gründung der NaWis-Runde:

Prof. Dr. Rolf-Dieter Postlep/Präsident der Universität Kassel:
„Die Universität Kassel zählt sicher zu den Vorreiterhochschulen im Feld interdisziplinärer Umweltwissenschaften. Wir haben unsere entsprechenden Forschungs- und Lehraktivitäten schon früh über Fachgrenzen hinweg gebündelt. Die Kooperation im NaWis-Verbund eröffnet unseren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nun neue Synyergien“

Prof. Dr. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg:
„Die Leuphana ist mit der Gründung einer eigenen Fakultät für Nachhaltigkeit die erste deutsche Universität, die eine transdisziplinäre Ausrichtung auch konsequent in ihrer organisatorischen Struktur umsetzt. Die Zusammenarbeit mit anderen Vorreiterinstitutionen im Rahmen des NaWis-Verbundes stärkt unsere Aktivitäten.“

Prof. Dr. Uwe Schneidewind, Präsident des Wuppertal Institutes:
„Die NaWis-Runde ist ein Nukleus, um die Nachhaltigkeitswissenschaften in Deutschland insgesamt weiter auszubauen. Das Netzwerk soll sich in den kommenden Jahren um weitere Schlüsseleinrichtungen in anderen Bundesländern erweitern.“

Svenja Schulze, Wissenschaftsministerin des Landes Nordrhein Westfalen:
„Nordrhein Westfalen verfügt über hervorragende wissenschaftliche Potenziale, um Beiträge zur Transformation zu einer klimagerechten und nachhaltigen Welt zu leisten. Mit unserer Initiative Fortschritt.NRW wollen wir u.a. zu den dafür notwendigen interdisziplinären Brückenschlägen beitragen. Die NaWis-Runde setzt länderübergreifend auf eine Vernetzung der entsprechenden Vorreitereinrichtungen im Wissenschaftssystem. Das begrüßen wir ausdrücklich.“

Zukunftskonzept der Nachhaltigen Universität Hamburg leider nicht zur endgültigen Antragstellung in der Exzellenzinitiative aufgefordert

Die Universität Hamburg hatte in ihrer Antragsskizze für die 3. Linie der Exzellenzinitiative als erste große deutsche Universität konsequent auf das Konzept einer Nachhaltigen Universität gesetzt. Leider ist die Skizze in der heutigen Auswahlrunde von Wissenschaftsrat und DFG nicht zur endgültigen Antragsstellung aufgefordert worden. Obwohl das Konzept selber von den Gutachtern für visionär gehalten wurde, führte insbesondere Skepsis bzgl. des Entwicklung des Wissenschaftsstandortes Hamburg insgesamt dem Vernehmen nach zur Ablehnung (vgl. hierzu auch die Pressemeldung der Universität Hamburg sowie die Meldung des Nachhaltigkeitsrates). Es ist zu hoffen, dass die Universität Hamburg sich von dieser Entscheidung nicht entmutigen lässt und die Umsetzung des wegweisenden Konzeptes auch unter den anderen Randbedingungen weiter vorantreibt.

CampusGrün und grüne Hochschulgruppen

Auch politische Hochschulgruppen engagieren sich im Bereich der Nachhaltigkeit. Hier ein Umfassender Überblick über die aktiven Gruppen an deutschen Universitäten:

Eine Liste nicht-politischer Initiativen findet ihr hier.


Schleswig-Holstein

Kiel
Campus Grüne Kiel

Hamburg
CampusGrün Hamburg

Bremen
CampusGrün Bremen

Niedersachsen
Göttingen
GHG Göttingen
Hannover
CampusGrün Hannover
Lüneburg
CampusGrün Lüneburg
Osnabrück
GHG Osnabrück

Mecklenburg-Vorpommern
Greifswaldd
GHG Greifswald
Rostock
GHG Rostock

Berlin
Grünboldt (HU)
INGruen (TU)
GHG FU

Brandenburg
Potsdam
GAL Potsdam

Sachsen-Anhalt
Halle
GHG Halle
Magdeburg
GHG Magdeburg

Nordrhein-Westfalen
Aachen
GHG Aachen
Bielefeld
Grüne offene Liste
Bochum
GHG Bochum
Bonn
CampusGrün Bonn
Dortmund
Die Grünen TU
Duisburg-Essen
GHG Duisburg-Essen
Hagen
GHG Fernuni Hagen
Köln
CampusGrün Köln
Münster
Campus Grün Münster
Paderborn
CampusGrün Paderborn
Wuppertal
Bündnis Freibeuter und Grüne

Hessen
Darmstadt
CampusGrüne TUD
Frankfurt a.M.
GHG Frankfurt
Giessen
UniGrün GHG
Kassel
GHG Kassel
Marburg
GHG Marburg

Thüringen
Ilmenau
GHG Ilmenau
Jena
Intergrün

Sachsen
Chemnitz
CampusGrün
Dresden
GHG Dresden

Rheinland Pfalz
Kaiserslautern
Grüne:Uni
Mainz
CampusGrün Mainz
Trier
Die GrünOrangen

Saarland
Homburg/ Saarbrücken
CampusGrün Saar

Baden-Württemberg
Freiburg
GHG Freiburg
Heidelberg
GHG Heidelberg
Karlsruhe
GHG Karlsruhe
Konstanz
GHG Konstanz
Mannheim
GAHG Mannheim
Tübingen
GHG Tübingen

Bayern
Augsburg
GHG Augsburg
Bamberg
GHG Bamberg
Bayreuth
GHG Bayreuth
Eichstätt-Ingolstadt
GHG-EI
Erlangen-Nürnberg
GHG Erlangen
München
GHG München
Passau
GHG Passau
Würzburg
GHG Würzburg

Auflistung studentischer Initiativen im Bereich Nachhaltigkeit

Studierenden liegt das Thema Nachhaltigkeit am Herzen. Deutschlandweit findet sich eine Vielzahl an studentischen Gruppen, die hierfür selbst die Ruder in die Hand genommen haben: Sie organisieren Vorlesungsreihen und Seminare, setzen sich für eine faire Mensen und klimagerechte Gebäude an den Universitäten ein.

Hier eine Auflistung der Gruppen:

Hamburg
Oikos Hamburg
sneep Hamburg

Niedersachsen

Clausthal
Oikos Clausthal
Lüneburg
sneep Lüneburg
Netzwerk Klimagerechte Hochschule/ Ökologiereferat des AStA
Oldenburg
sneep Oldenburg

Berlin
sneep Berlin
Initiative für Nachhaltige Entwicklung
Netzwerk Klimagerechte Hochschule
Uni Solar

Brandenburg
Cottbus
Solar University/Uni Solar
Potsdam
Netzwerk Klimagerechte Hochschule/ Ökologiereferat des AstA

Sachsen-Anhalt

Halle
sneep Halle
BURGgrün KH/ Netzwerk Klimagerechte Hochschule Halle

Nordrhein-Westfalen
Bielefeld
AK Ökologie (AStA)
Duisburg-Essen
Initiative für Nachhaltigkeit
Köln
Oikos Cologne
Münster
sneep Münster
Studenteninitiative Wirtschaft und Umwelt e.V.
Paderborn
Oikos Paderborn
Witten/Herdecke
Oikos Witten/Herdecke

Hessen
Marburg
Phlink

Thüringen
Erfurt
AG Nachhaltigkeit
Ilmenau
Referat für Umwelt des StuRa Ilmenau/ Netzwerk Klimagerechte Hochschule
Nordhausen
Mission Sustainability

Sachsen
Dresden
TU – Umweltinitiative
Leipzig
Netzwerk Klimagerechte Hochschule

Rheinland Pfalz
Trier
sneep Trier

Baden-Württemberg
Friedrichshafen
Oikos Friedrichshafen
Heidelberg
Netzwerk Klimagerechte Hochschule
Karlsruhe
sneep Karlsruhe
Netzwerk Klimagerechte Hochschule/ kine e.V.
Global Marshall Plan Initiative
Konstanz
Oikos Constance
Stuttgart
sneep Stuttgart
Tübingen
Greening the University e.V.
Oikos Tübingen
Global Marshall Plan Initiative

Bayern
Bayreuth
Oikos Bayreuth
Eichstätt-Ingolstadt
sneep EI
Netzwerk Klimagerechte Hochschule
Nürnberg
Netzwerk Klimagerechte Hochschule
München
Sneep München
Netzwerk Klimagerechte Hochschule
Passau
sneep Passau
Würzburg
AK Ökologie/ Netzwerk Klimagerechte Hochschule/ Ö-Pro e.V

Einige dieser Gruppen gehören nationalen wie internationalen Netzwerken an. Siehe hierfür auch:
Oikos international: students for sustinable economics and management
sneep: Studentisches Netzwerk für Wirtschafts- und Unternehmensethik
Netzwerk klimagerechte Hochschule
Uni Solar
Initiative für Psychologie im Umweltschutz

Falls eure Hochschulgruppe hier fehlt, hinterlasst einen Kommentar oder wendet euch an den Administrator.

Außer bei den hier aufgeführten Gruppen spielen Aspekte „Nachhaltiger Hochschule“ auch bei den Campus-Grün und den Grünen Hochschulgruppen sowie weiteren politischen Hochschulgruppen eine wichtige Rolle.

Neuer Newsletter der Nachhaltigkeitsinitiative an der Universität Duisburg-Essen erschienen

An der Universität-Duisburg Essen ist der neue Newsletter der BENA-Initiative erschienen – anbei einige der wichtigsten Nachrichten:

Nachhaltigkeit zahlt sich aus. Nachdem das BENA-Netzwerk „Nachhaltigkeit entdecken“ an der Universität Duisburg-Essen bereits vergangenen Herbst als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) ausgezeichnet wurde, gewann sie gleichzeitig den Wettbewerb „Ideen Initiative Zukunft“ der Drogeriekette DM.

Weiterhin fand am 15.01.11 sowie am 19.02.11 die zweite Runde der Mobilität^Werk^Stadt statt. Im Zentrum dieser Initiative steht die Vernetzung von Bürgerinnen und Bürgern mit entsprechenden ExpertInnen, um gemeinsam Konzepte und Maßnahmen für ein nachhaltiges Mobilitätskonzept zu entwickeln. Es geht um Ideen und Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrssituation alternativ zum Bau neuer Autobahnen.

Weitere Informationen zur Nachhaltigkeitsinitiative sowie zum BENA-Projekt gibt es unter: http://www.uni-due.de/nachhaltigkeit/

Workshop „Eine neue Forschungsagenda für nachhaltige Entwicklung“ von BUND, NABU, BÖLW und VDW am 10.03.2011 in Berlin

Am 10.03.2011 veranstalten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschlands (BUND), der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) einen ganztätigen Workshop „Eine neue Forschungsagenda für nachhaltige Entwicklung“ in Berlin. Der Workshop will die gegenwärtigen Prämissen und Konsequenzen der Forschungspolitik und Forschungsförderung analysieren und Grundzüge eines Konzeptes entwerfen, das auf eine nachhaltige Entwicklung und vielfältige Forschungspfade hin orientiert ist. Ein vorläufiger Programmentwurf ist am Ende des Beitrages abrufbar. Anmeldungen und weitere Informationen bei Steffi.Ober@NABU.de.

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BMBF-Ausschreibung „Förderung von Forschungspotenzialen im Bereich Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE)“ – Ausschreibung mit Relevanz für den Hochschulbereich

In einer neuen Bekanntmachung schreibt das Bundesforschungsministerium (BMBF) Forschungsvorhaben im Bereich „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ (BNE) aus. BNE soll damit stärker an die bestehende bildungswissenschaftliche Forschung herangeführt werden. Als Themenfelder sind dabei neben (1) Kompetenzmessung und -diagnostik und (2) Lehrerkompetenzen auch die Bereiche (3) Steuerung und Institutionalisierung sowie (4) Transfer von BNE angesprochen. Die beiden letzten Felder sind nicht auf den schulischen Bereich beschränkt. Es geht hier um die Institutionalisierung und Diffusion von BNE in allen Bereichen des Bildungssystems – also auch in Hochschulen.

Gefördert werden möglichst Projektverbünde aus unterschiedlichen Partnern, die theoriebasiert und empirisch gestützt vorgehen, möglichst interdisziplinär ausgerichtet sind und ein besonderes Augenmerk auf die Doktorandenförderung legen. Die Projekte können maximal 3 Jahre laufen und sollen ein Volumen von 65.000 Euro p.a. nicht überschreiten. Die Einreichungsfrist für die 15-seitigen Projektskizzen ist der 18.03.2011. Es ist auf möglichst viele und gute Skizzen mit einem Hochschulfokus zu hoffen!

Tagung „Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung“ in Berlin – kraftvoller Impuls für eine Nachhaltigkeits-Orientierung an Deutschen Hochschulen

Rund 100 Teilnehmer nahmen am 3.12.2010 im Berliner Harnack-Haus an der von der deutschen UNESCO-Komission (DUK) (AG Hochschule), dem Rat für Nachhaltige Entwicklung und der Freien Universität Berlin getragenen Tagung „Hochschulen für nachhaltige Entwicklung“ teil. Diese Tagung war Nachfolge-Tagung einer Veranstaltung von Deutscher Unesco-Kommission und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am 15. April 2010 in Bremen und erfreute sich noch größerer Resonanz als schon die Bremer Tagung.

Doch nicht nur die Zahl der Teilnehmer aus rund 40 unterschiedlichen Hochschulen war bemerkenswert, sondern die Kraft, mit der das Thema „Nachhaltigkeit“ aktuell aus unterschiedlichen Richtungen in die Hochschulen getragen wird: Prof. Dr. Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, machte in seinem Vortrag zum Exzellenzintiativen-Antrag der Universität Hamburg deutlich, wie eine Nachhaltigkeitsorientierung den Rahmen für ein umfassendes Zukunftskonzept einer Großuniversität in den Bereichen Wissenschaftsverständnis, Forschung, Lehre und Universitäts-Governance bilden kann.
Mandy Singer-Brodowski stellte in einem eindruckvollen Vortrag die Perspektiven und den Forderungskatalog von rund zehn an unterschiedlichen Hochschulen tätigen studentischen Initiativen vor. Dabei stellte sich eine hohe Parallelität der Forderungen mit den Bausteinen des Hamburger Zukunftskonzeptes heraus. Ein Zusammenfallen, das zeigt, dass eine Nachhaltigkeitsorientierung zu neuen Formen der Zusammenarbeit vieler Gruppen in Hochschulen führen kann.

In parallelen Workshops (zu den Themenfeldern Lehrerbildung, fachübergreifende Angebote zum Thema Nachhaltigkeit sowie E-Learning-Veranstaltungen für Nachhaltigkeit) zeigte sich, dass dieser Impuls inzwischen an vielen Hochschulen aufgenommen wurde. Ein aktuelles Beispiel ist die Katholische Universität Eichstätt, die –befördert durch die gemeinsame Erklärung von Deutscher Unesco-Kommission und HRK- inzwischen eine eigene Beauftragte für BNE in der Hochschule benannt und rechtzeitig zur Berliner Tagung ein Leitbild „Nachhaltige Katholische Universität Eichstätt“ verabschiedet hatte (vgl. den Titel-Bericht im Universitätsmagazin „Agora“ der Universität).

Am Ende der Veranstaltungen bestand Einigkeit darüber, dass über solche Tagungen hinaus Wege zu einer weitergehenden Institutionalisierung der Nachhaltigkeitsimpulse an deutschen Hochschulen gefunden werden müssen. Dabei wurden Forderungen laut, eine Verpflichtung zu Nachhaltigkeit zu einem festen Element in allen Landes-Hochschulgesetzen zu machen – eine Perspektive von der einzelne Länder wie das Land Hessen, das Nachhaltigkeitselemente fest in den Katalog der Zielvereinbarungsbausteine mit seinen Hochschulen übernommen hat, gar nicht so weit entfernt sind.

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Prof. Dr. Dieter Lenzen; Prof. Dr. Uwe Schneidewind; Mandy Singer-Brodoski, Prof. Dr. Georg Müller-Christ im Podiumsgespräch zu den Perspektiven von Hochschulen für Nachhaltigkeit am 3.12.2010 im Berliner Harnack-Haus.

Drei studentische Nachhaltigkeits-Initiativen als Modellprojekte der Dekade einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet

Auf der Berliner Tagung „Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung“ wurden gleich drei studentische Initiativen als Modellprojekte der Dekade „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Dies sind:
O die AG Nachhaltigkeit Erfurt e.V. an der Universität Erfurt (www.stufu-nachhaltigkeit.de)
O die Studierendeninitiative „Greening the University“ e.V. an der Universität Tübingen (www.greening-the-university.de)
O der Arbeitskreis Ökologie – Studierendenvertretung der Julius-Maximiliam Universität Würzburg (http://www.stuv.uni-wuerzburg.de/arbeitskreise/ak_oekologie/)

Einen herzlichen Glückwunsch zu dieser Anerkennung der erfolgreichen Arbeit!

101203-DUK-Berlin-Ausgezeichnete-Initiativen

Forderungskatalog studentischer Initiativen für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Auf der Berliner Tagung „Hochschulen für Nachhaltige Entwicklung“ am 3.12. in Berlin hat ein Netzwerk studentischer Initiativen (darunter auch die drei dort als Modellprojekte der UN-Dekade der Bildung für Nachhaltige Entwicklung ausgezeichneten Vereinigungen) einen Forderungskatalog für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung an Hochschulen vorgelegt. Dieser umfasst ein breites Spektrum an notwendigen Verbesserungen an Hochschulen und reicht weit über rein thematische Re-Orientierungen in Forschung und Lehre hinaus. Hier finden sich die sieben wichtigsten Forderungen im Überblick:
1. Förderung innovativer Lehrformen (vom Projektstudium über Summer-Schools bis zu Maßnahmen der Erhöhung von Raum für Reflexion in bestehenden Veranstaltungen)
2. Schaffung der Möglichkeit von ehrenamtlichen Engagement im Lernraum
3. Thematische Integration der Inhalte einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung
4. Förderung von Inter- und Transdisziplinarität in der Lehre
5. Einführung eines integrierten Nachhaltigkeitsmanagements an der Hochschule
6. Verbesserte Informations- und Beteiligungspraktiken in der Selbstverwaltung
7. Ausbau bildungspolitischer Anreize in Politik und Institutionengeflecht der Hochschulen

Neben diesem abgestimmten Forderungskatalog wurden in den Diskussionen in Berlin weitere Ideen entwickelt, deren Weiterverfolgung lohnenswert erscheint:
O Ausbau und Förderung der Möglichkeiten des Peer-to-Peer-Lernens (d.h. Wissensaustausch zwischen Studierenden) in den Hochschulen
O Verankerung einer Nachhaltigkeitsorientierung als Hochschulaufgabe in den Landeshochschulgesetzen
O Aufbau von Förderprogrammen auf Bundes- und Landesebene, die die Einrichtung von Nachhaltigkeitsbeauftragten an Hochschulen unterstützen

Das Netzwerk der Hochschul-Initiativen für eine Bildung für Nachhaltige Entwicklung wird sich weiterhin eng abstimmen. Eine Liste beteiligter Initiativen ist aktuell im Aufbau. Das Netzwerk wird auf dem Weblog Nachhaltige Wissenschaft über aktuelle Aktivitäten berichten.

Europäische „Innovationsunion“ konzentriert sich insbesondere auf Innovationsherausforderungen im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich

Anfang Oktober hat die Europäische Kommission ihren Vorschlag einer „Innovationsunion“ als einen Baustein zur Umsetzung der Europa 2020-Strategie (in der ein „smart, sustainable and inclusive growth“ als Politikziel eine zentrale Rolle spielt) vorgelegt. Die Innovationsunion folgt der schon mit der Lissabon-Strategie eingeschlagenen Richtung, die künftige Forschungspolitik so auszurichten, dass aus der Forschung schneller marktfähige Produkte und Dienstleistungen und werden und so zur Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Europa beitragen. Interessant dabei ist jedoch, dass im Rahmen dieser Strategie ökologische Herausforderungen wie Klima, Energie, Wasser, Ressourcenknappheit, nachhaltige Landwirtschaft und intelligente Städte im Zentrum stehen (vgl. die Ankündigung der Kommission vom Oktober 2010). Es lohnt sich daher zu verfolgen, ob die Instrumente der Innovationsunion im ab 2013 anstehenden 8. Forschungsrahmenprogramm Ansätze für eine durchaus transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft bieten.

VDW-Positionspapier „Für eine verantwortbare und zukunftsorientierte Forschungspolitik in Deutschland“

  • Die 1959 von Carl Friedrich von Weizsäcker gegründete Vereinigung deutscher Wissenschaftler (VDW) fordert in ihrem aktuellen Positionspapier „Für eine verantwortbare und zukunftsorientierte Forschungspolitik in Deutschland“ ein umfassendes wissenschafts- und forschungspolitisches Umdenken. Die Kritik der VDW setzt daran an, dass heute umfassende Forschungsgelder ohne öffentliche Diskussion in (technologischen) Großprojekten z.T. auf Jahrzehnte gebunden sind, andere gesellschaftliche Herausforderungen z.T. nur sehr ungenügend in der aktuellen Forschungspolitik abgebildet sind. Die VDW fordert daher u.a. dazu auf:
  • die Förderschwerpunkte einem systematischen Monitoring und Reporting zu unterziehen,
  • die Förderschwerpunkte im BMBF vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Fragen neu zu strukturieren,
  • die Verwendung der öffentlichen Mittel für Forschung & Entwicklung in den Gestaltungsraum der Politik zu bringen,
  • das Übergangsfeld zwischen Forschungsförderung und Markteinführung neu zu bestimmen,
  • einen wirklichen Dialog mit der Öffentlichkeit zu entwickeln,
  • Bürgerinnen und Bürgern sowie Nichtregierungsorganisatinen an forschungspolitischen Fragen zu beteiligen.

Vermutlich am 10. März 2011 wird es eine Tagung der VDW geben, in der die Themen des Positionspapieres im Mittelpunkt stehen werden.

Wissenschaftsrat legt seine Empfehlungen zur Differenzierung von Hochschulen vor – nur zaghafte Brücken zu gesellschaftsorientierten Wissenschaftsprofilen

In seiner Herbstsitzung (10.-12.11.2010 in Lübeck) hat der Wissenschaftsrat u.a. seine „Empfehlungen zur Differenzierung der Hochschulen“ verabschiedet. In seinen Empfehlungen plädiert der Wissenschaftsrat für mehr Mut zu Differenzierung im deutschen Hochschulsystem. Die Hochschultypen Universität und Fachhochschule in ihrer bisherigen Form allein reichen aus Sicht des Wissenschaftsrates nicht mehr aus, um die gewachsene Vielfalt der individuellen und gesellschaftlichen Erwartungen an akademische Einrichtungen erfüllen zu können. Es seien mehr alternative Hochschulformen notwendig. In seinem Gutachten (S. 110 f.) weist der Wissenschaftsrat dann auch knapp 30 Hochschulbeispiele aus, die heute schon in Deutschland als „institutionelle Sonderformate“ in „Abweichung vom institutionellen Regelfall“ gelten können – dabei auch mehrere themenfokussierte Hochschulen wie z.B. die Hafen City Univercity (HCU) oder die Hertie School of Governance. Insgesamt wird das Potenzial einer gegenstandsbezogenen Differenzierung von Hochschulen anhand von gesellschaftlichen Herausforderungen nur am Rande adressiert (vgl. S. 38 der Stellungnahme). So heißt es lediglich in einer Fußnote auf S. 38 „International lassen sich vereinzelt Experimente mit gegenstandsbezogenen Hochschulen beobachten. Dabei spielen vielfach transdisziplinäre Konzepte und eine Orientierung an großen gesellschaftlichen Herausforderungen eine Rolle. Vgl. exemplarisch die Selbstbeschreibung der Arizona State University in Phoenix.“ Es ist auch die einzige Stelle in dem 150-seitigen Papier, an der der Begriff der „Transdisziplinarität“ auftaucht. „Nachhaltige Entwicklung“ als gesellschaftliche Schlüsselherausforderung für eine mögliche gesellschaftliche Orientierung von Hochschulen wird kein einziges Mal erwähnt. Dies ist umso interessanter als aktuell mehrere Universitäten (wie z.B. die Universität Hamburg in ihrem Exzellenzinitiativenantrag oder die Leuphana Universität Lüneburg) in Deutschland aktuell auf eine Nachhaltigkeits-Orientierung als Differenzierungsstrategie setzen. Am 3.12.2010 wird in Berlin im -Rahmen der Tagung „Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung“ die Frage eine Rolle spielen, ob die Herausforderung „Nachhaltige Entwicklung“ ein Differenzierungsmerkmal für einzelne Hochschulen oder eine Aufgabe für die gesamte Hochschullandschaft ist.

Qualität statt Quantität – Positionspapier der Jungen Akademie ist auch ein gutes Signal für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

Die Junge Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina hat ein Positionspapier „Qualität statt Quantität – auch in Berufungsverfahren“ vorgelegt, in dem sie die neuen Regeln der DFG auf Beschränkung der Publikationszahlen im Rahmen von Forschungsanträgen begrüßt und entsprechende Regeln auch bei Berufungsverfahren einfordert. Diese Orientierung an „Qualität statt Quantität“ bedeutet auch eine Chance für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, weil sie den Blick auf die konkreten Inhalte wissenschaftlicher Arbeiten stärken wird und Anreize dazu schafft, auch komplexere inter- und transdisziplinäre Forschungsvorhaben insbesondere im Kontext einer Forschung für Nachhaltige Entwicklung zu wagen.

Hochschulen Europas werden gemeinsam für nachhaltige Entwicklung aktiv: Die COPERNICUS Alliance

Die neu gegründete COPERNICUS Alliance vereint europäische Hochschulen in einem Netzwerk um gemeinsam Aktivitäten für nachhaltige Entwicklung zu setzen. Seit dem Startschuss im Rahmen des Kick-Off-Workshops im Juli in Graz ist das Netzwerk auf aktuell 15 Mitgliederinstitutionen aus 7 Nationen angewachsen.
Grundlegend für die Entstehung der COPERNICUS Alliance war die COPERNICUS Charta, die bereits 1993 von der Europäischen Hochschulrektorenkonferenz entwickelt und bis 2005 von 326 Universitäten unterzeichnet wurde. Eine der ersten Aktivitäten der aktuellen Mitglieder ist eine Überarbeitung der Charta, die dem Wandel der Zeit Rechnung trägt und die Grundlage für die Ziele des Netzwerks bilden kann. Die Vision der COPERNICUS Alliance ist es, eine nachhaltige Entwicklung im Rahmen des europäischen Hochschulsektors zu fördern, indem Bildung und Forschung gemeinsam mit gesellschaftlichen Akteuren entsprechend weiterentwickelt werden.
Die COPERNICUS Alliance ist Ergebnis und Reaktion auf die stetig wachsende Bedeutung von Hochschulaktivitäten im Horizont nachhaltiger Entwicklung weltweit und stellt auf europäischer Ebene ein ähnliches Netzwerk dar, wie etwa AASHE (Association for the Advancement of Sustainability in Higher Education) in Nordamerika oder ProSPER.Net (Network for the Promotion of Sustainability in Postgraduate Education and Research) im Asien-Pazifik-Raum.
Die die nächsten Schritte des wachsenden Netzwerkes zielen auf Aktivitäten innerhalb der bestehenden Arbeitsgruppen zu Themen wie „Innovative Teaching & Learning“, „Implementation of Sustainability in Universities“, „Students Involvement“, „Research“ sowie auf die Organisation von speziellen Veranstaltungen für COPERNICUS Alliance Mitglieder ab.

Nähere Informationen zum Netzwerk gibt es auf der Website www.copernicus-alliance.org

5. internationale Barcelona-Konferenz des „Global University Network on Innovation“ (GUNI) widmet sich dem Thema „Higher Education´s Commitment to Sustainability: from Understanding to Action“

Die 5. Barcelona-Konferenz des GUNI-Netzwerkes ist vom 23.-25.11.2010 dem Thema Nachhaltigkeit im Hochschulsektor gewidmet. Das GUNI-Netzwerk wurde 1999 von der UNESCO, der United Nations University (UNU) und der technischen Universität von Katalonien (UPC) im Jahr 1999 im Anschluss an die UNESCO-Weltkonferenz on „Higher Education“ im Jahr 1998 gegründet. Es setzt sich aus den weltweiten UNESCO-Lehrstühlen zusammen und umfasst 179 Institutionen aus 68 Ländern. Ziel des GUNI-Netzwerk ist es, die Rolle der Higher Education in der Gesellschaft zu stärken.

Die 5. Barcelona-Konferenz wird einen umfassenden Überblick über den Stand der Nachhhaltigkeitsorientierung im Hochschulsektor in allen Weltregionen geben und zukünftige Perspektiven aufzeigen.

4. Studentenwerkspreis für soziales Engagement an die Tübinger Studierenden Initiative „Greening the University e.V.“

Am 25. Oktober 2010 hat die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, den 4. Studentenwerkspreis für soziales Engagement 2009/2010 „Studierende für Studierende“ an die Tübinger Studierendeninitiative „Greening the University e.V.“ verliehen. Die Studierendeninitiative „Greening the University“ wird für ihr Engagement im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) ausgezeichnet und dabei insbesondere für ihr seit dem Sommersemester 2009 organisiertes Kursprogramm „Studium Oecologicum“. Dieses Tübinger Modell ist bundesweit bisher einzigartig. Weitere Informationen sehen finden Sie hier.

Stiftungsprofessur für „Nachhaltige Entwicklung“ an der Universität des Saarlandes gestartet

Seit dem 01.10.2010 ist die Stiftungsprofessur für Nachhaltige Entwicklung an der Universität des Saarlandes gestartet.Der Lehrstuhl wurde bereits im vergangenen Jahr von der Saar-Uni und der Europäische Akademie Otzenhausen gemeinsam mit der Bildungsinitiative „Mut zur Nachhaltigkeit“ eingerichtet und wird von der Asko-Europa-Stiftung gefördert. Lehrstuhlinhaber ist Prof. Dr. Olaf Kühne. Der Lehrstuhl soll Angebote zur Nachhaltigen Entwicklung in alle Fachbereiche der Universität Saarbrücken einbringen – eine hoch interessante Initiative, über deren Fortgang auf dem Blog weiter berichtet wird. Weitere Informationen finden Sie unter: http://bit.ly/92OICb

Fraunhofer-Gesellschaft startet umfassende Nachhaltigkeitsinitiative

Der Vorstand der Fraunhofer Gesellschaft hat ein internes Projekt mit über 1,1 Mio € zur Implementierung eines Nachhaltigkeitskonzeptes in der Fraunhofer-Gesellschaft bewilligt. Das Konzept baut auf den Aktivitäten des im Dezember 2009 offiziell gegründeten „Fraunhofer Netzwerkes Nachhaltigkeit“, dem insgesamt 18 Fraunhofer-Institute angeschlossen sind, auf. Das jetzt vom Vorstand bewilligte interne Projekt „Strategie Nachhaltigkeit“ startet im November 2010 und läuft bis zum Oktober 2011. Seine Ziele sind:
o die Fraunhofer-Gesellschaft an den Zielen einer »Nachhaltigen Entwicklung« zu orientieren,
o die Fraunhofer-Gesellschaft durch konkrete Handlungsstrategien und daraus resultierende Innovationsprozesse zu stärken,
o die Fraunhofer-Gesellschaft als Dienstleisterin für Nachhaltigkeitsstrategien von Industrie, Politik und Gesellschaft zu positionieren sowie
o Zukunftsthemen -auch mit Blick auf Entwicklungs- und Schwellenländer- für die Fraunhofer Gesellschaft zu identifizieren, die neue Beiträge zu einer »Nachhaltigen Entwicklung« liefern.

Das Projekt teilt sich in drei Teilprojekte „Leitbild und Strategie“ (Koordination Fraunhofer IGB/Stuttgart ; Prof. Dr. Thomas Hirth, Dr. Johanna Leissner), „Nachhaltige Forschungs- und Geschäftsprozesse“ (Fraunhofer UMSICHT/Oberhausen, Jürgen Bertling, Markus Hiebel) und „Forschung für Nachhaltigkeit“ (Fraunhofer ISI/Karlsruhe, PD Dr. Rainer Walz).

Weitere Informationen zur Initative und zum Netzwerk gibt es hier oder bei: Johanna.leissner@zv.fraunhofer.de

Damit positioniert sich die erste der großen nationalen Wissenschaftsgemeinschaften prominent im Themenfeld Nachhaltigkeit – ein weiterer wichtiger Impuls zur Entwicklung der Wissenschaftslandschaft in Deutschland.

Tagung „Von der Internationalen Hochschule zur Transkulturellen Wissenschaft“ vom 16.-18.09.2010 in Lüneburg – interessante Impulse für eine „Nachhaltige Wissenschaft“

Vom 16.-18.09.2010 fand in Lüneburg die Tagung „Von der Internationalen Hochschule zur Transkulturellen Wissenschaft“ statt. Hervorragend besetzt (so waren dort neben vielen führenden internationalen Wissenschaftlerinnen u.a. die ehemalige Bundespräsidentin Rita Süßmuth sowie die amtierende DAAD-Präsidentin Sabine Kunst anwesend) wagte die Tagung zehn Jahre nach dem erfolgreichen Projekt der Frauenuniversität auf der Expo 2000 einen Blick auf die Perspektiven einer transkulturellen Wissenschaftsentwicklung. Es wurde deutlich, wie eng die Bezüge zwischen transkultureller Wissenschaft (vgl. z.B. den Beitrag von Mae), Gender- und Diversity-Forschung sowie den Anforderungen an eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschaft sind. Hier bestehen erhebliche Potenziale, das Projekt einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ in enger Kooperation dieser Forschungs- und Wissenschaftsbezüge zusammenzubringen. Die Ergebnisse der Tagung werden im nächsten Jahr in einem Buch dokumentiert erscheinen.

Stifterverband wünscht sich in Studie stärkere gesellschaftliche Pluralisierung der Hochschulräte

Der Stifterverband hat ein „Handbuch Hochschulräte“ vorgelegt, in dem er u.a. zu einer stärkeren Pluralisierung von Hochschulräten rät. In der begleitenden Pressemeldung heißt es wörtlich:
„Nur wenn Hochschulräte vielfältig zusammengesetzt sind, können sie ihre Funktion als Orte des gesellschaftlichen Diskurses ausüben…. Derzeit kommt jedes zweite Hochschulratsmitglied aus der Wissenschaft. Aus der Wirtschaft stammt dagegen nur jedes dritte Mitglied. Von einer Dominanz der Unternehmen in Hochschulräten kann nicht gesprochen werden.“ Es ist zu erwarten, dass die Zurückdrängung von wissenschaftlichen Vertretern in den Hochschulräten zugunsten von mehr Vertretern aus gesellschaftlichen Gruppen zu Diskussionen geführt wird. Im Sinne einer nachhaltigkeits-orientierten Wissenschaft nehmen hoffentlich viele gesellschaftliche Gruppen aus Kirchen, Umweltverbänden, Gewerkschaften den Ball auf und signalieren die klare Bereitschaft zu Mitwirkung in Hochschulräten. Die Studie des Stifterverbandes liefert hierfür eine gute Vorlage.

Universität Hamburg geht mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ als Zukunftskonzept in die nächste Runde der Exzellenzinitiative

Die Universität Hamburg setzt mit ihrem Zukunftskonzept (3. Linie) in der Bewerbung für die kommende Runde der Exzellenzinitiative auf das Thema Nachhaltigkeit. Der Antrag für die 3. Förderlinie heißt „Zukunftskonzepte zum projektbezogenen Ausbau der universitären Spitzenforschung Universität Hamburg: Seeking Knowledge for a Sustainable Future“ und soll mit einem Partnernetzwerk deutscher und skandinavischer Universitäten umgesetzt werden. Dies verspricht spannende Impulse für die Diskussion um eine Nachhaltigkeitsausrichtung von Hochschulen in Deutschland.

ICSU/ISSC-Bericht: Grand Challenges in Global Sustainability Research: A Systems Approach to Research Priorities for the Decade

Der International Council for Science (ICSU) hat mit dem International Social Science Council (ISSC) einen umfassenden Visioning-Prozeß zur Ermittlung der zentralen Herausforderungen einer zukünftigen Nachhaltigkeitsforschung initiiert. Der Endbericht „Grand Challenges in Global Sustainability Research: A Systems Approach to Research Priorities for the Decade“ liegt seit Sommer vor und zeichnet einen Outline für die künftige Sustainability-Forschung.

Fünf zentrale Challenges werden dabei identifiziert:
Challenge 1: Forecasting
Challenge 2: Observations
Challenge 3: Thresholds
Challenge 4: Responses
Challenge 5: Innovation

Die Herausforderungen 4 und 5 widmen sich dabei den konkreten Übergangsprozessen zu nachhaltigen Gesellschaften.
Die ICSU und ISSC-Initiative bildet auch eine wichtige Rahmung für die künftige deutsche Nachhaltigkeitsforschung

Campus.grün Lüneburg legt Positionspapier „Auf dem Weg zur Nachhaltigen Hochschule“ vor

Die Studierenden-Initiative campus.grün Lüneburg (Link: www.leuphana.de/campusgruen) hat ein umfassendes Papier zur Nachhaltigkeitsstrategie an der Leuphana Universität Lüneburg vorgelegt.
Sie zeigt darin Perspektiven auf, die über das ohnehin schon ergriffene Nachhaltigkeitsengagement der Leuphana hinausgehen. Es umfasst dabei die Bereiche der nachhaltigen Campus-Entwicklung genauso wie Forschung, Lehre sowie das Leben auf dem Campus.

Das Papier kann unter folgendem Link als PDF heruntergeladen werden.

Tagung „Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ vom 15.04.2010 in Bremen jetzt auch als Video-Mitschnitt dokumentiert

Die Tagung „Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“ am 15.4.2010 an der Universität Bremen wurde in einem 30-minütigen Zusammenschnitt wichtiger Beiträge auch per Video dokumentiert. Der Mitschnitt vermittelt gute Eindrücke der Tagung. Das System der „mobile lecture“, mit dem die Aufnahmen passierten, wird an der Universität Bremen breit in der Lehre eingesetzt.

Öffentliche Anhörung „Nachhaltige Wissenschaft“ im baden-württembergischen Landtag am 05.07.2010

Am Mo, dem 05.07.2010 veranstaltet die Fraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ im baden-württembergischen Landtag eine Diskussionsveranstaltung zum Thema „Nachhaltige Wissenschaft“. Die Veranstaltung findet von 12:30-17:00 Uhr im Stuttgarter Landtag statt. Weitere Informationen finden sich unter: http://www.bawue.gruene-fraktion.de/cms/themen/dok/326/326969.hochschultour_2010.html.

„Sustainability Lectures“ an der Leuphana-Universität Lüneburg

Im Rahmen der Lüneburger „Sustainability Lectures“, einer öffentlichen Veranstaltungsreihe zu aktuellen Fragen des Nachhaltigkeitsdiskurses finden bis zur Sommerpause noch drei Vorträge statt:

17. Juni 2010 Prof. Dr. Uwe Schneidewind/Wuppertal Institut
Transformationsforschung – eine integrierte Perspektive in der Nachhaltigkeitsforschung

24. Juni 2010 Prof. Dr. Hans-Peter Dürr
Lebensstile – Zahlenspiele, Wie viel menschliche Aktivität verträgt die Geobiosphäre?

1. Juli 2010 Prof. Dr. Lenelis Kruse/Universität Heidelberg
Biodiversität – eine Herausforderung für „Nachhaltigkeit lernen“

Weitere Informationen finden sich unter: http://www.lueneburg.de/desktopdefault.aspx/tabid-68/122_read-21138/date-66287

COPERNICUS Alliance Workshop vom 02.-03.07.2010 in Graz

Vom 02.-03.07.2010 findet an der Universität Graz ein COPERNICUS Alliance-Workshop statt. Er soll die mit der COPERNICUS-Charta initiierte Idee europäischer Nachhaltigkeitshochschulen in einem Kreis engagierter Vorreiterhochschulen auf neue Beine stellen.

Zentrale Elemente des internationalen Workshops werden sein:
„- to inform about the aims, vision, opportunities and recent development of the COPERNICUS Alliance
– to work on an update of the COPERNICUS Charta to adopt it according to actual and future requirements of the European Higher Education area and
– to establish European working groups in various fields of Higher Education for Sustainable Development like for example: European higher education policy, student entrepreneurship, funding strategies etc.“

Das Programm des Workshops kann hier heruntergeladen werden.

Weitere Informationen sind erhältlich über die E-Mail-Adresse office@copernicus-alliance.org

Tagung und Preisverleihung: „Sustainable University“ an der Leuphana-Universität Lüneburg

Am heutigen 21.05.2010 fand im Rahmen des Wettbewerbes „Land der Ideen“ die Tagung und Preisverleihung: „Sustainable University“ an der Leuphana-Universität Lüneburg statt. Die Veranstaltung war insofern eindrucksvoll als deutlich wurde, wie weitgehend die Leuphana Universität ihre integrierte Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt hat. Die meisten der neu geschaffenen Nachhaltigkeitsprofessuren sind berufen. Inzwischen erfolgte auch die Einrichtung einer eigenständigen Fakultät für „Nachhaltigkeitwissenschaften“ als eine von vier Fakultäten der Leuphana Universität. Das vom Stararchitekten Libeskind als Positiv-Energie-Gebäude entworfene neue Hörsaalzentrum steht bald vor seiner Grundsteinlegung und wäre ein weiterer Schritt zur Vision eines klimaneutralen Campus an der Leuphana-Universität.

In einem weiteren Vortrag stellte Frau Dr. Evelyn Nowotny vom österreichischen Wissenschaftsministerium die in den letzten Jahren in Österreich initiierten Maßnahmen für die politische Förderung Nachhaltiger Hochschulen vor. Diese reichen von neuen Formen der Forschungsförderung, wie sie sich auch in Deutschland finden, insbesondere über flexible Formen der finanziellen Unterstützung für innovative Initiativen über einen alle zwei Jahre in 8 Kategorien mit hoher Sichtbarkeit verliehenen „Sustainability Award“ bis hin zur Integration von Nachhaltigkeitszielen und -projekten in die Leistungsvereinbarungen des Wissenschaftsministeriums mit den Hochschulen. Hier stecken einige Anregungen auch für politische Impulse auf Bundes- und Landesebene in Deutschland.

Ergebnisse und Follow-Up aus der Tagung „Hochschulen für eine Nachhaltige Entwicklung“ mit HRK und DUK in Bremen am 15.04.2010

Anläßlich der am 1. März 2010 von Hochschulrektorenkonferenz (HRK) dem Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) verabschiedeten gemeinsamen Erklärung zur „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“ fand am 15.04.2010 eine begleitende Tagung an der Universität Bremen statt. Sie bildet den Auftakt für einen weiteren Prozeß der AG „Hochschule und Nachhaltigkeit“. Auf der Abschlussrunde der Tagung des 15.04.2010 wurden dazu unterschiedliche zukünftige Maßnahmen (s.u.) diskutiert und in einem ersten Arbeitstreffen am 30.04.2010 konkretisiert. Der Prozeß wird von Prof. Dr. Georg Müller-Christ, Konrektor an der Universität Bremen, koordiniert. Interessierte können sich an Frau Frau Nadine Dembski (nadem@uni-bremen.de) wenden.

Ergebnisse der Abschlussrunde der Tagung
„Hochschulen für eine nachhaltige Entwicklung“
am 15.4.2010 an der Universität Bremen

In der Abschlussrunde haben die Teilnehmer/innen der Tagung die folgenden
Vorschläge für die weitere Zusammenarbeit gemacht:
1. Auf einer weiteren Veranstaltung sollten mehr Hochschulen ihre guten
Beispiele darstellen und zur Diskussion stellen können, wie sie Nachhaltigkeit
in Forschung, Lehre und Transfer umgesetzt haben.
2. Die HRK wird gebeten, den Prozess aktiv weiter zu unterstützen
und den Dialog mit den Hochschulen zu initiieren.
3. Die Rektoren der Hochschulen sollen über die Ergebnisse und die weiteren
Prozessschritte informiert werden.
4. Neben der konkreten Umsetzung vieler Maßnahmen soll auch weiter an
der strategischen Einbindung des Themas in Hochschulen gearbeitet
werden: Wie lässt sich das Thema mit der Idee einer modernen Hochschule
verknüpfen?
5. Wie in Österreich könnte in Deutschland ein Wettbewerb initiiert werden,
um Best-Practices sichtbar zu machen und zu würdigen (Preis ausloben)
6. Eine inhaltliche Diskussion über die Verknüpfung der Diskussionen über
eine soziale und demokratische Hochschule mit der Einbindung von
Nachhaltigkeit könnte geführt werden.
7. Studierende sollten aktiv in den Prozess einbezogen werden, um die
Nachfrage nach nachhaltigkeitsbezogenen Inhalten zu fördern und als
Argument für ein größeres Angebot einsetzen zu können.
8. Die Entwicklung einer Hochschule in Richtung Nachhaltigkeit sollte über
Kennziffern sichtbar gemacht werden können.
9. Kooperationsangebote der Wirtschaft für Forschung und Lehre sollen
aktiv genutzt werden.

Von der Tagung ist ein Videomitschnitt verfügbar.

Das grüne Hochschulranking 2010 gestartet

Auf der Internetplattform Utopia wurde das grüne Hochschulranking 2010 gestartet. Der Fragebogen richtet sich an Studierende, nimmt ca. 5 Minuten in Anspruch und muss bis zum 31.05.2010 ausgefüllt werden. Es werden Fragen zu ökologischen Standards an der eigenen Hochschule (Bio-Essen in der Mensa, Energieeinsparung, Müll-Trennung, Engagement der Hochschulleitung, Ökologie/Nachhaltigkeit in der Leere) gestellt. Der Fragebogen bleibt sehr grob, aber das Ranking ist ein erster Schritt in ein Benchmarking aus Studierendensicht. Im Jahr 2009 gewannen (auf der Grundlage von 3000 Beteiligten) die Uni Witten-Herdecke und die FH-Eberswalde das Ranking (vor den Universitäten Kassel und Lüneburg).

Gemeinsame Erklärung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) zur Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung

Am 1. März 2010 haben die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und die Deutsche UNESCO-Kommission (DUK) eine gemeinsame Erklärung zur Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung öffentliche vorgestellt und damit ein wichtiges Signal für die Bedeutung des Themas Nachhaltigkeit auch in Hochschulen gesetzt (zur Presseerklärung vom 01.03.2010). Am 15.04.2010 wird in Bremen eine eigene Veranstaltung zu der Erklärung stattfinden. Organisatoren sind die HRK, die DUK und die Universität Bremen.

Vortrag „Nachhaltige Wissenschaft: Zum nötigen Klimawandel im deutschen Wissenschaftssystem“ als podcast auf der Plattform Lecturio

Ab sofort finden Sie unter http://www.lecturio.de/e-vorlesungen/videoplayer/evorlesung/nachhaltige-wissenschaft.html den von Uwe Schneidewind am 17.12.2009 gehaltenen Vortrag „Nachhaltige Wissenschaft: Zum nötigen Klimawandel im deutschen Wissenschaftssystem“ im Rahmen der Phlink-Vorlesungsreihe an der Universität Marburg. Neben einem Überblick stehen insbesondere die Ansätze im Bereich der Lehre im Zentrum des Vortrages.

Nachhaltigkeit in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften

Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften, d.h. die Helmholtz- Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft, die Fraunhofer-Gesellschaft sowie die Max-Planck-Gesellschaft stellen eine zentrale Säule des deutschen Wissenschaftssystem dar. Über 6 Mrd. Euro werden in den Instituten der Gemeinschaften für Forschung ausgegeben. Die Max Planck-Gesellschaft ist im wesentlichen auf Grundlagenforschung hin orientiert. 

In der Helmholtz-Gemeinschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und in der Fraunhofer-Gesellschaft spielt eine inter- und teilweise transdisziplinäre Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung aber eine Rolle. Die Motorfunktion, die diese Wissenschaftsgemeinschaften bei der weiteren Etablierung einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung haben könnten, wurde lange Zeit von diesen nur bedingt eingelöst. Seit wenigen Jahren ist aber in den Wissenschaftsgemeinschaften beim Thema Nachhaltigkeitsforschung Bewegung entstanden. Die folgenden pointierten Beiträge kennzeichnen den Stand der Nachhaltigkeitsforschung in den drei Wissenschaftsgemeinschaften und gehen auf ihre diesbezüglichen Zukunftsperspektiven ein. Ein weiterer Beitrag zeichnet das Bild einer möglichen zukünftigen Vorreiterrolle der nationalen Wissenschaftsgemeinschaften auf dem Weg zu einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ in Deutschland:
o Helmholtz-Gemeinschaft: „Tanker der Umweltforschung
o Leibniz-Gemeinschaft: „Loser Bootsverband mit erheblichem Potenzial
o Fraunhofer-Gesellschaft: „Anwendungsprofis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
o Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften als Motor für eine „Nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland?

Helmholtz-Gemeinschaft: „Tanker der Umweltforschung“

Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit rund 2,8 Milliarden Euro Jahresbudget die größte der nationalen Wissenschaftsgemeinschaften. Sie fasst 16 Großforschungszentren zusammen. Die Forschungsbereiche Energie, Umwelt, Verkehr und Gesundheit spielen in der Helmholtz-Gemeinschaft traditionell eine zentrale Rolle. Über die Festlegung von sechs Forschungsbereichen (Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr) sind sie in der Helmholtz-Gemeinschaft auch institutsübergreifend organisiert und müssen sich mit ihren Forschungsprogrammen alle fünf Jahre einer Evaluation stellen.

Die Relevanz der Themen sowie die finanzielle Potenz der Helmholtz- Gemeinschaft führt dazu, dass Helmholtz der dominante technologisch-naturwissenschaftliche Motor in der deutschen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung ist. Dies fand erst Mitte Dezember seinen Ausdruck darin, dass Helmholtz sowohl an dem jeweils mit 100 Mio Euro geförderten „Energie-“ als auch dem „Klima“-KIC (Knowledge Innovation Cluster des European Institute of Technology EIT) der EU prominent beteiligt ist.

Die Großforschungs(= Großgeräte)-Ausrichtung der Helmholtz- Gemeinschaft hat aber zur Konsequenz, dass eine transdisziplinäre Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung, die neben naturwissenschaftlich- technischen auch umfassend ökonomische, gesellschafts- und naturwissenschaftliche Bezüge aufweist, auf wenige Inseln in der Helmholtz-Gemeinschaft beschränkt bleibt: Zu diesen Inseln gehört die sozialwissenschaftlich-ökonomische Forschung im Umweltforschungszentrum Leipzig (UFZ) sowie das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemananalyse (ITAS) am Karlsruher Institute of Technologie (KIT).

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Leibniz-Gemeinschaft : „Loser Bootsverband mit erheblichem Potenzial“

Die im Jahre 1997 aus der 1990 gegründeten „Arbeitsgemeinschaft Blaue Liste“ hervorgegangene Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich im Vergleich zur Helmholtz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft durch eine noch größere Vielfalt ihrer 86 Institute (Stand Ende 2009) sowie durch eine sehr viel dezentralere Organisationsform aus. Ihre Einrichtungen sind in den meisten Fällen wissenschaftlich und organisatorisch unabhängig und decken Forschungsfelder von den Naturwissenschaften bis zu den Sozial- und Geisteswissenschaften ab. Aus der Perspektive der Nachhaltigkeitsforschung setzten daher in den letzten Jahren einzelne Institute Akzente, die sich explizit Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen verschrieben haben. Besonders relevant ist hierbei das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) . Als ein zentraler Akteur der nationalen und internationalen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung deckt es mit seinen Arbeiten die Klimaforschung breit und interdisziplinär ab. Im PIK gibt es neben den naturwissenschaftlichen und ökonomischen Kompetenzen auch umfassende sozialwissenschaftliche Bezüge. In der Leibniz-Gemeinschaft sind auch die großen Wirtschaftsforschungsinstitute organisiert, die wie z.B. das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) oder das Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim über umfassende umweltökonomische Abteilungen verfügen.

Ausgelöst durch eine in den Jahren 2004/2005 bundespolitisch intensiv geführte Debatte über die Zukunft der Leibniz-Gemeinschaft hat diese unter ihrem Präsidenten Ernst Th. Rietschel erfolgreiche Anstrengungen in der Entwicklung eines gemeinsamen Leitbildes sowie der Vernetzung innerhalb der Gemeinschaft unternommen. Die in einem Strategiepapier ausgearbeitete Vision „Theoria cum praxi: Wissenschaft zum Nutzen und Wohl der Menschen“ entwickelt eine umfassende gesellschaftsorientierte Wissenschaftsvision für die Leibniz-Gemeinschaft und fördert Ansätze von disziplinen- und institutsübergreifenden Clusterbildungen, die z.B. in der Biodiversitätsforschung schon erfolgreich umgesetzt sind.

Über das Konzept des Wissenschaftscampus treibt die Leibniz-Gemeinschaft zudem die Kooperation mit Hochschulen voran. Mit Blick auf die Leibniz-Gemeinschaft kann daher festgestellt werden, dass zunehmend nicht nur einzelne ihrer Institute (wie z.B. das PIK) Motor für eine nachhaltigkeitsorientierte Forschung sind, sondern sich die Gemeinschaft insgesamt zu einem wichtigen Dach für eine „Nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland zu entwickeln verspricht.

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Fraunhofer-Gesellschaft: „Anwendungsprofis auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“

Mit einem Geschäftsvolumen von ca. 1,5 Mrd. Euro gehört auch die Fraunhofer-Gesellschaft zu den großen, weltweit agierenden deutschen Forschungsorganisationen. Sie ist das Dach von rund 60 Fraunhofer-Instituten, in deren Zentrum der Forschung der (industrielle) Anwendungsbezug steht. Dies erklärt auch den im Vergleich zu den anderen Forschungsgemeinschaften hohen Drittmittelanteil, der fest zur Programmatik der Fraunhofer-Gesellschaft gehört. Er hat erhebliche Auswirkungen auf die inhaltlichen Felder, die von den Instituten bearbeitet werden.
So ist die Fraunhofer-Gesellschaft prominent an der von der Bundesregierung initiierten Hightech-Strategie beteiligt, für die in Deutschland von 2005 bis 2009 fast 15 Mrd. Euro für Spitzentechnologien bereitgestellt werden. Die Gelder dienen der Verbreitung neuer Technologien in siebzehn Zukunftsfeldern, um insbesondere Forschung und Wirtschaft besser zu vernetzen, damit aus neuen Ideen auch wirtschaftlich erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen entstehen. Die meisten der 17 Zukunftsfelder sind auch Schwerpunkte der Institute der Fraunhofer-Gesellschaft.
Die Arbeit der Fraunhofer-Gesellschaft ist in sieben Forschungsverbünden organisiert: Informations- und Kommunikationstechnik, Life Sciences, Mikroelektronik, Oberflächentechnik/Photonik, Produktion, Werkstoffe und Verteidigungs-/Sicherheitsforschung.

Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spielen in der Fraunhofer-Gesellschaft insbesondere in der Energieforschung, aber auch in den Feldern der weißen Biotechnologie, der Wassernutzung, nachwachsenden Rohstoffen, der Optimierung von Stoffkreisläufen sowie Recycling-Technologien eine Rolle.

In den meisten Forschungsfeldern und Instituten der Fraunhofer-Gesellschaft dominiert die technologische Perspektive. Jedoch verfügt die Fraunhofer-Gesellschaft mit Fraunhofer IAO (Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation) und insbesondere dem schon 1972 gegründeten Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) über ein Institut mit einer organisationswissenschaftlichen Kompetenz. Das ISI untersucht, wie technische und organisatorische Innovationen Wirtschaft und Gesellschaft heute und in Zukunft prägen. Bei der Analyse von Innovationssystemen arbeitet man in hohem Maße interdisziplinär. In insgesamt sieben Competence Centern (Neue Technologien, Industrie- und Serviceinnovationen, Energiepolitik und Energiesysteme, Nachhaltigkeit und Infrastruktursysteme, Politik und Regionen, Regulierung und Innovation, Innovations- und Technologie-Management sowie Vorausschau) mit insgesamt 23 Geschäftsfeldern arbeiten rund 160 MitarbeiterInnen. Nachhaltigkeit gehört neben relevanten Teilgebieten wie der Energiepolitik und Energiesystemen explizit zum Arbeitsbereich des Fraunhofer ISI. Zur nachhaltigkeitsorientierten Innovationspolitik sind von dort immer wieder wichtige Forschungsimpulse ausgegangen.

Als Reaktion auf die zunehmende Bedeutung des Themenfeldes Nachhaltigkeit hat sich in der Fraunhofer-Gesellschaft im Jahr 2007 auch eine institutsübergreifende Arbeitsgruppe „Nachhaltigkeit“ gebildet. Über die zukünftige strategische Bedeutung des Themas für die Fraunhofer-Gesellschaft wird derzeit intensiv diskutiert.

Gerade aufgrund der hohen Anwendungskompetenz und der hohen Adaptivität an neue Themen könnte sich die Fraunhofer-Gesellschaft zu einem wichtigen Motor einer zukünftigen „Nachhaltigen Wissenschaft“ entwickeln – insbesondere in dem Maße, in dem Nachhaltigkeitsfragen für immer mehr Unternehmen und Branchen relevant und damit für eine industriebasierte Drittmittelforschung zugänglich werden.

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Die nationalen Wissenschaftsgemeinschaften als Motor für eine „nachhaltige Wissenschaft“ in Deutschland?

Die Helmholtz-Gemeinschaft, die Leibniz-Gemeinschaft und die Fraunhofer-Gesellschaft haben alle den Anspruch gesellschaftlicher (bzw. wirtschaftlicher) Relevanz in ihrer Mission. Durch ihre Governance-Strukturen sind an der Themenfindungen der Forschung auch Akteure aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beteiligt. Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen spielen in allen drei Gemeinschaften eine wichtige Rolle. Der Koordinationsgrad im Hinblick auf institutsübergreifende Themen ist unterschiedlich. Bei der Helmholtz-Gemeinschaft ist die übergreifende Programmpolitik am konsequentesten ausgeprägt. So finden sich Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen in einzelnen Gemeinschaften (Helmholtz) prominent bei den übergreifenden Programmen und Schwerpunkten, bei der Leibniz-Gemeinschaft verortet in einzelnen Instituten, seit kurzem jedoch auch in der Gesamtvision und einzelnen integrierten Themenfeldern. Die Gemeinschaften liefern unterschiedliche Beispiele für die mögliche Integration nicht naturwissenschaftlich-technischer Kompetenz in ihr Arbeit.

Ihre Größe und wissenschaftliche Potenz würden den Wissenschaftsgemeinschaften die Möglichkeit geben, eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung noch sehr viel stärker zu fördern und zu einem nationalen „Capacity-Building“ für diese Form der Forschung beizutragen. Und das in einem Ausmaß, das von einzelnen Hochschulen oder einzelnen wissenschaftlichen Instituten nicht geleistet werden kann.

Beispiele für einen solchen Kapazitätsaufbau sind:
o die Initiierung transdisziplinärer Forschungsprojekte in komplexen Nachhaltigkeitsfragen,
o die Integration transdisziplinärer Forschungselemente in bestehende Großforschungsstrukturen (Exzellenzcluster, Knowledge Innovation Clusters (KICs),..),
o der Aufbau von Karrierepfaden für transdisziplinär arbeitende Wissenschaftler(innen),
o die Qualifizierung von Wissenschaftler(innen) und Gutachter(innen) in den Qualitätskriterien transdisziplinärer Methoden
o der Aufbau transdisziplinärer Infrastrukturen wie Journals, Panels, Preise,
o die Vernetzung mit führenden internationalen Einrichtungen einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung,
o die wissenschaftspolitische Lobby-Arbeit zur Stärkung transdisziplinärer Forschung im Wissenschaftssystem insgesamt.

Es wäre erfreulich, wenn sich die Dynamik zu mehr transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung in den nationalen Wissenschaftsgemeinschaften fortsetzt und diese einen Beitrag zu dem o.g. Kapazitätsaufbau leisten würden.

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Schwerpunkt Nachhaltige Wissenschaft/Nachhaltige Hochschule im HIS: Mitteilungsblatt 4/2009

Im Mitteilungsblatt 4/2009 vom Dezember 2009 der HIS (Hochschul-Informations-System GmbH), Hannover steht das Thema „Nachhaltige Wissenschaft/Nachhaltige Hochschule“ im Mittelpunkt. Neben einer umfassenden Rezension des Buches „Nachhaltige Wissenschaft“ werden aktuelle Tagungen vorgestellt sowie über den Neustart des Copernicus-Netzwerkes berichtet.

Nachhaltige Wissenschaft messen? – Ansatzpunkte für eine Operationalisierung

Wie lässt sich der Stand einer Nachhaltigkeitswissenschaft im deutschen Wissenschaftssystem feststellen? Wie läßt sich beobachten, ob einzelne Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen Fortschritte auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeitsorientierung machen? Dies sind bisher weitgehend unbeantwortete Fragen, da die Darstellung nachhaltigkeitsbezogener Forschung und Lehre selbst in den Nachhaltigkeitsberichten der Pionierinstitutionen nur qualitativ und anekdotenhaft anhand einzelner Beispiele erfolgt.

Das hat mehrere Gründe:
o Die Unklarheit darüber, wie „Nachhaltige Forschung“ und „Nachhaltige Lehre“ überhaupt abgegrenzt werden können. Je unterschiedlicher die Abgrenzungen, desto schwieriger verbindliche Operationalisierungen.
o Das Fehlen von Berichtssystemen und Kennzahlen, die Forschung und Lehre aus der spezifischen Perspektive der Nachhaltigkeit wahrnehmen.
o Eine grundsätzliche Zurückhaltung, die Forderung nach einer qualitativ neuen Ausrichtung von Forschung und Lehre in quantitativen Dimensionen zu fassen

Im folgenden werden drei Thesen formuliert, die für eine Quantifizierung des Nachhaltigkeitsstandes in einzelnen Wissenschaftsinstitutionen sowie dem Wissenschaftssystem insgesamt plädieren:

1. Ohne Quantifizierung keine Fortschrittskontrolle. Auch Unternehmen sind in ihren Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichten mit anekdotenhaften Berichten über erfolgreiche Prozess- und Produktinnovationen gestartet und dafür zurecht kritisiert worden. Nur über die Definition von Indikatoren ist im Zeitablauf feststellbar, ob sich nachhaltige Forschungs und Lehransätze wirklich in wissenschaftlichen Einrichtungen ausbreiten. Die hochschulinterne Diskussion über konkrete Indikatoren hilft zudem, sich differenziert über das Nachhaltigkeitsverständnis der eigenen Institution zu verständigen.

2. Sowohl für den Bereich Forschung als auch für den Bereich Lehre sind solche Indikatoren zu definieren – sowohl absolute als auch relative Indikatoren. In der Forschung liegen dazu gute Vorschläge vor. Gerade die Festlegung solcher Indikatoren ist ein guter Weg, um sich über das Nachhaltigkeitsverständnis der eigenen Institution bewusst zu werden.

3. Die Erfassungs- und Controllingssysteme in den meisten Wissenschaftseinrichtungen sind auf die entsprechenden Indikatoren hin noch nicht ausgerichtet. Dieses ist jedoch mit relativ einfachen Anpassungen möglich.

In einem studentischen Projekt im Rahmen des Masterstudienganges „Sustainability Economics and Management“ an der Universität Oldenburg werden aktuell entsprechende Indikatoren für Nachhaltigkeits- Forschung und Lehre entwickelt und implementiert. Die dort gemachten Erfahrungen sollen anderen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen Anregungen für eine Übertragung geben. Die dort entwickelten Indikatoren werden im Laufe des Februars auf dem Weblog vor- und zur Diskussion gestellt.

Der grüne Weg zu mehr Profil – Schwerpunktthema in der DUZ 1/2010

In ihrer Januarausgabe (1/2010) stellt die Deutsche Universitätszeitung (DUZ) unter dem Titel „Der grüne Weg zu mehr Profil“ die umweltorientierten Profilbildungsstrategien mittelgroßer Universitäten vor. Konkret werden die Universitäten Kassel, Lüneburg und Oldenburg porträtiert. Der Beitrag zeigt auf, warum im Umwelt- und Nachhaltigkeitsthema gerade für mittelgrosse Universitäten ein besonderes strategisches Potenzial steckt. Die Beiträge des Schwerpunktes zum Download als pdf finden Sie hier:

Europäischer Think Tank Bruegel fordert mehr Investitionen für Nachhaltigkeitsforschung

In einem Research-Paper des Brüsseler Think Tanks Bruegel fordern die Harvard-Forscher Philippe Aigon und David Hemous sowie die Professorin an der KULeuven Reinhilde Veugelers einen erheblichen Ausbau der nachhaltigkeits-orientierten Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Sie stellen fest: „Public R&D spending for the environment and energy efficiency constitutes a very minor share of total public R&D spending.“ Insbesondere argumentieren Sie in dem Beitrag gegen die Annahme, alleine hohe CO2-Preise würden die nötigen Innovationen befördern: „Current approaches to green growth are oversimplified, and largely disregard the innovation factor.“ Das Papier ist damit auch ein interessanter Beitrag zu der von Hans Werner Sinn angestossenen Debatte über das „Grüne Paradoxon“ – auch wenn das Papier letztlich einem sehr technologischem Innovationsverständnis verhaftet bleibt. Download auf der Homepage von Bruegel.

Greening the University – Nachhaltige Entwicklung der Universität Tübingen

Greening the University ist nicht nur programmatisches Ziel, sondern auch der Name einer Studierendeninitative an der Universität Tübingen, die mit einer „bottom-up“-Strategie daran arbeitet, die Universität zu einem Ort in nachhaltiger Entwicklung zu machen. Sie soll dabei sowohl als Lebens- und Arbeitsraum wie auch als Ort für Lehren, Lernen und Forschen wahrgenommen werden. Zum einen initiierte und begleitet die Initiative das universitäre Umweltmanagement und die Validierung nach EMAS. Zum anderen organisieren die Aktiven das „Studium Oecologicum“, ein Seminar- und Vorlesungsangebot für Bildung für nachhaltige Entwicklung. Für ihr Engagement wurde die Initiative als offizielles Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet und informierte über ihr Vorgehen mit Vorträgen und Diskussionen bei Initiativen an anderen Hochschulen. Im Folgenden berichten die Studierenden über ihre Erfahrungen:

Greening the University – der Start
Gegründet im Herbst 2007 auf Initiative des damaligen AStA-Umweltreferenten widmeten wir uns zunächst der inhaltlichen Arbeit, die schließlich im Juni 2008 in ein Symposium „Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule“ an der Universität Tübingen [1] mündete, die – allein organisiert von der Studierendeninitiative – den weiteren Nachhaltigkeitsprozess anstieß.
Auf dem Symposium wurden zwei Themenfelder definiert, die in dieser Form bis jetzt unser Engagement und damit auch das der Universität prägen: Zum einen wurden umweltgerechtes Handeln und Umweltmanagementsysteme thematisiert, zum anderen Bildung für nachhaltige Entwicklung als Querschnittsthema des universitären Lehrens und Lernens diskutiert.

Nach inhaltlichen Inputvorträgen wurden in verschiedenen Workshops die Leitideen für das zukünftige Vorgehen in Tübingen entwickelt. Als ReferentInnen waren ExpertInnen von der HIS (Hochschul-Informations-System GmbH) sowie von Hochschulen in Bremen, Lüneburg, Dresden und Nürtingen anwesend. Gezielt wurde darauf geachtet, neben Studierenden und DozentInnen auch die universitäre Verwaltung und Interessierte aus der Region einzubinden – dieser partizipative Charakter bildete einen Grundstein des späteren Engagements. Zusätzlich trugen PolitikerInnen, angefangen beim Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer über die Landesumweltministerin Tanja Gönner bis hin zum ehemaligem Direktor des UNEP und Bundesumweltminister a.D., Prof. Dr. Klaus Töpfer, mit Vorträgen zu dem Symposium und vor allem zur Öffnung für ein breites (auch außeruniversitäres) Publikum bei. Die Inhalte und Ergebnisse des Symposiums wurden als Buch veröffentlicht [2], das für uns inhaltlich zur Grundlage unseres Engagements wurde.

EMAS-validiertes Umweltmanagementsystem
Im Verlauf des Symposiums verkündete der Rektor der Universität, Prof. Dr. Engler, den Beschluss zur Einführung eines EMAS-validierten Umweltmanagementsystems [3]. In Folge des Symposiums wurde die Stelle einer Umweltkoordinatorin geschaffen, die als zentrale Ansprechpartnerin für das universitäre Umweltmanagementsystem fungiert. Die notwendige Umweltbilanzierung der Universität wurde erstmalig seit Jahren wieder durchgeführt; die Umweltleitlinien [4] in Zusammenarbeit zwischen Rektorat und Studierendeninitiative entworfen.
Im Juli 2009 startete der EMAS-Validierungsprozess offiziell, der in der Anlaufphase auch vom Landesumweltministerium finanziell unterstützt wird [5]. Inzwischen ist die Phase der ersten internen Umweltbegutachtung im Rahmen der EMAS-Validierung abgeschlossen. Nach der externen Begutachtung steht aus unserer Sicht dem EMAS-Prozess mit seinem Zyklus aus Umweltprüfung, Setzung von Zielen, konkretem Umweltmanagement, dem öffentlichen Umweltbericht und externer Begutachtung nichts mehr im Wege. Die Studierendeninitiative versteht sich hier als Teil dieses dauerhaften und kontinuierlichen Prozesses, der zum einen darauf achtet, die Ziele innerhalb des EMAS-Prozesses ambitioniert zu gestalten, und zum zweiten dazu beiträgt, die Bekanntheit und Akzeptanz des Umweltmanagements an der Universität Tübingen zu verstärken.

Studium Oecologicum – Veranstaltungen zur Bildung für nachhaltige Entwicklung
Aus den Diskussionen auf dem Symposium heraus setzten wir uns ein weiteres langfristiges Ziel: Die Perspektive der nachhaltigen Entwicklung soll in alle (modularisierten) Studiengänge integriert werden. In einer kurzfristigeren Planung wurden für uns zwei zentrale Überlegungen leitend: Zum einen musste das Veranstaltungsangebot als Querschnittsthema Studierenden aller Fachrichtungen offen stehen und möglichst auch für das kurrikulare Studium verwendbar sein, zum anderen sollten auch freiere und diskursivere Lehr- und Lernformen Eingang finden und somit ein Beispiel für Bildung für Nachhaltige Entwicklung darstellen.
Als Anknüpfungspunkt an der Universität Tübingen bot sich vor diesem Hintergrund das Programm des „Studium Professionale“ [6] an, in dessen Rahmen Studierende aller Fachrichtungen Schlüsselqualifikationskurse absolvieren. Mit finanzieller Unterstützung des „Studium Professionale“ organisierten wir im Sommersemester 2009 vier Seminare inklusive einer Zukunftswerkstatt. Im Wintersemester 2009/10 wurde dieses Seminarangebot auf 9 Kurse ausgebaut [7]. In beiden Semestern wurden die Kurse sehr gut von den Studierenden angenommen; aufgrund überbuchter Kurse mussten sogar BewerberInnen abgewiesen werden.
Die Kursinhalte decken sowohl konzeptionelle Inhalte der nachhaltigen Entwicklung (z.B. „Bildung für nachhaltige Entwicklung“) und ihre dialogische Wechselwirkung mit Fachdisziplinen (z.B. „Literatur(wissenschaft) und Ökologie“) ab als auch kontextbezogene Anwendungsbereiche wie „Betriebliches Umweltmanagement von der Theorie in die Praxis“ oder „Klimawandel – die Prognosen verstehen“. Zentrales Element aller Kurse ist die Vermittlung von Orientierungswissen und Gestaltungskompetenz; das „Studium Oecologicum“ versteht sich dabei als Beitrag zu einer umfassenden Bildung, die die Studierenden zu eigenverantwortlichem und bewusstem Handeln in Unsicherheit und Komplexität befähigen will.
Als Ergänzung dieses Seminarprogramms organisieren wir im aktuellen Wintersemester 2009/10 die Ringvorlesung „Wissenschaften im Spiegel der Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeit im Spiegel der Wissenschaften“ im Rahmen des „Studium Generale“ [8] an der Universität Tübingen. Die Vorlesungsreihe geht der Frage nach, wie nachhaltige Entwicklung einerseits als Leitbild in verschiedenen Wissenschaften fungiert, andererseits aber auch mit fachdisziplinären Perspektiven weiterentwickelt wird. Das Spektrum der vertretenen Disziplinen wurde dabei bewusst weit gewählt, neben den Disziplinen der Ethik, Ökologie und Ökonomie kommen unter anderen auch Vertreter der Literatur-, Politik- und Rechtswissenschaft zu Wort [9]. Mit der Reihe wollen wir zeigen, dass die Perspektive der nachhaltigen Entwicklung als echtes Querschnittsthema an der Universität verankert werden kann – die Dokumentation dieser Reihe wird im Laufe des Jahres 2010 in Buchform erscheinen.

Das weitere Engagement der Studierendeninitiative in diesem Bereich richtet sich vor allem auf die Verstetigung und Institutionalisierung dieses Kursprogramms. Unser spezielles Augenmerk gilt dabei der Qualitätssicherung und Verstärkung des Veranstaltungsangebots, die nur Hand in Hand den Ansprüchen eines starken Nachhaltigkeitsgedankens genügen können. Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung muss in den Fachbereichen verankert werden, das übergreifende Veranstaltungsangebot auch konzeptionell weiterentwickelt werden. Darüber hinaus sind einzelne und einmalige Veranstaltungen und Workshops zu Themen rund um nachhaltige Entwicklung in Planung, die das regelmäßige Programm ergänzen sollen.

Studentisches Engagement an Universitäten – konkrete Erfahrungen
Das Engagement von Studierenden steht vor einem grundsätzlichen Dilemma: Einerseits geht es darum, Dinge grundsätzlich anders zu denken und zu gestalten, andererseits ist Umsetzung immer auch an vorhandene Strukturen gekoppelt, die mitgedacht werden müssen.
Einerseits lässt sich mit ideellen Forderungen, deren Umsetzung nicht mitgedacht wird, wenig bewegen. Andererseits kann es nicht Aufgabe einer Studierendeninitiative sein, der Universität dauerhaft organisatorische Aufgaben abzunehmen – allein die Mitgliederfluktuation durch kürzere Studienzeiten und Auslandsaufenthalte sowie die mangelnde finanzielle Grundausstattung machen ein solches Unterfangen unmöglich.
Unser Engagement zwischen den beiden Polen der Fundamentalkritik und des Einverleibtseins richtete sich deshalb bisher konkret an drei Begriffen aus: Kritische Begleitung, Innovation und Institutionalisierung. Wir verstehen uns als Motor der universitären Umgestaltung im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung, kommentieren dabei sachlich vorhandene Bemühungen und zeigen mit Pilotprojekten Möglichkeiten auf. Dabei behalten wir jedoch stets die langfristige Einbindung unserer Projekte in vorhandene universitäre Strukturen im Blick, auch wenn damit unser eigener Gestaltungsspielraum eingeschränkt wird.
Die Kooperation und der Dialog mit Studierenden, DozentInnen und der Hochschulleitung sind dabei ebenso wichtig wie die Interaktion mit politischen Akteuren aus Kommunal-, Umwelt- und Bildungspolitik sowie der Presse. Studentisches Engagement steht hier aber immer vor dem Problem und der Chance, dass erst Kontaktpersonen gefunden und Vertrauen geschaffen werden muss, dass die Flexibilität und Basisdemokratie einer Studierendeninitiative auf gefestigte Strukturen in Verwaltung und Gesellschaft trifft. Unsere Ergebnisse sind unsere einzige Visitenkarte, auch wenn unsere Vision und die unzählbaren Stunden rein ehrenamtlicher Arbeit darin kaum sichtbar werden. Nachhaltige Entwicklung mit ihrer partizipativen und diskursiven Struktur nicht nur als Zielvorgabe zu begreifen, sondern auch in dem eigenen Vorgehen zu etablieren, zeigt sich vor diesem Hintergrund als notwendiges und gleichzeitig sehr anspruchsvolles Ziel.
Der Weg unserer Studierendeninitiative ist nur gangbar, weil sich viele Engagierte finden, die über Disziplinengrenzen und Weltvorstellungen hinweg mitgehen. Doch der Weg ist steinig – und diese Tatsache zeigt, wie weit es noch ist hin zu einer partizipativen, inter- und transdisziplinären, sozial- und umweltgerechten Universität – einer Universität in nachhaltiger Entwicklung.

Informationsquellen:
[1] Kurzbericht über das Symposium „Greening the University“: http://www.greening-the-university.de/index.php/symposium-2008
[2] Studierendeninitiative Greening the University e.V., 2009: „Greening the University – Perspektiven für eine nachhaltige Hochschule“, oekom, München, ISBN: 3865811329
[3] Informationsseite des Umweltgutachterausschusses des BMU: http://www.emas.de
[4] Umweltleitlinien der Universität Tübingen (veröffentlicht in den Amtlichen Bekanntmachungen Nr. 8/2009 vom 10.08.2009): http://www.uni-tuebingen.de/uploads/media/UmweltleitlinienUniversit%C3%A4tT%C3%BCbingen.pdf
[5] Pressemitteilung der Universität Tübingen zur Einführung des Umweltmanagementsystems nach EMAS (15.07.2009): http://www.uni-tuebingen.de/uploads/media/09-07-15EMAS_Umweltmanagement.pdf
[6] Webseite des Studium Professionales in Tübingen: http://www.uni-tuebingen.de/einrichtungen/zentrale-einrichtungen/akademisches-beratungszentrum-abz/career-service/studium-professionale-kurse.html
[7] Zusammenfassungsseite des Seminarprogramms „Studium Oecologicum“: http://www.greening-the-university.de/index.php/studium-oecologicum
[8] Übersichtsseite zu dem Ringvorlesungsangebot Studium Generale an der Universität Tübingen: http://www.uni-tuebingen.de/aktuell/studium-generale.html
[9] Zusammenfassungsseite der Ringvorlesungsreihe „Wissenschaften im Spiegel der Nachhaltigkeit – Nachhaltigkeit im Spiegel der Wissenschaften“: http://www.greening-the-university.de/index.php/studium-generale

Zurück zum Schwerpunkt „Studentisches Engagement“.

Schwerpunkt: Nachhaltige Wissenschaft und studentisches Engagement

Schon von Ende der 80er bis Mitte der 90er-Jahre waren es studentische Initiativen, die dafür sorgten, dass das Thema Ökologie stärker in die Strukturen der Hochschulen einzog. So gingen neu eingerichtete Lehrstühle und Institute für Umweltmanagement u.a. an den Universitäten St. Gallen, der Universität Lüneburg oder TU Berlin auf studentisches Engagement zurück.

Aktuell sind es wieder die Studierenden, die mit Kraft auf Veränderungen in der Hochschulausbildung drängen. Es lohnt daher ein Blick darauf, welche Bedeutung dieses Engagement auch für eine „Nachhaltige Wissenschaft“ haben kann. In mehreren Beiträgen beleuchtet daher der aktuelle Schwerpunkt des Weblogs …
• …wie sich die Forderungen der Studierenden ins Jahr 2010 tragen und mit der Idee einer nachhaltigen Hochschule verknüpfen lassen,
• …warum die aktuellen studentischen Proteste so wichtig für eine notwendige Leitbilddebatte an den Hochschulen sind,
• …welche Hochschulinitiativen derzeit bundesweit mit dem Leitbild Nachhaltigkeit unterwegs sind oder sich aktuell gründen (z.B. an der Universität Tübingen, an der Universität Marburg (das Netzwerk Phlink), an der FU Berlin , studentische Leitbildentwicklung zur Nachhaltigkeit an der Universität Bern, …) – Beiträge werden laufend ergänzt.

Nachhaltige Lehre! oder wie lassen sich die berechtigten Bologna-Anliegen der Studierenden nachhaltig ins Jahr 2010 tragen?

Die aktuellen Studierendenproteste wenden sich gegen die vielfältigen Auswüchse des Bologna-Systems: gegen Verschulung, gegen die Stofffülle, gegen überbordende Prüfungsbelastungen, gegen fehlende Freiräume für selbstbestimmtes Lernen und studentisches Engagement.

Grundsätzlich geben Hochschulleitungen und Hochschulpolitik den Protestierenden Recht und ein baldiger „Bologna-Gipfel“ soll Abhilfe schaffen. Doch angesichts der aktuell zu beobachtenden gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Hochschulpolitik („Die richtige Umsetzung der Studienreformen obliegt der Autonomie der Hochschulen“) und Hochschulleitungen („Ohne ausreichende Finanzierung der Hochschulen durch die Landesregierungen ist eine vernünftige Umsetzung nicht möglich“) ist die Gefahr groß, dass die nötigen Änderungen nur halbherzig angepackt werden.

Was ist den Studierenden zu empfehlen, damit ihre Proteste auch nach der Weihnachtspause weiter mit Elan vorgetragen werden? Was sich anbietet, ist die Fokussierung auf einige Kernfelder, die dann als Katalysator für die Veränderung des Gesamtsystems wirken können.

Fünf solcher Felder seien im folgenden kurz skizziert werden – sie bieten sich auch für die idealtypische Umsetzung einer Nachhaltigen Hochschule an:
1. Fokus: Transdisziplinäre Lehre einfordern – zur Wiederbelebung des Projektstudiums
2. Fokus: General Studies und Professionalisierungsbereiche nutzen
3. Fokus: Freiräume für studentisches Engagement erkämpfen
4. Fokus: Neue Studiengänge
5. Fokus: Über Web 2.0 die Hochschule demokratisieren und das Lehrangebot verbreitern

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Fokus: Transdisziplinäre Lehre einfordern – zur Wiederbelebung des Projektstudiums

Transdisziplinäres Forschen und Lehren heißt „sozial robustes Wissen“ zu schaffen – über Fachgrenzen hinweg und unter Einbezug der Wissensbestände nicht-wissenschaftlicher Akteure. Ausgangspunkt dafür sind konkrete gesellschaftliche Fragestellungen:

Wie lässt sich mehr Demokratie in unserer Hochschule umsetzen? Wie kann der Energieverbrauch in der Uni erheblich gesenkt werden? Das sind Fragen, die sich in jeder Hochschule bearbeiten lassen – fachübergreifend und besonders wichtig: unter Einbezug von Studierenden auf gleicher Augenhöhe, deren Wissen z.B. über eigene Verhaltensmuster und das von Kommilitonen oder über innovative Nutzungsformen des Web 2.0 wichtige Bausteine für eine solche Lehre liefern können. Transdisziplinäres Lernen bringt den Hochschulen das durch die Bachelor- und Masterstrukturen fast völlig verschwundene Projektstudium zurück – heute nochmals sehr viel stärker methodologisch und konzeptionell abgesichert.

Empfehlung: Fordern Sie im Rahmen der Reformierung der Bachelor- und Masterstudiengänge an ihrer Hochschule mindestens ein transdisziplinäres Projektmodul ein, in dem Lehrende und Studierende auf gleicher Augenhöhe Wissensgenerierung im Modus 2 betreiben und gleichzeitig dazu beitragen, konkrete Probleme und gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen.

Links: Projekt „Sparkling Science“ des österreichischen Wissenschaftsministeriums.

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Fokus: General Studies und Professionalisierungsbereiche nutzen

Alle Bachelor- und Masterstudiengänge weisen einen Bereich auf, der hervorragende Möglichkeiten für neue Formen des Lehrens und Lernen eröffnet, aber von den Hochschulen bisher kaum wirklich dafür genutzt wird: die sogenannte General Studies oder Professionalisierungsbereiche. In Deutschland wurde kein Bachelor- oder Masterstudiengang akkreditiert, der nicht einen solchen Bereich der fachübergreifenden Vermittlung von „Schlüsselqualifikationen“ enthält. In den meisten Studiengängen umfasst er bis zu 30 Kreditpunkten und damit ein ganzes Studiensemester. In den meisten Hochschulen wird dieser Bereich stiefmütterlich behandelt, ist ein Sammelsurium von losen Kursangeboten, oft zerrieben in den Konflikten zwischen den Fachkulturen, die diesem Studienbereiche sehr unterschiedliche Bereiche zumessen.

Dabei ist dieser Bereich geradezu prädestiniert, um hochschulübergreifend neue Formen des Lernen zu erproben: Hier lassen sich neue Formen des Lernen und Lernens erproben, hier kann man mit als erstes von zu kleinteiligen Modulen und überfrachteten Prüfungslasten befreien. Gut ausgestaltet können diese Bereiche ein Aushängeschild für jede Hochschule werden.

Empfehlung: Machen Sie die General Studies-/Professionalisierungsbereiche zur zentralen Baustellen und zum Erprobungsort für neue Lehr- und Lernformen. Setzen Sie sich für das Erlernen der Schlüsselqualifikationen ein, auf die es aus studentischer Sicht wirklich ankommt. Hier können Sie fach-übergreifend neue Lern- und Prüfungsformen durchsetzen, ohne sich im Dickicht der vielen Studiengänge zu verlieren. Und zudem tragen Sie damit sogar noch zur Profilbildung Ihrer Hochschule bei und haben daher die Hochschulleitungen auf Ihrer Seite.

Links: Kapitel „Professionaliserungsbereiche/General Studies“ im Buch „Nachhaltige Wissenschaft“

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Fokus: Freiräume für studentisches Engagement erkämpfen

Die Vielfalt der studentischen Aktionen während der Protesttage der letzten Wochen hat gezeigt, welches Potenzial für gutes Lernen in studentischem Engagement steckt. Für diesen Elan gilt es auch in Zukunft Freiräume zu schaffen. Nirgendwo besser lässt sich Sach-, Sozial- und Selbstkompetenz in engem Zusammenspiel weiterentwickeln als im Rahmen studentischen Engagements – sei es in der Studierendenschafts- oder Fachschaftsarbeit, in studentischen Organisationen wie AIESEC oder christlichen Hochschulgemeinden oder im ehrenamtlichen Engagement außerhalb der Hochschule.

Diese Form der Lernens lässt sich durchaus mit den neuen Studienstrukturen verknüpfen. Sogenannte „Joker“-Module (wie z.B. an der Universität Oldenburg) schaffen die Chance, sich studentisches Engagement auf die „Workload“ anrechnen zu lassen und damit zeitliche Freiräume zu schaffen. Die Verknüpfung von Engagement mit studentischen Job-Möglichkeiten schafft finanzielle Freiräume. Auch hier weisen erste Hochschulen wie die Universität Duisburg-Essen mit ihrem Projekt Uniaktiv vorbildliche Wege. Die General-Studies-Bereiche bieten für entsprechende Vorhaben ein hervorragendes Gefäß – und warum nicht ein Modul schaffen, dass alle Studierenden am Anfang des Studiums in die Möglichkeiten des Engagements an der eigenen Hochschule sowie die Möglichkeiten der Mitgestaltung der eigenen Hochschule einführt?

Empfehlung: Entwickeln Sie Ideen dafür, wie sich studentisches Engagement mit den Rahmenbedingungen der Bachelor- und Masterstudiengänge verknüpfen lässt. Initiieren Sie in Ihrer Hochschule Modellprojekte und öffnen Sie damit auch neue Wege für die Zusammenarbeit von Studierenden mit innovativen Lehrenden und Studiengangsplanern.

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„European Sustainability Science Group“ (ESSG) – Motor für eine ambitionierte Nachhaltigkeitswissenschaft auf europäischer Ebene

Mit der „European Sustainability Science Group“ (www.essg.eu) hat sich dieses Jahr eine Initiative auf europäischer Ebene gegründet, die auf die stärkere Verbreitung und Verankerung einer transdisziplinären Nachhaltigkeitsforschung im europäischen Wissenschaftssystem zielt. Die Mitglieder der ESSG stammen aus führenden Nachhaltigkeits-Forschungseinrichtungen und -Universitäten u.a. aus den Niederlanden, der Schweiz, Schweden, England und Deutschland. Mit ihren Themen und Aktivitäten zielt die ESSG auf Veränderungen im europäischen Wissenschafts- und Fördersystem, die die Spielräume für eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitswissenschafts erweitern.

Nachhaltigkeitsinitiative an der FH Jena

Die Zahl der Fachhochschulen, die sich aktuell im Feld der Nachhaltigkeit positionieren, nimmt zu. So hat die Fachhochschule Jena jetzt eine „Engineering Research School for Sustainability“ initiiert, in der 26 Professuren zusammengefasst sind. Diese ergänzt weitere Nachhaltigkeits-bezogene Aktivitäten an der Fachhochschule, wie z.B. Ringvorlesungen oder einen „Tag der Nachhaltigkeit“, an dem Studierende über die entsprechenden Lehrangebote der Fachhochschule informiert worden.

Weitere Informationen unter: http://www.fh-jena.de/index.php/page/231/5665

Weblog „Sustainability Marketing“ gestartet

Einen gemeinsamen Weblog zum Thema „Sustainability Marketing“ haben Prof. Dr. Frank Belz/TU München und Prof. Ken Peattie von der Cardiff Business School gestartet. Der Weblog begleitet das diesen Sommer erschienene Lehrbuch „Sustainability Marketing – a global perspective“. Diese deutsch-englische Kooperation verspricht frischen Wind in die Nachhaltigkeits-Diskussion und -lehre in der deutschen Betriebswirtschaftslehre zu bringen.

Nachhaltigkeits-Prozess an der Hochschule Fulda gestartet

Mit einer Auftaktveranstaltung „Die Hochschule Fulda – nachhaltig“ hat die Hochschule Fulda unter Leitung von Vizepräsident Prof. Dr. Christian Schrader einen Nachhaltigkeitsprozess für die Hochschule gestartet. Dem Auftakt werden in den kommenden Monaten weitere Veranstaltungen folgen. Informationen zum Prozess gibt es über Vizepräsident Prof. Dr. Christian Schrader (Christian.Schrader@sk.hs-fulda.de).

Nachhaltigkeitsbericht der Uni Graz

Die Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit führt zunehmend auch zu sehr praktischen Umsetzungen im Hochschulbereich. So hat die Karl-Franzens-Universität Graz bereits 2005 ihren ersten Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht.

Auch der aktuelle Bericht von 2008 kann durchaus als Vorbild für andere Universitäten gelten. Er zeichnet sich besonders durch den breiten Ansatz aus, der die gesamte Universität umfasst und alle Bereiche aktiv miteinbezieht. So haben zum Beispiel die einzelnen Fakultäten jeweils ihren Zugang zum Leitbild der Nachhaltigkeit definiert. Dabei wird deutlich, welch umfassenden Organisations-Entwicklungsprozess eine gesamt-universitäre Nachhaltigkeitsorientierung darstellt. Ein hohes Maß an Überzeugung und Kooperationsbereitschaft ist von allen Beteiligten gefragt.

Insgesamt ist die Uni Graz dabei auf einem eindrucksvollen und sehr erfolgreichen Weg. Sie erhielt bei der Verleihung des Sustainability Award 2008 durch das österreichische Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gleich mehrere Preise für ihr Engagement beim Thema Nachhaltigkeit.

Die Nachhaltigkeitsberichte der Uni Graz können auf der folgenden Website heruntergeladen werden:
http://www.uni-graz.at/en/geo2www/geo2www_nachaltigkeitsberichte.htm

Campusgrün Herbstkongress

Auch in den Parteien spielen Fragen nachhaltiger Uni-Gestaltung weiter eine Rolle. So wird ‚Campusgrün‘, die Studierendenorganisation der Grünen, ihren diesjährigen Herbstkongress unter das Leitthema „Nachhaltige und klimagerechte Hochschule“ stellen. Es wird einen wissenschaftlichen Vortrag von Herrn Joachim Müller von der HIS zum Thema Nachhaltigkeit an Hochschulen geben und darauf aufbauend verschiedene Workshops, die sich vor allem mit der Erarbeitung von Zielen und konkreten Handlungsmöglichkeiten beschäftigen.

Den Link zur Veranstaltung finden Sie hier:
http://www.campusgruen.de/aktuelles/nachrichten/2916122.html

„Neue Leitbilder für die Hochschule“ – 100 Teilnehmer diskutieren in der Böll-Stiftung über die Potenziale einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ für die deutschen Hochschulen

Die am Dienstag (27.10.09) Abend von der Böll-Stiftung und der Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (VÖW) ausgerichtete Veranstaltung „Neue Leitbilder für die Hochschule. Nachhaltigkeit als Chance für die deutsche Wissenschaft?“ ist auf eine erfreuliche Resonanz gestoßen. Rund 100 Teilnehmer fanden den Weg in die Böll-Stiftung, um nach einem Eingangsstatement von Prof. Dr. Uwe Schneidewind (Autor der Studie „Nachhaltige Wissenschaft) mit Prof. Dr. Sascha Spoun (Präsident der Leuphana-Universität Lüneburg), Krista Sager (Stellvertretende Bundestags-Fraktionsvorsitzende der Grünen und ehemalige Hamburger Wissenschaftssenatorin), Dr. Thorsten Wilhelmy (Wissenschaftsrat) und Dr. Thomas Jahn (Leiter des Instituts für sozial-ökologische Forschung) unter Moderation von Thomas Korbun (Geschäftsführer des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und Vorstandsmitglied der VÖW) zu diskutieren.

Vier Leitfragen standen im Vordergrund der Debatte:
• Ist das Leitbild „Nachhaltige Wissenschaft“ bzw. einer „Nachhaltigen Hochschule“ wirklich eine Perspektive für deutsche Hochschulen? Oder greifen inhaltlich ausgerichtete Leitbilder für ganze Hochschulen zu kurz?
• Ist das Leitbild einer „Nachhaltigen Hochschule“ eher eine gezielte Nischenstrategie für wenige Hochschulen oder kann es prägenden Charakter für größere Teile des Wissenschaftssystems haben?
• Was bedeutet die thematische Orientierung für die Führung einer Hochschule oder Wissenschaftseinrichtung? Mit welchen Konflikten hat man zu rechnen?
• Wie lässt sich die Ausdifferenzierung der Leitbilder politisch flankieren?

Zu allen Fragen wurde auf dem Podium und mit dem Publikum kontrovers diskutiert:

Vorsicht vor der Kompensationsfalle
Nachhaltigkeit ist ein interessantes Profilierungsthemen für Hochschulen – es eröffnet die Chance zu wissenschaftlichen Antworten auf die großen Transformationsherausforderungen unserer Gesellschaft, es ist als Dach offen genug und daher anschlussfähig an andere Debatten (z.B. die regionale Ausrichtung von Hochschulen, eine Gender-Orientierung, eine stärker entwicklungspolitische Ausrichtung). Nachhaltigkeitsorientierung hat dabei Potenziale sowohl in der Forschung und der Lehre ….

In dieser Hinsicht waren sich die Podiumsteilnehmer einig. Kontroversen gab es aber über die Reichweite einer solchen Ausrichtung im deutschen Hochschulsystem. Im schlechten Fall wird die Nachhaltigkeitsorientierung zum Profilfeld einiger weniger Nischenhochschulen. Und dann droht die „Kompensationsfalle“ (Wilhelmy): eine oder einige wenige Hochschulen übernehmen die Abdeckung des Feldes und entlasten damit alle anderen, die sich nicht mehr um die Fragestellung zu kümmern brauchen. Eine Entwicklung, die sich z.B. im Bereich der Weiterbildung und des lebenslangen Lernens in anderen Wissenschaftssystemen beobachten lässt: eine spezialisierte Hochschule übernimmt die Funktion, die anderen fühlen sich nicht mehr betroffen.

Diese Gefahr wird nur zu überwinden sein, wenn deutlich wird, dass „Nachhaltigkeits-orientierung“ mehr ist als die Konzentration auf spezielle Themenfelder in Forschung und Lehre. Nur wenn erlebbar wird, dass transdisziplinäre Forschung und Lehre einen ganz neuen Modus der Wissensentwicklung bedeutet, der Hochschulen hilft, ihre Forschung und Lehre neu und breiter zu definieren, dann hat ein Leitbild Nachhaltigkeit eine umfassende Chance im deutschen Wissenschaftssystem. Um diese sicht- und erfahrbar zu machen, kann es sinnvoll sein, dass einige Hochschulen mit einer engagierten Nachhaltigkeitsausrichtung vorangehen und so Beispielgeber für das Gesamtsystem werden.


Zur doppelten Führungsfalle einer universitären Nachhaltigkeitsstrategie

Welche Herausforderungen es für eine Hochschulleitung bedeutet, eine Nachhaltigkeitsstrategie auf universitärer Ebene konsequent umzusetzen, das wurde in den Ausführungen von Sascha Spoun deutlich, der vor vier Jahren als neuer Präsident der Lüneburger Universität angetreten ist, um sie zu einer „Hochschule für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ zu entwickeln.

Thorsten Wilhelmy zeigte die zwei zentralen Hürden einer solchen Strategie auf:
1. Es gibt keine Tradition im deutschen Wissenschaftssystem, Hochschulen als institutionelle Akteure zu begreifen. Die gestärkte Macht und Autonomie der Hochschulleitungen, um gesamtuniversitäre Strategien zu befördern, ist mit einer unmittelbaren Einschränkung der Autonomie der einzelnen Hochschullehrerinnen und Fächer verbunden und wird daher als Bedrohung empfunden.
2. Es gibt eine zentrale Rolle der Disziplinarität im deutschen Wissenschaftssystem. Über die Disziplinen rekrutiert sich der Nachwuchs und entscheiden sich wissenschaftliche Karrieren. Isolierte Strategien einzelner Universitäten sind in Deutschland zusätzlich erschwert, weil der Hochschulwechsel für eine wissenschaftliche Karriere unabdingbar ist.

Wer als Hochschulleitung seine Hochschule als „Nachhaltigkeitshochschule“ positionieren will, kämpft damit gleich an doppelter Front: Er schränkt über eine institutionelle Strategie die Autonomie der Hochschullehrerinnen ein und bricht zudem mit dem Disziplinenprinzip.

Dies erfordert ein hohes Maß an Vision, Mut und Durchhaltekraft.

Umsteuern mit mehr als der „finanziellen Möhre“
Auch deswegen wurde intensiv darüber diskutiert, wie solche Prozesse in Hochschulen politisch unterstützt werden können.

Angesichts der Unterfinanzierung der deutschen Hochschulen ist Geld ein ganz zentrales Steuerungsmittel. Es erklärt auch, warum die deutschen Hochschulen so gleichgeschaltet der „finanziellen Möhre“ (Theresa Bauer) Exzellenzinitiative hinterhergelaufen sind. Krista Sager zeigte sich aus den eigenen Erfahrungen als Wissenschaftssenatorin optimistisch, dass Förderprogramme für mehr Nachhaltigkeitsforschung und Transdisziplinarität schnell entsprechendes Umdenken in Hochschulen auslösen können. Auch die bestehenden Steuerungsinstrumente (Zielvereinbarungen, indikatororientierte Mittelzuweisungen) ließen sich noch effektiver für eine entsprechende Umsteuerung in den Hochschulen nutzen.

Doch Geld wird angesichts der Überschuldung der öffentlichen Haushalte in den kommenden Jahren immer weniger vorhanden sein. Daher ist auch die Hoffnung auf entsprechende Bund-Länder-Programme unabhängig von den hohen Zustimmungshürden kaum realistisch. Auch vor dem Hintergrund gilt es einmal die nächste Runde der Exzellenzinitiative zu nutzen, die Türen für mehr transdisziplinäre Forschung zu öffnen (z.B. durch Einlösung der Transdisziplinaritätsanforderung an Graduiertenschulen, eine Lockerung des Standortprinzips und der Verpflichtung einer federführenden Hochschule sowie die Gewährleistung von Gutachterteams mit Erfahrung in transdisziplinärer Forschung).

Zum anderen ist nach Wegen zu mehr Nachhaltigkeitsorientierung jenseits umfassender staatlicher Förderprogramme zu suchen. Durch die Zivilgesellschaft und private Stifter initiierte Institutionen wie ein „Centrum für Nachhaltige Hochschulentwicklung“ oder ein „Stifterverand für eine Nachhaltige Wissenschaft“ (so zwei Vorschläge aus der Studie „Nachhaltige Wissenschaft“) könnten hier Wege sein.

Genauso wichtig ist es aber, das intrinsische Potenzial von Lehrenden und Studierenden für eine Umorientierung zu transdisziplinärer Forschung und Lehre zu nutzen. Nachhaltigkeit bietet neue Perspektiven und Befriedigung durch wissenschaftliche Tätigkeit durch ihren partizipativen Charakter und die Möglichkeit, Beiträge zu relevanten gesellschaftlichen Herausforderungen zu liefern. Dies können Wege sein, die Freude an Hochschule und wissenschaflticher Tätigkeit auch in Zeit leerer Kassen zu erhalten.

Den Schwung von unten nutzen, Studierende besser einbinden

Die Suche nach diesen intrinsischen Potenzialen rief eine sehr berechtigte Kritik aus dem Plenum hervor: die viel zu geringe Einbindung von Studierenden in die Debatte und auch auf das Podium der Veranstaltung.

Die Diskussion über Umorientierung zu mehr Nachhaltigkeit wird heute noch zu stark forschungsorientiert und aus der Perspektive von Hochschulleitungen geführt. Dabei haben sich prägende Ansätze transdisziplinärer Wissenschaft und Forschung häufig aus innovativen Lehrkonzepten entwickelt. Die Transdisziplinaritätsforschung an der ETH Zürich ist ein Beispiel dafür. Es sind auch oft Studierendeninitiativen, die die Brücken zwischen Forschung und Lehre und ganz konkret praktizierter Nachhaltigkeit an den Hochschulen (z.B. im Rahmen von Energieeinspar- oder Unisolarprojekten) leisten.

Die Möglichkeiten studentischen Engagements gilt es noch intensiver zu nutzen und zu eruieren. Daher stand am Ende der Veranstaltung der feste Vorsatz, eine der nächsten Hochschuldebatten der Böll-Stiftung unter das Thema studentischer Potenziale für eine nachhaltige Hochschule zu stellen und dann ein Podium zusammenzustellen, das mindestens zur Hälfte aus Studierenden besteht.

Was waren Ihre Eindrücke von der Veranstaltung? Diskutieren Sie mit und kommentieren Sie!

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Wissenschaftspolitik nach der Bundestagswahl – Erste Einschätzung und Weblinks

Forderungen aus dem Wissenschaftssystem an die neue Bundesregierung

Wenige Wochen nach der Bundestagswahl und im Hinblick auf den Abschluss der Koalitionsverhandlungen melden sich auch Vertreter aus dem Wissenschaftssystem bezüglich ihrer Wünsche und Erwartungen an die neue Bundesregierung zu Wort.

In den aktuellen Äußerungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) nehmen beinahe ausschließlich Forderungen nach mehr Geld eine zentrale Rolle ein. HRK-Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel hofft, dass die konsequente Förderung von Forschung und Lehre an den Universitäten in der neuen Haushaltspolitik Berücksichtigung findet. Die HRK weist besonders auf das angestrebte 10%-Ziel hin, welches den Anteil des Bruttoinlandsprodukts zur Investition in Forschung und Bildung ausmachen soll. Auch die DFG fordert, dass die Wissenschaft weiterhin eine finanzielle Priorität bleiben muss. Mögliche und wünschenswerte inhaltliche Ausrichtungen der zukünftigen Wissenschaftspolitik tauchen allerdings kaum auf.

Eine erfreuliche Ausnahme stellen diesbezüglich jedoch die Forderungen zum Ausbau der Energieforschung dar, wie zum Beispiel jene des ForschungsVerbund Erneuerbare Energien (FVEE). Konkret fordert dieser die Entwicklung einer High-Tech-Strategie für erneuerbare Energien und Energieeffizienztechnologien, basierend auf einer gezielten Förderung von Forschung, Innovation und Technologietransfer in diesem Bereich.

In der öffentlichen Debatte sind solche Forderungen jedoch eng an das Vorhaben der Koalitionspartner geknüpft, die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern. Außerdem richtet sich der Fokus sehr stark auf technologische Aspekte der Energieforschung. Hier wäre ein differenzierterer Blick in die Zukunft wünschenswert. Aus der Perspektive der bestehenden Nachhaltigkeitsherausforderungen ist die aktuelle Debatte eher ernüchternd. Es braucht dringend einen Dialog darüber, wie eine integrierte Förderung der Energieforschung aussehen muss, um alle Facetten einer umfassenden Transformation des Energiesystems zu beleuchten.

Schließlich bleibt zu hoffen, dass sich die neuen Regierungsparteien an ihre Versprechen vor der Wahl erinnern. So spielt z.B. die Förderung von Forschung und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung im Wahlprogramm der FDP eine wichtige Rolle.

Wichtige Links zur aktuellen Debatte finden Sie hier:

Forderungen des ForschungsVerbundes Energie
http://idw-online.de/pages/de/news339736

Forderungen der HRK im Rahmen der Koalitionsverhandlungen
http://idw-online.de/pages/de/news340060

„HRK-Präsidentin: Hochschulen erwarten Verlässlichkeit und Initiative von der neuen Bundesregierung“
http://www.hrk.de/95_5114.php

„DFG-Präsident Matthias Kleiner gratuliert Bundeskanzlerin zum Wahlausgang“
http://www.dfg.de/aktuelles_presse/pressemitteilungen/2009/presse_2009_49.html

Spiegel Online
„Koalitionsverhandlungen Arbeitsgruppe Bildung, Forschung und Innovation“
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,653453-11,00.html

„HRK: Zwölf Fragen an die Parteien vor der Bundestagswahl“
http://www.hrk.de/de/brennpunkte/5018.php

Position der FDP zum Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung
http://www.bne-portal.de/coremedia/generator/unesco/de/03__Aktuelles/12__Bundestagswahl/FDP.html

„Bildung und Forschung unter Schwarz-Gelb“
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/wissen_und_bildung/aktuell/2006856_Schwaches-Leuchten.html

„Was tut Schwarz-Gelb für die Universitäten?“
http://www.stern.de/politik/deutschland/koalitions-check-6-was-tut-schwarz-gelb-fuer-die-universitaeten-1514167.html

„Abbau von Fördermitteln für Solaranlagen/Investition der Zusatzgewinne durch Laufzeitverlängerungen von AKW in Förderung erneuerbarer Energien“
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,654775,00.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,654775,00.html

Aktuell beste Orte und Umfelder für eine transdisziplinäre Forschung

Was sind die aktuell besten Orte und Umfelder für eine transdisziplinäre Forschung in Deutschland? An welchen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Forschungsgemeinschaften wird transdisziplinäre Forschung heute schon praktiziert und aktiv gefördert?

Nennen Sie unter „Kommentar schreiben“ Beispiele oder stellen Sie die Ansätze aus Ihrer eigenen Institution vor.

Zurück zum Thema „Transdisziplinäre Forschung – Quo vadis?“ geht es hier.

16 für einen nachhaltigen Streich – eine Übersicht über die Nachhaltigkeitsorientierung in den Wissenschaftssystemen der 16 Bundesländer

Das Weblog „Nachhaltige Wissenschaft“ greift in regelmäßigen Abständen Schwerpunktthemen auf. Im ersten „Schwerpunkt“ geht es um den Stand einer „Nachhaltigen Wissenschaft“ in den 16 deutschen Bundesländern. Die Ausdifferenzierung des deutschen Wissenschaftssystems fordert nicht nur die Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen heraus, sich zu positionieren. Auch jede Landesregierung als die zentrale wissenschafts- und hochschulpolitische Instanz steht vor der Frage, mit welcher Form der Wissenschafts- und Hochschulpolitik sie ihr Land fit für das 21. Jahrhundert macht.

Der Aufbau transdisziplinärer Wissenschaftsstrukturen und die Ausrichtung an zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen kann dabei eine interessante Option sein, um im Profilwettbewerb der Länder den eigenen Wissenschaftsstandort für zukünftige Studierende und Wissenschaftler(inn)en attraktiv zu halten. „Nachhaltigkeit“ als ein übergeordnetes Wissenschaftsleitbild mit einem hohen Integrationspotenzial bietet hier vielfältige Chancen. Die Ausrichtung am Leitbild einer transdisziplinären Nachhaltigkeitswissenschaft hat alle Ingredienzien für eine zukunftsweisende Wissenschaftspolitik: Sie kann bestehende Forschungsspitzen aufgreifen und sie in einen gesellschaftlich relevanten Kontext einbetten, sie stärkt die gesellschaftliche Vermittlung von Wissenschaft, fördert die Integration zwischen Disziplinen und Hochschulen (insbesondere auch von unterschiedlichen Hochschultypen) sowie anderen wissenschaftlichen Einrichtungen. Sie integriert auf überzeugende Weise Forschung und Lehre. Der Blick auf die 16 Bundesländer zeigt, dass einige für eine solche Strategie hervorragende Voraussetzungen besitzen.

Die folgenden Blog-Beiträge zu den einzelnen Bundesländern sind bewusst kurz und provokant verfasst. Allein die Idee, dass einzelne Bundesländer ihre Wissenschaftspolitik an einzelnen gesellschaftlich relevanten Leitthemen ausrichten, ist an sich schon diskussionswürdig. All dies soll Sie zu Ergänzungen und Kommentierungen anregen.

Neben unmittelbaren Kommentierungen zu den einzelnen Beiträgen („Kommentar schreiben“) sind zu dem Thema ganz herzlich auch Gastbeiträge eingeladen. Wenn Sie einen eigenen Weblog-Beitrag zu Ihrem Bundesland oder der Diskussion insgesamt verfassen möchten, dann wenden Sie sich an die Weblog-Administration, damit Ihnen die entsprechenden Rechte eingerichtet werden. Wir freuen uns besonders über Beiträge mit kontroversen Positionen oder solchen, die neue Blicke auf die Debatte werfen.

Leiten Sie den Link auf die Weblog-Diskussion gerne an andere hochschulpolitisch interessierte Akteure in ihrem Umfeld weiter, um die Diskussion für einen breiten Kreis von Diskutaten zugänglich zu machen.

Hier die Übersicht über die Beiträge zu den einzelnen Bundesländern:
o Baden-Württemberg: „Erdrückt von Exzellenz“
o Bayern: „Wüste jenseits der TU München?“
o Berlin: „Wo bleibt die nachhaltige politische Kraft der Universitäten?“
o Brandenburg: „Advanced Studies als Motor?“
o Bremen: „Hoffnungsvoller Kandidat mit historischem Balast“
o Hamburg: „Potenziale – versunken in Konflikten“
o Hessen: „Ein Ökosystem spannender Davids“
o Mecklenburg-Vorpommern: „Meer- und Ökosystemforschung in schwierigem Umfeld“
o Niedersachsen: „Federführende Rolle mit fehlender politischer Integration“
o NRW: „Schwergewichte mit nur zarter Vernetzung“
o Rheinland Pfalz: „Perlen in schwierigem hochschulpolitischen Umfeld“
o Saarland: „Voran mit externer Förderung“
o Sachsen:“Flagschiff ohne Kontext“
o Sachsen-Anhalt: „Zu klein für Sustainability?“
o Schleswig Holstein: „Über die Meeresforschung den globalen Wandel verstehen“
o Thüringen: „Energie und Nachhaltigkeit nur im Grenzbereich“

Bayern: Wüste jenseits der TU München?

Transdisziplinarität und Nachhaltigkeitsorientierung spielen bisher keine wirklich wichtige Rolle in der bayrischen Wissenschaft und Wissenschaftspolitik. Es ist das Flagschiff der bayrischen Universitäten, die TU München, die auch in diesem Feld die prominentesten Zeichen setzt. Mit dem Campus Weihenstephan (Land- und Ernährungswissenschaft) sowie dem von der TU München mit initiierten Wissenschaftszentrum Straubing (Nachwachsende Rohstoffe) existieren zwei integrierte Standorte, die zeigen, wie zu ökologisch relevanten Themen disziplinen- und institutionen-übergreifend gelehrt und geforscht werden kann..

Daneben gibt es einzelne Ansätze zu nachhaltigkeitsrelevanten Themen auf hohem wissenschaftlichen Niveau – z.B. die Afrikaforschung in Bayreuth, die Arbeiten zu nachhaltiger Chemie an der Universität Regensburg oder das Engagement mehrerer Fachhochschulen in diesem Feld, ohne dass jedoch eine der Institutionen dies zu einem prägenden Strategieelement gemacht hätte. Gerade angesichts des „München-Bias“ in der bayrischen Wissenschaftspolitik liegt eventuell gerade hier ein spannendes Potenzial für einzelne der mittelgroßen Universitäten außerhalb Münchens – wenn nicht die „Unternehmeruniversität TU München“ mit ihrem „entrepreneurial spirit“ auch die gesellschaftlichen Zukunftsthemen des 21. Jahrhunderts wissenschaftlich früh besetzt.

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Baden Württemberg: Erdrückt von Exzellenz

Baden Württemberg ist als der eindeutige Sieger aus der Exzellenzinitiative vorgegangen. Vier der neun gekürten Eliteuniversitäten stammen von hier (Karlsruhe, Konstanz, Freiburg, Heidelberg). Angesichts dieser geballten Kraft klassischer wissenschaftlicher Exzellenz, haben es Perspektiven einer eher thematischen Ausrichtung des Wissenschaftssystems schwer – auch wenn an vielen der ausgezeichneten Universitäten starke Bereiche einer mindestens interdisziplinären Umweltforschung (z.B. am KIT, Karlsruhe oder dem Zentrum für Erneuerbare Energie (ZEE) an der Universität Freiburg) präsent sind.

Einige kleinere Hochschulen (z.B. die vom Stifterverband ausgezeichnete Fachhochschule Rottenburg) nutzen dies für ganz bewusste Nischenstrategien. Mit dem Öko-Institut Freiburg verfügt Baden Württemberg zudem über die Pionierinstitution im Bereich der nachhaltigkeits-orientierten freien Forschungsinstitute.

Man wird in den kommenden Jahren sehen, ob es bei solchen Nischenstrategien bleibt oder Baden-Württemberg außer Hochdeutsch wirklich alles kann – eben auch seine Spitzenforschung noch stärker auf die gesellschaftlichen Schlüsselherausforderungen des 21. Jahrhunderts hin auszurichten.

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Rheinland-Pfalz: Perlen in schwierigem hochschulpolitischen Umfeld

Rheinland Pfalz tut sich nicht leicht mit seiner hochschulpolitischen Positionierung. Die Ergebnisse der Exzellenzinitiative haben ernüchtert. Gerade zu einer Graduiertenschule an der Universität Mainz hat es gereicht. Wäre da eine stärkere gesellschaftsorientierte Ausrichtung des Wissenschaftssystems nicht eine interessante Alternative?

Einige „Perlen“ dafür besitzt das Land. Dazu gehört an prominenter Stelle der Umweltcampus Birkenfeld der Fachhochschule Trier unter Beteiligung der Universität Trier. Und auch in der TU Kaiserslautern spielen Nachhaltigkeitsbezüge über Fachgrenzen hinweg eine zentrale Rolle. Zudem hat sich die TU Kaiserslautern mit ihrem deutschlandweit führenden Weiterbildungangeboten schon früh gesellschaftlichen Belangen geöffnet.

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Hessen: Ein Ökosystem spannender Davids

Das wissenschaftliche Machtzentrum Hessens pocht in seinem Süden: Das bundesweit beachtete Autonomiemodell „TU Darmstadt“ und das Projekt der „Stiftungsuniversität Frankfurt“ haben die wissenschaftspolitische Kulisse Hessens in den letzten Jahren geprägt. Von den anderen hessischen Universitäten beeindruckte insbesondere die Universität Giessen in der Exzellenzinitiative mit dem Gewinn eines Exzellenzclusters und einer Graduiertenschule (und war damit ähnlich erfolgreich wie Frankfurt und Darmstadt). Zudem erregte hier die Zusammenlegung und Privatisierung der Universitätskliniken Giessen und Marburg Aufsehen.

In dieser Kulisse klassisch wissenschaftlicher Goliaths hat sich eine aus Nachhaltigkeitsperspektive erfreuliche kleine Schar von „Davids“ herausgebildet. Bei den Universitäten gehört dazu an vorderster Front die Universität Kassel, die seit 2004 eine prononcierte Umweltstrategie verfolgt und dafür sogar eine eigene Vizepräsidentenposition geschaffen hat. Zudem verfügt Hessen über bundesweit führende freie Forschungsinstitute im Feld: dazu gehören neben dem Öko-Institut Darmstadt insbesondere das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) – eine der Vordenker-Institutionen für die Standards transdisziplinärer Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland.

Auch wenn eine Nachhaltigkeitsausrichtung (trotz einiger interessanter Potenziale gerade an der TU Darmstadt und der Universität Frankfurt) auch mittelfristig keine dominante Strategie für Hessen werden wird, so wäre es in jedem Fall eine Chance, die interessanten Pionier-Institutionen in Hessen auch im Rahmen der prononcierten Nachhaltigkeitsstrategie der Landesregierung im Blick zu behalten.

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Saarland: Voran mit externer Förderung

Das Saarland ist das Bundesland mit der kleinsten Hochschullandschaft aller Bundesländer. Verstärkt durch seine Randlage erfüllen die wenigen Hochschulen zudem einen wichtigen allgemeinen Bildungs- und Wissenschaftsauftrag, der eine inhaltlich zu begrenzte Ausrichtung verbietet.

Im Hinblick auf eine Nachhaltigkeits-Orientierung verfügt das Land aber mit der in Saarbrücken ansässigen ASKO-Europa-Stiftung (hervorgegangen aus der Metro-Gruppe) über einen der bundesdeutschen wichtigen privaten Motoren für eine stärkere Nachhaltigkeits-Orientierung im Wissenschaftssystem. Ein konkretes Ergebnis ist die im Jahr 2009 eingerichtete Nachhaltigkeits-Stiftungsprofessur der Stiftung an der Universität Saarbrücken. Dass aktuell einer der deutschland-weit führenden Umweltpsychologen die Uni Saarbrücken führt verspricht zudem Offenheit für eine weiteren Ausbau des Themas. Angesichts der Saarbrücker Stärken in der Informatik wäre z.B. Fragen einer „Nachhaltigen Informationsgesellschaft“ ein spannender Themenkandidat für ein Bundesland, das sich gerade im industriestrukturellen Wandel befindet.

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NRW: Schwergewichte mit nur zarter Vernetzung

Als größtes Bundesland verfügt Nordrhein-Westfalen auch über die größte und ausdifferen-zierteste Landschaft an Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland. Neben der im technischen Bereich dominierenden RWTH Aachen (der einzigen in der Exzellenzinitiative ausgezeichneten „Eliteuniversität“ in NRW) sind die fachlichen Schwerpunkte und Profilspitzen relativ gleichmäßig über das Bundesland verteilt. Allein schon aufgrund der Masse der Wissenschaftseinrichtungen existiert eine umfassende Wissenschaftssubstanz auch in Nachhaltigkeits-relevanten Themenfeldern: Dazu gehört z.B. eine profilierte (regenerative) Energieforschung (z.B. an der RWTH Aachen, dem Forschungszentrum Jülich).

Keine der vielen Hochschulen in NRW hat jedoch bisher eine Umwelt- oder Nachhaltigkeitsorientierung zu einem dominanten Strategieschwerpunkt gemacht – auch wenn es an einzelnen Universitäten dazu erste Ansätze gibt, wie z.B. an der Universität Duisburg-Essen (bei der eines der Präsidiumsmitglieder, Prof. Ute Klammer, aktuell auch Mitglied des deutschen Nachhaltigkeitsrates ist).

Angesichts der existierenden Substanz in NRW könnte das Land –auch wenn eine solche Ausrichtung für so großes Bundesland keine dominierende Prägung des Wissenschaftssystem sein kann – durch noch bessere Vernetzung eine führende Rolle nachhaltigkeitsorientierter Wissenschaft in Deutschland spielen. Auch über die prädestinierten Vordenker- und Vernetzer-Institutionen für eine solche Vision- wie z.B. das Wuppertal-Institut für Umwelt, Energie und Klima verfügt NRW längst.

Die 2009 gestartete „Bonn Sustainability Alliance“ (wissenschaftliche insbesondere durch die FH Bonn Rhein-Sieg getragen) zeigt, dass auch andere Akteure in NRW in Richtung einer solchen Vernetzung denken.

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Niedersachsen: Federführende Rolle mit fehlender politischer Integration?

Niedersachsen kann aktuell als das Zentrum einer Nachhaltigkeitsorientierung im deutschen Wissenschaftssystem betrachtet werden. Es verfügt mit der Universität Oldenburg und insbesondere der Universität Lüneburg über zwei Universitäten, die sich in den letzten Jahren gezielt strategisch im Hinblick auf eine transdisziplinäre Nachhaltigkeitsforschung hin ausgerichtet haben. Zudem bestehen umfassende Zentren einer interdisziplinären Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung auch an anderen Hochschulen wie der Universität Göttingen (Öko-Systemforschung, Klimafolgenforschung), der Universität Osnabrück (Umwelt-Systemanalyse), der TU Clausthal, der Universität Hannover (regenerative Energieforschung) oder der TU Braunschweig (Verkehrs- und Mobilitätsforschung).

Hinzu kommt, dass die Themenfelder „Regenerative Energien, insb. Windenergie“ sowie „Klimaschutz- und Anpassung“ für Niedersachsen als Küstenland von zentraler Bedeutung für die weitere (ökonomische) Landesentwicklung sind. Mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU, Osnabrück) und der VW-Stiftung (Hannover) ist Niedersachsen zudem Sitzland zwei der potentesten Wissenschaftsstiftungen, die gleichzeitig zentrale Schwerpunkte im Bereich der umweltbezogenen Forschungsförderung (insb. DBU) besitzen.

Trotz dieser herausragenden Ausgangsbedingungen ist die Nachhaltigkeitsorientierung kein dominantes Moment der niedersächsischen Wissenschaftsstrategie. Dabei würde gerade hierin eine gewaltige Positionierungschance gegenüber den wissenschafltlich und wirtschaftlich starken „Südländern“ liegen – getreu der Perspektive: der Norden forscht und lehrt schon fürs „Übermorgen“.

Im Kontext der unterschiedlichen politischen Klima- und Nachhaltigkeitsaktivitäten des Landes (Regierungskommission Klimaschutz, Nachhaltigkeitsallianz) ließe sich evtl. eine „Lower Saxony Sustainable Science Center“ initiieren, das die hervorragenden Potenziale des Landes noch besser koordiniert.

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Schleswig-Holstein: Über die Meeresforschung den globalen Wandel verstehen

Trotz seiner geringen Größe und schwierigen finanziellen Situation des Landes schnitten die Schleswig Holsteiner Universitäten bei der Exzellenzinitiative sehr gut ab: Mit zwei Exzellenzclustern und einer Graduiertenschule war die Universität Kiel neben Bremen die erfolgreichste norddeutsche Universität. Daneben gelang der Universität Lübeck die Einwerbung eines Exzellenzclusters im Bereich der Medizininformatik.

Das besondere des Kieler Erfolges: Mit dem Cluster „Ozean der Zukunft“ zur Meeresforschung wurde eines der wenigen Cluster mit unmittelbaren Nachhaltigkeitsbezug bewilligt, das in sich auch interdisziplinäre Bezüge trägt (z.B. enge Zusammenarbeit mit der Ökonomie). Schleswig Holstein besitzt hier in der Kombination der Universität und der angesiedelten außeruniversitären Einrichtungen (IFM Geomar, Institut für Weltwirtschaft) einen prominenten Nachhaltigkeitschwerpunkt. Dazu kommen relevante Forschungspotenziale zu regenerativen Energien (u.a. an der Universität Flensburg), die eng gekoppelt sind mit der wirtschaftlichen Bedeutung, die insbesondere die Windindustrie für Schleswig Holstein bedeutet.

Kurzum: Lauter Argumente für eine noch aktivere Nachhaltigkeitsausrichtung für die Schleswig-Holsteinische Wissenschaftspolitik!

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Hamburg: Potenziale – versunken in Konflikten?

Hamburg wäre eigentlich ein idealer Standort für eine nachhaltigkeits-orientierte Wissenschaftsstrategie: Weltweit führend in der Klimaforschung (und hier auch mit einem Exzellenzcluster an der Universität Hamburg ausgezeichnet), zudem viele wissenschaftliche Potenziale, die die globale Vernetzung der Hafenstadt Hamburg spiegeln – von Afrikastudien bis zur globalen Logistik. Zudem verfügt die Stadt mit der neu gegründeten Hafen City University (HCU) über eine der wenigen deutschen Universitäten, die sich konsequent an einem inhaltlichem Schwerpunkt (den Perspektiven und der Entwicklung von Metropolen) ausrichtet ist und dieser Schwerpunkt mitten im Kern der Nachhaltigkeitsfrage liegt.

Jedoch leidet die Stadt seit vielen Jahren unter Konflikten, die ihr Potenzial erheblich schwächen – Konflikten innerhalb der Universität, die erst vor wenigen Monaten im erzwungenen Rücktritt der Präsidentin gipfelten, Rivalitäten zwischen den unterschiedlichen Hochschulen , und Streitpunkten zwischen Hochschulen und Landesregierung.

Gerade für einen schwarz-grünen Senat würden in einer zukunftsgewandten Entwicklung des Wissenschaftsstandortes interessante Potenziale zur Profilierung des Landes Hamburg liegen. Es ist zu hoffen, dass dies in Zukunft in enger Zusammenarbeit mit den Hochschulen gelingt.

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Bremen: Bremen Hoffnungsvoller Kandidat mit historischem Ballast?

Bremen war der große Überraschungskandidat der ersten Runde der Exzellenzinitiative: Da stand die ehemalige „rote Kaderschmiede“ kurz davor in den Kreis der deutschen Eliteuniversitäten zu gelangen. Auch wenn es am Ende knapp nicht zur Förderung Zukunftskonzeptes gereicht hat, so war die Universität Bremen mit einem Exzellenzcluster und zwei Graduiertenschulen neben Kiel und Göttingen die erfolgreichste norddeutsche Universität im Wettbewerb.

Das Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule sind in der weltweit führenden Bremer Meeresforschung angesiedelt – einem für den Klimawandel wichtigsten globalen Öko-Systeme. Mit dem Alfred Wegener Institut (AWI) verfügt das Land zudem über eines der weltweit führenden außeruniversitären Institute in der Meeresforschung. In den letzten Jahren wurde der Bereich der Windenergiewirtschaft und –forschung konsequent in Bremen ausgebaut und war die Entscheidung der Bundesregierung, Bremerhaven in enger Kooperation mit den Universitäten Oldenburg und Hannover im Rahmen des Aufbaus eines neuen Fraunhofer-Institutes zum zentralen nationalen Windenergieforschungsstandort zu machen, nur konsequent. An der Universität Bremen wird die naturwissenschaftlich und technische Forschung dabei schon lange mit sozialwissenschaftlichen Bezügen verknüpft – hier hilft Bremen, dass es auch einer der führenden sozialwissenschaftlichen Forschungsstandorte ist – ebenfalls ausgezeichnet mit einer Graduiertenschule.

Dazu kommen in Bremen zwei Fachhochschulen (die Hochschule Bremen und die Hochschule Bremen), in denen Fragen der Nachhaltigkeit in Forschung und Lehre schon lange eine wichtige Rolle spielen. Die private Jacobs University, Deutschlands einzige Privat-Universität mit einer signifikant ausgebauten Ingenieurwissenschaft und enger Kooperationspartner der Universität Bremen in der Exzellenzinitiative, überlegt aktuell, ihr Wissenschaftsprofil noch konsequenter an den zentralen globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts auszurichten.

All das kombiniert mit einem rot-grünen Senat, in dem u.a. auch ein profilierter Umweltwissenschaftler als Senator sitzt, müssten Bremen eigentlich zur Wissenschaftshauptstadt der Nachhaltigkeit in Deutschland machen. Doch ein zu offensives Bekenntnis dazu gibt es nicht. Steckt die unbegründete Sorge dahinter, plötzlich als die „grüne Kaderschmiede der Republik“ stigmatisiert zu werden?

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Berlin: Wo bleibt die Nachhaltige Politische Kraft der Universitäten?

Berlin hat mit der FU Berlin, der Humboldt-Universität und der Technischen Universität Berlin drei große Universitäten, deren Politik und Management der letzten Jahre insbesondere durch massive Einsparprogramme gekennzeichnet waren – Folge des überschuldeten Landeshaushaltes der Bundeshauptstadt. Proaktive Wissenschaftspolitik fällt dadurch alles andere als leicht, Rivalitäten um knappe Ressourcen sowie Dauerkonflikte mit der Landesregierung, insbesondere dem Finanzsenator prägen dann schnell das Bild eines Wissenschaftsstandortes.

Dabei sind die Universitäten und Hochschulen in hohem Masse potent, mit der FU Berlin war eine der Berliner Universitäten als Eliteuniversität erfolgreich, insgesamt gingen vier Exzellenzcluster und sieben Graduiertenschulen an die Berliner Universitäten.

Gerade für die Wissenschaftseinrichtungen in der Bundeshauptstadt ist das Vorleben einer gesellschaftsoffenen und –orientierten Wissenschaft eine besondere Herausforderung. Im Themenfeld „Nachhaltigkeit“ sind die Voraussetzungen in Berlin dafür durchaus sehr gut. Die Technische Universität Berlin hat die meisten ihrer Forschungsschwerpunkte in Themenfeldern unmittelbarer Nachhaltigkeitsrelevanz (Energie, Wasser, Verkehr/Mobilität, Gestaltung von Lebensräumen, Ernährung/Gesundheit). Mit freien Instituten wie dem Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), dem IZT oder Ecologic sitzen wichtige ökologische Vordenkereinrichtungen der freien Institutslandschaft in Berlin, mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW, Mitglied der Leibnizgemeinschaft) das der führenden Wirtschaftsinstitute mit einer profilierten umweltwirtschaftlichen Abteilung. Einige der Berliner Fachhochschulen wie die FHW oder FHTW waren früh Vorreiter der Ökologie- und Nachhaltigkeitsdebatte und mit privaten Hochschulen wie der Hertie School of Governance verfügt Berlin über weltweit führende Wissenschaftseinrichtungen für die globale politische Steuerung, die zunehmend von Nachhaltigkeitsthemen bestimmt ist.

Die Wissenschaftslandschaft der Bundeshauptstadt bringt mithin alles mit, um eine nationale Politik wissenschaftlich zu unterstützen, die den Anspruch erhebt, international in Nachhaltigkeitsfragen federführend zu sein. Dazu sollte sich die Berliner Wissenschaftspolitik noch aktiver bekennen.

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Mecklenburg-Vorpommern: Meer und Ökosystemforschung in schwierigem Umfeld

Mecklenburg-Vorpommern befindet sich in keiner leichten hochschulpolitischen Situation: Bei einem äußerst angespannten Landeshaushalt besitzt es mit Greifswald und Rostock zwei der traditionsreichsten deutschen Universitäten in räumlicher Nähe, die beide zudem über eine eigene Universitätsmedizin verfügen.

In den letzten Jahren ist es in Greifwald und Rostock gelungen, den Anspruch, breit aufgestellte Volluniversität zu sein, abzuschwächen zugunsten einer Herausbildung von übergreifenden Schwerpunkten. Nachhaltigkeits-orientierte Themen spielen dabei eine wichtige Rolle. So hat die Universität Rostock ihre gesamte Forschung in drei interdisziplinären „Profillinien“ organisiert, von denen die Linien „Maritime Systems“ sowie „Aging Science and Humanities“ viele Nachhaltigkeitsbezüge aufweisen. In Greifswald ist die Ökosystemforschung in hohem Maße interdisziplinär aufgestellt und vereint z.B. das „Institut für Botanik und Landschaftsökologie“ Arbeitsgruppen aus der Biologie, der Ökonomie und der Umweltethik.

Die Leitfunktion, die der Umwelt- und Nachhaltigkeitsbezug bei der Herausbildung von universitätsweiten Schwerpunkten an den Universitäten in Mecklenburg-Vorpommern hat, gilt es durchaus noch deutlicher bundesweit herauszustellen und damit die entsprechenden Prozesse an den Universitäten selber zu stärken.

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Brandenburg: Advanced Studies als Motor?

Für das Land Brandenburg ist der Wissenschaftsstandort Potsdam von zentraler Bedeutung. Neben der Universität selber befindet in Potsdam eine große Zahl bedeutender nationaler außeruniversitärer Forschungseinrichtungen. Alle profitieren von der Nähe zur Bundeshauptstadt und deren Wissenschaftseinrichtungen. Die Universität Potsdam hat diese Potenziale erkannt und setzt mit dem „Potsdam Research Network (PEARLS)“ auf eine Netzwerkstrategie der Potsdamer Wissenschaftseinrichtungen.

Mit dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist eines der weltweit führenden und hoch interdisziplinär arbeiten Forschungsinstitute im Feld der Klima- und Nachhaltigkeitsforschung vertreten. Das im Jahr 2009 gestartete und von der Bundesregierung geförderte „Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS)“ unter Leitung von Klaus Töpfer soll zum Think-Tank für die globalen Vordenker von Nachhaltigkeitsstrategien werden. Damit befinden sich zwei der Leuchtturminstitutionen der deutschen Nachhaltigkeitsforschung in Brandenburg.

Und auch über Potsdam hinaus finden sich Nachhaltigkeitsansätze in der brandenburgischen Wissenschaft. Die Fachhochschule Eberswalde hat sich in Ihrer Leitorientierung der „Nachhaltigen Entwicklung des ländlichen Raumes“ verpflichtet und kann als eine der führenden Nachhaltigkeits-Fachhochschulen in Deutschland gelten. Die TU Cottbus hat zentrale Schwerpunkte in der Energie- und Umweltforschung und dort auch ihren einzigen Sonderforschungsbereich angesiedelt („Strukturen und Prozesse der initialen Ökosystementwicklung in einem künstlichen Wassereinzugsgebiet“).

Durch seine Leuchtturminstitutionen hat Brandenburg mithin heute schon eine führende Stellung in einer nachhaltigkeits-orientierten Wissenschaft. Dieses „Pfund“ sollte das Land noch aktiver spielen, gerade weil es in den letzten beiden Runden der Exzellenzinitiative leer ausgegangen ist.

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Sachsen: Flagschiff ohne Kontext

Von den neuen Bundesländern erzielte Sachsen das beste Ergebnis in der Exzellenzinitiative. So gewann die TU Dresden jeweils ein Exzellenzcluster und eine Graduiertenschule, nach Leizpzig ging eine Graduiertenschule. Beide großen Universitäten des Landes Sachsen sind „klassisch“ aufgestellt, Fragen der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung nur von vereinzelter Bedeutung.

Dadurch bestehen auch wenige Anknüpfungspunkte zum eigentlichen Flagschiff der sächsischen Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung, dem Umweltforschungszentrum Leipzig. Als Institut der Helmholtz-Gemeinschaft mit ca. 900 Mitarbeitern ist es mit die bedeutendste Umweltforschungseinrichtung in Deutschland und verfügt neben seinen vielen naturwissenschaftlich-technischen Arbeitsgebieten auch über eine große sozialwissenschaftliche und ökonomische Arbeitsgruppe. Seine Vernetzung ist auch weit über das Bundesland Sachsen hinaus angelegt, was auch durch die Außenstandorte in Halle und Magdeburg zum Ausdruck kommt.

Eine sächsische Perle einer sehr international ausgerichteten Umweltforschung ist das 1993 mit universitären Status eingerichtete Internationale Hochschulinstitut Zittau (IHI), das sowohl in Forschung als auch in Lehre vielfältige umwelt- und nachhaltigkeitsbezogene Schwerpunkte mit seinen mitteleuropäischen Partnerinstituten betreibt.

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Sachsen-Anhalt: Zu klein für Sustainability?

Gerade die kleinen neuen Bundesländer stehen vor dem Problem, überhaupt eine ausreichend leistungsfähige Forschungs- und Wissenschaftsinfrastruktur in ihren Bundesländern bereitszustellen. Dies nimmt dann schnell auch die Möglichkeiten für eine landesweite thematische Profilbildung, da insbesondere in der Ausbildung eine gewisse Breite der Grundversorgung sichergestellt sein muss. Sachsen-Anhalt ist ein Beispiel für eine solche Konstellation. Keine der beiden Universitäten Magdeburg und Halle konnte sich mit einem Antrag in der Exzellenzinitiative durchsetzen. Bei den Schwerpunktbereichen der Hochschulen in Sachsen-Anhalt spielen Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte kaum eine Rolle, andere Themen dominieren.

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Thüringen: Energie und Nachhaltigkeit nur im Grenzbereich

Das Land Thüringen positioniert sich als ein dynamischer Technologiestandort, die Hochschulen spielen dabei eine wichtige Rolle. Gerade um die Universitäten Jena und die TU Ilmenau herum ist ein umfassender Technologietransfer entstanden. Auch wenn Umwelttechnologien einen Baustein in dieser Strategie darstellen, sind diese Themenfelder nicht dominant. Gerade angesichts der wachsenden Bedeutung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsherausforderungen könnte dieses Themenfeld an Bedeutung gewinnen und würde auch Integrationsmöglichkeiten in die nicht technischen Bereiche der thüringischen Wissenschaftslandschaft bieten.

Die Fachhochschule Nordhausen zeigt dabei in einem vom Stifterverband ausgezeichneten Konzept, wie man durch intelligente Kooperation über die Ländergrenzen hinweg (hier mit der TU Clausthal in Niedersachsen) zu größeren Verbünden in der Umwelt- und Energieforschung kommt.

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Diskussionspapier „Die Universität zukunftsfähig gestalten“ von Rolf Kreibich

Rolf Kreibich, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) in Berlin hat ein pointiertes Diskussionspapier „Die Universität zukunftsfähig gestalten“ vorgelegt. Rolf Kreibich ist Mitglied der „Gruppe 2004“ und Mit-Autor des Memorandums „Die Hochschule neu denken“ aus dem Jahr 2004. Mit seinem Diskussionsbeitrag entwickelt er einige der Ideen des Memorandums provokant weiter. Insbesondere seine Ideen zur (Re-) Demokratisierung der Hochschulen, um gesellschaftlichen Herausforderungen besser gerecht zu werden, sind lesens- und diskussionswert.

Weissbuch „Zukunft Bildung Schweiz“ der schweizerischen Akademien der Wissenschaften

Die schweizerischen Akademien der Wissenschaften haben gerade das Weissbuch „Zukunft Bildung Schweiz“ vorgelegt und entwickeln darin eine Vision 2030 für das schweizerische Bildungssystem und eine Roadmap zur Erreichung dieser Vision (Download des Weissbuches). Eindrucksvoll ist neben dem integrierten Charakter des Ansatzes, der alle Bildungsstufen von der Vorschule bis zur Hochschule umfasst, die Tatsache, dass auch das Leitbild „Nachhaltigkeit“ sowohl bei den Randbedingungen (S. 8/9) als auch beim Szenario 2030 (S. 17/18) eine wichtige Rolle spielt. Die Entwicklung eines solchen Weissbuches für Deutschland wäre eine interessante Herausforderung – stellt sich die Frage, wer angesichts der föderalen Zuständigkeit Autor eines solchen Denkanstosses sein könnte/sein sollte.